PSA Erhöhung durch Radfahren: Ursachen und Bedeutung

Der PSA-Wert ist eine wichtige medizinische Richtlinie zur Früherkennung von Prostatakrebs. Intensives Radfahren kann kurzfristig den PSA-Wert erhöhen, was zu Fehlinterpretationen bei Prostatakrebs-Screenings führen kann. Es wird empfohlen, vor solchen Untersuchungen mindestens 24 Stunden auf intensives Radfahren zu verzichten.

Was ist PSA?

PSA steht als Abkürzung für „Prostataspezifisches-Antigen“. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das ausschließlich von Prostatazellen gebildet wird und zur Verflüssigung des Spermas dient. Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Um den PSA-Wert zu ermitteln, wird eine Blutprobe entnommen und die PSA-Konzentration im Labor bestimmt. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

Was sagt der PSA-Wert aus?

Das Prostataspezifische-Antigen wird von jeder Prostatazelle produziert. Ein PSA-Wert im Normbereich deutet daher üblicherweise auch auf eine normale Prostatatätigkeit hin. Vergrößert sich die Prostata bilden die Prostatazellen mehr PSA, was sich in einem „erhöhten“ PSA-Wert niederschlagen kann. Das Prostataspezifische-Antigen ist ein Gewebemarker und KEIN Tumormarker. Das Testergebnis trifft deshalb immer nur eine Vorhersage über die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakarzinom vorliegt. So gibt es zahlreiche Gründe, warum das PSA im Blut kurzfristig erhöht sein kann. Umgekehrt bedeutet ein normal hoher PSA-Wert nicht automatisch, dass kein Prostatakrebs vorliegt.

Ursachen für erhöhte PSA-Werte

Längst nicht jeder Patient, dessen Blut den Grenzwert von 4 ng/ml übersteigt leidet an Prostatakrebs. Denn auch Harnwegs- oder Prostataentzündungen, gutartige Veränderungen sowie Druck auf die Prostata, z.B. durch eine digital-rektale Untersuchung oder durch sportliche Betätigung wie Radfahren oder Reiten, aber auch Geschlechtsverkehr und ein Samenerguss können das PSA im Blut kurzfristig steigen lassen. Umso wichtiger ist es, bei einmalig erhöhten PSA-Werten nicht in Panik zu verfallen, sondern den Test mehrfach zu wiederholen und zusätzlich andere diagnostische Verfahren zu nutzen.

Der Einfluss von Radfahren auf den PSA-Wert

Beim Radfahren wird ein großer Teil des Körpergewichts auf den Fahrradsattel übertragen. Infolgedessen berichten Radfahrer oftmals - vor allem sportliche Radler, die lange Strecken zurücklegen - von Taubheitsgefühlen im Genitalbereich. Diese resultieren aus langem, starkem Druck auf Nervenbahnen, die in diesem Bereich verlaufen und diesen sensorisch und motorisch ansteuern. Im Extremfall kann der erhöhte Druck auf den Damm zu negativen Auswirkungen auf die Prostata führen. Weniger ist es so, dass Prostatabeschwerden durchs Radfahren entstehen, wohl aber können sie durch die Belastung des Radfahrens gefördert werden.

Es gibt Hinweise darauf, dass Radfahrer eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Prostatitis (Entzündung der Prostata) haben. Eine Ursache für ein erhöhtes Risiko können hierbei Verletzungen im Dammbereich sein. Daher sollte vorsorglich und erst recht bei Beschwerden auf eine geringe Belastung des Dammbereichs durch die Wahl des richtigen Sattels und eine optimale Sitzposition geachtet werden.

Was sollte vor der Blutentnahme für den PSA-Test beachtet werden?

Da die Prostata empfindlich auf Druck reagiert, können mechanische Reizungen die PSA-Produktion ankurbeln und das Ergebnis des PSA-Tests verfälschen. Urologen empfehlen daher zwei bis drei Tage vor der Blutentnahme zur PSA-Messung auf Radfahren und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Auch eine Tastuntersuchung der Prostata kann den PSA-Wert kurzfristig erhöhen und sollte immer erst nach der Blutabnahme zur PSA-Bestimmung erfolgen.

PSA in der Vorsorge

Wann und wie oft sollte der PSA-Test durchgeführt werden?

Nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wird der Test ab einem Alter von 45 Jahren (bei familiärer Disposition ab 40 Jahren) empfohlen. Wie oft der Test wiederholt werden sollte, richtet sich nach dem Testergebnis: Wurde ein PSA-Wert von unter 1ng/ml gemessen, ist eine weitere Kontrolle erst nach 4 Jahren notwendig. Liegt der Wert über 2 ng/ml, sollte eine jährliche Kontrolle stattfinden. Bei tieferen Werten kann das Intervall der PSA-Bestimmung nach Beurteilung durch den Urologen verlängert werden.

Ab wann ist der PSA-Test auffällig?

Allgemein gelten PSA-Werte zwischen 0 ng/ml und 4 ng/ml als „normal“. Kontrollbedürftig werden hingegen Werte zwischen 2ng/ml und 4ng/ml angesehen. Um das Testergebnis jedoch beurteilen zu können, spielen nicht nur die absolute Höhe des PSA-Wertes sondern vor allem Änderungen über die Zeit sowie das Alter der Patienten eine wesentliche Rolle.

PSA-Normwerte abhängig vom Alter (Quelle: DGU)

Alter Normalwert
50 - 59 Jahre unter 3,0 ng/ml
60 - 69 Jahre unter 4,0 ng/ml
über 70 Jahre unter 5,0 ng/ml

PSA und Früherkennung

Welche Bedeutung hat der PSA-Test in der Früherkennung von Prostatakrebs?

Der PSA-Test ist derzeit die einzige Früherkennungsuntersuchung, die eine Prostatakrebserkrankung im sehr frühen, gut heilbaren Stadium aufdecken kann. So hat die Einführung des PSA-Tests in den 80er Jahren dazu geführt, dass Prostatatumoren durchschnittlich etwa fünf Jahre früher erkannt werden. Dies ist die entscheidende Zeit, in der aus heilbaren Krankheitsstadien unheilbare Erkrankungen werden können. Die Europäische Screening-Studie (ERSPC) hat belegt, dass das Risiko an Prostatakrebs zu sterben durch eine PSA-basierte Vorsorge halbiert werden kann.

Warum ist der PSA-Test umstritten?

PSA-Gegner argumentieren häufig damit, dass die meisten Männer nicht an, sondern mit ihrem Prostatakrebs sterben. In der Tat können durch den PSA-Test auch „nicht relevante“ Karzinome aufgedeckt werden, die vielleicht nicht zum Tod des Patienten geführt hätten. Unbeachtet bleibt dabei die Tatsache, dass laut Robert Koch-Institut jedes Jahr noch immer 11.000 bis 12.000 Todesfälle durch Prostatakrebs zu beklagen sind - Patienten, deren Diagnose „unheilbar“ lautet, weil sie in vielen Fällen zu spät erkannt wurde. Wird Patienten der PSA-Test vorenthalten, nimmt man Männern mit einem aggressiv wachsenden Tumor, der ohne eine adäquate Therapie zum Tod führen würde, die Möglichkeit der Heilung.

Worin liegen die Risiken des PSA-Tests?

Obwohl die Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie von Prostatakrebs klare Empfehlungen gibt, wann und zu welchen Umständen der Test angewandt werden sollte, kommt es noch immer vor, dass PSA-Werte falsch interpretiert und vorschnell „gehandelt“ wird. So wird häufig auf Grund von kurzzeitig erhöhten PSA-Werten eine Biopsie veranlasst, anstatt den Verlauf der Werte zunächst zu beobachten. Oder aber Patienten mit Niedrigrisiko-Stadium werden unnötig mit einer invasiven Therapie wie der operativen Entfernung der Prostata (Prostatektomie) behandelt. Die Übertherapie von Prostatakrebs - d.h. unnötige Behandlungen mit möglichen Nebenwirkungen - ist ein großes Problem in Deutschland. Daran ist jedoch nicht der PSA-Test schuld, sondern der Umgang mit den Ergebnissen.

PSA in der Nachsorge

Welche Rolle spielt die Messung des PSA-Wertes nach Beendigung der Therapie?

Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, beginnt die Nachsorge. Auch hier spielt der PSA-Test eine wesentliche Rolle. Regelmäßige Kontrollen des PSA-Wertes sollen sicherstellen, dass ein Rückfall (Rezidiv) nach Operation oder Strahlentherapie rechtzeitig erkannt wird. Auch Tumorzellen, die sich als Metastasen außerhalb der Prostata im Körper abgesiedelt haben, produzieren PSA. So wird innerhalb der ersten zwei Jahre das PSA alle drei Monate, im dritten und vierten Jahr alle sechs Monate und nach fünf Jahren alle 12 Monate gemessen. Dies gilt sowohl für die radikale Prostatektomie als auch für die externe Bestrahlung und die Brachytherapie.

Wie verhält sich der PSA-Wert bei einem Wiederauftreten der Prostatakrebserkrankung?

Wurde die Prostata mit dem Tumor operativ entfernt (radikale Prostatektomie), sollte der PSA-Wert innerhalb von vier bis sechs Wochen unter die Nachweisgrenze (unter 0,2 ng/ml) sinken. Steigt der PSA-Wert an, könnte es sein, dass der Tumor erneut wächst. Von einem Rückfall (Rezidiv) nach radikaler Prostatektomie spricht man dann, wenn der PSA-Wert in zwei aufeinander folgenden Messungen über einen Wert von 0,2 ng/ml ansteigt. In der Fachsprache wird ein solcher Fall als „biochemisches Rezidiv“ oder „PSA-Rezidiv“ bezeichnet. Wurde hingegen eine Brachytherapie oder äußere Bestrahlung durchgeführt, sinkt der PSA-Spiegel über Monate langsam ab. Der tiefste Wert („Nadir“) ist individuell unterschiedlich.

Bedeutet ein PSA-Anstieg nach Brachytherapie automatisch ein Rezidiv?

Bei mehr als einem Drittel aller Patienten mit Prostatakarzinom, die mittels Brachytherapie behandelt wurden, kommt es nach einem primären Abfall des PSA erneut zu einem Anstieg, der nach einiger Zeit wiederum spontan abfällt. Eine solche temporäre PSA-Erhöhung tritt meist 1 bis 1 ½ Jahre nach Brachytherapie auf und senkt sich nach durchschnittlich 18 bis 20 Monaten wieder ab. Grund für einen solchen PSA-Bounce (Bounce = Springen) ist in der Regel eine durch Bestrahlung induzierte Entzündung des verbliebenen Prostatagewebes (Prostatitis), die allerdings nicht behandlungsbedürftig ist. Ein kurzzeitiger PSA-Anstieg nach Brachytherapie deutet deshalb in den meisten Fällen NICHT auf ein erneutes Tumorwachstum in der Prostata (Lokalrezidiv) hin.

Empfehlungen für Radfahrer

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Radfahren nicht zwangsläufig der Prostata und den umliegenden Strukturen schadet, sofern einige wichtige Punkte beachtet werden. Mit der richtigen Ausrüstung, insbesondere einem passenden Sattel, einer optimalen Sitzposition und der Beachtung der Fahrtechnik, können die meisten Männer ohne Bedenken radeln.

Dr. Uwe Niekerken, Urologie-Oberarzt des Marienhaus-Klinikums in Neuwied, betont: "Die Sorge, dass Radfahren generell schädlich für die Prostata ist, ist unbegründet. Mit der richtigen Ausrüstung und Technik können Männer bedenkenlos in die Pedale treten und die vielen gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens genießen."

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