Nach mehr als zwei Jahrzehnten meldet sich die italienische Traditionsschmiede Pirelli mit drei Rennradreifen zurück. Dieser Testbericht beleuchtet die Leistung und Eigenschaften der Pirelli P Zero Rennradreifen unter verschiedenen Bedingungen.
Erwartungen an einen Rennradreifen
Was erwartet man grundsätzlich von einem Reifen, mit dem man bei jedem Wetter und sowohl im Training als auch bei Rennen unterwegs sein möchte? Neben exzellenten Rolleigenschaften ist ein gewisser Pannenschutz unabdingbar. Darüber hinaus muss der Reifen ordentlichen Grip liefern, um auch bei hohem Tempo im Feld keine bösen Überraschungen zu bereiten.
Erster Eindruck und Montage
Das Auspacken der Reifen ist bereits ein Erlebnis. Die Montage gestaltet sich leicht und unkompliziert. Einmal aufgezogen, sind die Reifen eine Augenweide.
Praxistest bei Rad am Ring
Die Rahmenbedingungen waren jetzt nicht unbedingt so, wie ich mir das eigentlich vorstelle. Gerade mal eine knappe Stunde vor dem Start zum diesjährigen 24-Stunden-Rennen am Nürburgring bei Rad am Ring habe ich den Reifen montiert. Also kein Einrollen, sofort volle Attacke. Die Reifen waren nagelneu, als ich mich mit knapp 2000 anderen Startern in die erste wilde Runde gestürzt habe.
Mit ordentlich Adrenalin bin ich von Beginn an zügig im Feld mitgerollt. Und der unbekannte Reifen? Im allerbesten Sinne unauffällig. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl für das Gripniveau. Egal wie schnell die Passage auch war, der noch unbekannte Reifen ließ mich nicht nervös werden. Im Gegenteil, ich hatte durchweg ein super Gefühl für das, was da unten an der Kontaktfläche zwischen Gummi und Asphalt passiert.
Der positive Eindruck der ersten Runde wurde auch auf den weiteren gut 150 Rennkilometern, die ich im Rahmen des Rennens noch abgespult habe, bestätigt. Der Reifen rollt richtig gut und bietet mit 25 mm Breite ein schön komfortables Fahrgefühl. Auch in den Highspeed-Passagen der Nürburgring Nordschleife hatte ich nicht einen kritischen Moment. Der Reifen hat jedes Manöver und jede zügig attackierte Kurve problemlos mitgemacht.
Alltagstauglichkeit des P Zero
So weit also die Erfahrungen auf der Rennstrecke mit perfektem Asphalt und schön weitläufigen Kurven. Wie aber schlägt sich der Reifen unter „normalen“ Bedingungen auf den üblichen Trainingsrunden? Der Eindruck des hohen Gripniveaus wurde auch im normalen Straßenverkehr bestätigt. Zudem bin ich mit dem Reifen in einen kräftigen Sommer-Regenschauer geraten. Auch unter feuchten und richtig nassen Bedingungen bietet der Reifen ein tadelloses Handling.
Ich fühlte mich speziell bei schlechten Bedingungen mit dem Reifen besser beraten als mit vielen anderen Reifen, die ich bisher gefahren bin.
Pirelli erweitert die Reifen-Linie P Zero
Die Modelle P Zero Road und P Zero Race sind ab sofort erhältlich. Sie ersetzen das bisherige Modell P Zero Velo. Bei beiden Modellen handelt es sich um Clincher-Reifen. Beide neuen Reifenmodelle der P-Zero-Serie sind als Clincher-Reifen ausschließlich für den Einsatz mit einem Schlauch geeignet.
Der P Zero Velo TT und der P Zero Velo 4S sowie die Gravel-Reifen von Pirelli sind weiterhin erhältlich. Für den Tubeless-Einsatz bietet Pirelli andere Modelle. Beide neuen Modelle wurden für den Performance- und den Endurance-Einsatz entwickelt. Sie wurden auf die modernen 19C-Felgenbreite-Standards angepasst. Im Vergleich zum bisherigen P Zero Velo bieten sie unter anderem eine breitere Lauffläche.
Die neuen P-Zero-Modelle sollen einen geringen Rollwiderstand, einen hohen Pannenschutz und, wie von Pirelli gewohnt, viel Grip und ein sicheres Handling bieten. Für den Gravel-Einsatz auf Schotterwegen sind beide Reifen nicht konzipiert.
P Zero Road: Der Allrounder
Der P Zero Road soll ein Allround-Reifen mit einem besonders breiten Einsatzspektrum sein. Er wurde als Trainingsreifen für die Profis der von Pirelli ausgestatteten WorldTour-Teams Bike Exchange, Trek-Segafredo und AG2R-Citroën, entwickelt. Der Clincher-Reifen verfügt über die von Pirelli entwickelten Technologien der Evo-Compound-Gummimischung und der Tech-Belt-Karkasse.
Beim besonders allround-orientierten P Zero Road legten die Entwickler den Fokus auf einen besonders hohen Komfort, einen hohen Pannenschutz und eine hohe Laufleistung. Die Evo-Compound-Gummimischung des P Zero Road soll vor allem einen hohen Pannenschutz und eine lange Laufleistung bieten. Den Pirelli P Zero Road gibt es in 24, 26 und 28 Millimetern Breite.
Das Gewicht eines Reifens liegt je nach Breite bei:
- 24 mm: 215 Gramm
- 26 mm: 235 Gramm
- 28 mm: 255 Gramm
P Zero Race: Der Renner
Der P Zero Race soll ein stark rennorientierter Allround-Clincher-Reifen sein. Er soll alle Vorteile der Tubetype-Technologie, also dem weiterhin besonders verbreiteten klassischem System aus einem Clincher-Reifen und einem eingezogenen Schlauch, bieten. Der Pirelli P Zero Race ist in 26, 28 und 30 Millimetern Breite erhältlich. Es gibt ihn zudem in Versionen mit unterschiedlichen farbigen Logo-Aufschriften sowie als Classic-Version mit einer beigefarbenen Seitenwand.
Das Gewicht eines Reifens liegt je nach Breite bei:
- 26 mm: 205 Gramm
- 28 mm: 225 Gramm
- 30 mm: 245 Gramm
Testergebnisse der P Zero Modelle
RennRad konnte beide neuen Modelle bereits vorab testen - jeweils in 26 Millimetern Breite und auf unterschiedlichen Clincher-Felgen mit 17 bis 21 Millimetern Felgenbreite und mit unterschiedlichen Schläuchen. Der Luftdruck wurde entsprechend den offiziellen Empfehlungen angepasst.
Das Modell P Zero Road fuhren wir zunächst mit den empfohlenen sieben Bar Druck auf einer 19 Millimeter breiten Felge. Bei den Temperaturen von weniger als sieben Grad Celsius wurde der Luftdruck um mindestens 0,3 Bar gesenkt. Ein sehr hoher Komfort war jedoch erst zu erreichen, als der Luftdruck noch weiter abgesenkt wurde - um mehr als die dafür empfohlenen weiteren 0,3 Bar weniger. Auch bei spätwinterlichen Straßenverhältnissen mit viel Rollsplit und Verschmutzung auf den Straßen nehmen die Reifen keinen Schaden. Es gab keine Pannen, auch Schnitte und Einkerbungen auf der Lauffläche waren nicht zu bemerken. Nach rund 450 Testkilometern war noch kein Verschleiß zu bemerken.
Der P Zero Race überzeugte ebenfalls hinsichtlich dieser Testkriterien, bot jedoch zusätzlich den Eindruck eines deutlich geringeren Rollwiderstandes. Auch das deutlich geringere Gewicht machte sich in der Form einer geringeren rotierenden Masse und damit einem spritzigeren Fahrverhalten bemerkbar. Der Grip war auch bei Nässe sehr hoch. Besonders bei geringeren Ludtdrücken war die im Vergleich zum Vorgängermodell P Zero Velo verbreiterte Auflagefläche und die erhöhte Kontrolle zu spüren. Hier erreichte der neue Pirelli P Zero Race Top-Werte.
Pirelli P ZERO Race TLR im Test
Mit dem Pirelli P ZERO Race TLR konnte ich den „rennfertigen Allrounder“ von Pirelli testen. Wer eine noch schnellere Gummimischung will, muss zum Rennmodel, dem Pirelli P ZERO Race TLR SL greifen.
Auf meiner Mavic Cosmic SL 40 UST Felge (19mm Maulweite) baut der Pirelli 30C 1-2mm breiter als der Conti 5000 TL 30C, was insbesondere bei knappem Gabelplatz zu beachten ist. Die Montage ging beim Pirelli dabei etwas einfacher von der Hand. Bei 78 kg Körpergewicht fahre ich mit 6 Bar. Für mich macht der Reifen in diesem Setup bei jeden Witterungsbedingungen eine super Figur. Auch bei Nässe kann ich in Kurven nichts Negatives berichten. Beim Komfort kann ich nur minimale Unterschiede beobachten.
Pirelli P-Zero Race TLR RS Tubeless-Reifen
Nach 1100 km, 10.000 Höhenmetern, 2 Gran Fondos und 12 Stunden Radfahren im Regen konnte ich mein Urteil fällen. Pirellis auf meinen Ubique G42C Felgen, ideale Passform zwischen der 30mm breiten Felge und dem 28mm breiten Reifen.
Der Wulst ist die Verbindung zwischen Reifen und Felge. Traditionell ist er rund, aber beim neuen P-Zero Race TLR RS ist er eher eckig. Das soll eine perfekte Abdichtung und einen besseren Halt zwischen Felge und Reifen gewährleisten. Auffällig ist auch, dass die Reifen für schlauchlose Rennradreifen sehr leicht sind. Das liegt zum Teil an der „speedCORE“-Technologie. Dabei handelt es sich um eine dünne, luftdichte Gummischicht, die eine leichte, aber dennoch luftdichte Karkasse ermöglicht.
Die Fahrqualität ist extrem gut, ich stelle fest, dass sich der Reifen geschmeidiger fährt als ein vergleichbarer Reifen mit Schlauch. Die Pirelli-Reifen geben auch extrem viel Vertrauen bei den verschiedenen Bedingungen, die ich gefahren bin. Sowohl auf nassen Straßen als auch auf schlechten Straßen und Pflastersteinen zeigen die Reifen eine sehr gute Leistung und ich habe nicht einen Moment am Grip gezweifelt.
Pirelli P Zero Race TLR im BIKE BILD Test
Die Italiener ergänzen den beliebten P Zero Race-Reifen um ein neues Tubeless-Modell mit dem Namenszusatz TLR. Die Zielgruppe ist trotz neuer Konstruktion gleichgeblieben: ambitionierte Rennradfahrer, die einen schnellen Trainings- und Rennreifen suchen, bei dem man keine Abstriche bei Pannenschutz und Langlebigkeit machen muss.
Der entscheidende Unterschied zwischen der neuen Tubeless-Version und dem Vorgängermodell soll laut Hersteller die im Reifeninneren angewandte neue, sogenannte Speedcore-Technologie sein. Dadurch soll nicht nur der Rollwiderstand verringert worden sein, sondern auch der Pannenschutz erhöht, indem die Karkasse durch Aramidfasern verstärkt wurde. Der neue Aufbau soll den neuen P Zero Race TLR zu einem der schnellsten Performance-Reifen in Pirellis Rennradsortiment machen.
Die Lauffläche des P ZERO Race TLR besteht aus dem erprobten SmartEVO-Compound.
Reifen und Felge passten wie Topf und Deckel aufeinander - die Montage lief schweißfrei und problemlos. Auffällig war, wie leicht und locker sich der Reifen auf die Felge legen ließ. Komplett dicht wurde er erst mit der Pirelli-Dichtmilch. Wenngleich der neue TLR-Reifen eigentlich für Geschwindigkeit steht, fällt doch als erstes das hohe Maß an Komfort auf. Das Abrollverhalten ist geschmeidig, ohne dass der Kontakt zum Boden verloren geht.
In dem Testzeitraum (ca. 1.000 Kilometer) lief der Reifen komplett pannenfrei. Ebenso positiv hat uns überrascht, wie gut der Pirelli P Zero Race TLR auf nasser Fahrbahn performte, wo er - natürlich auch der Reifenbreite geschuldet - kaum an Grip einbüßte.
Zusammenfassung der Testergebnisse
| Modell | Grip | Rollwiderstand | Pannenschutz | Komfort | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| P Zero Velo | Sehr hoch | Sehr gut | Hoch (Aramid-Fasern) | Gut | Einfache Montage, Kauftipp |
| Cinturato Velo | Sehr gut | - | Gut | - | Auch für leichte Schotterwege geeignet |
| P Zero Race TLR SL | Sehr hoch | Sehr niedrig | Ausreichend | Hoch | Wettkampf-Reifen, geringes Gewicht |
| P Zero Race TLR RS | Extrem gut | - | - | Extrem gut | Geschmeidig, viel Vertrauen unter verschiedenen Bedingungen |
Fazit
Pirelli P Zero Race TLR ist zweifelsfrei ein schneller bis sehr schneller Reifen. Am meisten haben uns die Top-Komforteigenschaften imponiert, gepaart mit einem mutmaßlich sehr guten Pannenschutz. Der neue TLR ist ohne Vorbehalt ein verlässlicher und geschmeidiger Performance-Reifen für flotte Trainingsfahrten und Radrennen.
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