Der Gravelbike-Trend hat sich längst zu einem Boom entwickelt, befeuert vom Innovationsgeist der Industrie. Im Bereich Komfort sprießt eine Fülle an Anbauteilen, die Gelände-Rennräder besser für den Einsatz abseits der Straße rüsten sollen. Spezielle Federgabeln, gefederte Vorbauten, Breitreifen, Teleskopsattelstützen oder flexible Carbonfelgen sollen die Lücke zum Mountainbike-Hardtail schließen.
Neben den nachrüstbaren Komponenten für den Gravel-Einsatz gibt es auch Komplettbikes, die auf eine integrierte Federung an Gabel und Hinterbau setzen und so den Einsatzbereich verlagern.
Komfort-Komponenten fürs Gravelbike im Test
Um zu überprüfen, was am Mountainbike seit Jahrzehnten funktioniert oder bereits wieder in der Versenkung verschwunden ist, wurden vier komfortversprechende Produkte im Praxistest gegeneinander gefahren. Diese Duelle geben Aufschluss über die Funktion und die Sinnhaftigkeit an einem Gravelbike.
Erstes Duell: Gravel-Federgabel vs. Federvorbau
Im ersten Duell tritt die speziell für den Gravel-Einsatz entwickelte Rockshox-Rudy-Federgabel gegen den Federvorbau von Vecnum an. Beide Nachrüstteile verfügen über 30 Millimeter Federweg und verfolgen trotz unterschiedlicher Herangehensweise das gleiche Ziel: am Vorderrad auftretende Schläge zu minimieren und möglichst wenig davon an den Fahrer weiterzureichen.
Auf den ersten Blick scheint das Ergebnis dieses Duells eine klare Sache: Was kann schon ein gefederter Vorbau gegen eine richtige Federgabel ausrichten? Bereits in den Anfangsjahren des Mountainbikes hatten die filigranen gefederten Vorbauten keine Chance gegen die langhubigeren Federgabeln. Mit dem parallel geführten Vecnum Freeqence-Vorbau gehen die Tüftler aus dem Allgäu das Thema aber komplett neu an und kitzeln sogar den gleichen Federweg heraus wie die Gravel-Federgabel von Rockshox. Die Rockshox Rudy gibt es allerdings auch mit bis zu 40 Millimeter Hub.
Bei der Kompatibilität geht der Punkt an den in drei Längen (90, 105, 120 Millimeter) erhältlichen Vorbau mit einer Schaftklemmung von 1-1/8 Zoll. Durch die größere Einbaulänge von 425 Millimetern kollidiert die Federgabel (Schaftmaß 1,5 auf 1-1/8 Zoll) aktuell mit den allermeisten Rahmengeometrien.
Abseits der Straße können beide Konzepte überzeugen und vermitteln im Vergleich zum ungefederten Gravelbike ein Aha-Erlebnis. Unebenheiten und Schläge werden viel besser kompensiert und von den Händen des Fahrers ferngehalten. Dadurch steigt nicht nur der Komfort, sondern ganz entscheidend auch die Bike-Kontrolle. Da beide Systeme über den gleichen Federweg verfügen und auch die luftgefederte Rockshox-Gabel ab der Hälfte des Federwegs zusätzlich einen Elastomer komprimiert, fühlen sie sich im direkten Vergleich sehr ähnlich an.
Produktdetails:
- Gravelbike-Federgabel Rockshox Rudy XPLR:
- Gewicht: 1279 Gramm
- Federweg: 30 Millimeter
- Preis: 917 Euro
- Gefederter Vorbau Vecnum Freeqence:
- Gewicht: 291 Gramm
- Federweg: 30 Millimeter
- Preis: 299 Euro
Sowohl die Rockshox-Rudy-Federgabel als auch der Vecnum-Vorbau erhöhen den Fahrkomfort spürbar und sorgen so für mehr Sicherheit und weniger Ermüdung auf rauen Pisten. Preis, Gewicht und Kompatibilität sprechen aber klar für den Vecnum-Vorbau, der somit die smartere Lösung am Gravelbike ist.
Das Test-Fazit von BIKE-Testleiter Peter Nilges: “Beide Systeme sprechen fein an und können effektiv Erschütterungen vom Fahrer fernhalten. Im Wiegetritt bleibt der Vorbau aber ruhiger und fährt sich fast wie ein starrer Vorbau.”
Zweites Duell: Breite Reifen vs. Komfort-Laufrad
Der amerikanische Laufrad- und Komponentenhersteller Zipp zählt im Rennradbereich zu einer festen Größe. Mit den innovativen Moto-Felgen hat Zipp seit 2019 sein Engagement auch auf den MTB-Markt ausgedehnt. Um eine besonders flexible Felge zu realisieren, die Schlägen ausweichen und Vibrationen aufnehmen kann, verzichtet Zipp bei der speziellen Carbonfelge auf eine Hohlkammer. Dadurch soll sich die einwandige Felge nicht nur komfortabler fahren, sondern auch die Gefahr von Durchschlägen und damit Reifen- wie Felgendefekten reduzieren. Mit den 101-XPLR-Laufrädern dehnt Zipp seine neue Technologie auf den Gravelbereich aus. Mit einer Innenweite von 28 Millimetern sind die Laufräder sehr breit, kosten im Satz 1839 Euro und wiegen 1688 Gramm. Für unseren Vergleich fuhren wir die Laufräder mit Schwalbes G-One Bite in 40 Millimetern Breite. Als Konkurrent trat ein G-One Bite in 50 Millimeter Breite auf einem Cadex-AR-35-Carbonlaufrad an. Um dem größeren Volumen des Breitreifens gerecht zu werden, reduzierten wir den Reifendruck um 0,4 auf insgesamt 2,1 Bar.
In diesem Setup fiel der Unterschied zwischen Breitreifen und Zipp-Laufrädern sehr gering aus. Erst mit dem Ausreizen des Minimaldrucks (0,7 Bar weniger) konnte sich der breite Gravelbike-Reifen im Gelände von den Zipp-Laufrädern mit schmalen Reifen und mehr Druck absetzen. Traktion und das Dämpfen von Kraftspitzen waren besser.
Der Schwalbe G-One Bite in 50 Millimeter Breite wiegt 602 Gramm und kostet 59,90 Euro.
Im direkten Vergleich macht sich der um zehn Millimeter breitere Reifen mit entsprechend niedrigerem Reifendruck stärker bemerkbar als die flexible Felge der Zipp-Laufräder. Mehr Traktion und Komfort generieren die Breitreifen am Gravelbike. Das Optimum wäre sicherlich die Kombination aus beidem.
Das Test-Fazit von TOUR-Redakteur Julian Schultz: “Der breite Reifen überzeugt erst dann, wenn man auch den Luftdruck deutlich reduziert. Hier hilft Ausprobieren. Bei den meisten Gravelbikes ist jedoch bei 45 Millimetern Reifenbreite Schluss.”
Das günstigste Komfort-Tuning am Gravelbike? Breite Reifen!
Während der Testfahrten auf Schotter, Trails und über die Rüttelbretter hat sich gezeigt, dass breitere Reifen fast immer überzeugen und deutliche Vorteile bieten. Der Rollwiderstand ist geringer, sie generieren mehr Grip und Traktion und bieten mehr Komfort als die schmaleren Pneus. Das Mehrgewicht hält sich in Grenzen. Es liegt beispielsweise bei einem Schwalbe G-One Bite bei 150 Gramm für einen Satz-Reifen (40 vs. 50 Millimeter). In Sachen Aerodynamik schneidet der breite Reifen minimal schlechter ab. Pro zehn Millimeter mehr Reifenbreite beträgt die Mehrleistung nur 3,6 Watt bei 30 km/h, wie die Schweizer Laufradexperten von Swiss Side bei Windkanaltests ermittelt haben.
Mit breiteren Reifen lässt sich auch steifen Gravelbikes mit wenig Rahmen-Federkomfort etwas mehr Fahrkomfort einhauchen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich am Minimal-Luftdruck orientiert, den die Hersteller angeben. Für mehr Pannenschutz bei niedrigen Luftdrücken eignet sich zudem ein Tubeless-Setup. Und am Ende entscheiden die Federgabel und der Hinterbau, ob man an seinem Gravelbike überhaupt breitere Reifen als 40 Millimeter montieren kann. Doch 45 Millimeter Breite sollte sich in den meisten modernen Gravelbikes ausgehen. Dafür bekommt man einen Komfort-Boost für wenig Geld.
Noch mehr Komfortbringer fürs Gravelbike
Auch diese Teile versprechen mehr Komfort am Gravelbike und lassen sich allesamt nachrüsten. Die Preise für mehr Federweg reichen von knapp 70 Euro bis zu 1259 Euro für eine neue Gravel-Federgabel von Fox.
- Fox 32 Tapercast Gravel-Federgabel
- Gewicht: 1281 Gramm
- Federweg: 40/50 mm
- Preis: 1259 Euro
- Redshift Shockstop Pro Stem/Seatpost
- Gewicht: 220/380 Gramm
- Federweg: je 20 Millimeter
- Preis: 275/330 Euro
- Rockshox Reverb AXS XPLR
- Gewicht: 590 Gramm
- Hub: 50/75 mm
- Preis: 633 Euro
Weitere Komfortbringer sind Pannenschutz-Einlagen für Reifen (Vittoria Airliner Gravel), Lenker mit Vibrationsdämpfung (Spank Vibrocore Flare/Wing) und gefederte Sattelstützen.
Mit verschiedenen Techniken haben die Hersteller immer wieder versucht, das Fahrradfahren komfortabler zu machen. Dabei ist mehr Komfort durchaus ein zweischneidiges Schwert. Einerseits macht eine Federung am Fahrrad die Fahrt angenehmer. Bodenunebenheiten, Stöße und Schläge von der Fahrbahn oder Hindernissen werden abgemildert und erreichen den Fahrer weniger stark.
Stahlrahmen sind etwas elastischer als Aluminium- oder Carbonrahmen. Stahl gibt nach, ist relativ biegsam und vermittelt alleine dadurch schon etwas Komfort. In Kombination mit einem breiteren Reifen, etwa ab 32 Millimetern, reicht dieser Fahrkomfort in der Stadt völlig aus. Aluminiumrahmen sind beinhart, hier lohnen sich Federsysteme am meisten. Titan ist ein weiches Material und verleiht etwas Fahrkomfort.
Auch Sattelstützen tragen zu einer spürbaren Verbesserung des Fahrkomforts bei. Die üblichen Stützen aus Aluminium sind sehr hart. Wer es noch bequemer haben will, der greift zu einer gefederten Sattelstütze. Parallelolgramm-Sattelstützen: Hier verschiebt sich die Sitzfläche beim Einfedern nach vorne und hinten, sie „wippt“ etwas.
Gefederte Vorbauten, die es zum Nachrüsten gibt, sorgen für mehr Fahrkomfort. Sie halten Stöße vom Lenker etwas ab und schonen die Handgelenke. Sogar an Rennrädern gibt es Federungen für den Lenkerbereich.
Federungskonzepte im Überblick
Die Hersteller bieten für das Thema Komfort jeweils individuelle technische Lösungen an, um mit einer innovativen und funktionalen Lösung ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren. Diese Federungskonzepte bügeln dabei nicht nur Belastungsspitzen glatt, sondern sorgen mit ihrem Fahrkomfort auch dafür, dass man weniger Energie benötigt und auf schlechten Strecken eine bessere Kontrolle besitzt.
Die Rechnung „Weniger Energie + bessere Kontrolle = mehr Kraftreserven und höhere Geschwindigkeit“ geht dabei sowohl für die Profis, als auch für den Jedermann Sportler auf. Dabei ist der Effekt umso größer, je länger und schlechter die Fahrstrecke ist.
Cannondale Lefty Oliver
Cannondales Lösung ist so einfach wie genial: Warum nicht eine Federgabel verbauen? Federgabeln sind für ihre einwandfreie Funktion bestens bekannt, haben sich jahrelang im Offroadbereich erfolgreich etabliert und bewährt. Zudem hat Cannondale mit der hauseigenen Einarm-Gabel „Lefty“ ein leichtes und technisch innovatives Modell praktisch fertig in der Schublade liegen.
Die am Modell „Slate“ zum Einsatz kommende Lefty-Gabel „Oliver“ verfügt über 30mm Federweg, womit Cannondale völlig zu Recht behaupten kann, dass sie damit ein echtes Offroad-Rennrad auf die Räder gestellt haben. Mit allerdings knapp 1200 Gramm wiegt die Carbon Variante der Oliver Gabel jedoch immer noch deutlich mehr als eine konventionelle Rennradgabel.
Pinarello Electronic Dogma Suspension System
Pinarello hat bereits im Jahr 2015 auf sich aufmerksam gemacht, als sie am Hinterbau ihres Topmodells Dogma F10 ein Elastomer verbaut haben, welches bis zu 10mm Federweg generieren konnte. 2018 haben sie das System gründlich überholt und mit jeder Menge Technik aufgewertet. Der einfache Elastomer ist im neuen Dogma K10-S gegen einen elektronischen Elastomer Dämpfer ausgetauscht worden, der von Gyroskopen und Beschleunigungssensoren im Sitzrohr permanent über den Zustand der Straße informiert wird.
Der Fahrer kann das System am Steuerelement im Unterrohr per iOS- und Garmin App steuern, oder auch im Automatik Modus fahren. Dabei reagiert der Dämpfer im Bereich von 100 Millisekunden, erkennt und reagiert eigenständig auf den gerade vorhandenen Straßenzustand. Der Federweg von 11mm am Heck wird dabei übrigens nur durch den Dämpfer und flexible Kettenstreben erreicht, es sind keine weiteren Lagerpunkte am Rahmen erforderlich.
Insgesamt wiegt das eDSS genannte System (Electronic Dogma Suspension System) inclusive aller Bauteile und Verkabelung schlanke 320 Gramm - nicht zu viel für ein deutliches Plus an intelligentem Komfort!
Trek IsoSpeed
Bereits 2012 hat sich Trek Gedanken über mehr Komfort am Rennrad gemacht und gemeinsam mit dem ehemaligen Radprofi und Klassikerspezialist Fabian Cancellara das IsoSpeed System entwickelt. Dabei hat Trek Wert darauf gelegt, keine zusätzlichen Bauteile wie Elastomere, Dämpfer oder Federn zu verwenden, sondern die klassische Rahmenform beizubehalten.
Erreicht haben sie den Zuwachs an Federungskomfort durch das Entkoppeln von Sitz- und Oberrohr mittels einer gelagerten Querverbindung, was zu dem Effekt führt, dass das Sitzrohr bis hinab zum Tretlager nachgeben kann. Dieses einfache, aber effektive System gibt es sowohl einstellbar im Trek Domane SLR als auch nicht einstellbares Trek Domane SL.
Drehte sich zunächst alles um den Komfort am Heck, nahm Trek das überaus erfolgreiche IsoSpeed Konzept und implantierte es ab 2016 auch in der Front. Der versprochene Komfortzuwachs von 14% am Heck und 10% an der Front gegenüber einem vergleichbaren Carbonrahmen lässt sich an den Erfolgen ablesen: Seit 2012 wurden die berüchtigten Frühjahrsklassiker sehr oft auf Trek Rennrädern gewonnen.
Specialized - Future Shock und CG-R Sattelstütze
Auch Specialized hat sich beim Thema Komfort gleich um das Heck und die Front gekümmert. Bis 2017 kamen an den Sitzstreben, der Sattelstütze und in den Gabelscheiden eingepresste Elastomer Kissen zum Einsatz, die für mehr Komfort sorgen sollten. Das System mit dem sperrigen Namen „Zertz“ konnte sich jedoch technisch und optisch nicht durchsetzen, weshalb es ab 2017 durch „Future Shock“ an der Front und eine CG-R Sattelstütze abgelöst wurde.
Bei Future Shock handelt es sich um einen Dämpfer im Steuerrohr, der dem gesamten Cockpit etwa 20mm Federweg verschafft. Der Vorteil gegenüber einer konventionellen Federgabel ist dabei das geringere Gewicht und die gleichbleibende Geometrie beim Einfedern, zudem kann der Fahrer das Cockpit mit drei verschiedenen Federhärten auf sich abstimmen.
Bei der CG-R Lösung am Heck handelt es sich um eine nachgiebige Sattelstütze, die in einem größeren Sitzrohr steckt und erst unterhalb des Oberrohrs geklemmt wird. Mit 295 Gramm für Future Shock und 260 Gramm für die CG-R Sattelstütze muss neben der gewöhnungsbedürftigen Optik auch hier zusätzliches Gewicht in Kauf genommen werden.
Vor- und Nachteile gefederter Rennräder
Was nicht dran ist, wiegt nichts und geht auch nicht kaputt - diese altbekannte Ingenieursregel gilt natürlich auch für das Rennrad. Am nächsten kommt Trek mit dem IsoSpeed an diesen Ansatz heran, alle anderen Systeme verfügen über zusätzliche Bauteile und daraus resultierendes Mehrgewicht.
Die Vorteile sind eingangs bereits erwähnt worden, oder wie die Profis es kurz und knapp sagen: „Smoother is faster!“ Komfort am Rennrad schont die eigenen Kraftreserven und macht unterm Strich schneller und entspannter - für den Großteil der Hobbyfahrer dürfte ein komfortabler Langstreckenrenner die beste Wahl sein.
Hier eine Übersicht der Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme:
| System | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Cannondale Slate mit Lefty Oliver Federgabel | 30mm echter Federweg an der Front, auch für gröbere Einsätze geeignet, allgemein bekannte Handhabung und Einstellung | Deutliches Mehrgewicht (ca. 600 Gramm), keine Komfortmaßnahmen am Heck, zusätzliche Wartung und Pflege, ungewohnte Optik, Geometrie verändert sich beim Einfedern |
| Pinarello Dogma K10-S | 11mm echter Federweg am Heck, Automatikmodus und manueller Modus möglich, schnelle Reaktionszeit, Elektronik „liest“ die Straße, federt nur bei Bedarf, individuell einstellbar | Mehrgewicht von 320 Gramm, Elektronik und Stromversorgung notwendig, zusätzliche Wartung und Pflege, keine Komfortmaßnahmen an der Front, teuer |
| Trek IsoSpeed Modelle | Spürbar nachgiebig an Front und Heck, kein Mehrgewicht, keine Wartung erforderlich, konventionelle Optik des Rahmens, einstellbarer Komfort am Heck (SLR Modelle) | Komfort an SL Modellen und an der Front nicht einstellbar |
| Specialized Future Shock und CG-R Sattelstütze | 20mm echter Federweg am Cockpit, keine Änderung der Geometrie beim Einfedern, drei verschiedene Federhärten erhältlich, spürbar nachgiebig am Heck | Mehrgewicht von 295 und 260 Gramm, ungewohntes Fahrverhalten durch federndes Cockpit, ungewohnte Optik an Front und Heck |
Alternativen für mehr Komfort ohne Federung
Wenn du dir an deinem Rennrad mehr Komfort wünschst, aber nicht gleich einen neuen Renner kaufen möchtest, kannst du dir auch mit einfachen aber wirksamen Maßnahmen selbst helfen. Schon mit geringem finanziellen und schraubertechnischem Aufwand sind deutlich spürbare Verbesserungen des Komforts möglich.
- Sattelstütze: Der Austausch einer Aluminium-Sattelstütze gegen ein Carbon-Modell kann bereits ein deutliches Komfort-Plus bringen.
- Lenker: Auch hier kann mit dem Tausch gegen ein Modell aus Carbon mehr Komfort generiert werden.
- Griffband: Die einfachste und günstigste Variante für mehr (Griff-) Komfort ist der Austausch des Lenkerbandes.
Federung fürs Gravelbike im Test: Eine Federung am Gravelbike? Sinnvoll für alle, die in groben Gelände unterwegs sind. Wir testen mehrere Systeme zum Nachrüsten.
Das Gravelbike glänzt immer wieder als vielseitiges Fahrrad, denn es ist für den Einsatz auf unterschiedlichsten Untergründen konzipiert. Trotz des vorgesehenen Offroad-Einsatzes kommen Gravelbikes, bis auf wenige Ausnahmen, ohne Federung.
Die Dämpfung übernehmen in der Regel die volumnösen Reifen, doch diese Dämpfung kann aus verschiedenen Gründen manchmal nicht ausreichend sein. Wer lieber auf etwas schmaleren Gravelreifen unterwegs ist, oder aus Gewichtsgründen mit mehr Luftrdruck fahren muss, kann auf groben Schotterpisten ganz schön Durchgerüttelt werden.
Federung am Gravelbike: Pro und Contra
Eine Federung am Gravelbike bietet einige Vorteile, insbesondere bei langen und anspruchsvollen Touren:
- Komfort: Eine zusätzliche Federung dämpft Erschütterungen und Stöße auf unebenen Straßen und im Gelände nochmal mehr ab. Das erhöht den Komfort während der Fahrt und sorgt dafür, dass der Fahrer nicht so schnell erschöpft.
- Kontrolle: Eine Federung kann die Kontrolle über das Gravelbike verbessern. Der Vorderreifen bleibt besser am Boden, was das Handling und die Traktion in den Kurven verbessert.
Allerdings gibt es auch einige Nachteile bei der Verwendung einer Federung am Gravelbike:
- Gewicht: Eine Federung erhöht das Gewicht des Fahrrads und kann somit den Transport erschweren oder die Leistung beeinträchtigen.
- Wartung: Eine Federung erfordert regelmäßige Wartung und Pflege, um einwandfrei zu funktionieren. Dies kann zusätzliche Zeit und Geld erfordern.
- Effizienz: Eine Federung kann auch die Effizienz des Fahrrads beeinträchtigen, insbesondere bei steilen Anstiegen oder in schnellen Kurven. Im Wiegetritt absorbiert sie auch Teile der Kraft, die der Fahrer ausübt, und somit geht ein Teil der Energie verloren.
Weitere Federelemente für Dropbar-Bikes
An vielen Dropbar-Bikes kommen Komponenten mit Eigendämpfung zum Einsatz, wie clever konstruierte Cockpits und Rahmen, Reifen in den unterschiedlichsten Konfigurationen, sei es in Kombination mit steifen oder dämpfenden Laufrädern wie etwa die Zipp 101 XPLR. Selbst unscheinbare Dinge wie das Lenkerband können den Komfort und vieles mehr am Gravel-Bike verbessern.
Die Bandbreite an Federelementen und Features, die über die Compliance bzw. Nachgiebigkeit von Rahmen und Anbauteilen hinausgehen, ist mittlerweile enorm. An vielen neuen Gravel-Bikes finden sich derweil Federgabeln wie z. B. RockShox Judy oder ähnliche Systeme wie das BMC HiRide-System, das zwischen Gabelkrone und Rahmen im unteren Steuerrohr sitzt. Anstatt einer Federgabel setzen viele Hersteller auch auf ein gefedertes Cockpit wie etwa das Specialized Future Shock.
Außerdem gibt es auch Federungskonzepte, die sich nachrüsten lassen, wie das Redshift ShockStop-System, das aus Vorbau und Sattelstütze - beides gefedert - besteht. Neben gefederten (und absenkbaren) Sattelstützen gibt es auch Hinterbausysteme wie Trek IsoSpeed, BMC Micro Travel oder Wilier ActiFlex 2.0. Das Specialized Future Shock Rear am neuen Diverge STR interpretiert hingegen das Konzept eines Dämpfers komplett neu.
Ziele und Aufgaben von Federelementen an Dropbar-Bikes
Smoother is faster - diese Erkenntnis gibt es schon länger. Gerade beim Graveln erkunden wir häufig unbekannte Gefilde und sind meistens offroad unterwegs. Hier können Federelemente am Dropbar-Bike eine Menge bewirken, indem sie Unebenheiten wie Wurzeln und Schlaglöcher abmindern. Das steigert nicht nur den Fahrspaß, sondern auch das Sicherheitsempfinden und verhindert, dass der Fahrer bei Schlägen aus dem Sattel gehoben wird.
Abenteurern fällt es leichter, mal auf leichte Trails abzubiegen, weil mehr Reserven vorhanden sind. So wird das Gravel-Bike auch eine coole Option für Mountainbiker. Außerdem kostet jeder Schlag Vortriebsenergie und Traktion, sorgt für eine höhere Belastung von Fahrer und Material und führt so zur schnelleren Ermüdung. Federelemente halten die Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht, wodurch sich auch längere Trips einfacher meistern lassen.
Aber was Vorteile bringt, birgt oft auch Nachteile, denn durch Federelemente kommt es zu Abstrichen in der Effizienz, im Gewicht und dem einfachen Aufbau des Bikes. Bei einem klassischen Rennrad oder Gravel-Bike mit einem starren Fahrwerk bleibt die Geometrie in jeder Fahrsituation gleich. Sobald jedoch Federelemente wie eine Federgabel zum Einsatz kommen, sieht es anders aus.
Dann verändern sich vor allem Lenkwinkel und Radstand, was insbesondere auf der Straße nicht gewollt ist.
Warum nicht ein MTB-Fahrwerk ins Gravel-Bike packen?
So einfach ist das leider nicht. Denn die Gewichtung der einzelnen Parameter ist komplett anders. Im Vergleich zu Mountainbikes werden Gravel-Bikes in anderem Terrain bewegt und sind viel kleineren Schlägen ausgesetzt. Die Schlaggröße und die daraus resultierende Absorptionsfähigkeit ist dementsprechend deutlich geringer. Aufgrund dessen sind die Federelemente weniger stark belastet und müssen nicht auf maximale Stabilität getrimmt sein, dennoch kommen sie mit zusätzlichem Gewicht im Vergleich zu einem Gravel-Bike ohne Suspension.
Weitere Beispiele für Federelemente
- Canyon S25 VCLS Sattelstütze: Blattfederkonzept aus Carbon mit bis zu 20 mm Federweg.
- Trek IsoSpeed: Entkoppelt das Sitz- vom Oberrohr.
- Specialized Diverge STR mit Rear Future Shock: Dämpfer im Oberrohr mit austauschbarem Sattelrohr.
- SRAM Reverb AXS XPLR Sattelstütze: Teleskopstütze mit 50-75 mm Hub und ActiveRide-Modus.
- Elastomere am Hinterbau: Verformen sich bei Druckbelastung und gleichen Stöße aus.
- Gefederte Vorbauten (z.B. Redshift ShockStop): Fangen Stöße über Elastomere ab.
- BMC HiRide-System: Stahlfeder und Hydraulikdämpfer zwischen Gabel und Steuerrohr.
- Klassische Federgabeln (z.B. RockShox Rudy Ultimate): 30-40 mm Federweg, individuell einstellbar über Luftdruck.
Reifen: Reifen sind ein kostengünstiges und effektives Upgrade für mehr Komfort, Traktion und Kontrolle - vorausgesetzt, die Reifenfreiheit von Gabel und Rahmen erlaubt es. Wie gut ein Reifen funktioniert, wird durch Profil, Karkasse, Gummimischung und viele weitere Parameter beeinflusst.
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