Das Oderbruch, das sich zwischen Bad Freienwalde und Neuhardenberg erstreckt, scheint auf den ersten Blick unspektakulär: flaches Land, Felder und Wiesen, durchzogen von Wassergräben, ein paar Hügel und große Entfernungen zwischen den wenigen, zumeist kleinen Ortschaften. Doch seine Geschichte ist spektakulär und lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden, denn das Oderbruch ist in weiten Teilen platt wie eine Flunder. Eine Tour durch das östliche Brandenburg ist eine Zeitreise in die Geschichte einer trockengelegten, einst lebensfeindlichen Sumpflandschaft. Heute kommen Biker, Künstler, Naturliebhaber und Grenzgänger - wenn es um einen begehrten Picknickplatz mitten im Fluss geht.
So ein Kurzurlaub ist deshalb immer auch eine Zeitreise in die Geschichte der Trockenlegung einer der größten mitteleuropäischen Sumpflandschaften durch Preußens König Friedrich II. in der Mitte des 18. Jahrhunderts - und noch mehr eine Geschichte von Menschen, die ihr Glück damals gegen alle Widerstände in die eigenen Hände nahmen. Es ist die Geschichte der gelungenen Umwandlung einer lebensfeindlichen, wilden, mückenverseuchten Naturlandschaft in eine lebens- und liebenswerte Kulturlandschaft. Über die gelungene Aktion soll der Alte Fritz gesagt haben: „Ich habe eine Provinz im Frieden erobert, ohne einen Soldaten zu verlieren.“ Wo sich einst Sümpfe bis zum Horizont erstreckten, kann man heute ohne Mückeninvasionen auf gut ausgebauten Fahrradwegen entlangfahren. Doch wer glaubt, das sei ein Kinderspiel, irrt. In welche Richtung man auch radelt, gefühlt kommt der Wind immer scharf von vorn, nichts stellt sich ihm in den Weg, nichts kann ihn aufhalten.
Historische Einblicke und Sehenswürdigkeiten
Anders als heute kam vor drei Jahrhunderten kaum ein Mensch freiwillig hierher. Theodor Fontane notierte in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, „... daß das Oderbruch vor seiner Urbarmachung eine wüste und wilde Fläche war“. Zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst, stand das Bruch unter Wasser. „Dann glich die ganze Niederung einem gewaltigen Landsee, aus welchem nur die höher gelegenen Teile hervorragten; ja selbst diese wurden bei hohem Wasser überschwemmt“, schrieb der berühmteste märkische Wandersmann über den ungastlichen Landstrich, der, außer ein paar Fischern, kaum jemanden ernährte. Das änderte sich erst mit der Trockenlegung, die 1747 auf Befehl Friedrichs II. begann.
Kein Wunder, dass dem Alten Fritz wegen dieser zivilisatorischen Großtat überall im Oderbruch Denkmäler gesetzt wurden. Das bekannteste steht in Letschin. Lässig auf seinen Stock gestützt, blickt der Monarch vom hohen Sockel hinab ins Oderland, so, als wollte er sagen: Seht her, dieses fruchtbare Land verdankt ihr mir. Ganz so war es allerdings nicht, ist in der Letschiner Heimatstube zu erfahren. Natürlich ging es dem Alten Fritz nicht darum, das Sumpfland (genau das bedeutet das Wort „Bruch“) aus purer Liebe zu seinen Untertanen trockenzulegen. Vielmehr brauchte der König nach mehreren verlustreichen Kriegen fruchtbares Land für Ackerbau und Viehzucht. Das Oderbruch war genau der Landstrich, der dafür infrage kam. 1747 begannen Hunderte Tagelöhner mit dem Bau eines 20 Kilometer langen Kanals. Am 2. Juli wurde das neue Flussbett geöffnet, das die Oder zähmen sollte. Seitenarme wurden verschlossen, Wälder gerodet, um Platz für neue Ackerflächen zu schaffen. 1753 waren die Hauptarbeiten geschafft und mehr als 32.500 Hektar Ackerland gewonnen. Nun ging es darum, Menschen anzusiedeln, die dieses Land bewirtschaften. Aber woher nehmen?
Theodor Fontane kennt die Antwort: „Das war nichts Leichtes. Eine eigne ‚Kommission zur Herbeischaffung von Kolonisten‘ wurde gegründet, und diese Kommission ließ durch alle preußische Gesandtschaften fleißige und arbeitsame Arbeiter zum Eintritt in die preußischen Staaten einladen. Diese Einladungen hatten in der Tat Erfolg ... So kamen Pfälzer, Schwaben, Polen, Franken, Westfalen, Vogtländer, Mecklenburger, Österreicher und Böhmen.“
Vergünstigungen für Kolonisten
Was wohl weniger das Ergebnis einer freundlichen Einladung war als viel mehr des Versprechens vom Alten Fritz auf zahlreiche Vergünstigungen: Jede Familie erhielt kostenlos Land; die Religionsausübung war frei (gemäß dem Motto Friedrichs II.: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“); Prediger und Kirchen bezahlte der König. In jedem Dorf gab es eine kostenlose Schule, allen Neusiedlern wurde 15 Jahre Steuerfreiheit zugesichert; sie, ihre Kinder und Kindeskinder wurden vom Militärdienst befreit.
Dieses verlockende Angebot und die damit verbundene Hoffnung auf ein besseres Leben bewog mehr als 7000 Menschen, ihre angestammte Heimat zu verlassen. In 40 neu errichteten Dörfern fanden sie ein neues Zuhause. Doch während der Alte Fritz schnell von seinen neuen Untertanen profitierte, lohnte es sich für die Kolonisten erst später. „Die erste Generation arbeitet sich tot, die zweite leidet Not, die dritte findet ihr Brot“ - ein Spruch, der die Realität treffend zusammenfasst.
Das Oderbruch heute
Auch heute ist das Oderbruch eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region, doch schon lange nicht mehr der „Gemüsegarten von Berlin“. Statt Felder mit Kartoffeln, Gurken oder Blumenkohl bestimmen immer mehr riesige Flächen mit Raps, Sonnenblumen oder Mais das Bild. Schön anzusehen, aber alles andere als gut für die Biodiversität. Es gibt nur noch wenige Bauern im Haupterwerb, nach der Wende fanden immer weniger Menschen hier Arbeit und zogen weg. Dafür entdeckten zahlreiche Künstler und andere kreative Menschen die Landschaft für sich, siedelten sich hier an und gestalteten die alten Häuser nach ihren Bedürfnissen.
Gut 45 mühsame Gegenwindkilometer entfernt von Letschin liegt Neutrebbin, das Radfahrer abseits der großen Straßen erreichen, die Tour führt an Entwässerungsgräben entlang und durch zahlreiche ehemalige Kolonistendörfer. Die 1500-Seelen-Gemeinde verdankt ihren Ursprung ebenfalls der Trockenlegung. Neutrebbins Gasthaus heißt passenderweise „Zum Alten Fritz“, eine schöne Unterkunft, in der man sich liebevoll um Gäste kümmert. Einst stand hier eine Fischerkate, nach der Trockenlegung wurde der Fischer zum Bauern. 1920 kauften die Großeltern des heutigen Besitzers den Hof. Doch ein Dasein als Bauer, wie noch seine Eltern, war für Jürgen Dunkel keine Alternative, und so verwandelte er sein Elternhaus 1986 zunächst in eine Gaststätte, nach der Wende baute er den ehemaligen Stall zu einer Pension mit 13 gemütlichen Zimmern um, die gern von Naturliebhabern, Radtouristen und Wanderern gebucht werden. See- oder Fischadler lassen sich hier genauso gut beobachten wie Wildgänse und Schwäne, die auf den Feuchtflächen des Bruchs reichlich Nahrung finden.
Neulietzegöricke: Ein Dorf unter Denkmalschutz
Morgens wird man vom Geklapper eines Storches geweckt, der sein Nest auf einem Hochsitz direkt vor dem Haus gebaut hat. Zum Frühstück gibt es Produkte aus der Region, dann geht es weiter nach Neulietzegöricke, ins älteste und schönste Kolonistendorf im Oderbruch. Der Weg dorthin führt durch Neubarnim - ein schöner Fotostopp dank der 1858 angelegten, zwei Kilometer langen Lindenallee, die älteste ihrer Art in Brandenburg. Neulietzegöricke entstand, wie die anderen Kolonistendörfer, 1753 auf dem Reißbrett als typisches Straßendorf: In der Mitte, zwischen den beiden Dorfstraßen, wurde auf etwa 850 Meter Länge der Schachtgraben, ein Wasserabzugsgraben, angelegt. Der Aushub wurde vor Ort weiterverwertet, er diente zur Erhöhung der Baustellen der Kolonistenhäuser, die rechts und links des Grabens entlang der Straße errichtet wurden. Mitten im Dorf entstanden Kirche, Gasthof und Schulhaus. Nach nur einem Jahr Bauzeit war alles fertig, 40 Familien mit rund 250 Menschen fanden hier eine neue Heimat.
Seit 1976 steht das Dorf unter Denkmalschutz. Viele der historischen Fachwerkhäuser der Kolonisten wurden nach der Wende denkmalgerecht saniert, staatliche Fördermittel machten es möglich. Heute leben knapp 200 Menschen in Neulietzegöricke, einige sind direkte Nachfahren der Kolonisten. Wie Martina Herrlich-Gryzan, die seit 2014 an mehreren Tagen pro Woche in der alten Schule ihr „Kolonisten-Kaffee“ und ganzjährig eine Pension betreibt - der beste Platz für eine entspannende Pause bei selbstgebackenem Kuchen und interessanten Geschichten wie dieser: „Friedrich II. war selbst leidenschaftlicher Kaffeetrinker“, erzählt die Wirtin, „ein Genuss, den er seinen Untertanen nicht gönnte: Ab 1780 ließ er rund 400 Kriegsinvaliden durch preußische Kommunen ‚schnüffeln‘, auch im Oderbruch - die ‚Schnüffler‘ sollten feststellen, wo gesetzeswidrig privat Bohnenkaffee geröstet wurde. Ihre Nasen sollten helfen, Geld im Land zu halten und für einheimischen Malzkaffee auszugeben, um Preußens Wirtschaft zu stärken.“
Kulturelle Highlights und die Oder
Weiter geht es, Richtung Oder. Nur wenige Meter vom Fluss entfernt steht ein Gebäudekomplex, dessen Baustil wie eine Mischung aus Friedensreich Hundertwasser und Hobbits daherkommt: Es gibt keine gerade Wand, dafür dick mit Trockenpflanzen und Moos bewachsene Dächer, schmückende Mosaike, viel Holz; alles wirkt improvisiert. Das passt zum Konzept, schließlich handelt es sich um das „Theater am Rand“, eines der ungewöhnlichsten privat geführten freien Theater Deutschlands. Der Name erklärt sich aus der Lage an der Grenze zu Polen: Mehr am Rand eines Landes kann man wohl nicht liegen. Seit 1998, als hier alles im Wohnzimmer des Musikers Thomas Morgenstern begann, hat sich das Theater einen besonderen Platz in der Kulturlandschaft erobert. Seit 2014 wird im jetzigen Gebäude gespielt. Das Repertoire ist breit gefächert, die Zuschauer kommen in Scharen von weither, um am Grenzfluss große Bühnenkunst zu erleben, gespielt oder gesungen. Das dürfte ganz im Sinne des Alten Fritz sein, von dem dieser Spruch überliefert ist: „Was ist schöner, als Vergnügungen des Geistes.“
Die Europabrücke: Eine Verbindung zwischen Polen und Deutschland
Nächste Station: Zollbrücke am Oderdamm, keine 100 Meter vom Theater entfernt. Der Fluss fließt ruhig dahin. Ganz anders als im Sommer 1997, als die Oder hier außer Rand und Band war und die verheerende Flut alles mitriss, was ihr in die Quere kam - Menschen, Tiere, Häuser. Dank Bundeswehr und Helfern aus ganz Deutschland konnte ein noch größeres Inferno verhindert werden: Die Dämme schwankten, aber sie hielten den Fluten stand. Längst genießen wieder Radtouristen, Skater und Spaziergänger ihren Ausflug entlang des Deiches auf dem gut 600 Kilometer langen Oder-Neiße-Radweg. Seit drei Jahren können sie nur vier Kilometer von Zollbrücke entfernt endlich auch grenzenlos zwischen Polen und Deutschland hin und her pendeln.
Nach jahrelanger Bauzeit wurde die Europabrücke für Fahrräder und Fußgänger im Juni 2022 eröffnet. Insgesamt 860 Meter lang, führen je 330 Meter auf deutscher und polnischer Seite über die Oder, verbunden mit einem 200 Meter langen Damm über eine Insel mitten im Grenzfluss. Eine Aussichtsplattform auf dem polnischen Teil der Brücke bietet einen weiten Blick über den Fluss hinein ins Oderbruch. Wer mag, macht ein Picknick mitten im Fluss, denn auf dem polnischen Teil der Brücke laden zahlreiche Tische und Bänke zu einer Rast ein.
Gut gestärkt kann danach die letzte Etappe in Angriff genommen werden: Immer geradeaus von der Fahrradbrücke bis nach Wriezen zum Bahnhof der Regionalbahn nach Berlin führt der Weg. Die Route ist beidseitig eng von Bäumen und Büschen gesäumt. Ein Segen! Denn erstmals auf der Tour pustet der Gott des Windes nicht von vorn, sondern von hinten. Mit Rückenwind ist das Oderbruch einfach schöner.
Weitere Sehenswürdigkeiten und Routen
Auf einer etwa 40 Kilometer langen Fahrradtour von Letschin nach Bad Freienwalde kann man eine Menge entdecken. In Letschin stand bis zu seiner Zerstörung 1866 die Apotheke, die Fontanes Vater bis 1847 besaß. Im Nachgängerbau befindet sich heute die Fontane-Apotheke. Teile des mittelalterlichen Gewölbes des ehemaligen Zisterzienserklosters Friedland sind noch erhalten und können besichtigt werden. Im Sommer kann man eine Badehose mitbringen, denn hinter der Anlage befindet sich ein Badestrand. Nicht weit entfernt sollte man sich ein Fischbrötchen in der Fischerei Altfriedland nicht entgehen lassen. Von hier aus kann man der B167 bis nach Bad Freienwalde folgen. Verpassen sollte man auch nicht die Dorfkreuzung in Vevais, auf der ein modernes Denkmal an die Ankunft der Hugenotten im 18. Jahrhundert erinnert.
Mehr als ein halbes Jahrhundert war die Oderbruchbahn so etwas wie die Lebensader der Region. Der erste Spatenstich erfolgte 1910, ein Jahr später wurde das erste Teilstück in Betrieb genommen. Das letzte Teilstück wurde 1912 eröffnet. Über 40 Bahnhöfe gab es auf den insgesamt 111 Kilometern der Oderbruchbahn. Sie verband die kleinen und großen Orte des Oderbruchs und bot gleichzeitig Anschluss an die Großstadt Berlin. Die Züge der Oderbruchbahn transportierten vor allem die Erzeugnisse der Bauern sowie die Produkte der Zucker- und Stärkefabriken und Brennereien nach Berlin. Der letzte Zug der Oderbruchbahn fuhr 1994 zwischen Dolgelin und Seelow. Die übrigen Streckenabschnitte wurden bereits in den 1960er und 1970er Jahren stillgelegt. Im Eisenbahnmuseum Letschin wird diese Zeit wieder lebendig. Alte Stellwerksanlagen sind hier ebenso zu sehen wie ein preußischer Abteilwagen.
Heute führt der Oderbruchbahn-Radweg durch die stille Landschaft des Oderbruchs. Und ist zugleich eine Reise zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts und in die Geschichte des Eisenbahnverkehrs. In Groß Neuendorf wartet nicht nur eine große Schaukel auf eine Pause. Die Hauptroute des Radweges auf der ehemaligen Oderbruchbahn führt von Fürstenwalde/Spree (oder alternativ von Müncheberg) nach Wriezen. Entlang der Strecke gibt es mehrere Abzweigungen. Von Müncheberg aus bietet sich ein Abstecher in den wenige Kilometer entfernten Kurort Buckow (Märkische Schweiz) mit dem Museum der Buckower Kleinbahn an.
In Wriezen kann die Tour bis Bad Freienwalde verlängert werden. Und wer noch nicht in Zollbrücke war, nimmt in Karlshof den Abzweig Richtung Oderdeich. Übrigens: Weil die Fahrgäste früher ihre Apfelreste während der Fahrt aus dem Fenster warfen, gibt es entlang der Strecke so viele Apfelbäume.
Sehenswertes entlang der Strecke:
- Fürstenwalde: Dom St. Marien, Altes Rathaus, Bischofsschloss, Stadtpark, Brauereimuseum, Kunstgalerie
- Steinhöfel: Schloss
- Seelow: Gedenkstätte Seelower Höhen, Stadtkirche
- Friedersdorf: Kunstspeicher
- Golzow: Filmmuseum
- Groß Neuendorf: Kulturhafen
- Wriezen: St. Marienkirche
Radtourvorschlag: Rundtour ab Wriezen
Weite und Abwechslung klingen gut? Das Radeln auf alten Bahntrassen und auf dem Deich hört sich nach Spaß an? Unbekannte Kleinode zu entdecken und Wasservögel zu beobachten, weckt Glücksgefühle? Dann ist diese Radrundtour mit Abstecher nach Polen genau das Richtige. Gleich neunmal wird hierbei die Oder überquert, dabei lässt sich wunderbar der mächtige Strom bestaunen und auch immer wieder auf den historischen Flussverlauf stoßen.
- Start und Ziel: Bahnhof Wriezen
- Länge: 51 km
- Dauer: ca. 3 - 3,5 h
- An- und Abreise: RE4 ab Berlin Hbf. bis Eberswalde, dann RB60 bis Wriezen
Highlights:
- Frei: auf Deichen, Bahndämmen und Aussichtspunkten die Weite spüren und per Rad ehemalige Grenzen überwinden
- Natur: Zur Zugvogelzeit tausende Gänse beobachten
- Kolonisten: schmucke Dörfer besuchen, die zur Trockenlegung des Oderbruchs neu besiedelt wurden
- Gut versorgt: in gemütlichen Kleinoden einkehren
Von Wriezen auf dem alten Bahndamm der Oder entgegen. Die Rundtour startet in Wriezen. Gleich zu Beginn überquert man die Wriezener und danach gleich noch die Güstebieser Alte Oder. Es geht schnurgerade auf dem Oderbruchbahn-Radweg durch herrliche Landschaft auf der ehemaligen Bahnstrecke entlang. Eine alte Tabakscheune erinnert an die vergessene Tradition des Tabakanbaus im Oderbruch. Bei schönem Ausflugswetter summt es überall, die Vögel zwitschern und queren waghalsig den Weg und am Ende des ersten Teilstückes wartet die Oder mit ihrem imposanten Blick in die Ferne.
Wo früher Züge über die Oder fuhren, kann heute per Rad der große Strom überquert werden. Die deutsch-polnische Brücke steht symbolisch für Zusammenwachsen und das Überwinden von Grenzen in Europa. Viele Fotos und Erklärungen zur Geschichte der Brücke sind installiert und zahlreiche Möglichkeiten für eine Pause laden ein, dem Frösche- und Reiherkonzert an der beindruckenden Oderaue zu lauschen. Während man auf dem imposanten, fast 900 m langen Bauwerk unkompliziert nach Polen kommt, fließt die Oder gemächlich, aber bestimmt unter einem durch. Auf einer spektakulären Aussichtsplattform lässt sich die Landschaft bestens überblicken.
Weiter geht’s auf dem Zielona Odra-Radweg (ZiO). Der Radweg verläuft auf einer wenig befahrenen Landstraße. Entlang der Oderhänge, die das Oderbruch auf polnischer Seite begrenzen, gibt’s immer mal wieder tolle Aussichten auf die Oderaue. Bei Stare Łysogórki fließt das Wasser der kleinen Słubia parallel zum Lauf der Oder. In diesem Bereich des Schutzgebietes Cedyński schweifen die Blicke auf ein ehemaliges Binnendelta, das durch abgeschnittene Sümpfe und Auenwälder wirklich wild anmutet. Dort werden sogar noch Weiden für die Korbflechterei geschnitten. Mit Glück offenbaren sich einem Silber- und Graureiher, der mächtigen Seeadler und zahlreiche andere Wasservögel. Das kleine Regionalmuseum beherbergt unter anderem eine Sammlung Fahrräder aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Ein großer Soldatenfriedhof erinnert an das umkämpfte Gebiet. Bevor man die Słubia überquert, lädt ein kleines Restaurant zu einer Pause ein. Tipp: unbedingt den kurzen Abstecher an der Gedenkmauer zu einem ehemaligen Bunkerstand machen. Von der Anhöhe wartet ein herrlicher Weitblick: der große Fluss, die Aussicht ins Seenland Oder-Spree - Zeit um durchzuatmen!
Auch in Gozdowice zeigt ein kleines Regionalmuseum Erinnerungsstücke aus dem Krieg. Nun erwartet einen bereits die vierte Oderquerung. Angetrieben von zwei Schaufelrädern überwindet die kleine Fähre „Bez Granic“ - „ohne Grenzen“ den großen Strom - von April bis Oktober im Stundentakt. Auf der anderen Seite empfängt Viadrus Heimkehrende. Der Flussgott der Oder hat seine Augen in Richtung Oder-Mündung und Ostsee gerichtet. Vom kleinen Hügel, auf dem die Skulptur steht, offenbart sich ein schöner Blick über das Deichvorland. Auch die Einheimischen kommen gerne hierher, um einfach mal nach dem Wasserstand zu schauen oder dem gemächlich dahinziehenden Wasser hinterherzuschauen.
Über die Güstebieser Alte Oder hinweg, durch die weite Landschaft zieht sich die Tour. Am Hochwasserdeich, der mit blütenreichen Frischwiesen bewachsen ist, grasen die entspannten Schafe. Im Frühjahr und Spätsommer wird man mit etwas Glück spektakuläre Zugvogelbeobachtungen machen können: tausende Grau- und Saatgänse beherrschen dann die Wiesen und den Luftraum. Das kurze Teilstück auf dem Oder-Neiße-Radweg verlässt man in Richtung Zollbrücke. Im Zuge der Oderregulierung entstand 1755 eine Holzbrücke über die Oder, wo für das Passieren Zoll verlangt wurde. Der entfällt heute, dafür gönnt man sich glatt eine kulinarische Pause. Wie wärs mit einem erfrischenden Eis aus Ziegenmilch?
Im ältesten Kolonistendorf Neulietzegöricke ist noch so richtig ablesbar, wie die Oderbruchdörfer mal ausgesehen haben. Ein beschilderter Dorfrundgang erzählt vom Leben der Neusiedler in ihren vielen Fachwerkhäusern, die im Zuge der Trockenlegung ins Oderbruch kamen. Im Kolonisten-Kaffee wartet selbstgebackener Kuchen, Kürbissuppe oder Zwiebelkuchen, wenn der Magen knurrt. Die letzten Kilometer verläuft die Strecke wieder den Oderbruchbahnradweg entlang. Bei Karlshof und Altwriezen wird nochmals die Alte Oder gekreuzt und es geht auf dem Deich am alten Flussbett entlang zum Etappenfinale nach Wriezen.
Einkehrtipps:
- An der Europabrücke wartet auf polnischer Seite im Sommerhalbjahr der Healthy Foodtruck von Edyta und Ryszard mit hausgemachten Bigos auf hungrige RadfahrerInnen
- Stare Łysogórki: B&B auch mit Kaffee & Kuchen & Snacks
- Zollbrücke: Restaurant Dammmeisterei Zollbrücke mit idyllischem Garten, Ziegenhof Zollbrücke
- Neulietzegöricke: Kolonisten-Kaffee
- Wriezen: Pizza im Ristorante „Juani“
Extra-Touren-Tipp:
- Fährzeiten vorher online checken.
- In Neulietzegöricke einen Rundwanderweg „übers Feld von Dorf zu Dorf“ einschieben (ca. 1h).
Das Oderbruch entdecken: Eine Zusammenfassung
Neulietzegöricke, das älteste Kolonistendorf, glänzt mit hübsch restaurierten Fachwerkhäusern. Den geografischen Mittelpunkt des Oderbruchs bildet Wriezen, die "Hauptstadt des Oderbruchs". Sehenswert sind hier die Skulpturen des Marktbrunnens an der Ruine der St. In Letschin führt der Weg am Denkmal des Alten Fritz vorbei. Markant ist der erhalten gebliebene Schinkelturm der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche. Theaterfreunde wird das überregional bekannte "Theater am Rand" von Schauspieler Thomas Rühmann in Zollbrücke begeistern. Seit auch bildende Künstler das Oderbruch für sich entdeckt haben, gibt der Kreativort Einblicke ins Schaffen von Maler, Bildhauern und Keramikern.
| Sehenswürdigkeit | Ort | Beschreibung |
|---|---|---|
| Denkmal Friedrich II. | Letschin | Bekanntes Denkmal des preußischen Königs |
| Kolonistendorf | Neulietzegöricke | Ältestes Kolonistendorf im Oderbruch |
| Theater am Rand | Zollbrücke | Ungewöhnliches Theater an der polnischen Grenze |
| Europabrücke | Zollbrücke/Neurüdnitz | Fahrrad- und Fußgängerbrücke zwischen Deutschland und Polen |
| Oderbruchbahn-Radweg | Fürstenwalde/Wriezen | Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse |
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