Die Preisentwicklung bei Rennrädern kennt nur eine Richtung: nach oben. Doch Rennradfahren muss nicht teuer sein. Dieser Artikel beleuchtet günstige Carbon-Rennräder und vergleicht sie mit Alternativen aus Aluminium.
Carbon vs. Aluminium: Ein Vergleich
Sechs der neun Testräder der Preis-Leistungs-Klasse basieren auf Aluminium-Rahmen. Im Vorjahr betrug die Carbon-vs-Alurahmen-Quote innerhalb des RennRad-Tests dieser Preisrange sieben zu drei.
Das Material weist natürlich ein in der Regel etwas schlechteres Steifigkeits-Gewichts-Verhältnis auf als Carbon. Doch der Werkstoff Alu bietet auch einige Vorteile, so etwa: Robustheit, Dauerhaltbarkeit und ein potenziell geringerer Preis.
Aluminium-Rahmen sind in der Regel schwerer als Carbon-Modelle. Dass man im Umkehrschluss mit einem Carbon-Modell zwangsläufig Abstriche bei der Ausstattung machen muss, stimmt nach unserem Testfazit nur noch bedingt.
Bremsen: Felge oder Scheibe?
Das Verhältnis zwischen Felgen- beziehungsweise Scheibenbremsen-Modellen liegt in dieser Saison bei eins zu acht. Das Rose Pro SL ist das einzige Testrad, das mit Felgenbremsen ausgestattet ist.
Bei der Brems-Performance liegen hydraulische Discsysteme vor der Felgenbrems-Konkurrenz. Bei der Dosierbarkeit und der Gesamt-Performance liegen in der Regel die Hydraulik-Modelle klar vorne.
Größer als beim Getriebe ist die spürbare Diskrepanz zwischen den hydraulischen Scheibenbremsen aktueller Top-Räder und den einfachen mechanischen Scheibenbremsen wie beispielsweise am Fuji und am Giant, die deutlich kräftigeren Zug am Hebel erfordern und nicht so gut bremsen. Auch die ungeschliffenen Scheiben am Radon und am Rose liefern deutlich weniger Bremsleistung.
Gewicht und Ausstattung
Zudem gilt gerade in der Preis-Leistungs-Klasse oftmals: Irgendwo wird gespart - am Rahmen oder an der Ausstattung. Irgendwo machen die Hersteller Kompromisse.
Es zählt mit seinem Gesamtgewicht von 8,8 Kilogramm zu den leichtesten Modellen dieses Testfeldes. Das schwerste getestete Rad, das Radon R1 Tiagra, wiegt in der Rahmengröße 56 10,26 Kilogramm - das leichteste, das Canyon Endurace CF 8, bringt 8,49 Kilogramm auf die Waage.
Mit dem Rose Blend Road rollte der günstigste Renner in diesem Jahr in unser Labor, es kostet 1199 Euro. Allerdings wiegt das gezielt für Rennrad-Einsteiger konstruierte Modell auch mehr als zehn Kilogramm.
Das Canyon wiegt mit 9,5 Kilo gut 700 Gramm weniger als die Schwergewichte von Radon und Rose.
Reifenbreite und Komfort
Die generelle Ausrichtung eines Rades wird oft auch anhand eines weiteren wichtigen Indikators deutlich: der Breite der verbauten Reifen und der maximalen Reifenfreiheit des Rahmens beziehungsweise der Gabel. Sieben der neun Testmodelle rollen auf mindestens 28 Millimeter breiten Pneus. Darauf ist etwa auch das Liv Avail AR 1 vorrangig ausgelegt.
Seine Stärken liegen klar in den Kategorien „Fahrkomfort“ und „Robustheit“. Es basiert, wie die meisten Testräder, auf einem Rahmen aus Aluminium.
Bereits ab Werk sind die meisten Modelle mit etwas breiteren Gummis als bei Straßenrennern üblich ausgestattet. Durch breite Felgen wölben sich die Pneus auf bis zu 34 Millimeter und übertrumpfen damit sogar das Maß von Cyclocross-Reifen. “Allroadbike” nennt sich diese noch junge Kategorie, der in unserem Vergleich das Giant Contend AR 2 am nächsten kommt. Die üppig breiten Reifen wappnen die Kandidaten nicht nur für Abstecher auf Schotterpisten, sie erhöhen auch auf asphaltierten Wegen den Federkomfort.
Auf Komfort im Sinne einer entspannten Sitzposition sind auch die Rahmengeometrien ausgelegt, die Fahrer oder Fahrerin in eine vergleichsweise aufrechte Sitzposition bringen.
Ausgewählte Testmodelle im Detail
Das wohl sportivste und am klarsten auf den Race-Einsatz ausgelegte Testmodell ist das Stevens Izoard Disc.
Beide sind langstrecken- und komfortorientierte Modelle. Die Ausrichtung des Canyon ist jedoch insgesamt etwas agiler und ausgewogener. Die Hauptunterschiede: das Rahmenmaterial - Aluminium beim Radon, Carbon beim Canyon - und der Preis. Das Endurace kostet doppelt so viel wie das R1.
Dies spiegelt sich auch im Preis wider: Das R1 kostet 1199 Euro -und ist damit das günstigste Rad des Tests.
Exemplarisch für diese Entwicklung steht Rose: Zwar muss man den Bocholtern zugutehalten, dass sie als einziger Hersteller ein neues Modell in den Test schicken. Als Nachfolger des Pro SL, das einst als renntaugliches Rad mit leichtem Alu-Rahmen und hochwertigen Anbauteilen punktete, dient das Blend aber nur bedingt. Der Preis ist wie beim Pro SL weiterhin attraktiv, mit 1200 Euro ist das Rose das günstigste Modell im Feld. Doch das hohe Gesamtgewicht von mehr als zehn Kilogramm dokumentiert die Entwicklung: Vor zehn Jahren war ein Pro SL auf der Höhe der Zeit zwei Kilogramm leichter.
Das andere Extrem bildet das Radon R1, dessen Rahmen vergleichsweise lang ausfällt und den Fahrer in Kombination mit dem großen Reach der Lenker-Vorbau-Kombi in eine rennmäßige Haltung bringt, wie wir sie eigentlich sonst nur von Profirädern kennen.
Laufräder im Test: Carbon-Optionen
Leichte Carbon-Laufräder machen schnelle Rennräder noch schneller. Sie kosten aber auch eine Menge Geld. Lohnt sich die Investition?
Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke: "Die Beschleunigung ist mega, die Räder rollen leicht, halten spielerisch hohes Tempo, und auch bei High Speed bergab fühle ich mich jederzeit sicher". Das Gewicht von nur 1356 Gramm ist mit Blick auf die Felgendimensionen umso bemerkenswerter: satte 34,5 Millimeter Außenweite am Vorderrad, 30 Millimeter hinten und 23 Millimeter Maulweite an beiden.
Fulcrum Sharq: Mit satten 25 Millimetern Maulweite richten sich die brandneuen Fulcrum Sharq-Laufräder an Fans üppiger Bereifung: Mindestens 30 mm breite Schlappen sollte man hier montieren, was das Jubiläumsmodell (20 Jahre Fulcrum) für Endurance-, Allroad- oder gar Gravel-Einsätze prädestiniert. 1462 Gramm Set-Gewicht sind angesichts der Felgendimensionen leicht, die Seitensteifigkeit ist sehr hoch. Die Sharqs beschleunigen willig, einen Raketenstart sollte man jedoch nicht erwarten.
Black Inc 28/33: Mit flachen Felgen und Carbon-Speichen ist der Laufradsatz leicht und steif zugleich. Entsprechend spritzig gerät der Antritt, das Handling ist agil, und auch bei hohem Tempo und Seitenwind kommt nie Unruhe auf. Die Laufräder waren zudem mittig und rund zentriert, das Tubeless-Set-up gelang schnell und einfach.
Scope Cycling Artech 4: Ergebnis: begeisternd leichte Laufräder mit nur 1124 Gramm Set-Gewicht. Und das bei 45 Millimeter hohen, innen 23 und außen 31 Millimeter breiten Felgen! Aufbau und Rundlauf sind sehr gut. Auch die Seitensteifigkeit erreicht den grünen Bereich, ab dem Laufräder nach ROADBIKE-Erfahrungen bedenkenlos für alle Fahrergewichtsklassen zu empfehlen sind.
DT Swiss ARC 1100 Dicut 38: Mit 1324 Gramm für den Laufradsatz inklusive Felgenband unterbietet der ARC 38 deutlich die Gewichte der anderen ARC-Modelle, deren Felgen 50, 62 oder 80 Millimeter hoch sind. Dass die niedrigste Aero-Felge von DT dennoch "segelt", spürt man deutlich: Fahrt- und Seitenwind heften sich an und tragen zum Vortrieb bei.
Newmen Streem Allround Vonoa: 15 bzw. 18 Carbon-Speichen drücken das Set-Gewicht auf attraktive 1305 Gramm - erfreulicherweise nicht zu Lasten der Steifigkeit. Im Gegenteil. Erfreuliche Folgen: sehr spritziger Antritt, tolle Kraftübertragung, hohe Lenkpräzision - und jede Menge Fahrspaß! Dank 24 Millimetern Maulweite bauen die Reifen breit und dämpfen gut.
Carbon-Speichen: Vor- und Nachteile
Die Vorteile überwiegen deutlich. Sie sind leichter, stabiler und steifer. Steifer heißt, sie dehnen sich weniger als Stahlspeichen. Dadurch kann man Laufräder mit weniger Speichen bauen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Aerodynamik und das Gewicht hat. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen.
Carbon-Speichen sind unempfindlicher, als man denkt. Manchmal liegt der Teufel aber im Detail: Bei unseren Laufrädern zum Beispiel liegen die Nippel in der Felge - das Endstück der Speiche, das aussieht wie ein normaler Nippel, dient nur zum Gegenhalten. Dreht man daran, zerstört man die Speiche! Wenn man sich das Zentrieren nicht zutraut, sollte man - wie mit klassischen Laufrädern auch - lieber zum Händler seines Vertrauens gehen.
Fazit
Günstigere Komplettrad-Preise können etwa durch die Materialauswahl - Aluminium statt Carbon - und durch Ausstattungsdetails erreicht werden. Fakt ist: Dieses Testfeld ist extrem vielseitig. Es bietet Räder vieler Ausrichtungen - von agil, aero-optimiert und sportiv bis komfortorientiert und geländegängig.
Bemerkenswert aber ist, dass für nur zehn Prozent des Preises von Top-Modellen doch vollwertige Rennräder machbar sind, die hervorragend funktionieren und Fahrspaß vermitteln können.
Für ein überschaubares Budget verzichten die Modelle weitestgehend auf technische Spielereien, brauchen aber bei den Basics den Vergleich mit teureren Rädern nicht unbedingt zu scheuen.
Große Emotionen rufen die günstigen Carbonräder nicht hervor, aber sie punkten mit grundsoliden Fahreigenschaften, die an das Niveau deutlich teurerer Rennräder heranreichen. Funktionale, eher einfache Ausstattungen machen die Räder relativ schwer.
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