Sonne, Staub, Insekten - eine Sonnenbrille ist eine Schutzschicht vor den Augen, aber auch ein modisches Statement. Für viele Biker gehört eine Sonnenbrille so selbstverständlich zur Ausrüstung wie Fahrradpumpe und Ersatzschlauch. Gerade die aktuell so angesagten Shield-Modelle mit besonders großen Scheiben punkten mit einer zusätzlichen Portion Style.
Doch die Wahl der perfekten Brille obliegt vielen Faktoren - natürlich auch der Preisfrage. Weiter raten wir dazu, die Brille vor dem Kauf unbedingt Probe zu tragen, denn jede Kopfform, jeder Anspruch ist anders.
Wichtige Kriterien für die Auswahl einer Rennradbrille
Neben dem Schutz vor Sonnenstrahlung hat eine Radbrille auch wichtige und praktische Aufgaben. Hier gibt es eine individuelle Kaufberatung mit der Möglichkeit, die Brille optimal auf den Kopf anzupassen, vor einem Ventilator auf Zugluft zu testen, die Gläser per UV-Lampe abzudunkeln oder (wenn möglich) eine optische Verglasung vorzunehmen.
UV-Schutz: Alle Qualitäts-Sport-Sonnenbrillen schützen effektiv vor schädlichen Sonnenstrahlen von bis zu 400 Nanometern Wellenlänge und tragen deswegen oft die Bezeichnung UV400 oder „100 Prozent UV-Schutz“.
Passform und Sitz: Niemand würde auf die Idee kommen, einen Helm auf den Markt zu bringen, der nicht einstell- oder anpassbar ist. Bei Sportbrillen ist dies jedoch teilweise noch der Fall. Manche Modelle lassen sich nicht einstellen - entweder eine Brille passt oder man nimmt eine andere. Im Test erzielt Uvex mit sehr angenehmem Tragegefühl den Bestwert - und verdient sich einen Preis-Leistungs-Tipp. Ein komfortables Auflagegefühl liefern aber auch Bollé, Cratoni, Evil Eye, Oakley, Swiss Eye und Pop Eyes. Beide zeichnen wir mit einer Empfehlung aus. Für noch genauere Anpassung der Brille sind Ersatz-Nasenpads top. Im Test einzig bei Evil Eye im Lieferumfang. Perfekt lassen sich Brillen dann mit einstellbaren Nasenbügeln anpassen.
- Bei vielen Brillen lassen sich die Nasenstege anpassen. Diese sind entweder formbar, stufenweise einstellbar oder auszuwechseln. Alle drei Varianten funktionieren auf ihre Weise.
- An manchen Modellen sind auch die Bügel variabel. Man kann sie formen, verlängern oder wechseln. Gerade bei langen Bügeln ist das enorm wichtig, denn stehen diese waagerecht nach hinten, können sie mit vielen Helm-Modellen kollidieren.
- Einzig bei Evil Eye lässt sich zudem die Bügelposition für optimale Inklination in drei verschiedene Ausrichtungen verstellen.
Belüftung und Beschlagschutz: Zwar verfügen eigentlich alle Sportbrillen über einen vernünftigen Beschlagschutz, jedoch kann es Situationen geben, in denen eine gut belüftete Brille im Vorteil ist. Großen Wert legten wir im Testverlauf auf das Beantworten der Frage: Wann und wie häufig beschlägt die Brille im Einsatz? Bei Antifog-Beschichtungen ist die Oberfläche des Glases hydrophil und zieht Wassermoleküle an - im Test beispielsweise bei Uvex. Deutlich öfter wird dem Scheibenbeschlagen via im Rahmen mitgedachter Antifog-Belüftung vorgebeugt. Hier sticht Adidas mit sehr wirksamem 9-fach-Belüftungssystem im Test heraus.
Gläser und Tönung: Am wichtigsten an Sport-Brillen sind natürlich die Gläser. Alle gebogenen Brillengläser haben einen gewissen Verzerrungsgrad. Das ist optisch gar nicht anders möglich. Im normalen Gebrauch spielt dieser aber nur eine untergeordnete Rolle. Wer aber eine Sehschwäche hat und beim Radfahren ohne Brille oder Kontaktlinsen unterwegs ist, wird diese eventuell bemerken.
Neben dem optischen Gesichtspunkt verbessern verspiegelte Oberflächen den Blendschutz, lassen aber weniger Licht ins Glas. Außerdem verkratzt die Oberfläche schneller. Für Brillenträger mit einer Fehlsichtigkeit, die auf Kontaktlinsen beim Radfahren verzichten wollen, ist vor dem Kauf wichtig zu wissen, ob eine optische Verglasbarkeit möglich ist. Zur Verfügung stehen Direktverglasung, Optikadapter und Clip-In-Einsätze.
Filterkategorien und Tönungsintensität
Zur Einordnung der Tönungen gibt es fünf Kategorien. Dabei ist die Tönungsintensität vorrangig als Schutzfunktion gegen Blendung und Helligkeit zu verstehen. Die Umgebung wird abgedunkelt, die Sehleistung des Auges wieder erhöht. Für Radfahrer sind Kategorie 0 bis 2 relevant. Erklärungsbedürftig ist die exponentiell zunehmende Wirkung: Die Unterschiede der Kategorie 0 oder 1 sind weitaus geringer sichtbar als in Kategorie 3 und 4. Wer zumeist bei Nacht und starker Bewölkung unterwegs ist, wählt ein Glas ab Filterkategorie 0. Im Test bieten das Victgoal, Red Bull Spect Eyewear, Shimano und Swiss Eye. Eindunkeln sollten photochrome Gläser auf jeden Fall bis Kategorie 2.
Gut zu wissen: Filterklassen von Sonnenbrillen in der Übersicht
Von völlig klar bis ziemlich dunkel - diese Filterkategorien gibt es bei Sonnenbrillen:
- Filterkategorie 0: Geeignet für bewölkte Tage und Dämmerung, Blendschutz: Bis 20 % des Lichts werden absorbiert
- Filterkategorie 1: Geeignet für bedeckte Tage, Blendschutz: Bis 57 % des Lichts werden absorbiert
- Filterkategorie 2: Geeignet für Sommertage in unseren Breiten (Mitteleuropa), Blendschutz: Bis 82 % des Lichts werden absorbiert
- Filterkategorie 3: Geeignet für Aufenthalte im Schnee, in den Bergen und am Meer in Südeuropa, Blendschutz: Bis 92 % des Lichts werden absorbiert
- Filterkategorie 4: Geeignet für Aufenthalte im Hochgebirge oder auf Gletschern - zum Autofahren ungeeignet!, Blendschutz: Bis 97 % des Lichts werden absorbiert
Photochrome Gläser
Je nach Startzeit verläuft beispielsweise die Pendelstrecke von der Dunkelheit über den Sonnenaufgang ins Helle. Oder die Heimfahrt mündet von der Nachmittagssonne über die Dämmerung in die Nacht. Hier können selbsttönende Gläser die passende Antwort sein. Sich automatisch tönende Brillengläser sind aus phototropem, also lichtwendigem, Material. Dabei entfalten sich die lichtempfindlichen Moleküle wie Blüten. absorbieren, reflektieren oder streuen sichtbares Licht. Neben den bereits erwähnten praktischen Gesichtspunkten besitzen photochrome Gläser auch spezielle Charakteristiken: Bei der Geschwindigkeit von Abdunklung und Aufhellung gibt es Faktoren, welche die Funktion beeinflussen.
Allerdings können Tunnel mit ihrem abruptem Wechsel von Tageslicht zu vollkommener Dunkelheit die Grenzen der Technologie am deutlichsten aufzeigen. Auch bei Bewölkung oder diesigem Wetter dunkeln die Gläser leicht ab. Die übrige reicht aus, um die Brillengläser einzudunkeln. Sie besitzen UV-Filter und schränken damit die Funktion der Gläser ein.
Die meisten phototropen Gläser besitzen eine Grautönung, die von vielen als angenehm empfunden wird. Die Farbwahrnehmung wird nicht verwässert, sondern unverfälscht und teils intensiver wahrgenommen. Wer regelmäßig im Gelände, Nebel oder auf schnell wechselnden Untergründen unterwegs ist, weiß starke Kontraste zu schätzen.
Photochrome Gläser zeigen mit der Zeit einen Alterungseffekt, da der chemische Prozess je nach Hersteller, Glas und Nutzung nachlässt. Teils ist nach zwei, drei Jahren eine Verlangsamung der Funktion wahrnehmbar. Optisch macht sich das als gelbliche Verfärbung der Gläser bemerkbar.
Weitere Aspekte
Darüber hinaus sollten Gläser an Radbrillen entsprechend stark gebogen sein, um einen optimalen Abschluss an Stirn und Wangen zu bieten - ganz ohne Zugluft. Große Gläser schützen meist besser.
- Im direkten Blickfeld sollten weder Rahmen noch Glaskanten stören.
- Stehen Augenbrauen, Wimpern oder Wangenknochen an? Das gibt Punktabzug.
- Oft fungiert der Beutel auch als Putztuch.
Einzelne Brillen im Test
Im Test wurden verschiedene Brillenmodelle hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Leistung untersucht. Hier eine Übersicht einiger getesteter Modelle:
| Brille | Preis (ca.) | Besondere Merkmale |
|---|---|---|
| Bliz Breeze | 65,40 - 83,40 Euro | Leichtgewicht, gute Passform, X-PC-Gläser, wasserabweisend |
| 100% S2 | 149 Euro | Stylisch, sicherer Sitz, gutes Sichtfeld, guter Kratzschutz |
| Alpina S-Way QVM+ | 149 Euro | Verstellbar, kurze Bügel, dunkle Starttönung, verkratzende Gläser |
| BBB Fullview PH | 119 Euro | Breiter Nasensteg, gutes Sichtfeld, Gläser verkratzen schnell |
| Bollé Lightshifter | 199 Euro | Fester Sitz, schützt gut vor Zugluft, dunkelt stark ab |
| Evil Eye Vizor Pro | 279 Euro | Hochwertige Scheibe, verstellbare Bügel, Schweißschutz |
| Julbo Rush | 209 Euro | Kontraststeigernde Gläser, reagiert zögerlich auf Lichtwechsel |
| Oakley Flight Jacket | 249 Euro | Gute Reaktionszeit, beschlägt leicht, Nasensteg abklappbar |
| Rockrider XC Race | 55 Euro | Kratzfestes Glas, beschlägt schnell, keine Verstelloptionen |
| Rose PS 07 Photocromic | 65 Euro | Klassisch geschnitten, sehr gute Ausgangshelligkeit, unschlagbarer Preis |
| Rudy Project Cutline | 235 Euro | Kontrastreiche Tönung, Anpassbarkeit und Komfort top |
| Scott Shield LS | 119 Euro | Steht weit vom Gesicht ab, lasche Bügel, verkratzt leicht |
| Smith Attack MAG MTB | 229 Euro | Stark gekrümmte Scheibe, perfekter Schutz, magnetisches Wechselsystem |
| Sweet Protection Ronin | 229 Euro | Klares Glas, guter Schutz vor Fahrtwind, eingeschränkte Anpassbarkeit |
Fazit
Die Wahl der richtigen Rennradbrille hängt von vielen Faktoren ab, darunter der Einsatzzweck, die persönlichen Vorlieben und das Budget. Durch die Berücksichtigung der oben genannten Kriterien und das Probetragen verschiedener Modelle kann jeder Radfahrer die optimale Brille für seine Bedürfnisse finden.
Verwandte Beiträge:
- Rennrad Brille Selbsttönend Test 2024: Top Modelle im Vergleich
- Rennrad Bekleidung Wetter: Optimaler Schutz bei jedem Wetter
- Manuel Neuer Rennrad: Fakten, Bilder & mehr
- Rennradlenkerformen: Ergonomie, Auswahl & Tipps
- Shimano SPD Rennradsystem: Maximale Kraftübertragung für unschlagbare Effizienz
- E-Bike für Wenigfahrer: Der ultimative Test & Kaufberater für entspannte Fahrten
Kommentar schreiben