Hohe Carbonfelgen sind das A und O für maximale Geschwindigkeit im flachen bis welligen Gelände. Wer im Wettkampf wertvolle Sekunden sparen will, kommt an Aero-Laufrädern nicht vorbei. Sie verändern auch die Optik des Renners. Nachdem zuletzt preiswerte Aero-Laufräder getestet wurden, soll nun untersucht werden, wie viel schneller die Besten sind.
Auch die durchweg gute Performance spricht für sich und beruhigt angesichts der teils sehr hohen Preise.
Felgen und Reifen: Ein Überblick
Auffällig ist, dass die Felgen im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen breiter geworden sind. Außen messen die Felgenringe nun bis zu 33 Millimeter, die Felgeninnenweiten sind bis auf knapp 24 Millimeter gewachsen (Zipp). Passende Reifen sollten mindestens 25 Millimeter breit sein, aber auch 28 oder 30 Millimeter breite Pneus finden super Anschluss auf diesen Felgen. Denn die Felge sollte aus aerodynamischen Gründen idealerweise etwas breiter sein als der montierte Reifen.Breitere Felgen erhöhen wiederum den Spielraum, die Reifen mit weniger Druck zu fahren und so die Fahrdynamik zu verbessern. Mehr Komfort? Ja. Aber auch mehr Tempo. Auf holperigen Straßen rollen die Reifen schneller, die besser federn. Auch jenseits der extremen Pavés sind breite Reifen oft die bessere Wahl: Selbst eine normale Landstraße, die nicht mehr ganz glatt ist, zieht mit jedem Rumpeln Körner aus den Beinen.Alle Felgen sind tubeless-ready, mit Dichtmittel also auch ohne Schlauch fahrbar. Da Tubeless-Reifen sich mit niedrigerem Druck fahren lassen und dabei immer noch sehr durchschlagsicher sind, sind sie angesichts der immer breiter werdenden Felgen die logische Wahl.Was bedeutet die wachsende Felgenbreite nun für den Luftwiderstand des Laufrads? Müsste dieser nicht zunehmen, weil sich die Stirnfläche des Laufrades vergrößert? Das Ergebnis: Trotz breiterer Felgen wird für die neuen Räder ein Tick weniger Luftwiderstand gemessen.Die Testkriterien
Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten. Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt. Es werden Laufräder im „Allround”-Segment getestet, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen. In diesen Bereich fallen Laufräder, die sowohl auf schnellen, flachen Strecken als auch in den Bergen die richtige Wahl sind. Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, wird auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten geachtet. Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten.Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, wurde unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht. Im Back-to-back-Testing wurden innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet.Die wichtigsten Testkriterien:
- Aerodynamik: Messung des Luftwiderstands im Windkanal.
- Gewicht: Einfluss auf Beschleunigung und Bergtauglichkeit.
- Seitensteifigkeit: Wichtig für Lenkpräzision und Kraftübertragung.
- Compliance: Beeinflusst den Fahrkomfort.
- Seitenwindanfälligkeit: Stabilität bei Windböen.
- Preis: Das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Auch die durchweg gute Performance spricht für sich und beruhigt angesichts der teils sehr hohen Preise.
Messergebnisse aus dem Windkanal
Wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen, wurde im Windkanal getestet.Die Messwerte lagen hier zwischen 11,5 und 15,7 Watt. Je kleiner die benötigte Leistung ist, desto besser.Das Programm berechnet die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit vom Anströmwinkel. Der Referenzlaufradsatz erzielte hier 19,4 Watt, der „Aero-Sieger“ Swiss Side 10,4 Watt - damit zeigte sich ein Leistungsgewinn von ganzen neun Watt bei 45 Kilometern pro Stunde. Da der Leistungsbedarf in dritter Potenz mit der Geschwindigkeit zunimmt, halbiert sich bei 35 km/h der Leistungsbedarf gegenüber 45 km/h ungefähr.Mit dem Aero-Testsieger Swiss Side würde man nun mit 45,43 km/h statt der Basisgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind sehr deutlich spürbar und bei Stürmen teils kaum noch beherrschbar ist.Gewicht der Laufräder
Leichte Laufräder beschleunigen besser und haben bei höhenmeterreichen Touren und Radmarathons Vorteile.
Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm - gefolgt von den Engage-, 1487, und den Specialized-Roval-Modellen, 1503 Gramm.
Seitensteifigkeit
Gute Werte liegen zwischen 30 und 35 Newton pro Millimeter, sehr gute Werte darüber.
Die besten Seitensteifigkeiten lieferten die Modelle von DT Swiss, Edvelo und Swiss Side mit je 24 Speichen - sowie die Newmen mit ihren 21 Carbon-Speichen.
Ausgewählte Modelle im Detail
- Reserve 52|63: Mit einem Preis von 2.299 € und einem Gewicht von 1.455 g sind die Reserve 52|63 richtig gut aufgestellt. Mit dem unglaublich smoothen Abrollverhalten und der hohen Effizienz halten die Reserve 52|63 die Geschwindigkeit exzellent. Im Windkanal offenbart sich die große Überraschung: Mit einem gemittelten Wert von 92,79 Watt liegen die Reserve kein ganzes Watt hinter dem Testsieger Syncros und das bei einem fast halbierten Preis.
- Bontrager Aeolus RSL 62: Sehr gute Aerodynamik. Die breite Felge mit großem Innenmaß schafft einen guten Kompromiss aus Tempo und Handling - beste Abstimmung im Testfeld. Für die Felgenhöhe vergleichsweise leicht.
- DT Swiss ARC 1100 Dicut DB 62: Sehr schnell, mit bauchigem Profil und moderater Innenweite. Innen liegende Nippel für verminderten Rotations-Luftwiderstand.
- Newmen Streem Climbing: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Leicht wie eine Feder katapultiert man sich im Wiegetritt nach vorn, bergauf scheint man zu fliegen.
- Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke: Die Beschleunigung ist mega, die Räder rollen leicht, halten spielerisch hohes Tempo, und auch bei High Speed bergab fühle ich mich jederzeit sicher.
- Fulcrum Sharq: Mit satten 25 Millimetern Maulweite richten sich die brandneuen Fulcrum Sharq-Laufräder an Fans üppiger Bereifung. Nervosität bei Seitenwind ist den Laufrädern fremd, der Geradeauslauf ist ausgeprägt, die Lenkung vorhersehbar - das Sicherheitsgefühl entsprechend hoch.
Weitere getestete Laufräder
- Campagnolo WTO Ultra 60
- Shimano Dura-Ace C60
- Vision Metron 60
- ZIPP 454 NSW
- Aerycs Aero WT 30
- Fulcrum Wind 42
- Leeze CC 38 Basic R
- Mavic Cosmic SL 32
- Shimano Ultegra WH-RS8170 C36
- Winspace Lún Grapid
- Black Inc 28/33
- Scope Cycling Artech 4
- DT Swiss ARC 1100 Dicut 38
- Newmen Streem Allround Vonoa
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