Pirelli Scorpion MTB Reifen im Test: Hightech für den Trail?

Pirelli - die italienische Traditionsmarke wird weltweit vor allem mit hochkarätigen Automobilreifen assoziiert. Wusstet ihr, dass der allererste Pirelli-Reifen ein Fahrradreifen war? Dabei hat sie ihre Wurzeln im Radsport: 1894 wurde in der italienischen Schmiede der erste Fahrradreifen hergestellt. Auch wenn man den Ausrüster der Formel 1 heute eher in Boxengassen als auf Singletrails zu sehen bekommt, mischt Pirelli längst wieder auf losem Untergrund mit: Mit der Scorpion MTB-Reihe wollen die Italiener beweisen, dass sie nicht nur auf Asphalt schnell können.

Doch wie viel Hightech und Motorsport-Know-how steckt heute in den Gummis für den Trail? Können die Pirelli Scorpion MTB-Reifen mit den Platzhirschen der Szene mithalten - oder sind sie ein Exot für Liebhaber italienischer Ingenieurskunst? Wir haben nicht nur die verschiedenen Modelle unter die Stollen genommen, sondern erklären euch auch das durchaus verwirrende Line-up, die unterschiedlichen Reifentypen, Karkassen und Gummimischungen.

Pirelli Scorpion MTB Reifen: Karkassen im Detail

Im Mountainbike-Portfolio von Pirelli stehen sechs unterschiedliche Karkassen-Varianten zur Wahl: LITE, ProWALL, HardWALL, HyperWALL, DualWALL und DualWALL+ sollen das komplette MTB-Einsatzspektrum abdecken - von effizientem Cross-Country bis hin zum kompromisslosen Downhill. Um welche der Karkassen es sich handelt, kann über die Beschriftung der Reifenflanke abgelesen werden.

LITE-Karkasse

Die LITE-Karkasse ist für niedrigen Rollwiderstand und niedriges Gewicht entwickelt und findet ausschließlich in den Scorpion XC-Reifen Verwendung. Die 120 TPI-Gewebekonstruktion ohne zusätzlichen Seitenwandschutz ist für den Trail- und Enduro-Einsatz jedoch nicht geeignet.

ProWALL-Karkasse

Im Gegensatz zur LITE-Karkasse bietet die ProWALL-Karkasse einen Seitenwandschutz aus einer Nylonschicht sowie eine Gewebedichte von 60 TPI, die dem Reifen nicht nur robuster gegen Schnitte und Durchstiche machen, sondern den Reifen auch Stabilität bei niedrigem Luftdruck verleihen soll.

HardWALL-Karkasse

Die für den Trail und Enduroeinsatz vorgesehene HardWALL-Karkasse mit ebenfalls 60 TPI Gewebedichte bietet eine Schutzeinlage von Wulst zu Wulst, um auch aggressiveren Fahrstilen und höheren Fahrergewichten gerecht zu werden. Außerdem soll ein Hartgummi-Einsatz in der Seitenwand dem Reifen noch mehr Stabilität bei niedrigem Luftdruck verleihen und Schäden durch Quetschungen verhindern. HardWALL-Karkassen sind ca. 100 Gramm schwerer als ProWALL-Karkassen, Reifen mit HardWall-Karkassen gehören aber dennoch zu den leichtesten im Testfeld.

Das hat allerdings auch zur Folge, dass der Pannenschutz gering ausfällt. Auch beim Durchstichtest der Lauffläche bietet die HardWALL vergleichsweise wenig Pannenschutz. Beim Durchschlagtest liegt die HardWALL-Karkasse im unteren Bereich des Testfelds, in etwa auf einem Niveau mit der EXO-Karkasse von MAXXIS oder der Trail-Karkasse von Specialized.

HyperWALL-Karkasse

Die HyperWALL-Karkasse wurde speziell für die Anforderungen von E-MTBs entwickelt. Laut Pirelli soll die Karkasse für das hohe Drehmoment und die hohe Gewichtsbelastung von E-Mountainbikes konzipiert sein. Das Geheimnis dahinter? Eine dicke Gummieinlage, die mit einer Gewebelage fest mit dem Wulst verbunden ist, soll diesen besonders stabil machen.

Pirelli will damit eine Lösung gefunden haben, dass der Reifen eine ähnliche Stabilität erhält wie ein Downhill-Reifen, gegenüber diesen aber deutlich leichter ist - konkret etwa 200 Gramm weniger, wie die Waage in unserem Test verriet. Im Durchschlagtest des Labortest hat sich die HyperWALL-Karkasse deutlich robuster als die HardWALL-Karkasse erwiesen, bringt gegenüber dieser dafür aber auch ein Mehrgewicht von etwa 300 Gramm mit sich. Mit 460 mm durchschnittlicher Fallhöhe beim Durchschlagtest liegt die HyperWALL-Karkasse diesbezüglich ziemlich genau im Mittelfeld aller getesteten Reifenmodelle.

DualWALL- und DualWALL+-Karkasse

Mit der DualWALL zielt Pirelli auf den besonders harten Enduro-(Renn-)Einsatz ab. Wie der Name bereits verrät, werden hier zwei Karkassenlagen übereinandergeschichtet, was in Kombination mit einem per Gummieinlage verstärkten Wulst für besonders hohen Pannenschutz sorgen soll. Die Gewebedichte der zwei Einlagen beträgt 120 TPI. Auch die DualWALL+ Karkasse besteht aus zwei Karkassenlagen, die im Gegensatz zur DualWALL aber in der gröberen 60 TPI-Gewebedichte ausgeführt sind.

Das macht die DualWALL+ zur robustesten Karkasse im Pirelli MTB-Portfolio, allerdings bringt sie aber auch viel Gewicht auf die Waage. Beim Durchschlagschutz bestätigt sich das: Mit 520 mm Fallhöhe liegt die DualWALL+ oberhalb des Durchschnitts, wird jedoch von den DH-Karkassen von MAXXIS, Specialized oder Schwalbe, die alle sogar leichter sind, nochmals deutlich übertroffen.

Die Gummimischungen der Pirelli Scorpion Reifen

Für den Mountainbike-Bereich gibt es bei Pirelli drei unterschiedliche Gummimischungen. Im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern setzt Pirelli ausschließlich auf Monomischungsformeln, d. h., das Profil besteht gesamtheitlich aus einer homogenen Gummimischung. Das soll für eine konstante Performance während der Abnutzung führen.

  • SmartGRIP Compound: Das SmartGRIP Compound ist die härteste Mischung bei Pirelli, die sowohl im Trockenen als auch bei Nässe funktionieren soll. Wir können die Mischung nur am Hinterrad empfehlen, wo man vom niedrigen Rollwiderstand profitiert, wenn man kleine Abstriche in der Trail-Performance eingehen kann.
  • SmartGRIP Gravity: Auch SmartGRIP Gravity ist eine Monomischungsformel, die allerdings im Gegensatz zum SmartGRIP Compound weicher ausfällt und damit deutlich mehr Grip liefern soll.
  • SmartEVO DH Compound: Das SmartEVO DH Compound stellt die weichste Mischung bei Pirelli dar, kommt nur bei Reifen der „Scorpion Race“-Kategorie zum Einsatz und ist ausschließlich für den abfahrtsorientierten Renneinsatz konzipiert. Entsprechend muss man sich im Klaren sein, dass die Verwendung am Hinterrad zwar funktioniert, euch aber bergauf wegen des deutlich höheren Rollwiderstands ordentlich ins Schwitzen bringt.

Die Modellbezeichnungen der Pirelli Scorpion Reihe

Pirelli verwendet bei der Benennung der Fahrradreifen Namensgebungen, die aus dem Automobilbereich bekannt sind. So zieren die Reifenflanken traditionsreiche Namen wie PZero, Cinturato oder Scorpion - letzterer beschreibt alle Profile, die für den Mountainbike-Einsatz konzipiert sind. Der Name hinter der Scorpion-Bezeichnung gibt euch Aufschluss über den Einsatzbereich, für den das Team von Pirelli den Reifen vorsieht (XC, Trail, Enduro, DH & E-MTB). Zudem tragen einige Modelle den Zusatz „Race“, was klarstellen soll, dass die Reifen auch den härtesten Wettkampfbedingungen standhalten. Diese Bezeichnung findet Einsatz bei allen Downhill-Reifen sowie einigen Enduro-Modellen. Die letzte Stelle der Modellbezeichnung hat eine individuelle Bedeutung.

Eine weitere Besonderheit ist, dass bei einigen Modellen entweder eine Tanwall-Ausführung - Pirelli nennt dies „Classic“ - wählbar ist, die mit beige-braunen Seitenwänden kommt. Oder es kann die Farbe der Reifenschrift variiert werden. Letzteres ist ein Feature, das wir nur bei Pirelli vorgefunden haben und das den ein oder anderen sicherlich freuen wird, da ihr so die Reifen individuell mit der Optik eures Bikes abstimmen könnt.

Die einzelnen Modelle im Überblick

Pirelli Scorpion Enduro M

Der Pirelli Scorpion Enduro M stellt den Allrounder im Pirelli Enduro-Segment dar, der unter allen Bedingungen abliefern soll. Den Enduro M erhaltet ihr ausschließlich mit der ausgewogenen SmartGRIP Gravity-Mischung. Bei den Karkassen überlässt euch Pirelli die Wahl zwischen der leichteren ProWALL und der robusteren, von uns getesteten HardWALL. Als leichtester Reifen im gesamten Test mit nur 982 Gramm können beim Pannenschutz keine Wunder erwartet werden. Beim Grip liefert der Scopion Enduro M jedoch ein solides und berechenbares Verhalten, bleibt jedoch in der Abfahrts-Performance hinter der grobstolligeren Konkurrenz zurück. Verfügbar ist der Reifen sowohl in 27,5” als auch 29” Durchmesser. Eine Auswahl zwischen 2,4” und 2,6” Breite gibt es jedoch nur bei der 29”-Variante.

Pirelli Scorpion Enduro S

Der für losen und weichen Untergrund geeignete Scorpion Enduro S erweist sich im Test als gut gedämpfter Begleiter, mit ebenfalls solider Leistung beim Grip, wenn auch durch die vergleichsweise kurzen Stollen nicht auf dem Niveau anderer Reifen für lose Böden. Dafür fällt der Rollwiderstand des 1.062 Gramm leichten Scorpion Enduro S mit 33,8 Watt ebenfalls sehr niedrig aus. Auch der Scorpion Enduro S ist in 27,5” und 29” sowie 2,4” und 2,6” Breite erhältlich, sowohl mit ProWALL- als auch mit der von uns getesteten HardWALL-Karkasse. Auch bei der Gummimischung überlässt euch Pirelli die Wahl zwischen dem härteren SmartGRIP Compound oder der weicheren SmartGRIP Gravity-Mischung wie in unserem Test. Alle 29”-Varianten sind auch mit Tanwalls verfügbar.

Pirelli Scorpion Enduro R

Das „R” beim Pirelli Scorpion Enduro R verrät, dass es sich hierbei um ein Profil speziell fürs Hinterrad handelt. Beim Hinterrad haben Hersteller generell die Eigenschaften Verschleiß, Rollwiderstand und Traktion im Fokus. Daher überrascht es nicht, dass der Scorpion Enduro R ausschließlich mit SmartGRIP-Gummimischung erhältlich ist. Der Reifen wird in den Dimensionen 27,5” und 29” sowie in 2,4” und 2,6” Breite angeboten und kann wahlweise mit ProWALL- oder HardWALL-Karkasse ausgestattet werden. In Verbindung mit den relativ niedrigen Mittelstollen erreicht der Pirelli Scorpion Enduro R mit nur 27,4 Watt den geringsten Rollwiderstand des gesamten Testfelds. Wer Wert auf kürzere Uphill-Zeiten legt - oder gegebenenfalls wertvolle Sekunden bei Uphill-Stages in Enduro-Rennen gewinnen will - ist hier also genau richtig. Für Downhill-Stages gibt es hingegen bessere Reifen, denn die Traktion beim Bremsen ist nicht ganz auf dem Niveau anderer Hinterradreifen. Der Grip erweist sich nicht zuletzt wegen der von uns getesteten 2,6” Breite als gut, wodurch der Scorpion Enduro R insgesamt einen sehr soliden Kompromiss aus Rollwiderstand und Grip darstellt.

Pirelli Scorpion Race Enduro M

Im Gegensatz zu den Enduro-Modellen sind die Race Enduro-Modelle immer mit einer DualWALL-Karkasse ausgestattet und bieten mit 2,5” Breite etwas mehr Auflagefläche. Auch wenn eingefleischter Formel 1-Fans bei der Optik der gelb umrandeten Reifen mit gelben Schriftzügen eine mittelharte Gummimischung erwarten, rollen die Race Enduro-Reifen ausschließlich mit dem weichsten SmartEVO DH Compound vom Band, wodurch mehr Haftung, aber auch messbar mehr Rollwiderstand entsteht. Der Race Enduro M ist das vielseitige Pendant des Enduro M innerhalb der Race-Enduro-Reihe. Der als Allrounder für gemischte Bedingungen gemachte Reifen ist in 27,5”- und 29”-Laufradgrößen erhältlich. Die Mittelstollen im zentralen Teil der Lauffläche variieren in einem 2er-Rhythmus und fallen recht breit aus. Statt nach außen hin direkt die Seitenstollen folgen zu lassen, hat Pirelli Übergangsstollen eingebaut. Die sollen in Kurven die Last von den Seitenstollen nehmen und für einen smootheren Übergang von Mittel- auf Seitenstollen sorgen. Bei den Seitenstollen geht es dann ohne Variation zu, sie fallen alle gleich aus. Im Praxistest konnte der Race Enduro M mit guten Grip-Eigenschaften überzeugen. Die Karkasse ist hinsichtlich ihrer Dämpfungseigenschaften eher auf der härteren Seite einzuordnen und gibt daher viel Untergrund-Feedback an euch weiter. Die 2,5” Breite machen den Race Enduro M-Reifen weniger anfällig für Spurrillen und vermitteln euch bergab dank berechenbarem Verhalten ein gutes Sicherheitsgefühl.

Pirelli Scorpion Race Enduro T

Der Scorpion Race Enduro T ist in 27,5” oder 29” verfügbar und wie alle Race Enduro Reifen nur mit DualWALL und SmartTEVO DH Compound lieferbar. Gegenüber dem Race Enduro M ist das Profil mit weniger Stollen offener gestaltet und bietet dank den breiteren Mittelstollen eine bessere Bremstraktion, wodurch sich der Race Enduro M gut am Hinterrad einsetzen lässt. Der Nachteil: Der Rollwiderstand ist hoch. Wie beim Race Enduro M ist die DualWALL-Karkasse relativ stramm, was in roughen Sektionen zu mehr Armpump führen kann.

Pirelli Scorpion E-MTB M

Der Scorpion E-MTB M verrät mit seinem Namen offensichtlich seine Auslegung als E-Mountainbike-spezifischer Reifen und nutzt daher die HyperWALL-Karkasse. Bei der Gummimischung setzt Pirelli vollständig auf die SmartGRIP Gravity-Mischung. Im Praxistest konnte der Scorpion E-MTB M vor allem mit guter Traktion überzeugen, was zur spezifischen Ausrichtung fürs E-Mountainbiken passt, wo auch beim Beschleunigen viel Traktion gefordert ist. Auch der niedrige Rollwiderstand des Labortests unterstreicht die Eignung zur Verwendung des Scorpion E-MTB M auf E-Bikes, da damit die Reichweite maximiert wird. Den Scorpion E-MTB M Reifen gibt es ausschließlich in 2,6 Zoll Breite und den zwei Laufradgrößen 27,5” und 29”. In puncto optisches Design erhaltet ihr den Scorpion E-MTB M in drei Reifenschrift-Farbvarianten oder mit klassischen Tanwalls.

Pirelli Scorpion Race DH M

Pirelli steuert nicht nur den leichtesten, sondern mit dem 1.551 Gramm schweren Scorpion Race DH M auch einen der schwersten Reifen des gesamten Testfelds bei. Der als Allrounder innerhalb der DH-Reifen konzipierte Reifen soll auf unterschiedlichen Untergründen gut funktionieren und ein vorhersehbares Handling aufweisen. Wie alle Scorpion DH-Reifen ist der Race DH M nur mit DualWALL+ Karkasse und SmartEVO DH Compound-Gummimischung verfügbar. Im Fahreindruck erweist sich die Karkasse des Scorpion Race DH M als sehr steif. Der langsame Rebound des SmartEVO DH Compound sorgt für viel Bodenkontakt, bei dem das Profil soliden Grip bei verschiedensten Bedingungen bietet. Wahlweise gibt es den 2,5” breiten Reifen in 27,5” oder 29” Durchmesser.

Pirelli Scorpion Race DH T

T steht für Traktion. Der Pirelli Scorpion Race DH T ist deshalb kein Reifen für Larifari-Linien oder Forstautobahnen. Er wurde gebaut, um dort zu funktionieren, wo es ruppig, wild und technisch wird. Hinter dem Kürzel DH verbirgt sich die sogenannte DualWALL+‑Karkasse: zwei Lagen Gewebe mit 60 TPI, verstärkte Seitenwände und ein zusätzlicher Gummieinsatz im Wulstbereich. Das sorgt nicht nur für Durchschlagschutz, sondern auch für brutale Stabilität - robuster geht’s nicht im Pirelli-Portfolio. Die Gummimischung unseres Testreifens nennt sich SmartEVO DH Compound - ultraweich, renn­erprobt, Temperatur-stabil und mit maximalem Nassgrip. Sie kommt ausschließlich bei den Scorpion‑Race‑Reifen zum Einsatz und ist speziell für Gravity‑Racer konzipiert.

Der Reifen ist in 27,5" und 29" erhältlich, jeweils mit 2,5 Zoll Breite. Als 29er bringt der Schlappen im BIKE‑Labor stattliche 1.513 Gramm auf die Waage. Absolut kein Leichtgewicht - nicht einmal im Vergleich zu anderen Downhill-Reifen.

Schon beim ersten Trailkontakt wird klar: Der Scorpion Race DH T ist kein Jedermanns-Reifen. Die Karkasse? Extrem stabil. Die Eigendämpfung der Stollen? Verblüffend langsam. Doch genau das macht das Fahrgefühl dieses Reifens so besonders - oder besser: so konsequent. Denn die steife DualWALL+‑Karkasse vermittelt selbst bei niedrigen Luftdrücken um die 1,3 Bar noch eine beeindruckende Stabilität. Perfekt zum Ballern im Grenzbereich. Mit Mach 10 durch trockene Anlieger shralpen? Wo andere Modelle selbst mit mehr Luftdruck anfangen zu burpen oder wegzuschwimmen, sitzen die Pirellis wie eine Eins auf der Felge. Kein Walken, kein Wegknicken - nur Kontrolle.

Aber der Pirelli DH T kann auch technisch. In ruppigem Terrain punktet er mit direktem Feedback, setzt Lenkimpulse klar um und reagiert präzise auf den Körpereinsatz des Fahrers. Die gut gedämpfte SmartEVO-DH-Gummimischung sorgt selbst bei schnellen Schlagabfolgen in Steinfeldern oder auf Wurzelteppichen für viel Bodenkontakt - das Fahrgefühl bleibt satt, kontrolliert und vorhersehbar. Klar ist aber auch: In Kombination mit seiner steifen Karkasse bietet der DH T weder massig Komfort noch ultimativen Grip. In dieser Hinsicht gibt es stärkere Modelle.

Das Profil des DH T kommt mit vielem zurecht: feucht, trocken, lose oder hart - ein echter Alleskönner. Besonders auffällig: Die extrem breiten Mittelblöcke greifen beim Anbremsen wie ein Wurfanker und liefern speziell am Hinterrad super Bremstraktion. Kritik gibt’s fürs Abrollverhalten von links nach rechts: Ohne Übergangsstollen kippt der Reifen recht ruckartig von den großen Stollen auf der Lauffläche auf die Schulterstollen. Wirklich spüren lässt sich das Phänomen aber nur in offenen Kurvenwechseln auf hartem, glattem Untergrund.

Der Pirelli Scorpion Race DH T fährt sich brutal direkt, vermittelt massig Vertrauen und glänzt mit seinen breiten Mittelstollen als echter Bremskraftverstärker am Hinterrad. Wer schnell, hart und präzise fährt, wird den ungehobelten Charakter lieben. Aber klar ist auch: Der DH T liefert mit seiner steifen Karkasse weder massig Komfort noch maximalen Grip. Am besten eignet sich der Reifen für Bikepark-Piloten oder E-Enduristen, die einen langlebigen, stabilen und direkten Reifen suchen.

Pirelli Scorpion XC RC ProWall

Ich habe mich für diesen Test für die Pirelli Scorpion XC RC ProWall in der Breite von 2,2 Zoll entschieden. Aber erstmal zu den Fakten und Maßen des Scorpion XC RC: ich bin diese auf 24mm breiten Alu-Felgen (Innenmaulweite) gefahren. Das Gewicht der Reifen liegt nachgewogen bei 665g. Ich habe die Reifen tubeless montiert und dabei die gelb-grüne Dichtmilch von Pirelli verwendet. Diese ist grob-flockig, was bei größeren Löchern gut ist. Aber beim Befüllen über das Ventil (mache ich immer so) muss man immer mal nachstochern, da das Sealant natürlich etwas gröber ist. Ich hatte bislang auf den mehr als 1.000 km Testfahrt keine Panne. Ich bin die Reifen mit einem Luftdruck von vorne mit 1,8/9 Bar und hinten 2/2,1 Bar gefahren. Theoretisch hätte ich die Reifen auch bei 1,7 Bar vorne und 1,9 Bar hinten fahren können.

Mein Eindruck: auf Asphalt rollen die Scorpion recht schwer. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den Schwalbe Rick XC und den Vittoria Mezcal zu spüren. Die Traktion war gut, auch wenn es matschiger wurde. Da fühlte ich mich immer sicher mit den Reifen. Und wenn man mit dem Druck weiter runtergeht, dann rollen sie noch spurtreuer. Im Gelände sind die Pirelli Scorpion also recht gut, auf der Straße eher eine Bremse. Insgesamt rollen sie mit etwas mehr Widerstand als die Rick XC und Mezcal. Und auch die Messdaten von Bicycle Rolling Resistance bestätigen das. Nach diesen hat der Pirelli Scorpion bei einem Druck von 1,7 Bar einen Rollwiderstand von 28,8 Watt. Das ist schon sehr viel.

Ist der Asphalt/Straßenanteil bei den geplanten Events/Touren hoch, dann ist der Scorpion eher nicht zu empfehlen, bzw. Den Scorpion gibt es in 2,2 und 2,4 Zoll Breite. Zudem kann man zwischen “Lite MTB” oder “ProWall” wählen. ProWall ist etwas schwerer, aber dafür widerstandsfähiger. Bei der Mischung für den Reifen setzt Pirelli auf das sogenannte Smartgrip Compound. Das ist im Kern eine ideale Mischung für nasse und trockene Bedingungen.

Mehr als 1.000 km bin ich mit den Reifen nun schon unterwegs. Ich gehe davon aus, dass der Reifen bei diesen Beanspruchungen um die 3.000 km halten wird. Bei mir warten auf die Scorpion noch einige hundert Schotterkilometer in Deutschland und Schweden. Ich werde den Luftdruck noch etwas verringern und sie dann weiter fordern.

Pirelli Scorpion XC H

Die Scorpion XC H sind leichteste und am schnellsten rollende Option von Pirelli. Sie verwenden eine Reihe von flachen, eng gruppierten Profilblöcken, um eine glatte und wackelfreie Fahrt auf festen und verdichteten Trailoberflächen zu ermöglichen, egal ob es sich um Schmutz oder Felsen handelt. Dieser schnelle Reifen ist für XC-Fahrer gedacht. Schon am Stolldesign kann man erkennt woher der Wind weht. Der Pirelli Scorpion XC H ist der schnellste Reifen der Pirelli Scorpion Reihe. Gerade auf der Straße und auf befestigten Wegen kann der Pirelli Scorpion XC H seine Stärken ausspielen.

Während die Zwischen- und Seitennoppen an Größe und Tiefe zunehmen, sind sie immer noch ziemlich klein und niedrig profiliert, so dass die Neigung zum Grip bei losen oder lehmigen Bedingungen definitiv begrenzt ist. An der Front wäre man mit der M oder S Variante des Pirelli deutlich besser bedient wenn man auf eine ausgedehnte Downcountry Runde geht. Die ProWall Karkassse macht es möglich, den Reifen mit wenig Reifendruck zu fahren. Dadurch trifft man eine gute Mischung aus Geschwindigkeit und Grip. Der schnellste Reifen in im Gesamtsortiment von Pirelli. Am Heck eine absolute Macht. In der Front verliert er ein wenig zu schnell die Spur. Hier wäre vorm Stollendesign der Pirelli Scorpion XC M oder S die bessere alternattve.

Nicht so ultraschnell, wie das Profil und das Gewicht vermuten lassen, aber immer noch sehr schnell, härter und dadurch trailtauglicher.

Tabelle: Fakten-Feuerwerk: Gravity-Reifen von Pirelli im Überblick

Modell Karkasse Profiltyp Größe(n) Gewicht (29″) Grip-Fokus
DH T DualWALL+ T‑Traction 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1500 g Höchste Traktion
DH S DualWALL+ S‑Soft 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1.450 g Loser Boden, Soft Trails
DH M DualWALL+ M‑Medium 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1.450 g Allround‑Grip & Speed
EN T DualWALL T‑Traction 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1.260 g Traktion bei weniger Gewicht
EN S DualWALL S‑Soft 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1.260 g Grobstollig & weich
EN M DualWALL M‑Medium 27,5×2,5 / 29×2,5 ca. 1.260 g Vielseitiger Grip-Speed-Mix

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