Raleigh Mountainbike Test: Der Allrounder im Fokus

Ein Rad für jeden Tag muss schon einiges draufhaben. Für anspruchsvolle Radler zählen da vor allem eine umfassende, sinnvolle Ausstattung mit tauglichen Komponenten, solides Fahrverhalten, unkomplizierte Bedienbarkeit sowie eine gewisse Robustheit und Zuverlässigkeit.

Wer sich entscheidet, die meisten Wege per Fahrrad zurückzulegen, kann sich oft nicht aussuchen, zu welchem Zeitpunkt oder bei welchem Wetter die nächste Fahrt stattfindet. Deshalb stehen auch gutes Licht, effektiver Nässeschutz, unkomplizierte Gepäckmitnahme und sicheres Parken im Lastenheft. Doch auch eine hohe Vielseitigkeit des genutzten Bikes, sein geschmeidiges Handling oder schnittiges Fahrverhalten sind je nach persönlicher Neigung wichtig. Nicht zuletzt zählt für die meisten Neukäufer vor allem ein möglichst attraktiver Preis. Denn da hüpft nicht nur das Sparer-Herz: Je teurer das neue Rad ist, desto kostspieliger werden auch Verschleiß, Wertverlust und ein etwaiger Diebstahl.

Da ist es gut, wenn Rad und Ersatzteile zwar robust, aber nicht gleich so edel sind, dass sie auf Dauer das Mobilitäts-Budget sprengen. In unserem Testfeld stimmt der Mix aus Preis und Qualität. Alltags-Radler sind mit so einem Allrounder-Bike mit leichtem, stabilem Rahmen aus Aluminium oder Stahl in den allermeisten Fällen gut bedient.

Die Sitzposition und der Antrieb

Die Sitzposition sollte dabei weder zu aufrecht noch zu gestreckt ausfallen: Eine leicht geneigte Sitzhaltung auf dem Fahrrad bringt mehr Fahrsicherheit durch ausgewogene Gewichtsverteilung, bessere Aerodynamik als beim Hollandrad und damit spürbar geringere Beeinträchtigungen durch den Gegenwind. Unter einer zu sportlichen Körperhaltung mit überstrecktem Nacken leidet dagegen schnell der Überblick im Verkehr, zudem kommt viel Last auf Schultern und Hände.

Als optimaler Antrieb bringt die Kettenschaltung die breitestmögliche Gangspreizung und -anzahl mit, womit sich auch längere Steigungen oder Fahrten mit Gepäck bequemer bewältigen lassen. Eine Kettenschaltung ist meistens leichter, preisgünstiger und bietet mehr Gänge als eine Getriebenabe. Doch eines muss man akzeptieren: Das offene Kette-Ritzel-System verschleißt mit jedem Kilometer Fahrstrecke und funktioniert nicht ohne ein Mindestmaß an Wartung und Pflege.

Moderne Schaltungsvarianten

Unser Testfeld dokumentiert einen aktuellen Trend: die Abkehr von der klassischen 3x10-Kettenschaltung. Die drei Hersteller Cube, Diamant und KTM statten ihre Räder mit nur einem Kettenblatt vorne, aber zwölf Ritzeln hinten aus. Dabei hat das größte Ritzel hinten bis zu 51 Zähne. Der vordere Umwerfer fällt weg. Am Bulls ist auch die Kombination von klassischer Zehngang-Kassette am Hinterrad mit kompaktem Doppel-Kettenblatt vorne vertreten.

Diese modernen Schaltungs-Varianten schicken sich - vom Mountainbike sowie den Gravel- und E-Bikes kommend an, auch das Trekkingbike zu erobern. Dabei bedeutet die geringere Gangzahl nicht zwingend, dass es an Berggängen fehlt: Der leichteste Gang liegt bei den Ein-, Zwei- und Dreifach-Antrieben im Test etwa auf demselben Niveau. Eng wird es eher in den schnellen Gängen. Wer auch bei Tempo 40 mit treten möchte, ist mit 3x10 besser bedient. Auch die größeren Gangsprünge bei 1x12 gefallen nicht jedem. Sie umfassen häufiger sechs, acht oder gar zehn Zähne, was beim Gangwechsel in der Praxis einen großen Drehzahlunterschied bedeutet.

Dazu kommt, dass bei 1x-Schaltungen grundsätzlich alle Gangwechsel vom rechten Daumen und Zeigefinger erledigt werden müssen - bisweilen harte Arbeit für den Daumen, denn die Berggänge auf den größten Ritzeln schalten sich sowohl bei SRAM als auch bei Shimano etwas schwergängig, weil sich Kette und Schaltwerk dabei arg recken müssen. Der erhebliche Kettenschräglauf in den größten und kleinsten Gängen verursacht teils deutliche Geräusche. Dennoch ergeben auch unabhängige Tests keinen wesentlich höheren Verschleiß an Kette, Kettenblatt oder Ritzeln als bei Zehnfach-Antrieben.

Für die 1x12-Schaltung spricht die simplere Bedienung mit nur einem Schalthebel und strikt aufeinanderfolgenden Gängen. Sie schaltet sich damit so intuitiv wie eine Nabenschaltung. Durch den Verzicht auf linken Schalthebel und Schaltzug, Umwerfer und Kettenblätter kann eine 1x12-Schaltung zudem etwas leichter werden als eine mit mehreren Kettenblättern - was man jedoch nicht überbewerten sollte: Die zwei größten (Stahl-)Ritzel einer preiswerten Zwölffach-Kassette machen die Gewichtsersparnis weitgehend zunichte.

Am Ende bieten alle Schaltvarianten ausreichend Gänge für fast jede Fahrsituation im Alltag. Wer seinen Allrounder allerdings öfter lang bergauf pedaliert, vielleicht sogar mit Gepäck, oder häufig wechselnden Höhenunterschieden oder Windrichtungen ausgesetzt ist, wird bei 1x12 schon den einen oder anderen Zwischengang vermissen und sich die feinere Abstufung einer 3x10-Kombo zurückwünschen. Ganz sicher spart der Hersteller mit 1x12 Montagekosten. Ob er diesen Preisvorteil weitergibt und deshalb beispielsweise höherwertige Scheinwerfer, Reifen oder Laufräder montiert, ist im Einzelfall schwer herauszufinden.

Raleigh Liverpool Premium E-Bike im Test

Von Düsseldorf nach Köln, von der rechten Rheinseite auf die linke und zurück - diese und mehr Strecken bewältigte ich während des Tests mit dem Raleigh Liverpool Premium e-Bike. Das schicke City e-Bike und mein eigener Ehrgeiz lockten mich über die Stadtgrenzen hinaus zu fahren. Den britischen Touch nahm ich sofort beim Design wahr: Elegant, schnörkellos, klassisch - das sind die drei Eigenschaften, die mir sofort in den Kopf kamen, als ich das e-Bike zum ersten Mal sah. Durch die perfekte Integration von Akku und Motor ist das Modell erst auf den zweiten Blick als e-Bike zu entlarven.

Besonders gut gefiel mir die harmonische Abstimmung der schwarzen Lackierung mit den cognacfarbenen Reifen, Sattel und Lenkergriffen. Ein echter Blickfang im Stadtverkehr! Dieses Design wurde ausgezeichnet: Der Focus e-Bike Design & Innovation Award prämierte das Modell mit der Silbermedaille in der Kategorie Urban e-Bike. Wie es sich für ein City e-Bike gehört, war ich mit dem Raleigh Liverpool Premium hauptsächlich im urbanen Raum unterwegs. Die Shimano Nabenschaltung empfand ich als sehr leichtgängig und sie wies eine vollkommen zufriedenstellende Übersetzungsbandbreite auf.

Im Vergleich dazu erschien mir der Riemenantrieb besonders leise und laufruhig zu sein. Neben der einwandfreien Funktionalität ist der geringe Pflegeaufwand nicht zu verachten. Außerdem brauche ich mir so auch keine Sorgen um meine Kleidung zu machen, da der Riemen im Gegensatz zur Kette nicht geschmiert werden muss. Der Akku kann sowohl direkt am e-Bike als auch nach Entnahme geladen werden. Mit seinen 500 Wh Kapazität waren auch längere Strecken problemlos mit einer Ladung möglich.

Gerade bei Fahrten im dichten Stadtverkehr, aber auch auf längeren Touren, ist es für mich essentiell, mich auf dem Bike sicher zu fühlen. Die hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano leisteten dabei einen wichtigen Beitrag. Die breiten Fat Frank Reifen von Schwalbe bestachen nicht nur mit ihrer Optik, sondern auch mit einem besonders angenehmen und laufruhigen Fahrgefühl. Das Frontlicht Supernova E3 leuchtete schön hell und weit, sodass ich nie vom richtigen Weg abkam. Das Rücklicht ist in den Gepäckträger integriert.

Insgesamt bin ich in meinem Test mit dem Raleigh Liverpool Premium über 100 Kilometer auf unterschiedlichsten Untergründen gefahren. Ich hatte zu jeder Zeit volle Kontrolle über das e-Bike, konnte es einfach handeln und es intuitiv bedienen. Für mich ein echt toller Alltagsgefährte, mit dem man nicht nur auf der KÖ eine gute Figur macht!

Raleigh Kent Premium E-Bike im Test

In ihrem Stadtteil muss sich Svenja meist durch dichten Straßenverkehr bewegen. Da Ehrenfeld, wie auch die übrige Kölner Innenstadt, leider nicht zu den fahrradfreundlichsten Gegenden Deutschlands zählt, ist für Svenja ein sicheres Fahrgefühl auf ihrem e-Bike von besonderer Bedeutung. Ein hochwertiger Rahmen aus Aluminium verleiht dem Kent Premium eine verlässliche Steifigkeit beim Anfahren an der Ampel, auf unebenen Landstraßen oder bei höheren Geschwindigkeiten bergab. Dazu stattet Raleigh das Kent Premium mit hydraulischen Scheibenbremsen aus, die das Pedelec schnell und zuverlässig abbremsen.

Als große Erleichterung erweist sich allerdings der herausnehmbare 625 Wh Akku von Bosch. Ist der Akku entfernt, so kann Svenja das Kent Premium deutlich leichter schultern. Darüber hinaus sorgt der entnehmbare Akku natürlich für größtmögliche Flexibilität bei den Ladevorgängen. Hier zeigt das Kent Premium, dass es völlig zurecht als Trekking e-Bike bezeichnet werden darf. Gepäcktaschen lassen sich bequem auf dem Gepäckträger verstauen. Angetrieben wird das Kent Premium 2021 von der Bosch Performance Line GEN3.

Auch auf hügeligen Streckenabschnitten bietet der bewährte Antrieb von Bosch immer die notwendige Unterstützung. Der Motor des Trekking e-Bikes unterstützt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Obwohl sie sich selber als eher ängstliche Fahrerin einschätzt, fühlt sich unsere Testfahrerin auf dem Raleigh Kent Premium auch bei höherem Tempo jederzeit sicher und kann das Pedelec voll kontrollieren.

Während ihrer ausgiebigen Testfahrten empfindet Svenja die Sitzposition als sehr angenehm. Vor allem beim Stop & Go im Stadtverkehr erweist sich die eher aufrechte Sitzhaltung als Vorteil. Das Kent Premium verfügt dazu über einen verstellbaren Vorbau. Die Federgabel stellt sicher, dass Svenja auf unebenen Streckenabschnitten nicht durchgerüttelt wird. Die Gänge werden beim Raleigh Kent Premium mithilfe einer leichtgängigen Nabenschaltung von Shimano gewechselt. Für Svenjas Einsatzzwecke war die Übersetzungsbandbreite der Nabenschaltung absolut ausreichend. Kombiniert wird die Nabenschaltung mit einem Riemenantrieb. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kettenantrieb arbeitet der Riemen sehr leise und laufruhig.

Insgesamt konnte Svenja das Kent Premium 2021 von Raleigh einen Monat lang testen. Ihr Fazit nach dieser Zeit fällt durchweg positiv aus. Das Trekking e-Bike vereint eine schicke Optik sowie ein hohes Maß an Fahrkomfort.

Weitere Raleigh Modelle im Blick

Der Active Line Plus-Mittelmotor von Bosch sorgt für guten Vortrieb für genüssliche Touren. Vor allem beim Anfahren unterstützt er souverän. Im Eco-Modus liegt seine Stärke im gemächlichen Cruisen, in Tour und Power sind die 25 km/h auch ohne viel eigene Beinkraft ein Kinderspiel. Steigungen meistert der Motor ebenso spielerisch. 500 Wh im Aufsatzakku sorgen für eine ordentliche Reichweite, die insbesondere im städtischen Einsatz mehr als genügen. Der breite Durchstieg ermöglicht bequemes Aufsteigen. Selbst jenseits der 30 km/h ist der Waverahmen flatterfrei.

Der Fahrer nimmt auf einem gut gepolsterten, nicht zu weichen Sattel Platz. Die ­Ergo-Kontaktpunkte beugen auf ­längeren Ausfahrten Ermüdungserscheinungen vor.

Britischer Charme gepaart mit deutscher Ingenieurskunst ist das Erfolgsrezept. Raleigh stellt e-Bikes für Menschen her, die gerne stilsicher durchs Leben cruisen. Bei den e-Bikes von Raleigh trifft deutsche Wertarbeit auf klassisch britische Eleganz.

In dieser Saison gibt es das beliebte Raleigh Kent in neuen Varianten. Mit dem Raleigh Kent 10 S ist nun ein S-Pedelec erhältlich, das den Fahrer bis zu einem Tempo von 45 km/h unterstützt. Außerdem stellt Raleigh das Kent ab sofort in einer besonders stabilen Variante als XXL e-Bike her.

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