Die Wahl der richtigen Felge ist entscheidend für die Performance Deines Rennrads. Egal, aus welchem Werkstoff sie sind, wie breit oder hoch der Querschnitt ausfällt und wie viele Speichen Du verbaust: Deine Felgen sollten belastungsgerecht gewählt werden, also passend zu Deinem Einsatzzweck und Fahrstil. Felgen werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt. In diesem Artikel wollen wir die Vor- und Nachteile von Carbonfelgen beleuchten.
Die wichtigsten Fragen vorab
Bevor Du Dich für eine Felge entscheidest, solltest Du einige grundlegende Fragen klären:
- Willst Du Felgen- oder Scheibenbremsen? Die Frage ist wichtig, da die beiden Systeme nicht uneingeschränkt kompatibel miteinander sind.
- Welche Laufradgröße passt zu Deinem Fahrrad? Die wichtigsten Maße sind hier 622 Millimeter (für 28- wie 29-Zoll-Bereifung), 584 Millimeter (für 27,5-Zoll-Bereifung, oft auch 650B genannt) und 559 Millimeter (für 26-Zoll-Bereifung).
- Welche Lochzahl benötigen Deine Felgen? Achte beim Bestellen unbedingt darauf, dass Du Felgen mit der korrekten Anzahl an Speichenlöchern auswählst! Die Anzahl muss zu der an Deinen Naben passen.
Materialfrage: Carbon oder Aluminium?
Ein entscheidender Aspekt bei der Felgenwahl ist die Materialfrage: Carbon oder Alu? Beide Werkstoffe haben Vor- und Nachteile.
Vorteile von Carbonfelgen
- Geringes Gewicht: Weniger Gewicht ist gerade bei rotierenden Massen ein großer Vorteil, den Du bei jedem Beschleunigungsvorgang oder Sprint spüren kannst.
- Hohe Steifigkeit: Der Werkstoff Carbon in Kombination mit höheren Felgen erlaubt es, die Laufräder wesentlich steifer zu bauen.
- Aerodynamik: Außerdem erlaubt das High-End-Material eine freiere Formgebung, was gerade bei aerodynamischen Hochprofilfelgen am Rennrad von Vorteil ist. Mit Carbon lassen sich hohe und dennoch leichte Felgen konstruieren.
- Optik: Mit Carbon Laufrädern ab einer Höhe von etwa 45mm veränderst Du die Optik Deines Bikes maßgeblich: es sieht sportlicher, schneller … einfach aggressiver aus.
Nachteile von Carbonfelgen
- Preis: Der offensichtliche Nachteil von Carbon: Es ist kostspieliger. So liegt der Preis für einen Carbon Laufradsatz im Durchschnitt zwischen 1500 und 2500 Euro.
- Bremsverhalten: Bei Nässe - oder konkret: bei stärkerem Regen, musst Du bei Carbon Laufrädern aber leider immer noch Performance Nachteile akzeptieren. Dieser Nachteil gilt natürlich nicht für Carbon Laufräder für die Verwendung an Bikes mit Scheibenbremse.
- Hitzebeständigkeit (bei Felgenbremsen): Die einzelnen Carbonfasern werden durch eine Harzmatrix zusammengehalten. Und genau dieser Harz birgt das Problem, dass er leider bei höheren Temperaturen weich wird.
- Empfindlichkeit gegenüber Beschädigungen: Tatsächlich sind Carbon-Felgen empfindlicher gegenüber punktuellen Stößen, etwa durch Schlaglöcher oder scharfkantige Hindernisse.
Vorteile von Aluminiumfelgen
- Preis: Aluminium ist in erster Linie günstiger.
- Haltbarkeit: Alu wird sich dann eher verformen, bevor es bricht. Mit einer Delle in der Felge kannst Du eine Ausfahrt oft noch zu Ende fahren, mit einer gebrochenen Felge nicht.
- Bremsverhalten: Die Felge aus Aluminium sorgt bei nassem Wetter für bessere Bremsleistung als die Top-Modelle mit Carbon.
- Nachhaltigkeit: Aluminium ist recyclebar, korrekte Entsorgung vorausgesetzt.
Felgenbreite und Maulweite
Parallel zum Trend breiterer Reifen haben sich sowohl auf der Straße als auch im Gelände in den letzten Jahren breite Felgen durchgesetzt. Die Felgen Deines Gravelbikes liegen wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Dabei sprechen wir nicht von der Breite der Felgen außen, sondern von der sogenannten Maulweite. Das ist der Abstand zwischen den beiden Felgenflanken, also innen gemessen. Die Maulweite bestimmt, wie Dein Reifen sitzt und beeinflusst dessen Querschnitt.
Felgenhöhe bringt Aerodynamik
Richtige Hochprofilfelgen findet man vor allem an Zeitfahrmaschinen. Das hochgezogene Profil verringert Luftstromabrisse und Verwirbelungen. Du musst aber kein Triathlet oder Zeitfahrer sein, um davon zu profitieren. Auch mit Deinem normalen Rennrad erreichst Du Geschwindigkeiten, bei denen der Unterschied spürbar ist. Je höher Deine Felgen, desto windschnittiger wird Dein Rad. Im Englischen spricht man hier übrigens nicht von der Höhe, sondern der Tiefe der Felge.
Komfort und Steifigkeit
Nahezu alle modernen Felgen sind mit doppeltem Boden konstruiert - man spricht von Hohlkammerfelgen. Die Hohlkammern tragen entscheidend zur Steifigkeit der Felge bei. Material und Wandstärken sind weitere Faktoren, die darüber entscheiden, wie steif oder komfortabel sich eine Felge fährt. Eine hohe Felge ist nicht nur aerodynamischer, sondern auch vertikal steifer.
Tubeless-Ready oder Tubeless?
Mittlerweile sind die meisten Felgen Tubeless-Ready, also für die Benutzung ohne Schlauch und mit Dichtmilch geeignet und vom Hersteller freigegeben. Das bedeutet, dass der Reifensitz genauer gefertigt ist und Dein Tubeless-Reifen exakt darauf passt. Sogenannte Hookless-Felgen sind im Fall von Carbon einfacher herzustellen, sparen Gewicht und fördern eine rundere Reifenkontur.
Was Du für den Laufradbau noch beachten solltest
Insbesondere leichte Felgen und solche aus Carbon haben ein Limit an Speichenspannung, das sie vertragen. Verwende beim Laufradbau ein Tensiometer und beachte unbedingt die Angaben des Felgenherstellers!
Die Laufräder und der Fahrkomfort
Die Laufräder an deinem Rennrad sind dein erster Kontaktpunkt mit dem Untergrund und damit einer der wichtigsten Teile am Bike. Vor allem der Fahrkomfort hängt zu großen Teilen von der Qualität der Laufräder ab. Bei einem Endurance Rennrad mit dem man lange Strecken fährt, benötigst du somit effiziente Laufräder. Es ist also extrem wichtig, die richtigen Felgen für deinen Riding Style zu wählen und einen Laufradsatz zu haben, der sowohl langlebig als auch performant ist. Deswegen beginnen viele beim Upgrade ihres Rennrads mit den Laufrädern.
Die verschiedenen Rennrad-Laufradtypen
Während sich einige Laufräder eher darauf konzentrieren, das Gewicht gering zu halten (und dabei beispielsweise nicht so belastbar sind), punkten andere mit einer verbesserten Aerodynamik und Steifigkeit bei ein paar 100 Gramm mehr. Wir unterscheiden deswegen drei Klassen von Rennrad-Laufrädern:
- Leichtgewichtige Laufräder: Sie sollen wie die Bezeichnung schon ansagt vor allem eines sein - extrem leicht.
- Aerodynamische Laufräder: Sie sind hingegen auf einen minimalen Windwiderstand aus und nutzen dazu sehr hohe Felgen (> 40 mm), die in letzter Zeit auch immer breiter werden.
- Standard-Laufräder: Wer nicht so sehr auf Performance setzt, sondern sein Rennrad eher als Trainingsgerät oder Pendler-Bike nutzt, kommt auch mit den üblichen Standard-Laufrädern ganz gut aus.
Die Speichen
Es gibt drei wichtige Faktoren bei den Speichen, die sich je nach Einsatzzweck und Preisklasse zum Teil deutlich unterscheiden: Anzahl, Form, Material. Viele Speichen sorgen für eine höhere Robustheit und Zuverlässigkeit, machen das Laufrad aber schwer. Das Material reicht von Stahl und Alu bis hin zu Carbon und Titan - am verbreiteten sind aber Stahlspeichen.
Die Lager
Der Preis bei Rennrad-Laufrädern geht umso höher, je mehr qualitativ hochwertige Komponenten verbaut wurden. Auch bei den Lagern innerhalb des Nabe gibt es hohe Qualitätsunterschiede. Das Material reicht hier von Stahl bis hin zu Keramik, die runder, glatter und fester sind als ihr Metall-Äquivalent. So wird Reibung reduziert und die Performance verbessert.
Carbon vs. Aluminium: Eine Frage der Prioritäten
Ein sehr leichtes Rennrad-Laufrad zum Beispiel besteht aus möglichst wenig Material, aber damit lässt sich keine voluminöse, aerodynamisch günstige Form herstellen - und sehr stabil ist es dann auch nicht. Diese Gegensätze auszugleichen gelingt am ehesten mit Laufrädern aus Carbon, doch deren Fertigung ist aufwendig, gute Laufräder sind teuer.
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