Das Fahren in falscher Richtung stellt ein erhebliches Risiko für Radfahrer dar. Verkehrsteilnehmer können auf dem Fahrrad zum Geisterfahrer werden, wenn sie Straßen oder Radwege in der falschen Richtung befahren.
Wann gelten Radfahrer als Geisterfahrer?
Gemäß § 2 Abs. 2 Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen Radfahrer möglichst weit rechts fahren. Wer von diesem Grundsatz abweicht, ist bereits ein Geisterfahrer. Mit dem Fahrrad dürfen Sie wie Kfz eine Einbahnstraße nur in die vorgegebene Richtung befahren. Befindet sich in jede Fahrtrichtung ein Radweg, dürfen Radfahrer auch nur den rechten Radfahrstreifen benutzen. Der linke Radweg ist generell tabu. Einzig, wenn er mit dem alleinstehenden Verkehrszeichen „Radverkehr frei“ und nicht mit den Zeichen 237, 240 bzw. Wer von diesen Regeln abweicht, gilt laut Verkehrsrecht als Geisterfahrer auf dem Fahrrad.
Unfallrisiko und Verletzungsrisiko
Das Unfallrisiko ist sehr hoch und das Verletzungsrisiko umso höher, denn Radfahrer sind meist weitgehend ungeschützt unterwegs. Eine Helmpflicht gibt es nicht und eine Knautschzone wie beim PKW ist ebenfalls nicht vorhanden. Den Weg abkürzen und aus Bequemlichkeit in die falsche Richtung fahren oder schlicht die Verkehrsregeln nicht kennen: Gründe, Geisterfahrer auf dem Fahrrad zu werden, gibt es viele.
Schuldfrage bei Unfällen
Verursachen Geisterfahrer auf dem Fahrrad einen Unfall, wird diesen in der Regel die volle Schuld zu gesprochen. Es wird davon ausgegangen, dass der Radfahrer seine Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr missachtet hat. Obwohl PKW-Fahrer in der Regel eine Teilschuld beim Fahrradunfall erhalten, gilt dies nicht für Geisterfahrer auf dem Fahrrad.
Sanktionen für Falschfahrer
Für die Befahrung in falscher Richtung sind Bußgelder zwischen 20 und 35 Euro vorgesehen.
Aktuelles Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder)
Ein verhängnisvoller Ausflug auf dem Gehweg endete für eine Radfahrerin in einer Kollision mit einem Auto. Die verletzte Frau forderte daraufhin vor Gericht Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch das Landgericht Frankfurt (Oder) sah die alleinige Schuld bei ihr und wies die Klage vollständig ab.
Der Fall vor Gericht
Am Abend des 29. Oktober 2021, gegen 19:00 Uhr, war eine Frau mit ihrem Fahrrad auf dem Gehweg der S… S… unterwegs. Sie fuhr auf der linken Straßenseite, also entgegen der üblichen Fahrtrichtung für Fahrzeuge auf der Fahrbahn. Sie näherte sich der Einmündung des S…, einer kleineren Straße, die in die S… S… mündet. Wichtig zu wissen: Der Verkehr auf der S… S… hat Vorfahrt gegenüber dem Verkehr aus dem S….
Zur gleichen Zeit fuhr eine Autofahrerin mit ihrem BMW aus dem S… und wollte in die S… S… einbiegen. Infolge des Unfalls stürzte die Fahrradfahrerin und erlitt schwere Verletzungen.
Was die Fahrradfahrerin forderte
Die Klägerin war der Meinung, der Unfall sei für sie unvermeidbar gewesen. Sie räumte zwar ein, dass sie den Gehweg benutzt hatte, und war deshalb bereit, eine Mitschuld von 50 % zu akzeptieren. Angesichts dieser schweren Folgen forderte sie ein sogenanntes Schmerzensgeld von mindestens 7.500 Euro. Zusätzlich verlangte sie Ersatz für entstandene Kosten, wie zum Beispiel für das beschädigte Fahrrad, in Höhe von 3.016,38 Euro.
Die Entscheidung des Gerichts
Das Landgericht Frankfurt (Oder) wies die Klage der Fahrradfahrerin vollständig ab. Das bedeutet, sie bekommt weder Schmerzensgeld noch Schadensersatz für ihr Fahrrad oder andere Kosten. Im Gegenteil: Die Fahrradfahrerin muss die gesamten Kosten des Rechtsstreits tragen.
Begründung des Gerichts
Das Gericht erklärte, dass die Klage zwar zulässig war - also alle formellen Voraussetzungen für ein Gerichtsverfahren erfüllt waren - aber in der Sache selbst unbegründet sei. Die Fahrradfahrerin habe keinen Anspruch auf den geforderten Schadensersatz.
Es war unbestritten, dass die Klägerin mit dem Fahrrad den Gehweg der S… S… befuhr. Das Gericht wertete dies als einen groben Verstoß gegen § 2 Absatz 5 der StVO. Nach dieser Vorschrift ist das Fahrradfahren auf Gehwegen nur Kindern bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr erlaubt, nicht aber Erwachsenen. Hinzu kam, dass die Klägerin auf der linken, also der falschen Seite der S… S… fuhr. Auch das stufte das Gericht als grob verkehrswidrig ein.
Für die Klägerin galt stattdessen § 10 der StVO. Diese Regelung betrifft das Einfahren von anderen Straßenteilen (wie einem Gehweg) in eine Fahrbahn. Wer das tut, muss sich so verhalten, dass andere Verkehrsteilnehmer auf keinen Fall gefährdet werden.
Dieses massive Missachten der Verkehrsregeln war so schwerwiegend, dass selbst die sogenannte Betriebsgefahr des Autos - also das allgemeine Risiko, das von jedem Fahrzeug im Verkehr ausgeht, selbst wenn der Fahrer alles richtig macht - vollständig hinter dem Fehlverhalten der Radfahrerin zurücktrat.
Regeln für die Nutzung von Gehwegen durch Radfahrer
Grundsätzlich sind Gehwege für Fußgänger reserviert und dürfen von Radfahrern nicht befahren werden. Ausnahmen:
- Begleitpersonen: Erwachsene, die Kinder unter zehn Jahren mit dem Fahrrad begleiten, dürfen den Gehweg ebenfalls mitbenutzen.
- Ausdrückliche Beschilderung: Wenn ein Verkehrsschild dies erlaubt.
Wichtig dabei ist immer: Selbst wenn die Nutzung des Gehwegs erlaubt ist, müssen Radfahrer stets besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen und ihre Geschwindigkeit anpassen. Fußgänger haben Vorrang und dürfen nicht gefährdet oder behindert werden.
Haftungsrisiken bei unerlaubter Nutzung des Gehwegs
Das unerlaubte Befahren eines Gehwegs birgt erhebliche Risiken für die Haftung bei einem Unfall:
- Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO): Die unerlaubte Nutzung des Gehwegs ist ein klarer Verstoß gegen grundlegende Verkehrsregeln.
- Erhöhtes Haftungsrisiko: Kommt es zu einem Unfall, während Sie den Gehweg unerlaubt nutzen, wird dies als schwerwiegendes Fehlverhalten Ihrerseits gewertet. Ihre Haftung für entstandene Schäden ist dann deutlich höher.
- Mitverschulden oder Alleinschuld: Im Falle eines Unfalls kann Ihnen ein erhebliches Mitverschulden oder sogar die Alleinschuld zugerechnet werden.
Dies bedeutet, dass die Missachtung der Regeln auf dem Gehweg nicht nur zu Bußgeldern führen kann, sondern im Falle eines Unfalls weitreichende finanzielle Konsequenzen haben kann.
Doppelte Missachtung der Verkehrsregeln
Wenn Radfahrer den Gehweg nutzen, obwohl dies nicht erlaubt ist, und dabei auch noch entgegen der Fahrtrichtung fahren, handelt es sich um eine Kombination aus zwei schwerwiegenden Verkehrsverstößen. Diese doppelte Missachtung der Regeln wird von Gerichten in Deutschland als besonders riskant und fahrlässig eingestuft.
Die Kombination dieser beiden Verstöße führt in der Regel zu höheren Bußgeldern, als wenn nur ein Verstoß vorliegen würde. Zusätzlich können für solche schwerwiegenden Verkehrsregelbrüche auch Punkte im Fahreignungsregister (Flensburg) eingetragen werden.
Die wohl gravierendste Konsequenz entsteht, wenn es zu einem Unfall kommt. In einem solchen Fall wird dem Radfahrer eine sehr hohe, oft alleinige Schuld am Unfall zugesprochen.
Sorgfaltspflicht beim Einfahren von Gehweg auf die Fahrbahn
Wenn Radfahrer von einem Gehweg auf die Fahrbahn einfahren möchten, unterliegen sie einer besonderen Sorgfaltspflicht. Diese Pflicht ist im deutschen Verkehrsrecht, speziell in § 10 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), verankert.
Die grundlegende Regel des § 10 StVO besagt, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der aus einem anderen Straßenteil (wie zum Beispiel einem Gehweg, einem Grundstück, einem Feldweg oder einer privaten Ausfahrt) auf die Fahrbahn wechselt, den fließenden Verkehr nicht behindern oder gefährden darf.
Radfahrer auf der falschen Seite mit Vorfahrt?
Auch ein neues Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Az. 9 U 173/16 OLG Hamm) räumt mal wieder mit dem Irrtum auf. Auch in diesem Fall habe der beklagte Autofahrer, so der Senat, den Unfall in erheblichem Umfang verschuldet. Die Klägerin habe ihr Vorfahrtsrecht nicht dadurch verloren, dass sie den kombinierten Geh- und Radweg entgegen der Fahrtrichtung befahren habe, obwohl dieser für eine Nutzung in ihrer Fahrtrichtung nicht mehr freigegeben gewesen sei.
Der zentrale Satz laut: "Ein Radfahrer behält auch dann sein Vorfahrtsrecht gegenüber kreuzenden und einbiegenden Fahrzeugen, wenn er verbotswidrig den linken von zwei vorhandenen Radwegen benutzt, der nicht gem. § 2 Abs. 4 S. Im konkreten Fall wurde dem Autofahrer ein Verschuldensanteil von zwei Dritteln und der Radfahrerin von einem Drittel zugesprochen.
Autofahrer sind gut beraten, zu verstehen, dass die grundlegenden Spielregeln im Verkehr auch für Radfahrer und Radspuren gelten. In diesem Fall, dass die Vorfahrt der bevorrechtigten Straße eben auch auf dem Radweg gilt.
Verhaltensweisen nach einem Fahrradunfall
Gibt es nach dem Unfall Verletzte, muss diesen zunächst geholfen werden. Bei schweren Verletzungen ruft man am besten umgehend den Notarzt. „Wenn bis auf ein paar kleine Schürfwunden weiter nichts passiert ist und die Beteiligten sich über die Schuldfrage einig sind, genügt es, wenn die Unfallbeteiligten ihre Personalien, Telefonnummern und Versicherungsdaten austauschen“, rät Christoph Becker.
Gibt es nach einem Fahrradunfall Streit über die Unfallschuld, sollte die Polizei verständigt werden. „Die befragt alle Unfallbeteiligten und Zeugen und erstellt eine Skizze vom Unfallort. Hat einer der Beteiligten die Verkehrsregeln missachtet, stellt die Polizei eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat fest, die mit einem Verwarnungsgeld oder einer Anzeige geahndet werden kann“, erklärt Becker.
Am besten fotografiert man mit seinem Smartphone die Unfallschäden und die Beschilderung am Unfallort. So erhält die Versicherung alle notwendigen Unterlagen. Herrscht Uneinigkeit über die Schuldfrage, ist es besser, einen Rechtsanwalt hinzuziehen.
Radwege und Richtungsgebot
Viele Fahrradfahrer nutzen ausgewiesene Fahrradwege, um sich sicherer im Straßenverkehr zu bewegen. Diese Radwege unterliegen jedoch einem „Richtungsgebot“. Wenn der Radweg nicht durch ein Verkehrszeichen in beide Richtungen freigegeben ist, muss man sich an die Richtungsangabe halten und ist an den Rechtsverkehr gebunden.
Ein Fahrradfahrer verliert durch die verkehrswidrige Benutzung des Fahrradstreifens in die falsche Fahrtrichtung NICHT seinen Vorfahrtsanspruch. Dennoch kann das falsche Befahren des Fahrradweges bei der Frage nach der Haftungshöhe zu negativen Folgen für den Fahrradfahrer führen. Ihm ist in solchen Fällen regelmäßig ein Mitverschulden an dem Unfall nach § 254 Abs. 1 BGB zuzuweisen.
Für das falsche Befahren des Fahrradweges wird regelmäßig ein Mitverschulden in Höhe von einem Drittel angesetzt.
Benutzungspflichtige Radwege
Nicht jeder Radweg muss zwingend von Radfahrern genutzt werden. Nur wenn ein Radweg als „benutzungspflichtig“ gekennzeichnet ist, sind Radfahrer dazu verpflichtet, diesen auch zu benutzen.
Verkehrszeichen für benutzungspflichtige Radwege:
- Verkehrszeichen 237: Radweg ausschließlich für Radfahrer und E-Scooterfahrer.
- Verkehrszeichen 240: Gemeinsamer Geh- und Radweg für Fußgänger, Radfahrer und E-Scooterfahrer.
- Verkehrszeichen 241: Getrennter Rad- und Gehweg, wobei der für den Radverkehr bestimmte Teil ausschließlich für Radfahrer und E-Scooterfahrer vorgesehen ist.
Unfallstatistik
Die Unfallstatistik zeigt, dass das Fahren mit Fahrrädern Risiken birgt. Im Jahr 2021 ereigneten sich in Deutschland rund 85.000 Fahrradunfälle, wobei 68.000 Unfälle mit nicht motorisierten Fahrrädern und 17.000 mit Pedelecs oder E-Bikes in Verbindung standen. Interessanterweise wurden 59 Prozent dieser Unfälle von den Radfahrenden selbst verursacht.
Bußgelder für Verkehrsverstöße von Radfahrern
- Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebots: 15 Euro
- Befahren eines ausgeschilderten Radwegs in falscher Richtung: 20 Euro
- Missachtung des Straßenschilds „Verbot der Einfahrt“: 20 Euro
- Nichtbenutzung des beschilderten Radwegs: 20 Euro
Die Mitverschuldensquote
Die Mitverschuldensquote ist ein juristisches Instrument, das dazu dient, die Verantwortung für einen entstandenen Schaden zwischen den beteiligten Parteien aufzuteilen. Bei einem Fahrradunfall, insbesondere bei falscher Nutzung des Radwegs, kann diese Quote entscheidend sein.
Ein Beispiel: Wenn ein Fahrradfahrer einen Radweg entgegen der vorgeschriebenen Richtung nutzt und es zu einem Unfall mit einem Autofahrer kommt, der gleichzeitig eine rote Ampel überfährt, könnten beide Parteien eine Mitschuld am Unfall haben. In einem solchen Fall könnte einem Gericht zufolge der Fahrradfahrer eine Mitverschuldensquote von beispielsweise 40% zugewiesen bekommen, während der Autofahrer 60% trägt. Dies bedeutet, dass der Fahrradfahrer nur 60% des ihm entstandenen Schadens ersetzt bekommt.
Zusammenfassung
Radwege sind eine sinnvolle Maßnahme, um die Sicherheit der Fahrradfahrer zu gewährleisten. Es gibt jedoch ein Richtungsgebot, an das sich Fahrradfahrer halten sollten. Nutzt ein Fahrradfahrer den Radweg verkehrswidrig, so führt dies jedoch nicht automatisch zu einer Veränderung der Vorfahrtsregelung.
Bei Unfällen an Ausfahrten aus Garagen oder Grundstücken müssen Autofahrer Schrittgeschwindigkeit fahren. Verkehrszeichen sind entscheidend, um zu erkennen, ob ein Radweg benutzungspflichtig ist oder nicht.
Häufige Fragen
- Was bedeutet das „Richtungsgebot“ für Fahrradfahrer? Radfahrer müssen einen Radweg in der durch Verkehrszeichen vorgegebenen Richtung nutzen.
- Wie beeinflusst die Mitverschuldensquote die Haftung bei einem Fahrradunfall? Durch die Mitverschuldensquote wird die Höhe des Schadensersatz-/Schmerzensgeldanspruches von dem Fahrradfahrer beeinflusst.
- Ist es für Fahrradfahrer über 10 Jahren erlaubt, auf Gehwegen zu fahren? Nein, grundsätzlich ist die Nutzung des Gehweges für Fahrradfahrer über 10 Jahren verboten.
- Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Kfz-Fahrer beim Abbiegen auf Vorfahrtsstraßen mit Radwegen treffen? Autofahrer sollten stets mit sehr langsamer Geschwindigkeit an die Straße heranfahren und alle anderen Verkehrsteilnehmer dabei im Auge behalten.
- Wie wird die Haftung bei einem Fahrradunfall ohne Kollision bestimmt? Selbst dann, wenn es zu keiner Kollision zwischen dem Fahrrad und dem Auto gekommen ist, können Autofahrer in die Haftung genommen werden.
Verwandte Beiträge:
- Radfahrerinnenbeine: Training, Pflege & die schönsten Looks
- Verkehrszeichen für Radfahrer: Übersicht & Erklärungen
- Radfahrer Jacke Herren: Test, Vergleich & Kaufberatung für Fahrradjacken
- Die heißesten Motorräder im Überblick: Top-Modelle, unschlagbare Aktionen & exklusive Angebote!
- Unglaublich effizient: So funktioniert der Tretroller mit mechanischem Antrieb!
Kommentar schreiben