Beim Reiten ist Sicherheit von höchster Bedeutung, und die Wahl des richtigen Helms spielt dabei eine entscheidende Rolle. Oft stellt sich die Frage, ob ein Fahrradhelm als Alternative zum Reithelm verwendet werden kann. Dieser Artikel untersucht die Unterschiede zwischen Reit- und Fahrradhelmen und beleuchtet die Sicherheitsaspekte, die bei der Wahl des richtigen Kopfschutzes zu berücksichtigen sind.
Unterschiedliche Anforderungen von Reit- und Fahrradhelmen
Auch wenn Skateboard-, Fahrrad- und Reithelme recht ähnlich aussehen, so wurden sie doch für völlig unterschiedliche Sportarten entwickelt. Die Höhen aus denen man bei all diesen Sportarten fallen kann, sind sehr verschieden. Und damit dürfte auch schon klar sein, dass ein Reithelm ganz andere Anforderungen erfüllen muss, als ein Skateboard- oder Fahrradhelm.
Warum ein Fahrradhelm beim Reiten ungeeignet ist
Einen Fahrradhelm sollte man nicht zum Reiten benutzen, denn er ist auf fahrradspezifische Stürze ausgerichtet und dementsprechend konzipiert. Deshalb bietet er bei Stürzen von einem Pferd keinen Schutz, gerade, weil diese oft seitlich erfolgen oder du auch auf dem Hinterkopf landen könntest. Auch einer Pferdehufe hält ein Fahrradhelm durch seine leichte Bauweise nicht Stand. Fällt ein Reiter vom Pferd, prallt er häufig auf der Seite oder auch auf dem Hinterkopf auf. Daher sind Reithelme auch seitlich und am Hinterkopf so konstruiert, dass ein Sturz in jedem Falle durch den Helm abgefedert werden kann. Ein Fahradhelm ist hauptsächlich für flächigen Druck ausgelegt, weil man eher auf der Straße oder einer Automotorhaube landet. Ein Reithelm dagegen muß insbesondere auch punktuelle Schläge aushalten, weil im Sturz zum Beispiel mal schnell ein Pferdehuf den Kopf streift (womöglich mit Eisen und Stollen!) oder man mit dem Kopf auf Steine, Hindernisstangen (oder gar eisernen die Auflagen) knallen kann.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) rät auch aufgrund der Leichtbauweise von Fahrradhelmen von deren Einsatz im Umgang mit dem Pferd ab. Eine weitere Gefahr bergen die Belüftungslöcher an einem Fahrradhelm, die nicht so gut abgesichert sind, wie bei einem Reithelm. Schnell kann ein Ast beim Ausritt in den Ventilationslöchern hängenbleiben und das Kind auf diese Weise vom Pferd ziehen. Die Belüftungslöcher von Reithelmen sind meist zusätzlich mit einem Schutzgitter versehen oder fallen kleiner aus, sodass ein Hängenbleiben nicht möglich ist.
Auch wird ein Fahrrad den Fahrer selten erst hoch katapultieren wie ein Pferd. Vom Rad stürzt man etwa einen Meter zwanzig (?) tief, ein Pferd von 170 Stockmaß schmeißt dich (bzw eher mich 😉) auch mal in eine Höhe , die leicht fast das doppelte betragen kann.
Die Bedeutung eines Reithelms
Reiten ist unabhängig von der Jahreszeit ein schweißtreibender Sport.
Beim Reiten gibt es jedoch andere Fall- und Aufschlagsarten, auch fehlt beim Fahrradhelm der seitliche Schutz (zB vor einem Hufschlag) den ein Reithelm bietet. Der heute gültige Sicherheitsstandart nach DIN EN 1384.2017 berücksichtigt die typischen Fall- und Aufschlagarten im Reitsport. Die Helme und werden u.a. auf Seitensteifigkeit (seitliche Belastung von 60kg), Fallgeschwindigkeit aus einer Höhe von 1,80m, Stoßdämpfung, Splitter und Formstabilität, Durchdringungsfestigkeit, Befestigung- bzw. Verankerung etc.
Auch wenn Du nur langsam im Kreis reitest, brauchst Du einen Reithelm. Denn das Risiko für schwere Verletzungen beim Reiten hängt nicht von der Geschwindigkeit, sondern von der Höhe des Sturzes vom Pferd ab. Ein Sturz auf den Kopf aus nur 2 Metern Höhe kann zu schweren Verletzungen des Schädels, der Halswirbelsäule oder des Gehirns führen, bis hin zur Querschnittslähmung.
Sicherheitstechnisch hinken leider die Reithelme seit vielen Jahren hinterher, denn in den bisherigen Prüfnormen war noch eine Fallhöhe von 1,5m vorgesehen, einen Seitenaufpralltest gab es überhaupt nicht und eine abstreifsichere 4-Punke-Befestigung erst recht nicht, obwohl all Dies für Fahrradhelme seit Langem Standard ist.
Worauf man beim Kauf eines Reithelms achten sollte
Aber viel wichtiger als das Preisschildchen an Deinem Helm ist unserer Meinung nach die Sicherheit. Achte beim Kauf darauf, dass Dein Reithelm das TÜV- und VG1-Prüfsiegel trägt. Das garantiert Dir, dass der Helm den harten Anforderungen beim Sturz vom Pferd gewachsen ist.
Ein Reithelm schützt Deinen Kopf nur dann optimal, wenn er richtig passt. Achte daher schon beim Kauf darauf, dass der Reithelm eng (aber nicht zu eng) an Deinem Kopf anliegt und nicht drückt oder Luft zwischen Deinem Kopf und dem Helm lässt.
Passform und Tragekomfort
Die perfekte Passform ist bei einem Reithelm entscheidend, denn bei einem Sturz kann ein schlechtsitzender Helm noch mehr Schaden verursachen, als wenn du ohne Helm stürzt. Deshalb gilt es, den Helm gründlich auszuprobieren. Es gibt verstellbare Helme, deren Passform einfach über ein Rädchen auf der Rückseite angepasst werden kann und klassische Helme. Um zu testen, ob der Helm gut sitzt, bewege deinen Kopf schnell hin und her. Wenn er zu groß ist, rutscht er dabei. Ist der Helm zu klein, passt er meistens nicht über den Kopf bzw. die Ohren passen nicht in das Dreieck des Schutzgurtes und der Helm drückt.
Sicherheitsstandards und Normen
Bei der Auswahl deines Helms kannst du dich an den Prüfzeichen der Europäischen Norm mit der Übergangsnorm VG1 01.040 2014-12 orientieren. Diese kennzeichnen die Reithelme als sicher entsprechend der aktuellen Anforderungen. Ältere Helme, die vor 2014 produziert wurden, also der EN 1384 entsprechen, findet man nur noch sporadisch im Sortiment. Vom Kauf dieser wird aber aufgrund des Alters abgeraten.
Helme müssen einer europaweiten Norm (EN) entsprechen, die durch eine CE-Kennzeichnung auf dem Helm angegeben wird. Da jedoch seit 2014 die bisherige Sicherheitsnorm (EN 1384:2012) abgeschafft und damit ungültig wurde und seitdem keine neuen Vorschriften in einer EN festgelegt wurden, gilt aktuell noch die Übergangsnorm VG1 01.040 2014-12. Entscheidest du dich also für einen Helm, der vor 2014 produziert wurde, muss er noch der Norm EN 1384:2012 entsprechen. Danach gilt die Übergangsnorm V1. Die Änderungen seit der alten Sicherheitsnorm betreffen sowohl das Material als auch die Widerstandsfähigkeit und den Sitz des Reithelms.
Regelmäßiger Austausch des Reithelms
Du kennst das: Du fällst vom Pferd, fällst auf den Kopf, außer ein paar blauen Flecken ist alles in Ordnung, Dein Reithelm sieht noch tadellos aus. Verwende diesen trotzdem nicht weiter, denn er könnte eine Beschädigung haben, die auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Wenn Du dann zum zweiten Mal auf diese beschädigte Stelle fällst, schützt der Helm Deinen Kopf nicht mehr optimal und es kann zu schweren Verletzungen kommen.
Abgesehen von einem Sturz oder einem Schlag gegen den Helm, solltest du deinen Helm regelmäßig austauschen, da er mit der Zeit verschleißt. Grundsätzlich hängt das mit der Lagerung zusammen und auch der Intensität der Nutzung. Doch unabhängig von diesen Faktoren solltest du den Helm nach drei bis fünf Jahren nach dem Kauf ersetzen. Auch wenn Du noch nie mit Deinem Helm gestürzt bist, ist es eine gute Idee den Reithelm etwa alle etwa fünf Jahre zu ersetzen (abhängig davon, wie oft Du reitest).
Reithelme für Kinder
Eine große Hilfe und Orientierung beim Kauf bieten die festgelegten Sicherheitsstandards.
Die wichtigsten Eigenschaften eines Kinder-Reithelms
- Um deinem Kind sowohl Sicherheit als auch den bestmöglichen Tragekomfort zu ermöglichen, sollte das Reithelm-Modell sowohl stoßabsorbierend und schlagfest als auch atmungsaktiv sein.
- Ein Kinderreithelm ist im Idealfall größenverstellbar. Durch die Verstellmöglichkeiten lässt sich der Helm individuell an den Kopfumfang anpassen und ermöglicht, zumindest für einige Zeit, ein „Mitwachsen“ des Kopfschutzes.
- Viele Kinder reagieren empfindlich auf Druck- oder Scheuerstellen, daher sollte beim Kauf eines Kinderreithelms insbesondere die Qualität des Innenfutters bewertet werden. Waschbar, klimaregulierend und atmungsaktiv sind die Eigenschaften, die jedes Futter mitbringen sollte.
- Kinder lieben farbenfrohe Designs und werden häufig durch eine auffällige Optik beeinflusst. Ein kindgerechtes Design hat aber auch Vorteile: gefällt dem Kind der Reithelm, wird es ihn auch gerne aufsetzen.
Regelmäßiger Austausch des Kinderreithelms
- Nach wenigen Jahren sollte der Kinderreithelm unabhängig davon, ob das Kind damit gestürzt ist oder nicht, ausgetauscht werden (in der Regel wächst es innerhalb dieser Zeit ohnehin aus dem Reithelm heraus).
- Nach einem Sturz muss der Reithelm sofort ausgetauscht werden.
- Sensibilisiere dein Kind darauf, achtsam mit dem Reithelm umzugehen.
- Lager den Helm an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort.
- Scharfe Chemikalien können das Material zerstören!
Gebrauchte Kinderreithelme
Während es bei gebrauchter Reitbekleidung wirklich kein Problem ist, auf gut erhaltene gebrauchte Ware zurückzugreifen, stellt dies bei Reithelmen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wie alt ist der Reithelm wirklich? Ist der Vorbesitzer damit gestürzt? Wie ist er damit umgegangen und wie wurde der Reithelm gelagert? Das alles sind Fragen, die für die Sicherheit relevant sind und bei einem gebrauchten Reithelm oft nicht geklärt werden können.
Fazit
Wir wünschen uns, dass in Zukunft weniger Unfälle durch das falsche Tragen eines Reithelms passieren.
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