Seit Jahrzehnten steht Shimanos Profi-Gruppe Dura-Ace für Schalten und Bremsen auf höchstem Niveau. ROADBIKE hat die elektronische Dura-Ace Di2 Disc knapp anderthalb Jahre lang über 10.000 Kilometer getestet. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die Vor- und Nachteile dieser High-End-Rennradgruppe.
Schaltperformance und Ergonomie
Im anderthalbjährigen Test der Dura-Ace Di2 Disc 9170 gab es nichts an der Funktion der Schaltung zu kritisieren: Gangwechsel erfolgen jederzeit schnell, verlässlich und geschmeidig - ob am Umwerfer oder am Schaltwerk. Auch die teilautomatisierte Umwerferbetätigung („Synchro Shift“) funktioniert bestens. Ob man’s braucht und nutzen möchte, bleibt Geschmackssache.
Die Ergonomie der einstellbaren Hebel und der schlanken Griffhöcker überzeugt - auch mit kleineren Händen -, die Schalttasten sind gut zu erreichen und geben im Normalfall ausreichend Feedback. Nur mit dicken Winterhandschuhen wird’s etwas schwieriger. Die angenehm schlanken STI-Hebel überzeugen mit Top-Ergonomie. Der linke Bremshebel stellte allerdings langsamer zurück als der rechte.
Wer die E-Tube-App (für iOS und Android) zum Programmieren der elektronischen Schaltung per Smartphone nutzen möchte, braucht einen zusätzlichen Funksender (EW-WU111, ca. 65 Euro, ANT+ und Bluetooth), auch lässt sich die Schaltung darüber mit vielen modernen Radcomputern koppeln, etwa, um die aktuelle Gangkombination oder den Akku-Stand immer im Blick zu behalten.
Die wohl wichtigste Innovation aber ist unsichtbar: Die Schaltbefehle gelangen jetzt per Funk zum Schaltwerk. Kabel müssen am Lenker nicht mehr verlegt werden, jedenfalls nicht zwingend. Das dürfte vor allem Radhersteller und -mechaniker freuen, die bei der Montage an integrierte Lenker viel Zeit sparen.
Bremsleistung und Verschleiß
Die Bremsscheiben (vorne 160, hinten 140 mm) zeigten kaum Verschleiß. Auch waren sie jederzeit der Belastung durch den 70 Kilo schweren Dauertester gewachsen - in den Alpen wie im Mittelgebirgseinsatz. Die als Erstausrüstung verbauten organischen Beläge präsentierten sich feinfühlig dosierbar und auch bei Nässe recht geräuscharm. Richtig heiß gebremst nervte zwar das typische „Klingeln“, das nach kurzer Abkühlphase aber wieder verschwand. Die im Austausch vorn eingebauten Sintermetallbeläge sind geräuschanfälliger, sie neigten stärker zum Quietschen. Erwartungsgemäß bei Nässe, aber auch bei Trockenheit.
Eine kleine Auffälligkeit gab’s am Bremshebel der Vorderradbremse zu beobachten, der über die gesamte Laufzeit etwas „zäher“ zurückstellte als der rechte Hebel. Auch sorgfältiges Entlüften brachte hier nur minimale Besserung, ein spürbarer Unterschied blieb über die gesamte Laufzeit bestehen.
Der Verschleiß der Komponenten hielt sich in Grenzen: Kettenblätter und Kassette sehen zum Dauertestende noch gut aus, nur die Kette musste insgesamt dreimal erneuert werden. Die erste, ausschließlich im Winter gefahrene Kette war bereits nach 2000 Kilometern fällig. Die vorderen Bremsbeläge wurden einmal getauscht (nach knapp 8000 Kilometern), die hinteren hielten bis zum Schluss durch. Auch die Scheiben (160/140 mm vorn/hinten) zeigten kaum Abnutzung und sind noch für viele weitere Kilometer gut.
Weitere Beobachtungen und Alternativen
Als recht kratzempfindlich erwies sich die Oberflächenbeschichtung der Kurbel. Gerade wer viel bei schlechtem Wetter und mit Überschuhen fährt, sollte auf ausreichenden Abstand des Überziehers zur Kurbel achten, sonst zeigen sich schnell unschöne Schleifspuren. Kettenblätter und Kurbel zeigten sich von der Laufleistung unbeeindruckt, die Oberfläche ist jedoch kratzempfindlich.
Davon abgesehen gefiel die Gruppe, wie es in Anbetracht des stolzen Preises von 3800 Euro (Zirka-Preis des deutschen Importeurs Paul Lange) zu erwarten ist: jederzeit verlässlich. Bremsen und schalten: mit höchster Präzision.
Am Marktführer Shimano führt ohnehin kein Weg vorbei. Der Komponentenriese aus Japan ist mit gleich drei Gruppen im Testfeld vertreten: der elektronischen Ultegra Di2 und den beiden mechanischen Top-Gruppen Dura Ace und Ultegra.
Dura-Ace R9200: Die nächste Generation
Ende August 2021 war es schließlich soweit: Shimano präsentierte die neueste Auflage der Rennrad-Gruppe Dura-Ace R9200 und - erstmals in der Unternehmensgeschichte zum gleichen Zeitpunkt - auch eine neue Ultegra 12fach-Gruppe R8100 der Öffentlichkeit.
Die Dura-Ace kommt mit 12 Ritzeln. Der verbauten 12-30-Kassette wurde ein zusätzlicher Kranz mit 16 Zähnen spendiert. Die viel genutzten „Arbeitsgänge“ sind damit extrem fein abgestuft, in welligem Terrain gibt es immer den richtigen Gang.
Schaltvorgänge der neuen Dura-Ace sind weicher und schneller. Bei vielen Schaltvorgängen im kupierten Gelände zeigt sich, dass die Japaner das Schaltverhalten der Dura-Ace-Kassette mit neu gestalteten Schaltweichen nochmals verfeinern konnten. Vor allem Schaltvorgänge auf kleinere Ritzel unter Last, bei denen die Kette bislang mit einem mehr oder minder lauten Knall einfach herunterfiel, wirken nun geschmeidiger. Auch auf größere Ritzel klettert sie etwas weicher, aber nicht so signifikant.
Die neuen Kassetten passen auf die Elffach-Freiläufe aller Shimano-kompatiblen Laufräder - auch das ist erfreulich.
Merkliche Fortschritte gibt es bei den Scheibenbremsen der Dura-Ace, denen wir in sehr steilen, teilweise buckligen, verschmutzten und regennassen Abfahrten viel Vertrauen schenken mussten. Die vom Mountainbike übernommene Technologie „Servo Wave“ ist das Geheimnis eines überragenden Ansprechverhaltens: Zieht man am Hebel, legen die Beläge anfangs viel Weg zurück, ab dem Druckpunkt wird der Weg immer kleiner, die Bremskraft dafür größer. Hohe Bremsleistung und die beste Bremskraft-Kontrolle in der Konkurrenz sind die Folge - selbst Vollbremsungen aus hohen Geschwindigkeiten lassen sich locker mit zwei Fingern aus Bremsgriffhaltung erledigen.
Innovationen der DURA-ACE Di2 9200
- Kabellose Kommunikation zwischen Schalthebel und Umwerfer bzw. Schaltwerk
- Zwölftes Ritzel auf der Kassette
- Neues Brems- und Laufradsystem
Die einzelnen Schaltwippen für das Hoch- bzw. Runterschalten sind bei der neuen DURA-ACE deutlich stärker voneinander abgegrenzt und lassen sich dadurch auch bei ruppiger Fahrbahn viel besser unterscheiden. Ein falscher Gangwechsel wird so unwahrscheinlicher.
Tabellarische Zusammenfassung der Shimano Dura-Ace Di2 R9200 Neuerungen
| Komponente | Neuerung | Vorteil |
|---|---|---|
| Schalthebel | Kabellose Kommunikation | Einfachere Montage, sauberere Optik |
| Kassette | 12 Ritzel | Feinere Abstufung, größere Bandbreite |
| Schaltwerk | Schnellere Schaltvorgänge | Effizienteres Schalten |
| Bremse | Servo-Wave-Technologie | Bessere Dosierbarkeit, höhere Bremskraft |
Der Umwerfer der japanischen Top-Gruppe war aus Performance-Sicht schon vor dem Update seinen Konkurrenten von SRAM und Campagnolo überlegen. Seinen Vorsprung baut er in der jüngsten Ausbaustufe als FD-R9250 nochmals aus. Er schaltet unter allen Umständen absolut zuverlässig und wechselt die Gänge kraftvoll, schnell und akkurat.
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