Die Hase-Ems-Tour erstreckt sich über 265 Kilometer durch den Südwesten Niedersachsens, von Melle im Osnabrücker Land bis ins westfälische Rheine. Diese Strecke verläuft meist auf asphaltierten Wegen abseits großer Straßen und weist nur geringe Steigungen auf, wodurch sie sich auch für weniger geübte Radler eignet.
Radeln mit Genuss im Osnabrücker Land
Genussradeln im Osnabrücker Land bedeutet, Momente zu erleben, in denen alles stimmt. In Fahrradgeschwindigkeit, mit offenen Augen und viel Neugierde bewegt man sich durch die Landschaft. Vom Emsland her kommend radelt man an der Hase entlang mitten hinein ins Artland.
Die Landschaft des Artlands
Die Gegend ist geprägt von Moorlandschaft, dem Fluss und seinen vielen Nebenarmen und von vielen Deichen, Rückhalteseen und Flußauen, mit denen sich die Bevölkerung vor drohenden Überschwemmungen schützt.
Die stattlichen historischen Fachwerkhöfe liegen oft weit voneinander entfernt - eben da, wo der Untergrund fest genug war, um zu bauen, ohne im sumpfigen Gelände zu versinken. So bot das Artland schon immer viel Platz für Menschen, die etwas Neues, Eigenes auf die Beine stellen und dabei auch mal unkonventionelle Wege gehen wollten.
Das erklärt vielleicht die hohe Dichte an Biobetrieben, die das Artland im Vergleich zu den Nachbarkreisen hat, und die köstlichen Produkte aus der Region, die man auf den Märkten zwischen Quakenbrück und Osnabrück findet. Wer sich mit dem Rad durch die Region treiben lässt und rechts und links des Wegs den oft sehr unscheinbaren Hinweisen auf Mühlen, Hofcafés, Hofläden oder Restaurants folgt, trifft auf tatkräftige Menschen, die wissen, was sie wollen, und die die Möglichkeiten nutzen, die die Region ihnen bietet.
Kulinarische Entdeckungen entlang der Strecke
Der Wieruper Hof in Menslage
So wie Gaby und Klemens Schröder, die in ihrer Backstube auf dem Wieruper Hof in Menslage seit vielen Jahren erfolgreich köstliches Biobackwerk herstellen. Es dauert ein bisschen, bis wir das Hinweisschild zum Hof und die richtige Abzweigung finden. Aus dem Hofladen duftet es vielversprechend.
Direkt an der Tür lagern dicht übereinander mehrere große Bleche mit Zimtschnecken und Rosinenbrötchen, daneben Regale voller Kastenbroten und gegenüber goldgelbe Weißbrot-, Baguette- und Ciabatta-Varianten.
Als die Schröders den Hof in den 90er Jahren kauften, war der Plan ein anderer: raus aufs Land, Platz haben für die Familie, landwirtschaftliche Selbstversorgung, Brot aus eigenem Getreide backen. Klemens Schröder sieht immer noch ein bisschen verwundert aus, wenn er erzählt, wie sich aus dem Backen für den Eigenbedarf nach und nach ein Biobetrieb mit zehn Mitarbeiter*innen entwickelt hat.
Das Getreide baut er längst nicht mehr selbst an, sondern bezieht es von Öko- oder Biolandwirten aus der Nachbarschaft. Er mahlt aber selbst und ist stolz darauf, dass jedes Brötchen und jedes Brot noch per Hand und nicht maschinell abgewogen und geformt werden.
Manche Kund*innen holen sich das gute Brot in großen Körben direkt ab Bäckerei ab. Der Großteil wird jedoch auf den Märkten in der Region verkauft. Zum Beispiel in Quakenbrück.
Quakenbrück: Ein historischer Handelsplatz
Von alters her ist das schmucke Städtchen an der Hase ein wichtiger Handelsplatz in der Region. Nicht nur Getreide und Vieh wechselten hier ihre Besitzer. Die Stadt war dank ihrer Lage am Fluss einer der größten Weinumschlagplätze des Nordens.
In mehreren der schönen großen Fachwerkbauten residieren auch heute noch Weinhandlungen, in denen so mancher edle Tropfen zu finden ist.
Die Hase und ihre Bedeutung
Als wir weiter an der Hase lang Richtung Osnabrück radeln, schauen wir auf den kleinen Fluss und fragen uns, wie die riesigen, über Nordsee und Ems herangeschafften Weinfässer früher hier wohl transportiert wurden.
Dass heute der Mittellandkanal parallel zur Hase läuft, unterstreicht die Bedeutung, die die Route mal gehabt haben muss. An diesem sonnigen Samstagnachmittag sind heute vor allem Wassersportler*innen und Freizeitkapitän*innen unterwegs - mit Ruderbooten, Kajaks, Stand-up-Boards oder mit Rädern auf dem Uferradweg.
Das Restaurant IKO in Osnabrück
Der Weg zum Abendessen führt wieder an der Hase entlang in den Osten von Osnabrück. Wie im Artland halten sich die guten Adressen auch hier ganz bescheiden versteckt. Man muss schon wissen, wonach man sucht, um das Restaurant IKO im Hinterhof einer klassischen Einfamilienhaus-Wohnstraße zu entdecken. Hat man den IKO-Space aber erst mal betreten, ist man in einer eigenen und sehr überzeugenden kleinen Welt.
Küchenchef Tom Elstermeyer hat hier mit seinem Team eine Atmosphäre geschaffen, die stilvoll, aber gleichzeitig auch entspannt und anregend ist.
Kunst und Küche
Das Allerschönste im Restaurant sind die Teller und Schalen, die Tom Elstermeyer selbst töpfert. Das Parfait kommt in einer tiefblauen Keramikschale an den Tisch, köstliche gelbe Biokartoffeln liegen drapiert auf einem champignonförmigen braun-gelb glasierten Tongebilde. Der Mann ist nicht nur in der Küche ein Künstler.
Die Köche kombinieren lokale Produkte mit internationaler Zubereitung und wurden dafür 2023 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Elstermeyer und sein Team kochen Gerichte aus Indien, Asien und Südamerika mit Zutaten aus Bramsche, Quakenbrück oder Melle.
Auf der Weinkarte finden sich viele köstliche Bioweine. Die sind zwar sicher nicht klimaschonend die Hase hoch transportiert worden, aber sie stehen für ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, das sich auch in vielen anderen Bereichen des Restaurants wiederfindet - zum Beispiel bei der Verwendung von Bioprodukten. Statt der Sterne sind es diesmal die Lichter der Stadt, die den Weg weisen.
Die Hase-Ems-Tour: Details und Etappen
Zwei Flüsse, viel Grün, hübsche Städte: Die Hase-Ems-Tour führt auf 265 Kilometern durch den Südwesten Niedersachsens - vom Osnabrücker Land übers Emsland bis nach Rheine.
Die Strecke verläuft meist auf asphaltierten Wegen fernab großer Straßen und weist nur geringe Steigungen auf - eignet sich somit auch für weniger geübte Radler. Wer mit dem Zug anreist, sollte die Tour direkt in Melle beginnen.
Vom Zentrum der Kleinstadt im Osnabrücker Land sind es zunächst rund acht Kilometer zur Quelle der Hase im Stadtteil Wellingholzhausen. Dort entsteht der Fluss aus mehreren Quellbächen. Auf den ersten Kilometern folgen einige Steigungen an den Ausläufern des Teutoburger Waldes - die stärksten der gesamten Tour.
Anschließend führt die Strecke flach in nördlicher Richtung durch Wiesen und Felder. Kurz vor Gesmold, das noch zur Stadt Melle gehört, zeigt sich eine geographische Besonderheit: eine Bifurkation. Der Flusslauf gabelt sich und die Hase gibt etwa ein Drittel des Wassers an die Else ab.
Während die Hase über die Ems in die Nordsee mündet, erreicht die Else das Meer in östlicher Richtung über Werre und Weser.
In Osnabrück erleichtern Radwege die Fahrt durch die Stadt, der Weg ins Zentrum ist ausgeschildert. In der Altstadt stehen mit dem historischen Rathaus am Markt sowie Dom und Marienkirche einige interessante Sehenswürdigkeiten.
Anschließend geht es am Fluss und einem parallel verlaufenden Kanal entlang durch das Naturschutzgebiet Haseniederung in die alte Handels- und Tuchmacherstadt Bramsche. Bei warmem Sommerwetter lohnt sich ein Abstecher an den Alfsee. Der Stausee wurde als Rückhaltebecken für die Hase angelegt und hat sich zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt.
Die offizielle Hase-Ems-Route führt nicht direkt zum See. Radler können aber bei Maschort südlich von Rieste abbiegen und am Alfsee entlang nach Alfhausen fahren. Bei Heeke treffen sie wieder auf die ausgeschilderte Route, die nach gut fünf Kilometern durch Bersenbrück führt.
Von Bersenbrück geht es auf meist gut befestigten Wegen durch ausgedehnte Felder ins Artland mit seinen typischen Höfen: jahrhundertealte große Anwesen umgeben von parkartigen Anlagen mit üppigen Eichen.
Nächste Station ist Quakenbrück, mit gut 12.000 Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum des Artlandes. In der sehenswerten Altstadt mit vielen kleinen Geschäften stehen etwa 100 Fachwerkhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten.
Bei Quakenbrück teilt sich die Hase in mehrere Arme. Der Radweg folgt der Großen Hase, die nach Westen abknickt und an Essen vorbei nach Löningen fließt.
Die Große Hase ist hier bereits ein ansehnlicher Fluss, der meist zwischen mit Gras bewachsenen Deichen durch ein Urstromtal fließt. Nur selten, wie bei Löningen, verläuft der Radweg direkt am Ufer. Das Städtchen bietet sich mit einer hübschen Fußgängerzone für eine Pause an. Sehenswert ist die klassizistische Kirche aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Kurz vor Herzlake zeigt eine Erdholländer-Windmühle, dass sich die Tour dem Emsland und den Niederlanden nähert.
Mehrfach wechselt der Radweg vom Nord- zum Südufer der Hase und zurück. Nach 60 Kilometern erreicht er Haselünne. Die Stadt ist für ihren Korn bekannt, von den einst 26 Brennereien existieren heute aber nur noch zwei, die Führungen und Verkostungen anbieten.
Nach 20 Kilometern ist Meppen erreicht. Hier führt der Radweg über eine Hubbrücke direkt in die Altstadt. Die Hase mündet nahe des Zentrums in die Ems und die Radroute ändert ihre Richtung: Nun folgt sie der Ems flussaufwärts nach Süden.
Auf der Strecke nach Lingen geht es zunächst am westlichen Ufer entlang. Bei Geeste wechselt die Tour für fünf Kilometer auf die andere Seite des Flusses und verläuft am Naherholungsgebiet Geester See vorbei.
Auf dem letzten Streckenabschnitt geht es durch die typische Moorlandschaft des Emslandes, vorbei am Emswasserfall in Hanekenfähr. In der Region lohnt ein Abstecher ins Emsland Moormuseum bei Geeste.
Rund um Emsbüren und Salzbergen passieren Radler Laub- und Kiefernwälder, überqueren die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und beenden die Hase-Ems-Route in Rheine.
Wer die Tour als Rundreise durch den Südwesten Niedersachsens geplant hat, fährt nun auf einer etwa 50 Kilometer langen Strecke zurück nach Osnabrück.
Die Artland-Rad-Tour: Eine Familienfreundliche Option
Die Artland-Rad-Tour, eine 103 km lange Rundtour durch das nördliche Osnabrücker Land, ist besonders für Familien geeignet. Mit nur 300 Höhenmetern ist sie relativ flach und gut mit der Bahn über Quakenbrück und Bersenbrück erreichbar.
Empfohlene Etappen
Für Familien mit Kleinkindern empfiehlt es sich, die Tour in drei Abschnitte zu gliedern, mit maximal 40 km Radfahren pro Tag und ausreichend Pausen mit Spielplatzzeit.
Ein typischer Tag auf dem Rad könnte so aussehen:
- Frühstück im Hotel
- Spielplatz-/Bewegungszeit
- Radfahren (ca. 1-1,5 Stunden) mit Spielpause
- Mittagspause
- Radfahren (Kind schläft im Fahrrad)
- Essenspause und Spielplatz-/Bewegungszeit
- Radfahren bis zum Ziel
- Ankunft im Hotel/Abendessen
Empfohlene Unterkünfte
- Hotel VELO, Quakenbrück: Ein modernes Hotel mit Fahrradbezug, Fahrradabstellraum und komfortablen Zimmern.
- See- und Sporthotel, Ankum: Direkt am See gelegen mit Aktivitätsmöglichkeiten und Restaurant mit Seeblick.
- Alte Heimat, Berge: Ein gemütliches Hotel mit Restaurant, liebevoll renoviert und mit persönlicher Geschichte.
Etappen und Sehenswürdigkeiten
- Quakenbrück bis Ankum (ca. 38 km): Historische Altstadt von Quakenbrück, Fachwerk in Gehrde, Bersenbrück (Klostermuseum), Ankum (Kirche und See).
- Ankum bis Berge (ca. 40 km): Spielplatz Ankum, Schloss Fürstenau, Waldspielplatz Bippen.
- Berge bis Quakenbrück (ca. 33 km): Stift Börstel, Bio-Backstube Wieruper Hof, Hof Elting-Bußmeier (Gastronomie und Spielplatz).
Fazit
Die Artland-Rad-Tour besticht durch ihre herrliche Natur, weite Felder und wunderschöne Fachwerkhöfe. Sie tauchen ein in eine abwechslungsreiche Naturlandschaft, die teilweise mitten in einem UNESCO Geopark liegt.
Weitere Radwege in der Region
Der Haseuferweg in Osnabrück
Radeln auf dem Haseuferweg ist Abwechslung pur. Der Radweg zwischen der Stadt Osnabrück und den Stadtteilen Lüstringen im Osten und Pye im Nordwesten ist hervorragend ausgeschildert und bietet auf wenigen Kilometern die gesamte Bandbreite vom Großstadtflair bis zur Naturidylle.
Der Haseuferweg ist insgesamt 17 Kilometer lang und enthält keine Steigungen.
Die Hase-Ems-Gemütlichkeits-Tour
Die Hase-Ems-Gemütlichkeits-Tour bietet eine entspannte Möglichkeit, die Region zu erkunden. Hier sind die Etappen:
| Etappe | Strecke | Distanz (ca.) |
|---|---|---|
| 1 | Osnabrück - Bersenbrück | 55 km |
| 2 | Bersenbrück - Löningen | 58 km |
| 3 | Löningen - Meppen | 45 km |
| 4 | Meppen - Lingen | 40 km |
| 5 | Lingen - Rheine/Hörstel | 55 km |
| 6 | Rheine/Hörstel - Osnabrück | 45 km |
Entlang der Strecke erlebt man eine ungewöhnlich vielfältige Flusslandschaft, da die Hase ein sprunghaftes Gewässer ist. Tausende von Obstbäumen säumen die Hase und bieten zur Blütezeit im Frühjahr einen Augenschmaus.
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