Traditionellen Rennradfahrern sei gesagt: Auch in diesem Vergleichstest, der sich unkomplizierten Alu-Rennern für weniger als 1500 Euro widmet, kommen wir nicht umhin, ein Wörtchen über das Gravelbike zu verlieren. Eine dem Trend entwachsene Gattung, die die Rennradwelt zweifellos bunter gemacht, aber auch nachhaltig die Kräfteverhältnisse verschoben hat und womöglich auch deshalb von klassischen Rennradlern kritisch beäugt wird. Schließlich hat der aus den USA nach Europa geschwappte Boom einen nicht unwesentlichen Anteil daran, dass bezahlbare Rennräder wie die fünf Kandidaten zwischen 1200 und 1450 Euro fast schon als Exoten gelten. Für viele Hersteller lohnt sich das Geschäft mit günstigen Straßenrennrädern offenbar nicht mehr. Sie stecken ihren Entwicklungsaufwand in hochwertige Räder, die dann mit technischen Innovationen hervorstechen, aber eben auch deutlich teurer sind.
Die Qual der Wahl: Was Einsteiger beim Rennradkauf beachten sollten
Umso schwieriger kann es sein, das richtige, das individuell passende Renn- oder Gravelrad zu finden - besonders als Einsteiger. Größe, Geometrie, Rahmenmaterial, Ausstattung, Fahreigenschaften, Variabilität, Preis-Leistungsverhältnis. Was bietet der Markt? Wie finde ich das Richtige? „Ein gutes Rennrad kostet mindestens 2000 Euro.“ Derartige pauschale Aussagen sind selten hilfreich, sondern können die Auswahl unnötig einschränken.
Wie bei jeder Sportart sollte Spaß an erster Stelle stehen. Es gilt dabei, eher ein Modell zu suchen, das eine “Endurance”(=Ausdauer)-Geometrie besitzt. Eine “Race”-Geometrie zeichnet sich meist dadurch aus, dass man sehr gestreckt und tief auf dem Rad sitzt, so dass man möglichst wenig Luftwiderstand erzeugt.
Preis und Budget
Rennräder für den Einstieg sollten aus unserer Sicht möglichst günstig sein, damit man erst einmal herausfinden kann, ob einem dieser (wunderbare) Sport überhaupt gefällt. Günstige Rennräder beginnen ab ca. 700 Euro. Hochwertige Einsteiger-Rennräder mit Carbon-Rahmen liegen oft über 2.000 Euro. Zusätzliche Investitionen in Helm, Pedale und passende Kleidung sind sinnvoll. Auch eine hochwertige Beleuchtung und ein zuverlässiges Schloss gehören zur Grundausstattung. Regelmäßige Wartungen erhöhen die Lebensdauer deines Rennrads. Kettenpflege, Bremsbeläge und Schaltungsjustierung gehören dazu. Bei der Reparatur können Werkstattbesuche Kosten verursachen.
- Scott Speedster 50 für 799 Euro
- Trek Domane AL 2 für 794 Euro
- Giant Contend für 749 Euro
Mit dem Rose Blend Road rollte der günstigste Renner in diesem Jahr in unser Labor, es kostet 1199 Euro. Allerdings wiegt das gezielt für Rennrad-Einsteiger konstruierte Modell auch mehr als zehn Kilogramm.
Rahmenmaterial: Aluminium oder Carbon?
Welches Rahmenmaterial ist für die eigenen Einsatzbereiche und das Budget das sinnvollste? Die beiden bekanntesten und am häufigsten verwendeten Materialien sind Aluminium und Carbon. Stahl oder Titan werden bei den Serienmodellen großer Hersteller kaum eingesetzt. Alu-Rahmen sind oftmals günstiger, aber deutlich schwerer als Carbon-Modelle. Nicht alle Rohrformen, insbesondere flächige Aero-Formen, lassen sich dabei so gut umsetzen wie mit Carbonmaterial.
Ganz klar: Aluminium. Aluminium ist für Einsteiger am besten geeignet. Es ist relativ leicht, robust und in der Regel günstiger als andere Materialien. Carbon hat den Vorteil, dass es leichter ist. Es ist aber auch anfälliger für Stürze.
Aluminiumrahmen sind preiswert und robust. Carbon-Rahmen sind leichter und bieten mehr Komfort. Leichte Rahmenmaterialien erleichtern das Klettern an Steigungen.
Geometrie und Komfort
Auf Komfort im Sinne einer entspannten Sitzposition sind auch die Rahmengeometrien ausgelegt, die Fahrer oder Fahrerin in eine vergleichsweise aufrechte Sitzposition bringen. Das andere Extrem bildet das Radon R1, dessen Rahmen vergleichsweise lang ausfällt und den Fahrer in Kombination mit dem großen Reach der Lenker-Vorbau-Kombi in eine rennmäßige Haltung bringt, wie wir sie eigentlich sonst nur von Profirädern kennen.
Amann, G. Zur Geometrie: Ein längerer Radstand - dieser bezeichnet die Distanz zwischen der Vorderrad- und der Hinterrad-Achse - trägt zu einer höheren Laufruhe bei. Allerdings kann die Agilität dadurch etwas geringer ausfallen.
Eine passende Rahmengröße sorgt für Komfort und eine ergonomische Sitzposition. Individuelle Anpassungen am Lenker und Sattel optimieren die Ergonomie.
Komponenten und Ausstattung
Zum hohen Gewicht der Räder trägt auch Shimanos Komponentengruppe Tiagra bei, die durchweg montiert ist. Im Vergleich zur aktuellen Schaltungstechnik stehen zwei Ritzel weniger zur Verfügung; andererseits waren 2x10-Antriebe jahrzehntelang Rennrad-Standard, und mit den an den Testrädern montierten Kassetten sind die Räder bergtauglich übersetzt.
Für das erste Rennrad kann man sagen, dass alle Einsteiger-Gruppen ab Shimano 105 oder SRAM Rival eine sehr gute Wahl sind! Bei der Wahl der Übersetzung (Kurbel und Kassette) sollte man die Bandbreite möglichst groß gestalten. D.h. man wählt eine 50/34 Übersetzung bei der Kurbel (50 Zähne großes Kettenblatt, 34 Zähne kleines Kettenblatt) und eine 11-34 Übersetzung bei der Kassette (größtes Berg-Ritzel 34, kleinstes Ritzel 11 Zähne).
Auch in 2022 gibt es noch genügend erfahrene Fahrer, die nichts auf ihre Felgenbremse kommen lassen. Explizit für einen Einsteiger ist die Scheibenbremse aber immer zu bevorzugen. Sie bietet eine bessere Bremsperformance bei trockenem und vor allem bei nassem Untergrund.
Für Rennrad Einsteiger lohnen sich mechanische Schaltungen meist mehr, da der Unterschied zu Beginn nicht gravierend ist. Mechanische Schaltungen sind günstiger und leicht zu warten. Elektronische Schaltungen bieten präzisere Gangwechsel.
Bremsen: Felgenbremsen vs. Scheibenbremsen
Größer als beim Getriebe ist die spürbare Diskrepanz zwischen den hydraulischen Scheibenbremsen aktueller Top-Räder und den einfachen mechanischen Scheibenbremsen wie beispielsweise am Fuji und am Giant, die deutlich kräftigeren Zug am Hebel erfordern und nicht so gut bremsen. Auch die ungeschliffenen Scheiben am Radon und am Rose liefern deutlich weniger Bremsleistung.
Kurz zusammengefasst: Felgenbremsen sind meist kostengünstiger und daher besonders bei Einsteigerrennrädern weit verbreitet. Allerdings bieten sie bei Nässe eine geringere Bremsleistung als Scheibenbremsen, die dafür jedoch schwerer und wartungsintensiver sind.
Reifengröße und -freiheit
28mm Reifen rollen auf unterschiedlichsten Untergründen einfach bequemer. Wenn es der Rahmen des Rades zulässt, dann darf gerne breiter gewählt werden, jedoch sollte man mit mind.
25 Millimeter - so breit sind die Reifen der meisten aktuellen Rennräder in der Regel. Oft sind auch 28, 30 oder 32 Millimeter breite Reifen montiert. Möglich wurde dies vor allem durch Scheibenbremsen.
Die richtige Rahmengröße finden
Vor allem, wenn das Rennrad online bestellt werden soll, benötigt man seine Rahmengröße. So misst du deine Schrittlänge: Stelle dich barfuß auf einen ebenen Boden und klemme eine Wasserwaage so hoch wie möglich zwischen deine Beine. Mit der Formel „Schrittlänge (in cm) x 0,66“ lässt sich die Rahmengröße berechnen - zumindest, wenn diese vom Hersteller als Abstand von der Mitte des Tretlagers bis zur Mitte des Oberrohrs angegeben wird.
Rahmengröße: Wähle ein Rennrad, das deiner Körpergröße entspricht - und lass es am besten beim Bikefitting optimal auf dich einstellen.
Wo kaufen? Onlinehändler vs. lokaler Händler
Beim ersten Rennrad spielt der lokale Händler seine Stärken aus! Man hat den Vorteil, dass man eine vernünftige Beratung in Sachen Rahmengröße und Ausstattung bekommt. Der Onlinehändler wird erst dann relevant, wenn man exakt weiß, was man möchte und auch auf eine Erstberatung verzichten kann.
Empfehlenswerte Modelle für Einsteiger
Es gibt bereits solide Rennräder unter 1.000 Euro. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Zu beachten ist jedoch, dass je nach individuellen Bedürfnissen unterschiedliche Anforderungen bestehen können, z.B.
- Rose Reveal AL (ab ca.
- Cube Attain SLX (ca.
- Giant Content AR2
Tabelle: Empfehlenswerte Rennräder für Einsteiger
| Modell | Besonderheiten |
|---|---|
| Cube Attain Race | Komfortabel, sportlich, mechanische Scheibenbremsen, leichter Aluminiumrahmen |
| Giant Content AR2 | Vielseitig, komfortabel, reaktionsschnell, breitere Reifen möglich, Tubeless-Option |
| Rose Pro SL 105 | Komfortabel, Allrounder, bequeme Sitzposition, ansprechendes Design |
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