Für einige wenige der weltbesten Mountainbiker:innen tickt die Uhr unaufhaltsam bis zu dem heiß ersehnten Moment, an dem sie bei Red Bull Rampage von der Startrampe droppen. Es ist das Event des Jahres und DER Wettbewerb, bei dem alle Pros dabei sein möchten und die Fan alles stehen und liegen lässt, um das Spektakel live mitzuerleben.
Was ist Red Bull Rampage?
Um es ganz einfach auszudrücken: Bei der Red Bull Rampage werfen sich die fähigsten Mountainbike-Athlet:innen der Welt mit ihren Bikes über steile, felsige Berghänge hinunter und versuchen, auf ihrer individuell gewählten Line, in einem Stück unten anzukommen. Es handelt sich zwar nicht um ein klassisches Rennen, aber es gibt eine Start- und Ziellinie.
Die Rampage-Rider und ihre jeweils zwei Helfer:innen, die mit Schaufeln ausgerüstet sind, haben mehrere Tage Zeit, um eine möglichst kreative und spektakuläre Strecke zu kreieren. Am Finaltag haben die Athlet:innen dann jeweils zwei Runs, in denen sie ihre Lines präsentieren.
Mittlerweile müssen die Pros am Weg nach unten komplexe und gefährliche Tricks wie Backflips zeigen, wenn sie die Judges überzeugen wollen. Unten angekommen werden sie dann von einer Jury aus Expert:innen und anderen Profi beurteilt, die ihre Kreativität und Performance am Berg in Punkte umwandeln. Danach heißt es dann nur noch hoffen, dass es für einen Platz ganz vorne gereicht hat. Kurz gesagt: Es ist das spektakulärste Actionsport-Ereignis der Welt!
Was macht die Rampage so besonders und revolutionär?
Die Geburtsstunde von Red Bull Rampage liegt zurück im Jahr 2001 und war das Resultat einer bahnbrechenden MTB-Freeride-Bewegung, die in den späten 1990er-Jahren aufkam. Beim Freeride-Mountainbiking ging es nicht darum, wie schnell man fahren konnte.
Es ging darum, sich auf gefährliche Trails zu wagen und Grenzen zu überschreiten, zu springen, massive Drops zu riskieren und weiter zu kommen als je zuvor - und das in einem Gelände, das auf den ersten Blick unbefahrbar schien. Revolutionäre Filmserien wie "New World Disorder" trugen zusätzlich dazu bei, die Fantasie der Rider zu beflügeln.
Das Ziel von Red Bull Rampage war es, diese Art des Fahrens aus den Wäldern und von den hohen Bergen zu holen und direkt auf die große Leinwand und die Fernseher der Menschen zu bringen. Es hat eindrucksvoll bewiesen, was möglich ist und eine ganze Generation von Ridern dazu inspiriert, ans Limit und darüber hinaus zu gehen. Dieses Jahr wird das Event zum bereits 17. Mal über die Bühne gehen.
Wann war die erste Ausgabe?
Die erste Ausgabe von Red Bull Rampage fand 2001 statt und wurde vom kanadischen Freeride-Pionier Wade Simmon gewonnen.
Red Bull Rampage vs. Slopestyle
Vielleicht kennst du MTB-Events, bei denen Rider auf einem speziell angelegten Parcours mit künstlichen Features wie Holzrampen und großen Jumps Tricks zeigen. Diese Art des Mountainbikens wird gemeinhin als Slopestyle-Mountainbiken bezeichnet. Für das ungeschulte Auge mag Slopestyle wie Freeride-Mountainbiken aussehen, aber in Wirklichkeit ist es ganz anders.
Bei Slopestyle geht es weniger um das schwierige und unwegsame Gelände auf dem gefahren wird. Die von Menschenhand geschaffenen Elemente, wie Holzrampen und große Drops, sind zwar groß und schwierig, aber das Terrain ist glatt und einfach. Außerdem fahren die Athleten mit viel kleineren Mountainbikes mit weniger Federung - manche benutzen sogar Hardtails (ohne Hinterradfederung). Die Bikes sind so leicht wie möglich, so dass sie sich in der Luft gut drehen und herumschleudern lassen - und sie haben hart aufgepumpte Reifen, um so schnell wie möglich zu sein und um Reifenpannen zu vermeiden.
Die Veranstaltung findet nämlich in der felsigen und unbarmherzigen Wüste statt, wo unfassbare Klippen und fast vertikale Abhänge lauern. Der Untergrund ist teilweise sehr locker und bietet kaum Grip. Anstatt auf einer festgelegten Strecke zu fahren, suchen sich die Rider ihre eigene Line den Berg hinunter, und auch wenn sie sich gelegentlich überschneiden, sind die Lines alle einzigartig.
Die Rider benutzen robuste Downhill-Bikes mit viel Federung und großen Reifen mit ausgeprägtem Profil. Zwar haben die Rampage-Organisatoren in der Vergangenheit eine Reihe von "vorgefertigten" Obstacles gebaut. Die Organisatoren versuchen Jahr für Jahr, die Red Bull Rampage frisch zu halten, was bedeutet, dass immer wieder andere Berghänge genutzt werden. 2022 kehrte man in das Gebiet zurück, in dem das Event von 2008 bis 2013 ausgetragen wurde. Und weil die Location 2022 so genial war, entschied man sich auch 2023 wieder dafür.
Warum brauchen die Rider ein Dig-Team?
Wie bereits erwähnt treten die Fahrer:innen alle auf unterschiedlichen Lines an, die sie selbst erkundet und dann gebaut haben. Das ist harte und zeitaufwändige Arbeit. Deshalb darf jeder Rider zwei Personen zum Graben mitnehmen, die Teil des Teams sind. Danach gibt es einen Tag Pause für alle. Nach dem Ruhetag dürfen die Rider dann weitere vier Tage lang an ihrer Line tüfteln, üben, arbeiten und weitergraben.
Bei einigen Features arbeiten unterschiedliche Fahrer:innen und Dig-Teams zusammen, um Zeit zu sparen und noch größere Dinge zu bauen.
Regeln beim Bau der Strecken
Ja, sie können bauen was sie wollen und wo sie wollen, solange es innerhalb des markierten Bereichs liegt. Erlaubt sind außerdem nur Handwerkzeuge wie Schaufeln und Spitzhacken - schwere Maschinen sind verboten und es darf auch kein Material von außen verwendet werden.
Die Fahrer:innen bekommen 75 Sandsäcke und müssen das natürliche Terrain nutzen, um ihre Lines zu bauen. Holzteile sind nicht mehr erlaubt.
Bewertung der Rider
Am Finaltag gibt es wie gesagt eine Start- und Ziellinie. Dazwischen können die Rider tun und lassen, was sie wollen, aber sie haben nach dem Verlassen der Startrampe insgesamt drei Minuten Zeit, um ihren Run zu beenden - Geschwindigkeit kann also auch ein Faktor sein.
In den Finals haben alle Starter:innen zwei Runs und schließlich entscheidet die beste Punktzahl aus beiden Läufen über die Platzierung. Grundsätzlich werden die Rider auf einer Skala von 1 bis 100 anhand von vier Hauptkriterien bewertet:
- Schwierigkeitsgrad der Line: Je mehr Punkte erreicht werden, desto steiler, schwieriger und krasser ist die Line.
- Tricks und Style: Tricks, Style und eine saubere Landung sind alles Dinge, die viele Punkte bringen.
- Flüssigkeit und Kontrolle: Je geschmeidiger, schneller und aggressiver, desto mehr Punkte.
- Höhe: Airtime - wie lange ist ein Athlet in der Luft und was macht er in dieser Zeit?
Der Einfluss des Wetters
Kurz gesagt, ja. Das Event findet in der Wüste statt, die für ihre extremen Wetterverhältnisse bekannt ist. Es gibt weder Bäume noch andere Pflanzen, die vor Wind schützen.
In der Vergangenheit hat dies die Fahrer:innen in ein interessantes Dilemma gezwungen: im ersten Lauf alles riskieren, falls die Bedingungen umschlagen, oder zuerst auf Sicherheit gehen und sehen, wie viele Punkte die Judges vergeben, bevor man im zweiten Run dann alles auf eine Karte setzt?
Die Konsequenzen sind bei Red Bull Rampage zu hoch, als dass Strategie und Run-Management keine Rolle spielen würden - und sie verleihen dem Event eine äußerst spannende Dimension.
Bedeutende Momente in der Geschichte von Red Bull Rampage
Im Laufe der Jahre gab es viele unglaubliche Momente bei Red Bull Rampage. Hier sind einige der denkwürdigsten:
- Josh Bender (2004): Versuch eines 18-Meter-Drops
- Kyle Strait (2004): Sieg mit "No-Hander"
- Kelly McGarry (2013): Backflip über den Canyon Gap
- Cam Zink (2013): Backflip vom Oakley Icon Sender
- Tyler McCaul (2013): Big Red Bull Rampage Drop
- Andreu Lacondeguy (2014): 25 Meter Step Down
- Sam Reynolds (2015): Superman über den Canyon Gap
- Kurt Sorge (2017): Double-Backflips
- Ethan Nell (2018): Suicide No-Hander
- Tom van Steenbergen (2021): Frontflip
- Cam Zink (2023): Step-Down Backflip
Der jüngste Gewinner aller Zeiten
Der jüngste Gewinner des Events ist Kyle Strait, der 2004 im zarten Alter von nur 17 Jahren gewann. Auch er fuhr den Gap, führte seinen mittlerweile berühmten "No-Hander" vor und ließ das Feld mit dem Sieg am Ende hinter sich. Es war das erste Mal, dass ein Rider bei Rampage eines dieser massiven Features mit einem Trick kombinierte. Daneben stellte Strait damit klar, dass er bei Rampage angekommen war.
Red Bull Rampage 2024: Wettbewerb der Frauen
Die Red Bull Rampage 2024 ging in die Geschichte ein, da zum ersten Mal überhaupt ein Frauenwettbewerb stattfand. Sieben bahnbrechende Freeriderinnen bahnten sich ihre eigenen Linien auf dem berühmten Gelände in Virgin, Utah, und zeigten unglaubliche Läufe, wobei Robin Goomes die erste Red Bull Rampage-Siegerin wurde.
Sie beeindruckte die Jury mit zwei massiven Backflips, meisterte ihren 12,5 m (41 ft) hohen Drop und fuhr sauber ihre technisch anspruchsvolle Line hinunter, um sich den Titel vor den Kanadierinnen Georgia Astle und Casey Brown zu schnappen.
Keine Sorge, wenn du es nicht nach Utah schaffst, um persönlich vor Ort zu sein, denn mit Red Bull TV bist du bei den Finals am 16. und 18. Oktober live dabei. Bleib also auf dem Laufenden!
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