Wer eine Fahrradtour in Hessen plant, dem stehen viele Möglichkeiten offen. Tagestrips sind genauso möglich wie Mehrtagestouren, lockere Familienausflüge bieten sich ebenso an wie sportlich anspruchsvolle Etappen. Soll der Radweg einen Fluss entlang führen oder durch Wälder und Berge, interessieren euch eher Naturpanoramen oder malerische Altstädte? Die Möglichkeiten sind nahezu endlos, daher haben wir hier einige Tipps von uns für jeden Radfahrertyp.
Allgemeine Tipps für die Planung
Bevor wir euch unsere konkreten Routen vorstellen, haben wir noch zwei allgemeine Tipps für euch. Erster Tipp: Nehmt den Zug! Die Anreise ist damit oft am entspanntesten und ermöglicht euch auch Touren in nur eine Richtung, da ihr nicht zu einem geparkten Auto zurückkehren müsst. Mit dem Hessenticket kommt ihr zum Beispiel als Gruppe sehr günstig durch das gesamte Bundesland.
Es gibt zahlreiche Internetseiten und Apps, mit denen Radtouren detailliert geplant werden können. Ein Angebot des Landes Hessen ist der kostenlose Radrouten-Planer. Dort kann man Touren mit Start und Ziel sowie weiteren Optionen selbst konfigurieren, aber sich auch Routen vorschlagen lassen. Beliebte Anbieter sind auch bikemap, Komoot und outdooractive. Besonders praktisch ist es bei der Navigation, unterwegs die Sprachausgabe der Apps zu nutzen.
Auch wenn die technische Umsetzung an manchen Stellen etwas fehleranfällig ist, bietet dieses Tool viele Möglichkeiten, um Entfernungen, Streckenprofile oder Untergründe im Voraus abschätzen zu können, Zwischenstopps zu planen oder größere Strecken in einzelne Teilabschnitte aufzuteilen.
Tagestour um den Edersee
Unser erster Streckenvorschlag führt euch zum nordhessischen Edersee. Für etwa 50 Kilometer geht einmal rund um das beliebte Ausflugsziel, auch die beeindruckende Staumauer ist Teil der Route. Zudem habt ihr einen schönen Ausblick auf das Waldecker Schloss.
Aber Vorsicht, ein paar anspruchsvollere Anstiege sind ebenfalls zu bewältigen, dafür werdet ihr im Anschluss mit einigen tollen Ausblicken belohnt. Verschiedene Nebenstrecken geben euch die Gelegenheit für einen spontanen Abstecher ins Umland und auch eine Überfahrt über den See mit der Fähre ist möglich.
So könnt ihr zum Beispiel in Vöhl-Herzhausen ganz im Westen des Sees beginnen. Dort habt ihr auch den Vorteil einer guten Bahnanbindung. Im Osten des Stausees findet ihr hingegen die Talstation der Waldecker Bergbahn, die älteste Gondelbahn Hessens. Diese verbindet das Strandbad am Seeufer mit dem Schloss Waldeck, auch die Altstadt von Waldeck erreicht ihr so. Eine gute Möglichkeit also, das Fahrrad in der Mittagspause oder am Ende der Tour abzustellen, und die Gegend noch weiter zu erkunden.
Mehrtagestour entlang der Fulda
Der Fuldaradweg R1 ist einer der bekanntesten Radwege in Hessen. Wollt ihr die gesamte Strecke abfahren, solltet ihr aber mehrere Tage einplanen, insgesamt sind dann rund 250 Kilometer zu bewältigen.
Neben Fulda selbst kommt ihr unter anderem an der Documenta-Stadt Kassel mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Wilhelmshöhe sowie Melsungen und Rotenburg mit ihren sehenswerten Altstädten und Fachwerk-Kulissen vorbei. Ein weiteres Highlight: Mit Deutschlands erster handbetriebener Fahrrad-Seilbahn könnt ihr die Fulda sogar in luftiger Höhe überqueren, die Gelegenheit dazu habt ihr zwischen Beiseförth und Binsförth in der Nähe von Melsungen.
Der 255 Kilometer lange Fulda-Radweg R1 verläuft von der Fulda-Quelle auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe bei Gersfeld in der Rhön bis ins Wesertal nach Bad Karlshafen (Kreis Kassel) im Norden. "Alles am Fluss" lautet das Motto des Fulda-Radwegs, der entlang der Wasserader verläuft. Auf dem Weg geht es mit wenigen Steigungen durch sanftes Mittelgebirge. Eine Tour eignet sich damit auch für Familien und Genussradler.
Der Fulda-Radweg ist eine vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit einer Zertifizierung von vier Sternen bedachte Route. Damit ist er in der zweithöchsten Kategorie vermerkt - ebenso wie der Eder-Radweg, der Neckartal-Radweg und der Weser-Radweg, die komplett oder teilweise in Hessen verlaufen. Mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde in Hessen nur der Diemelradweg, wie aus einer Übersicht des ADFC hervorgeht.
Flexible Tagestour durch den Rheingau nach Rheinhessen
Eine der schönsten Strecken für eine kurze Tour, die sich auch an einem halben Tag bewältigen lässt, führt euch durch den Rheingau. Als Startpunkt bietet sich dafür Wiesbaden an, vorbei am Biebricher Schloss geht es anschließend den Rhein entlang auf dem Panoramaweg R3a über Eltville und Oestrich-Winkel bis nach Rüdesheim.
Das Wasser auf der linken, die sanften Hügel und Weinreben des Rheingaus auf der rechten Seite, so präsentiert sich euch die Route, während ihr durch eine der beliebtesten Ausflugsregionen des Landes radelt. Die flache Route hat dann ungefähr 30 Kilometer und ist in zwei bis drei Stunden gemütlich zu bewältigen.
Habt ihr hingegen noch mehr vor, könnt ihr vor Ort auf eine Fähre steigen und auf die andere Rheinseite nach Bingen übersetzen. Auf der rheinland-pfälzischen Seite des Rheins habt ihr dann die Option, euch entweder über den Rheinradweg, oder durchs Landesinnere auf der Obstroute oder der Hiwwelroute in Richtung Ingelheim zu bewegen.
Von dort könnt ihr abermals eine Fähre zurück auf die hessische Seite nehmen (Frei-Weinheim nach Oestrich-Winkel), oder ihr fahrt über Heidenfahrt bzw. Heidesheim weiter bis nach Mainz für eine Gesamtstrecke von rund 70 Kilometern. Der Vorteil hierbei: Mainz ist Teil des Einzugsgebiets des Hessentickets, ihr könnt also direkt dort in einen Zug steigen und kommt so ohne zusätzliche Kosten wieder zurück nach Hessen.
Diese Tour verbindet die beiden Weinregionen Rheingau und Rheinhessen. Im Rheingau verläuft die Tour auf dem Panoramaweg R3a durch das Rebenmeer und liegt nahe der Schlösser Vollrads und Johannisberg, die einen Abstecher wert sind. In Rheinhessen geht es auf den ausgeschilderten Routen Rheinradweg, Obstroute und Hiwwel-Route durch das Binger Kulturufer und das rheinhessische Hügelland zum Übersetzen nach Ingelheim.
Mit dem Rad durch Westerwald, Taunus und Bergstraße
Bei der bisher anspruchsvollsten Tour, die wir euch vorstellen, könnt ihr euch anders als bisher nicht an einem Fluss oder See entlang hangeln, der euch allzu schwere Steigungen erspart. Stattdessen geht es als Mehrtagestour über 300 Kilometer einmal von Norden nach Süden durch das westliche Hessen und dabei gleich durch mehrere der Mittelgebirge des Landes.
Vom Startpunkt Frankenberg aus führt die Strecke in Richtung Westerwald und ihr durchfahrt Biedenkopf, Dillenburg und Herborn. Plant ihr statt einer mehrtägigen Reise nur eine Tagestour, bietet sich ein Ausstieg in der Oranierstadt Dillenburg nach etwa 70 Kilometern an. Ansonsten sind die etwa 130 Kilometer vom Startpunkt bis nach Limburg aufgrund der vielen Steigungen des Westerwalds für eine Tagesetappe sehr ambitioniert.
Im Anschluss wird die Strecke aber leichter, über Bad Camberg geht es in den Taunus, wo ihr rund um Idstein bei Kilometer 180 die letzten größeren Anstiege der Tour zu überwinden habt. Über Eppstein geht es anschließend in Richtung Frankfurt und in die Main- und Rheinebenen. Größere Anstrengungen sind dann auf dem Weg über Darmstadt bis zum Ziel in Heppenheim nicht mehr zu erwarten.
Zu den Highlights der Tour zählen vor allem die große Vielfalt und Abwechslung. Ob ruhige Täler, waldige Bergpassagen oder weite Ebenen, historische Innenstädte oder malerische Weindörfer - diese anspruchsvolle Route bietet fast alles.
Tagestour über den Vulkanradweg
Vom zuvor beschriebenen Fuldaradweg aus habt ihr viele Möglichkeiten, euch auf verschiedene anspruchsvollere Nebenrouten zu begeben. Eine davon ist der Vulkanradweg, der nördlich von Fulda abzweigt und euch weitgehend entlang der ehemaligen Strecke der Oberwaldbahn über die Vulkanregion Vogelsberg bis in die Wetterau führt.
Über knapp 100 Gesamtkilometer erwarten euch einige Steigungen auf dem Weg hinauf zu den Hochflächen des Naturparks Hoher Vogelsberg, dafür ist auf der zweiten Hälfte der Strecke dann viel gemütliches Rollen lassen angesagt. Danach geht es über Gedern und Orenberg hinab zum Endpunkt der Strecke bei Altenstadt.
Neben einer offenen Wald- und Wiesenlandschaft erwarten euch auf der Strecke auch viele Cafés, Biergärten und Museen sowie erneut einige schöne Fachwerkstädte. Dank vielfältiger Zustiegsmöglichkeiten entlang des Weges in die Rad-Busse des Vulkan-Expresses kann die Route zudem sehr individuell gestaltet werden.
Von Altenstadt-Höchst im Süden bis nach Schlitz im Norden der Vulkanregion Vogelsberg verläuft der Radweg auf feinem Asphalt. Das macht ihn auch attraktiv für Inliner, Longboarder und Handbiker. Die Trasse verläuft auf der Strecke der ehemaligen Oberwaldbahn. Das Höhenniveau ist dementsprechend flach, Steigungen betragen höchstens drei Prozent. Da der Weg auf dem größten Vulkanmassiv Mitteleuropas verläuft, kann man zu diesem Thema eine Menge erfahren.
Mehrtagestour von der Quelle der Lahn bis an den Rhein
Zum Abschluss unserer Empfehlungen gibt es noch einmal eine entspannte Tour entlang eines Flusses und einen echten Klassiker, der auch für Einsteiger und Familien gut geeignet ist. Der Lahnradweg führt euch über knapp 250 Kilometer von der Quelle der Lahn bei Netphen in Nordrhein-Westfalen bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein. Alternativ könnt ihr auch 25 Kilometer später auf hessischem Landesgebiet in Biedenkopf eure Reise beginnen, dort ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich einfacher.
Malerische Schlösser und Burgen prägen auch die restliche Strecke, gleichzeitig habt ihr mit der Lahn einen bei Kanu- und Bootsfahrern beliebten Wasserweg neben euch. Besonders bei schönem Wetter im Sommer könnt ihr an einigen Streckenabschnitten also ein buntes Treiben erwarten, so zum Beispiel an der Schleuse am Schiffstunnel im ebenfalls sehenswerten Weilburg. Auch Wetzlar mit seiner Altstadt oder Limburg mit dem St.-Georgs-Dom und seinen sieben Türmen haben viel zu bieten.
Der familienfreundliche Lahnradweg zählt zu den Klassikern unter den an Flüssen entlang führenden Radwegen. Er verläuft von der Quelle bis zur Mündung der Lahn, also vom Rothaargebirge bis Lahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet. Nahe der Strecke befinden sich einige Schlösser, Burgen und Kirchen. Der Radweg verbindet zahlreiche Städte und Ortschaften mit ganz unterschiedlichem Charme.
Bunte Wiesen, grüne Hügel, steile Hänge und Felsen begleiten euch auf der 245 Kilometer langen Tour auf dem Lahnradweg. Sie ist ideal, wenn ihr ein paar Tage abschalten und Natur genießen möchtet, denn die ADFC-Qualitätsradroute mit vier Sternen verläuft meist direkt am Fluss entlang, jenseits von Autoverkehr und Hektik.
Weitere Radwege in Hessen
Neben den bereits erwähnten Routen gibt es noch viele weitere interessante Radwege in Hessen. Hier eine kleine Auswahl:
- Der Main-Radweg: Mit seiner Gesamtstrecke von knapp 600 Kilometern führt er über knapp 80 Kilometer durch Hessen.
- Der Radweg Deutsche Einheit: Ein touristischer Radwanderweg, der sich auf einer Gesamtstrecke von rund 1.100 Kilometern von Bonn (NRW) durch sieben Bundesländer - unter anderem Hessen - nach Berlin schlängelt.
- Bahnradweg Hessen: Von Hanau nach Bad Hersfeld führt die Route auf vielen ehemaligen Bahntrassen durch Wetterau, Vogelsberg, Main-Kinzig-Tal, Rhön und Nordhessen.
- Rhön-Radweg: Auf dem Rhön-Radweg geht es mitten durch das von der Unesco ausgezeichnete Biosphärenreservat Rhön.
Planung ist das A und O
Für längere Ausflüge über mehrere Stunden (oder sogar Tage) ist ein bisschen Vorbereitung notwendig. Zuerst suchst du dir eine schöne Route aus. Wichtig ist eine Strecke, die deiner Kondition entspricht. Besonders idyllisch sind Wege ohne viel Verkehr über Land. Willst du unterwegs einkehren oder übernachten? Recherchiere im Vorfeld schöne Ziele, damit du nicht suchen musst, wenn du schon müde wirst.
Die richtige Ausrüstung
Für eine sportliche Tour brauchst du die passende Kleidung und Ausrüstung. Ideal ist lockere, atmungsaktive Sportkleidung nach dem „Zwiebelprinzip“: Mehrere dünne Oberteile (perfekt: Merino-Wolle) übereinander sind besser als ein dicker Pulli. Dazu trägst du eine dünne Regenjacke oder einen Windbreaker. Eine Radlerhose mit Polsterung toppt Jeans, sie können scheuern und drücken. Festes Schuhwerk ist ein Muss. Für einen kleinen Ausflug reicht dir ein Rucksack. Fährst du länger, verteilst du dein Gepäck am besten auf Taschen am Gepäckträger und Lenkertaschen. Das meiste Gewicht sollte dabei hinten liegen.
Was du für eine lange Fahrradtour mitnehmen solltest:
- Erste-Hilfe-Set
- Werkzeug wie Flickzeug, Innensechskantschlüssel und Luftpumpe
- Handy mit Navigations-App
- Eventuell Zweit-Akku vom E-Bike
Tipps für lange Fahrradtouren mit Kindern:
- Nimm einen Fahrradanhänger mit oder nutze ein Follow-me (Eltern-Kind-Tandemkupplung). Auch größere Kinder werden auf langen Strecken müde.
- Wähl besonders ruhige und vollkommen flache Strecken.
- Such Routen aus, bei denen ihr zur Not Strecken mit Bus und Bahn überbrücken könnt.
- Leg besonders viele Pausen ein und mach im Rad-Urlaub Pausentage, die ihr am Strand oder auf dem Spielplatz verbringt.
- Pack kindgerechte Snacks wie Käsewürfel oder selbst gebackene Haferkekse ein.
ADAC Tipps für Ihre Radtour
Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, über ein paar Wochen hinweg mehrmals pro Woche mindestens eine halbe Stunde am Stück Rad zu fahren. Wie viele Kilometer im Radurlaub pro Tag zu schaffen sind, hängt von der Strecke, dem Wetter, der eigenen Fitness, dem Körpergewicht und natürlich von Fahrrad sowie Gepäck ab. Insbesondere bei Radurlauben ohne Gepäckbeförderung gilt: Weniger ist mehr!
Wasserdichte Fahrradtaschen mit wenig Eigengewicht helfen beim Verstauen der wichtigsten Utensilien. Auf einen Rucksack sollte bei mehrtägigen Touren verzichtet werden, da dieser auf Dauer die Rückenmuskulatur belastet.
Beginnt das Fahrradabenteuer nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür, ist die Anreise per Bahn eine nachhaltige Option. Hierfür muss frühzeitig eine entsprechende Fahrkarte inklusive Fahrradmitnahme gebucht werden. Vorsicht: ICEs bieten nur eingeschränkt Mitnahmemöglichkeiten für Räder an.
Fahrrad-Check-up und Zubehör
Vor dem Start sollte das Fahrrad auf Funktionalität überprüft werden. Die wichtigsten Komponenten für die Verkehrssicherheit des Rades sind die Bremsen, Schaltung, Beleuchtung und selbstverständlich die Kette. Diese wird bei einer längeren Tour stark strapaziert und sollte regelmäßig gereinigt und geölt werden. Auch ein passender Fahrradhelm gehört zur Grundausstattung.
Zudem ist es hilfreich, sich mit seinem Bike vertraut zu machen, um im Fall der Fälle einen Reifen flicken oder einen Fahrradschlauch wechseln zu können. Die wichtigsten Utensilien wie Flickzeug, Fahrradschlauch, Luftpumpe und ein Miniwerkzeug mit den passenden Schraubendrehern gehören deshalb mit ins Gepäck.
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