Radrennen Neuss: Geschichte und Entwicklung

Neuss ist seit Langem ein wichtiger Standort für Radrennen in Deutschland. Die Stadt hat eine reiche Tradition in diesem Sport, die bis in das frühe 20. Jahrhundert zurückreicht.

Die Anfänge: Rund um die Drususallee

Ein besonderes Kapitel in der Neusser Radsportgeschichte ist das Rennen „Rund um die Drususallee“. Nick Gates, ein australischer Radrennfahrer, wird in der Neusser Sportgeschichte einen Ehrenplatz einnehmen, da er als erster und gleichzeitig letzter dieses Rennen gewann. Das Rennen fand am 22. August statt.

Schuld an der geringen Zuschauerzahl war nicht Nick Gates. Vielmehr war es die dünne Kulisse von etwa 500 Zuschauern an diesem Samstagnachmittag, die in keinem Verhältnis zum enormen Aufwand des Organisationsteams des Neusser Radfahrervereins stand. An der Spitze des Teams standen Friedhelm Hamacher, Waldi Dilbens und Kurt Sitterle.

Viele hielten „Bimbo“, den im Januar 2008 verstorbenen ehemaligen NRV-Vorsitzenden, für verrückt, als er ankündigte, eine zuschauerträchtige Sportveranstaltung zu „erfinden“. Doch er setzte sein Vorhaben um und am 15. August 2002 standen Zehntausende an der Strecke. Friedhelm Hamacher hielt Wort: Erik Zabel stand an der Startlinie, und auch Jens Voigt wurde seinem Ruf als Publikumsliebling gerecht.

Nach 75 Runden hatte Andreas Beikirch im Spurt die Nase vorn vor Lars Teutenberg, und Gian-Matteo Fagnini wurde Dritter. Start und Ziel waren auf der Drususallee aufgebaut, die die Fahrer 75 Mal umrundeten, inklusive 150 Spitzkehren. Dass die Strecke ein Jahr später zur Kaiser-Friedrich-Straße wanderte, lag an Erik Zabel.

Tour de Neuss: Ein neues Kapitel

Die „Tour de Neuss“ hat sich zu einer festen Größe im regionalen Radsportkalender entwickelt. Die 17. Auflage der Tour de Neuss fand am 1. August mit Start und Ziel auf der Kaiser-Friedrich-Straße in Neuss statt. Das erste Rennen startete am Mittwoch um 14:15 Uhr, die gesamte Rennstrecke wurde aber bereits ab circa 13 Uhr wegen Aufbauarbeiten gesperrt.

Die Stadt empfahl Autofahrern, außerhalb der Strecke zu parken, da aus einigen Straßen während der Rennen keine Ausfahrt möglich sein wird. Davon betroffen waren unter anderem die Grünstraße und die Sternstraße. Los ging es am frühen Nachmittag mit einem Rennen für Kinder, an dem auch Julius Zülke teilgenommen hat. Beim Inklusionsrennen hatten auch Teilnehmer mit Behinderungen die Möglichkeit mitzufahren.

Als Highlight galt vor allem das Profirennen am Abend. Bei dem Event in Neuss wurden auch einige Teilnehmer der diesjährigen Tour de France erwartet.

Am Mittwoch, den 24. Juli 2024, sowie am 30. Juli 2025 findet in der Neusser Innenstadt die „Tour de Neuss“ statt. Um begehrte Punkte und Siege fährt dabei die Radsportjugend U11, U13 und U15 für die Wertung der Deutschen Meisterschaft. Außerdem werden wieder Fahrer der ProTour vom Giro d’Italia und der dann just vergangenen Tour de France erwartet.

Wie das Feld der Profis letztendlich besetzt ist, wird der vierfache Tour-de-France-Teilnehmer und sportlicher Leiter der Tour de Neuss, Markus Fothen, wie gewohnt kurz vor der Tour de Neuss bekannt geben. Ein Highlight der Tour de Neuss ist das Sponsoren- und Firmenrennen, in dem Viererteams in zwölf Runden zeigen, was in ihnen steckt. Das beliebte Inklusionsrennen (Aktion Tandem) geht wieder mit fünf Tandem-Rädern an den Start und auch „Kinder fahren mit den Profis" gehört wieder zum Programm der Tour de Neuss.

Bereits ab 9 Uhr gesperrt wird die Kaiser-Friedrich-Straße zwischen Kanalstraße und Deutsche Straße. Die Straßenbereiche außerhalb der Rennstrecke werden so beschildert, dass eine Zu- und Abfahrt grundsätzlich möglich ist.

Dies gilt nicht für die Bereiche Grünstraße, Kanalstraße, Breitgasse und Sternstraße zwischen Drususallee und Kanalstraße. Aus den genannten Straßen ist während der Rennen auch keine Ausfahrt möglich. Es wird daher empfohlen, außerhalb der Rennstrecke zu parken. Das Amtsgericht ist in dieser Zeit nur fußläufig erreichbar.

Tour de Neuss fährt für den Fairen Handel

Am 1. August startete die Tour de Neuss des Neusser Radfahrervereins erstmals unter dem Motto „Tour de Neuss fährt für den fairen Handel“. So werden bei der diesjährigen Tour de Neuss alle Trikotnummern der Fahrer einen Fair-Trade Schriftzug führen. Außerdem wird bei allen Gastronomen an der Strecke ausnahmslos fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt und die Fahrer werden mit fair gehandelten Bananen versorgt.

„Die Zahlung fairer Löhne ist weltweit ein wichtiges Thema. Der Rhein-Kreis Neuss setzt sich als 1. Fair-Trade Kreis in Deutschland schon traditionell hierfür ein“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Die soziale Verantwortung des Sports ist für Stefan Hilgers, Vorsitzender des Neusser Radfahrerverein von 1888/09 e.V. Motivation, für den Fairen Handel zu werben. „Zu Fair Play im Sport gehört auch Fair Trade“, betont Hilgers. Die Idee, die Tour de Neuss in diesem Jahr unter das Motto des Fairen Handels zu stellen, sei im Gespräch mit dem Rhein-Kreis Neuss entstanden.

Für Dieter Overath, Vorstand von FairTrade Deutschland, ist die Einbindung des Fairen Handels bei zivilgesellschaftlichen Ereignissen von hoher Bedeutung. „Der Rhein-Kreis Neuss und die Stadt Neuss mit der Neusser-Eine-Welt-Initiative sind Aktivposten der Fair-Trade Bewegung in Deutschland. Die diesjährige Tour de Neuss ist hierbei ein weiteres positives Beispiel“, lobt Overath die Initiative des Neusser Radfahrervereins und des Kreises.

Die Rolle des Neusser Radfahrervereins

Bernd Röttges setzt als Vorsitzender des Neusser Radfahrervereins auf Teamgeist. Ja, es gab und es gibt sie immer noch, die Stimmen, die mit dem Ende der Amtszeit von Stephan Hilgers an der Spitze des Neusser Radfahrervereins von 1888/09 auch das Ende der Tour de Neuss verknüpfen. Zu eng scheint Vergangenheit und Zukunft des Radsportspektakels, das in seiner 22. Auflage am 30. August stattfindet, mit dem Namen Hilgers verbunden.

Tour de France in Neuss?

Bürgermeister Reiner Breuer wähnte sich als Etappensieger auf dem Weg zum Gesamterfolg: Erstmals in seiner nun schon mehr als 110-jährigen Geschichte sollte das größte Radrennen der Welt, die Tour de France, durch die Stadt Neuss rollen. Das Spektakel für Radsportfans und die gesamte Bürgerschaft sollte am 2. Juli 2017 steigen. Einen Tag später bei der ersten kompletten Tagesetappe bot sich für Neuss die Chance, Durchfahrtsort zu sein, denn das Peloton sollte von Düsseldorf kommend seinen ersten Sprint in Mönchengladbach fahren.

Die von CDU und Grünen angeführte Ratsmehrheit war nicht gewillt, mehr als 100 000 Euro aus dem Haushalt bereitzustellen, um die Tour de France nach Neuss zu holen. Das Sport-Spektakel sei willkommen, hieß es, aber für die Finanzierung müssten private Geldgeber gefunden werden. Diese Haltung ärgerte den Neusser Unternehmer David Zülow: „Wie kann man so bescheuert sein, ein sportliches Großereignis, auf das die halbe Welt schaut, an Neuss vorbeiziehen zu lassen?“

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