Paris-Roubaix Strecke: Die "Hölle des Nordens" im Detail

Paris-Roubaix ist der Anachronismus des Radsports. Die „Hölle des Nordens“, die „Königin der Klassiker“ - es ist das krasseste Radrennen der WorldTour. Es wirkt eigenartig, dass immer wieder über die Sicherheit der Sportler diskutiert wird und dann ein Peloton über das absurde Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs gejagt wird. Doch Paris-Roubaix ist eben besonders, faszinierend, nahezu magisch. Und für viele Fans und Fahrer das ganz große Highlight des Jahres. An der Strecke herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Die Pflastersektoren verwandeln sich in Arenen, die Fahrer in Gladiatoren der Neuzeit. Wer Roubaix besiegt hat, wird im Betonoval von Roubaix als Held verehrt.

„Ein Haufen Scheiße & das schönste Rennen der Welt“ - keine unserer Vorschauen auf diesen Klassiker kommt ohne das legendäre Zitat von Theo de Rooy aus dem Jahr 1985 aus. Denn es beschreibt den Mythos Roubaix sehr gut. „Dieses Rennen ist Schwachsinn. Du arbeitest wie ein Tier, du hast keine Zeit zum Pinkeln, machst dir in die Hose. Es ist ein Haufen Scheiße”, sagte er nach dem Rennen. Als der Reporter fragte, ob er denn jemals wieder starten würde, antwortete de Rooy sofort: „Natürlich, es ist das schönste Rennen der Welt“. „Wer behauptet, dass er es liebt, erzählt Schwachsinn“, sagte einst Rolf Aldag. Absurd, brutal und wundervoll. Das Pflaster von Roubaix hat eine magische Anziehungskraft und seit nun fünf Jahren auch Heldinnen - denn endlich gibt es auch eine Austragung für die Frauen.

Die Strecke von Paris-Roubaix 2025

Am 13. April 2025 findet die 122. Ausgabe des legendären Eintagesrennens Paris-Roubaix bei den Männer statt, tags zuvor die 5. Ausgabe der Frauen. Die Männer starten in Compiegne und legen eine Strecke von 259,2 Kilometern bis zur berühmten Radrennbahn in Roubaix zurück - die Frauen beginnen in Denain und legen 148,5 Kilometer zurück.

Die Strecke wurde in diesem Jahr nur leicht verändert. Die wichtigste Änderung am Parcours der Männer wurde vor dem Wald von Arenberg vorgenommen. Dort gibt es einerseits eine Zusatzschleife mit zwei zusätzlichen Pflasterstücken. Zudem wird es die Schikane vor dem Wald von Arenberg, 2024 erstmals genutzt, in dieser Form nicht wieder geben.

Das Peloton nimmt rund 100 Kilometer Anlauf bis zum ersten Kopfsteinpflastersektor in Troisvilles. Dieser hat die Nummer 30 - anschließend wird runtergezählt bis zu Sektor 1 in Roubaix. Die Organisatoren haben zwei zusätzliche Kopfsteinpflasterabschnitte in die Strecke integriert, die den Abschnitt rund um die Gemeinde Quérénaing bereichern. Das sind Sektor 24 Artres (nach 130,9 km, 1300 Meter lang) und Sektor 23 Famars (nach 133,8 km, 1200 Meter lang). “Es handelt sich nicht um besonders schwierige Abschnitte”, erklärt Renndirektor Thierry Gouvenou, “aber durch ihre Einführung entsteht eine Sequenz von fünf Sektoren, nahezu ohne Asphalt.”

Die Kopfsteinpflaster-Sektoren im Detail

Die 121. Austragung von Paris-Roubaix am 7. April 2024 führt über eine Strecke von 259,9 Kilometern. Auf dieser Distanz zwischen dem Start in Compiegne und Ziel im Velodrom in Roubaix müssen die Profis über 55,7 Kilometer Kopfsteinpflaster „prügeln“. Mehr „Paves“ gab es in den vergangenen 30 Jahren nicht, so Rennveranstalter A.S.O..

Neu im Vergleich zum Vorjahr sind rund um die Ortschaft Quérénaing der Sektor 24 bei Artres (Rennkilometer 130,9 km) mit einer Länge von 1.300 Metern sowie der Sektor 23 bei Famars (Rennkilometer 133,8 km) mit einer Länge von 1.200 Metern. „Das sind keine besonders schwierigen Abschnitte“, sagt Thierry Gouvenou.

Im vergangenen Jahr hatte man kurzfristig eine enge Schikane eingebaut, das wird nun nicht der Fall sein. „Es wird vier Rechtskurven innerhalb von 600 Metern geben. Die Anfahrt sollte sanfter sein als die Haarnadelkurve im letzten Jahr. Die Gemeinde Porte du Hainaut ließ die Straße, die wir 2024 nicht benutzen konnten, normgerecht sanieren und einen kleinen Teil, der ausgebessert werden musste, neu asphaltieren“, so Renndirektor Thierry Gouvenou.

Die Pavé-Sektoren von Paris-Roubaix der Männer

Hier die Sterne-Bewertung der Sektoren von Paris-Roubaix 2025:

  • 30: Troisvilles to Inchy (km 95.8 - 2.2 km) ***
  • 29: Viesly to Quiévy (km 102.3 - 1.8 km) ***
  • 28: Quiévy to Saint-Python (km 104.9 - 3.7 km) ****
  • 27: Saint-Python (km 109.6 - 1.5 km) **
  • 26: Vertain to Saint-Martin-sur-Écaillon (km 116.7 - 2.3 km) ***
  • 25: Verchain-Maugré to Quérénaing (km 128 - 1.6 km) ***
  • 24: Quérénaing to Artres (km 130.9 - 1.3 km) **
  • 23: Artres to Famars (km 133.8 - 1.2 km) ***
  • 22: Quérénaing to Maing (km 138.5 - 2.5 km) ***
  • 21: Maing to Monchaux-sur-Écaillon (km 141.6 - 1.6 km) ***
  • 20: Haveluy to Wallers (km 154.5 - 2.5 km) ****
  • 19: Trouée d'Arenberg (km 163.9 - 2.3 km) *****
  • 18: Wallers to Hélesmes (km 170 - 1.6 km) ***
  • 17: Hornaing to Wandignies (km 176.8 - 3.7 km) ****
  • 16: Warlaing to Brillon (km 184.2 - 2.4 km) ***
  • 15: Tilloy to Sars-et-Rosières (km 187.7 - 2.4 km) ****
  • 14: Beuvry to Orchies (km 194.1 - 1.4 km) ***
  • 13: Orchies (km 199.1 - 1.7 km) ***
  • 12: Auchy to Bersée (km 205.2 - 2.7 km) ****
  • 11: Mons-en-Pévèle (km 210.6 - 3 km) *****
  • 10: Mérignies to Avelin (km 216.7 - 0.7 km) **
  • 9: Pont-Thibault to Ennevelin (km 220 - 1.4 km) ***
  • 8: Templeuve - L'Épinette (km 225.4 - 0.2 km) *
  • 8: Templeuve - Moulin-de-Vertain (km 226 - 0.5 km) **
  • 7: Cysoing to Bourghelles (km 232.4 - 1.3 km) ***
  • 6: Bourghelles to Wannehain (km 234.9 - 1.1 km) ***
  • 5: Camphin-en-Pévèle (km 239.4 - 1.8 km) ****
  • 4: Carrefour de l'Arbre (km 242.1 - 2.1 km) *****
  • 3: Gruson (km 244.4 - 1.1 km) **
  • 2: Willems to Hem (km 251.1 - 1.4 km) ***
  • 1: Roubaix (km 257.8 - 0.3 km) *

Paris-Roubaix Femmes avec Zwift 2025 Strecke

Tags zuvor findet am Samstag die 5. Ausgabe von Paris-Roubaix Femmes avec Zwift findet statt. Die Strecke der Frauen ist identisch mit der von 2024. Es warten 29,2 Kilometer Kopfsteinpflaster, verteilt auf 17 Sektoren, die dem Finale des Männerrennens entsprechen.

Die Frauen absolvieren insgesamt 148,5 km und dabei die letzten 17 Pflaster-Abschnitte der Herrenstrecke, was insgesamt 29,2 km Kopfsteinpflaster entspricht.

Die Kopfsteinpflaster-Sektoren bei den Frauen

  • 17: Hornaing to Wandignies (km 66 - 3,7 km) ****
  • 16: Warlaing to Brillon (km 73,5 - 2,4 km) ***
  • 15: Tilloy to Sars-et-Rosières (km 76,9 - 2,4 km) ****
  • 14: Beuvry-la-Forèt to Orchies (km 83,3 - 1,4 km) ***
  • 13: Orchies (km 88,3 - 1,7 km) ***
  • 12: Auchy-lez-Orchies to Bersée (km 94,4 - 2,7 km) ****
  • 11: Mons-en-Pévèle (km 99,9 - 3 km) *****
  • 10: Mérignies to Avelin (km 105,9 - 0,7 km) **
  • 9: Pont-Thibault to Ennevelin (km 109,3 - 1,4 km) ***
  • 8: Templeuve (l’Epinette) (km 114,7 - 0,2 km) *
  • 8: Templeuve (Moulin-de-Vertain) (km 115,2 - 0,5 km) **
  • 7: Cysoing to Bourghelles (km 121,6 - 1,3 km) ***
  • 6: Bourghelles to Wannehain (km 124,1 - 1,1 km) ***
  • 5: Camphin-en-Pévèle (km 128,6 - 1,8 km) ****
  • 4: Carrefour de l'Arbre (km 131,3 - 2,1 km) *****
  • 3: Gruson (km 133,6 - 1,1 km) **
  • 2: Willems to Hem (km 140,3 - 1,4 km) **
  • 1: Roubaix (Espace Charles Crupelandt) (km 147,1 - 0,3 km) *

Favoriten für Paris-Roubaix 2025

Der Start von Tadej Pogacar sorgt im Vorfeld für intensive Diskussionen. Kann der Toursieger auf Kopfsteinpflaster mit den Spezialisten tatsächlich mithalten? Oder sind die „schweren Jungs“ zu stark für den Weltmeister? Die Antwort liefert das Rennen! Top-Favorit ist Pogacar jedenfalls nicht, denn das ist Titelverteidiger Mathieu van der Poel. Wobei man vielleicht besser sagen müsste, Van der Poel wäre der Top-Favorit, würde er in Top-Form am Start stehen. Das jedoch scheint nicht der Fall. Vor der Flandern-Rundfahrt war der Niederländer nach eigenen Angaben krank, lieferte dann aber eine starke Ronde. Nun heißt es, er hätte erneut gesundheitliche Probleme gehabt und sei nicht bei 100%. Auf dem Pflaster wird man sehen, ob Van der Poel top fit ist, oder nicht.

Extrem stark zeigte sich in den vergangenen Wochen Mads Pedersen. Dem Dänen liegt Roubaix sehr gut, er muss auch eine Sprintentscheidung aus einer Gruppe nicht fürchten. Ganz sicher zählt auch er zu den absoluten Favoriten. Auch Filippo Ganna darf man für Paris-Roubaix in diesen Kreis aufnehmen. Das flache Roubaix liegt dem Kraftpaket viel besser, als die Ronde. Und endschnell ist Ganna auch. Doch beim Italiener muss man abwarten, ob es ihm gelingt stets in guter Position zu sein und auf dem Pflaster keine Fehler zu machen.

Zum Favoritenkreis gehört natürlich auch Wout Van Aert. Der Belgier kommt immer besser in Schwung und zählt auf dem Pflaster zu den besten Fahrern im Peloton. Seine Formkurve scheint weiter nach oben zu zeigen und seine spezielle Vorbereitung sorgt nun dafür, dass er für Paris-Roubaix die Top-Form erreicht. Und noch etwas spricht für Van Aert - sein Team kann ein Reifendrucksystem einsetzen, mit dem er den Reifendruck nach den Pflastersektoren erhöhen kann, dann vor den Sektoren wieder senken. Vor allem für die letzten 15 Kilometer nach den schweren Pflastersektoren kann dies ein großer Vorteil sein. Pauline Ferrand-Prévot setzte dies am Samstag bei den Frauen erfolgreich ein. Sie sagte während der Pressekonferenz, dass sie für die Sektoren jeweils den Druck anpasste und vor allem für das Finale eine großen Vorteil sieht. So rückt Van Aert am Ende einer für ihn schwierigen Klassiker-Kampagne tatsächlich in die Favoritenrolle.

Im Peloton sind weitere Top-Fahrer. Stefan Küng beispielsweise, der herausragende Rennen abliefert. Das UAE-Team hat neben Pogacar noch taktische Optionen mit Nils Politt oder Florian Vermeersch. Stefan Bissegger fuhr zuletzt sehr stark, Laurence Pithie muss man auf dem Zettel haben. Davide Ballerini, Max Walscheid, Laurenz Rex, Madis Mihkels, Soren Waerenskjold, Tim Merlier, Jonathan Milan, Biniam Girmay, Iván García Cortina, Alex Kristoff, Jordi Meeus … die Liste ließe sich problemlos erweitern.

Die Favoriten nach TOUR-Sternen

  • ***** Mathieu van der Poel
  • **** Tadej Pogačar, Wout van Aert, Mads Pedersen
  • *** Filippo Ganna
  • ** Jasper Philipsen, Jasper Stuyven, Stefan Küng
  • * Nils Politt, Max Walscheid, Søren Wærenskjold, Tim Merlier, Jordi Meeus, Laurence Pithie, Joshua Tarling, Dylan van Baarle

Favoritinnen

Hier gibt es mit Lotte Kopecky (Team SD Worx - Protime) eine klare Favoritin, die nach ihrem Heimsieg bei der Flandern-Rundfahrt das Double anstrebt und ihren Titel verteidigen möchte. Dazu hat ihr Team mit Lorena Wiebes eine zweite Trumpfkarte. Auf dem Weg nach Roubaix gibt es keine Hellingen, die der niederländischen Sprinterin wehtun könnten. Zwei Frauen, die Kopecky und Wiebes im Sprint schlagen könnten, wären Elisa Balsamo (Lidl - Trek), Vorjahreszweite und zuletzt Siegerin des Scheldepreis, und Marianne Vos (Team Visma | Lease a Bike). Die nach Siegen erfolgreichste Radsportlerin der Geschichte kränkelte allerdings zuletzt vor der Flandern-Rundfahrt. Zudem hat sie mit Pauline Ferrand-Prévot starke Konkurrenz im eigenen Team. Die Mountainbike-Olympiasiegerin wurde bei der Flandern-Rundfahrt Zweite. Stark bei der Flandern-Rundfahrt war auch Ellen van Dijk, die neben Balsamo die zweite Trumpfkarte von Lidl - Trek am Samstag ist. Das deutsche Team CANYON//SRAM zondacrypto wird sich etwas mit Chloé Dygert und Top-Talent Zoe Bäckstedt ausrechnen. Spannend wird zu sehen sein, wie sich die Deutsche Rosa Maria Klöser bei ihrem Roubaix-Debüt schlägt. Nicht zu unterschätzen sind auch Alison Jackson (EF Education-Oatly - Siegerin 2023) und ihre Teamkollegin Letizia Borghesi, Pfeiffer Georgi (Team Picnic PostNL) sowie Cat Ferguson (Movistar Team).

Die Favoritinnen nach TOUR-Sternen

  • ***** Lotte Kopecky
  • **** Elisa Balsamo, Lorena Wiebes
  • *** Marianne Vos, Pauline Ferrand-Prévot
  • ** Ellen van Dijk, Chloé Dygert
  • * Zoe Bäckstedt, Alison Jackson, Letizia Borghesi, Pfeiffer Georgi, Cat Ferguson

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