Mountainbikes sind mit vielen Bauteilen ausgestattet, die für ein sicheres und angenehmes Fahrgefühl im Gelände sorgen. Während einige dieser Komponenten präzise eingestellt werden müssen, lassen sich andere individuell anpassen und optimieren. Ein entscheidender Faktor, der oft unterschätzt wird, ist der Reifendruck. Obwohl für die Anpassung des Reifendrucks eine handelsübliche Luftpumpe ausreicht, sollte dieses Thema nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Da die Reifen den einzigen Kontaktpunkt zum Boden darstellen, sind sie maßgeblich für Vortrieb, Fahrkontrolle und Sicherheit verantwortlich. Was nützt die beste Schaltung, wenn die Kraft nicht korrekt auf die Piste gebracht wird? Viele Fahrradreifen bieten eine Luftdruckangabe an der Außenseite des Reifens zur Orientierung. Autofahrer finden eine Tabelle mit Angaben zum passenden Reifendruck bei entsprechender Beladung an der Innenseite der Fahrertür. Dennoch sollte im Mountainbike-Bereich von starren Richtwerten Abstand genommen werden!
Vielmehr gilt es, die grundsätzlichen Wirkweisen beim Luftdruck zu kennen, um daraus Richtlinien für den Luftdruck beim Mountainbike ableiten zu können. Mittlerweile gibt es etliche Reifen im MTB-Bereich, die ohne Schlauch auskommen. Dies hat bereits Einfluss auf die Wahl des Reifendrucks. Zwar gestaltet sich eine mögliche Reparatur bei Tubeless-Reifen unter Umständen aufwendiger, dennoch kommen sie mit etwas weniger Reifendruck aus.
Die Bedeutung des Reifendrucks im Gelände
Reifen rollen nicht einfach nur geradeaus. Ein hoher Luftdruck erzeugt harte Reifen, die jede Unebenheit nach oben weiterreichen. Dabei wird jedoch das komplette System angehoben, um selbst das kleinste Hindernis zu überfahren. Reduziert sich jedoch der Reifeninnendruck, werden die Reifen flexibler und können Unebenheiten einfacher aufnehmen. Statt das Fahrrad als Ganzes nach oben zu bewegen, verformen sich die Reifen ein wenig und schlucken die Erhöhungen, die Schotter, Wurzeln o. ä. darstellen. Das spart Energie und verringert den Rollwiderstand spürbar.
Während ein hoher Luftdruck auf glatten Fahrbahnen die Kontaktfläche für eine geringe Rollreibung reduziert, ist im Gelände ein guter Bodenkontakt unerlässlich. Verringert sich also der Reifendruck, verfügen Reifen automatisch über eine größere Auflagefläche. Für Geländefahrten erweist sich also die Reduktion des Reifendrucks als ein gutes Mittel, um Fahrkontrolle und Fahrkomfort zu verbessern. Da sich mit niedrigem Luftdruck die Auflagefläche des Reifens vergrößert, bietet er eine bessere Traktion und erhöht damit die Sicherheit.
Auswirkungen des Reifendrucks auf die Fahrstabilität
Da ein niedriger Reifendruck die Elastizität des Reifens mehr zur Geltung bringt und Hindernisse einfach „weggeschluckt“ werden können, wirkt sich dies auch auf die Seitenstabilität des Reifens aus. Daher sollte der Reifendruck nicht zu gering angesetzt werden, da ein schwammiges Fahrgefühl entsteht und der Reifen bei Kurvenfahrten über die Felge abknicken kann. In jedem Falle erhöht ein Verringern des Luftdrucks auch die Seitenbeweglichkeit des Reifens, was sich ab einem gewissen Punkt nachteilig auf das Fahrverhalten auswirkt.
Zwar spielt an dieser Stelle auch die Breite der Felge eine Rolle, dennoch sollte der Reifendruck nicht so stark verringert werden, dass die Reifen beim Fahren anfangen zu schwimmen. Gummireifen bei Fahrrädern wurden entwickelt, um die Stöße von Bodenunebenheiten abzumildern. Der Luftdruck im Reifen soll wiederum davor schützen, dass Hindernisse auf die Felge einwirken.
Die Gefahr von Durchschlägen
Je niedriger der Reifendruck demzufolge also ist, desto eher können Unebenheiten direkt auf den Schlauch oder die Felge durchschlagen, wenn der Reifen zu stark komprimiert wird. Bei Reifen mit Schlauch kann dies zum sogenannten Schlangenbiss führen. Dann hat man plötzlich zwei Löcher, weil der Schlauch an die beiden Kanten der Felge gequetscht wurde. Ein Schlangenbiss ist jedoch nicht nur ärgerlich, sondern schwer zu reparieren, weil ein Flicken meist nicht auf die beiden Löcher passt und zwei Flicken jedoch nur schwer nebeneinander Platz finden. Auch bei Tubeless-Reifen kann eine Panne die Folge sein, sollte der Mantel auf die Felge durchschlagen.
Besonderheiten bei Fatbikes
An sich hat ein Mountainbike bereits einen großen Differenzbereich zwischen Felgen- und Reifenbreite. Da diese Differenz bei einem Fatbike mit den typischen Ballonreifen noch einmal erhöht ist, gelten für ein Fatbike andere Maßstäbe. Ein Reifendruck, der bei einem normalen MTB bereits zum Schwimmen und Durchschlagen der Reifen führen würde, kann durch das große Volumen des Reifens beim Fatbike durchaus möglich bleiben. Bei einem Fatbike kann daher der Reifendruck viel niedriger abgesenkt werden, ohne ein instabiles Fahrverhalten zu riskieren.
Wie finde ich den idealen Luftdruck?
Leider gibt es, wie bereits beschrieben, beim MTB Luftdruck keinen Richtwert, um das ideale Balance zwischen hoppelnden und schwimmenden Reifen zu bestimmen. So macht es bereits einen Unterschied, ob ein und dieselbe Strecke mit Gepäck oder im Rahmen einer Trainingsrunde ohne Ballast befahren wird. Es ist daher ratsam, einen Teil einer Strecke mit dem üblichen Gesamtgewicht zu befahren und dabei mit einem hohen Reifendruck von max. 2,4 Bar (34,8 Psi) bei Tubeless-Reifen und 2,6 Bar (37,7 Psi) zu beginnen.
Bei dieser Probefahrt geht es weniger darum, das Maximale aus einer Piste herauszuholen, sondern genau auf das Fahrgefühl zu achten. Nach dieser Proberunde wird der Reifendruck beispielsweise um ca. 0,2 Bar (2,9 Psi) abgesenkt und derselbe Streckenabschnitt noch einmal befahren. Dieses Prozedere wird solange wiederholt, bis sich das Fahrgefühl nicht mehr verbessert. Ein weiteres Senken des Luftdrucks würde zulasten der Fahrkontrolle und Sicherheit gehen!
Wer bereits über viel Erfahrung beim Justieren des Reifendrucks hat, kann gleich zu Beginn mit weniger Luftdruck beginnen. Allerdings fallen die Unterschiede dabei nicht mehr so gravierend auf, sodass der Punkt, der nicht mehr zur Verbesserung des Fahrgefühls führt, leicht überschritten werden kann!
Zwar reichen handelsübliche Luftpumpen aus, um den Luftdruck beim Fahrrad anzupassen. Da jedoch eine detailgenaue Bestimmung damit nicht möglich ist, empfiehlt es sich zur genaueren Bestimmung einen Reifendruckmesser bzw. Da die Gewichtsverteilung so ausfällt, dass 40 % des Gewichtes auf die Vorderachse und 60 % auf die Hinterachse übertragen werden, kann dies auch auf den Reifendruck angewendet werden!
Auch wenn es auf den ersten Blick mühselig erscheint, den Luftdruck beim Mountainbike immer wieder neu einzustellen, so stellt dieses Tuningelement eine wirksame Grundanpassung dar.
Empfohlener Luftdruck nach Fahrstil und Gelände
Je nach Einsatzgebiet kannst du dich an den auf dem Reifen angegebenen Werte orientieren. Ein Mittelwert zwischen dem minimalen und maximalen Druck ist dabei immer ein guter Ausgangspunkt. Hiermit findest du ein gutes Verhältnis zwischen Grip, Geschwindigkeit und Komfort, ohne das Gefühl für den Untergrund und das Fahrwerk zu verlieren.
- XC, Marathon oder Bikepark: Wenn Du schneller fahren möchtest und auf Komfort verzichten kannst, kannst Du den Luftdruck schrittweise um 0,2bar bzw. 3psi erhöhen. Spätestens bei 2,6 bar sollte aber Schluss sein, da du sonst riskierst, dass der Reifen platzt.
- Komfortfahrer: Komfortfahrer und Fahrer mit “spielerischem” Fahrstil machen es hingegen umgekehrt und senken den Mittelwert schrittweise um 0,2bar/3psi. Auch wenn immer wieder Fahrer mit Reifen unter 1 bar unterwegs sind - wir raten davon ab und empfehlen, den vom Reifenhersteller empfohlenen Mindestdruck nicht zu unterschreiten.
Wer auf sehr unterschiedlichen oder wechselnden Untergründen unterwegs ist, sollte sich ein Luftdruckmessgerät zulegen. Damit kannst du den Luftdruck auch unterwegs individuell an das Terrain anpassen. So starten viele Enduristen oder Trailfahrer, die den Trailhead selbst erklimmen, am Fuße des Berges mit einem höheren Druck (z.B. 2,4 bar bei einem Allmountain- oder Enduroreifen) und senken diesen vor der Abfahrt wieder auf ca. 2,2 bar ab. So kann der Reifen bergauf mit weniger Rollwiderstand gefahren werden und bietet bergab Grip und Komfort.
In der Regel hast Du mit 2,0bar/29psi bis 2,2bar/32psi genug Luft im Reifen, um Durchschläge zu verhindern und trotzdem ausreichend Traktion und Grip zu bekommen.
MTB-Luftdruck: Ausnahmen und Besonderheiten
Wer mit seinem Mountainbike auf ungewohntem Terrain unterwegs ist, kann und sollte vom üblichen Luftdruck abweichen. Auf Asphalt und gut befestigtem Untergrund kann der Druck schon mal um ein halbes oder sogar ein ganzes Bar erhöht werden. Aber Vorsicht - weniger Rollwiderstand bedeutet zwar höhere Geschwindigkeit, aber auch weniger Traktion. Weniger Haftung bedeutet wiederum einen längeren Bremsweg, da weniger Lauffläche auf dem Untergrund aufliegt.
Umgekehrt verhält es sich bei weichem Untergrund wie Schlamm oder Sand. Hier kann am unteren Ende des Mindestdrucks gefahren werden. Wer auf Sand fährt und sich sicher ist, dass der Reifen gut auf der Felge sitzt, kann diesen Wert sogar um 0,2 bar unterschreiten.
Wer nicht gerade ein All-Mountain-Bike in gemäßigtem Gelände fährt und vorne und hinten den gleichen Reifen hat oder ohnehin einen weichen Vorderreifen und einen härteren Hinterreifen fährt, kann am Vorderreifen etwas weniger Druck fahren als am Hinterreifen. Wir empfehlen auch hier mit 0,2 bar Unterschied zu beginnen. Wer zum Beispiel im Stadtverkehr fahren muss oder eine intensive Trainingseinheit auf der “Waldautobahn” absolviert, kann bis zu 0,5 bar Unterschied fahren. Dabei sollte der Vorderreifen weniger Druck haben, um möglichst viel Traktion und damit ausreichend Grip zum Kurvenfahren und Bremsen zu haben, während der Hinterreifen nur dem effizienten Vortrieb dient.
Auswirkungen des Reifendrucks auf den MTB-Reifen:
| Niedriger Luftdruck | Hoher Luftdruck |
|---|---|
| Geringerer Rollwiderstand im Gelände | Geringerer Rollwiderstand auf Asphalt |
| Höherer Komfort | Höherer Durchschlagschutz |
| Mehr Traktion | Mehr Stabilität des Reifens auf der Felge |
Die Ausführungen zeigen, dass aus fahrtechnischer Sicht ein niedriger Reifendruck anzustreben ist. Dieser sollte jedoch nicht beliebig abgesenkt werden, da sonst die Stabilität des Reifens auf der Felge leidet und es zu Durchschlägen auf Wurzeln oder Steinen kommen kann.
Bei zu niedrigem Reifendruck besteht die Gefahr, dass sich der Mantel in Kurven und beim Driften seitlich über die Flanke biegt oder sogar aus dem Felgenbett rutscht. Ein schwammiges Fahrgefühl ist die Folge von zu viel oder zu wenig Druck. Beides führt nicht selten zu Pannen und Stürzen.
Dass der Reifendruck nicht zu niedrig sein darf, ist auch aus Gründen des Pannenschutzes ratsam. Denn bei einem Durchschlag wird der Reifen durch ein Hindernis so stark komprimiert, dass er schließlich auf die Felge gepresst wird. Pannen und Beschädigungen der Felge oder im schlimmsten Fall ein Riss in der Felgenwand können die Folge sein.
Fatbikes bieten mit ihren überdimensionierten Ballonreifen eine hohe Traktion und hervorragende Dämpfungseigenschaften. Durch das große Volumen der Reifen ist nur ein geringer Luftdruck nötig, ohne dass es zu Durchschlägen oder einem instabilen Fahrgefühl kommt. So ist ein Luftdruck von unter einem Bar nicht nur möglich, sondern bringt erst das richtige Fatbike-Feeling.
Auch bei den dicken Reifen gibt es eine Herstellerempfehlung auf der Reifenflanke. Diese sollte nicht über- oder unterschritten werden. Schließlich haben sich die Laufrad- und Komponentenhersteller bereits gezielt auf die montierten Reifen eingestellt. Wir empfehlen, mit 0,5 bar/7,3 psi bzw. dem empfohlenen Mindestdruck zu beginnen. Je nach Fahrergewicht und Gelände kann dieser Druck dann vorsichtig um 0,05bar/0,07psi erhöht werden. Ab 1 bar ist jedoch Vorsicht geboten. Auch wenn der Reifen es noch zulässt, stößt die Felge irgendwann an die Grenzen des physikalisch Machbaren.
Die Reifen sind besonders beim Mountainbike als Schnittstelle zum jeweiligen Untergrund das "Tuning-Teil" am Fahrrad. Sie können die Leistungsfähigkeit des Bikes entfalten oder im negativen Fall auch extrem beschränken. Wer mit dem Mountainbike im Gelände unterwegs ist, weiß, wie wichtig der Luftdruck ist. Denn er ist entscheidend für ein gutes Fahrgefühl, einen optimalen Grip, und er schützt vor Fahrradpannen.
Der perfekte Reifendruck hängt besonders beim MTB von der Felgenweite und der Reifenbreite ab. Entscheidend für den richtigen Luftdruck im Reifen ist allerdings das Fahrergewicht, der Fahrstil und der Untergrund.
Der optimal befüllte, nicht zu stark aufgepumpte Reifen filtert die Vibrationen und entlastet damit Hände und Arme. Die Vibrationen vom Untergrund werden nämlich nur in geringem Maße von den Federgabeln kompensiert. Besonders schlauchlose Reifen können generell mit weniger Luftdruck gefahren werden.
Wie hoch der Luftdruck auf Mountainbike-Reifen sein sollte, ist nicht pauschal zu sagen. Die Angaben hierzu variieren teils sehr. Jedoch ist der richtige Reifendruck vor allem im Gelände sehr wichtig für einen guten Gripp und auch als Pannenschutz. Fahrradreifen haben einen großen Einfluss auf das Fahrgefühl mit dem Mountainbike; die Leistungsfähigkeit kann sich im guten Fall bestens entfalten oder auch extrem beschränken. Daher ist der optimale Luftdruck in MTB-Reifen einer der wichtigsten Punkte für eine gute Fahrt.
Mit Abnahme des Luftdrucks im Reifen sinkt der Rollwiderstand im Gelände. Dieses Phänomen gilt bereits auf Schotterwegen. Lediglich auf Straßenbelag rollt ein MTB-Reifen mit mehr Luft leichter.
Das Diagramm bietet einen Anhaltspunkt, ist aber keineswegs allgemeingültig. Denn der richtige Reifendruck hängt neben der Felgenweite und der Reifenbreite auch stark von Fahrergewicht, Fahrstil und Untergrund ab. Schwere Mountainbiker über 95 Kilo Systemgewicht (Fahrergewicht inkl. Klamotten / Ausrüstung plus Bike-Gewicht) können gerne schnell 0,2-0,5 bar mehr Luftdruck im Reifen fahren als 65 Kilogramm leichte Kletterflöhe auf 9-Kilo-Hardtails. Auch Fahrstil und Untergrund beeinflussen den optimalen Reifendruck. Bei aggressivem Fahrstil und stark verblockten oder mit Wurzelteppichen überzogenen Trails darf es auch ein wenig mehr Luft sein. Bei niedrigem Druck besteht dann nämlich die Gefahr, dass es den Reifen von der Felge zieht oder man ständig durch Durchschläge verursachte Platten flickt.
Das andere Extrem, das man leider immer wieder beobachtet ist, dass Leute den Reifendruck beim Mountainbike am Limit fahren, also mit 2,5 bar und mehr. Damit verliert man in Kurven oder steilen Rampen mit losem Untergrund nicht nur schneller den Grip, sondern "hoppelt" auch über den Trail, da der Reifen die Schläge vom Untergrund nicht mehr dämpft. Wer seine Reifen Tubeless mit Latexmilch fährt, kann in der Regel auch einen geringeren Luftdruck (0,1-0,4 bar weniger als mit Schlauch) fahren, da kein Schlauch in der Felge sitzt, der durchgeschlagen werden kann.
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