Das Gewicht spielt eine entscheidende Rolle bei der Tour de France

Die Tour de France ist nicht nur das prestigeträchtigste Radrennen der Welt, sondern auch eine der härtesten körperlichen Herausforderungen im Sport. Auf 21 Etappen werden besondere Landschaften und mehrere Gebirge durchquert.

Nach fünf Jahren mit Auslandsstarts und -etappen bleibt die 112. Auflage der Tour de France in ihrem Mutterland. Die Tour bleibt diesmal im Land: 3339 Kilometer, 51.550 Höhenmeter, verteilt auf sieben Flach-, fünf Bergankunft-Etappen und zwei Zeitfahren - alles in Frankreich. 184 Fahrer gehen am 5. Juli in Lille an den Start. Von dort geht es über 21 Etappen und 3320 Kilometer nach Paris. Enden wird die „Große Schleife“ dann am 27. Juli in Paris.

Die körperlichen Voraussetzungen der Tour-Teilnehmer

Die körperlichen Voraussetzungen der Tour-Teilnehmer sind beeindruckend. Die Tour-Fahrer werden immer leichter.

Hier eine Übersicht über die durchschnittlichen Merkmale der Tour-Teilnehmer:

Merkmal Durchschnittswert
Alter 28 Jahre (Tour-Sieger der letzten Jahrzehnte)
Alter 29,76 Jahre (Durchschnittsalter aller Tour-de-France-Starter 2020)
Größe 1,80 bis 1,82 Meter (Tour-Teilnehmer)
Größe 1,80 Meter (Durchschnittsgröße aller Tour-de-France-Starter 2020)
Größe knapp unter 1,75 Meter (1945)
Größe rund 1,81 Meter (2020)
Gewicht rund 69 Kilogramm (Tour-Sieger der letzten Jahrzehnte)
Gewicht 68,2 Kilogramm (Durchschnittsgewicht aller Tour-de-France-Starter 2020)
Gewicht rund 73 Kilogramm (vor 21 Jahren)
Gewicht 67,8 Kilogramm (2020)
BMI 21 (Durchschnitts-Body-Mass-Index aller Tour-de-France-Starter 2020)
BMI fiel von 22,1 (in 1990) auf 20,9 (in 2020)

Während Sprinter oft muskulöser gebaut sind, wiegen die kletterstarken Allrounder, die um den Gesamtsieg kämpfen, typischerweise zwischen 60 und 66 Kilogramm. Der durchschnittliche Tour-Teilnehmer ist 30 und 1,80 bis 1,82 Meter groß. Ihr Durchschnittsgewicht: 68,2 Kilogramm. Fakt ist: Die Tour-Fahrer werden immer leichter.

Nach den zusammengetragenen und berechneten Body-Mass-Index-Daten sind die heutigen Radprofis im Durchschnitt „schlanker“ beziehungsweise „dünner“ als alle ihre Vorgänger-Generationen: Ihr mittlerer BMI fiel von 22,1 in 1990 auf 20,9 in 2020. Das durchschnittliche Körpergewicht eines Tour-Starters ist demnach seit 1990 um rund fünf Kilogramm gesunken. Vor 21 Jahren lag es bei rund 73 Kilogramm - 2020 bei 67,8 Kilogramm.

1945 war der „Durchschnitts-Tour-de-France-Profi“ knapp unter 1,75 Meter groß. 2020 maß er rund 1,81 Meter. Bradley Wiggins, der Tour-Sieger 2012, wies, bei einer Größe von 1,90 Metern, einen BMI-Wert von nur 19,1 auf. Der „schwerste“ in der Datensammlung vorkommende Fahrer ist der Schwede Magnus Backstedt, der Paris-Roubaix-Sieger von 2004. Sein Gewicht: 95 Kilogramm. Der leichteste Fahrer: der Franzose Kenny Elissonde. Sein Gewicht: 52 Kilogramm.

Ihre Body-Mass-Indizes (BMI) bewegen sich zwischen 19 und 20 - ein Wert, der die Grenze zwischen „gesund“ und „untergewichtig“ markiert. Ihre Body-Mass-Indizes (BMI) bewegen sich zwischen 19 und 20 - ein Wert, der die Grenze zwischen „gesund“ und „untergewichtig“ markiert. Darüber hinaus starten die Fahrer mit nur 5 Prozent Körperfett in die Tour - deutlich unter den 18 bis 24 Prozent, die als normal für Männer gelten.

Die Herzen der Radprofis sind wahre Hochleistungsmaschinen. Daten von Fitness-Trackern wie Whoop zeigen, dass ihre durchschnittliche Ruheherzfrequenz bei nur 42 Schlägen pro Minute liegt - deutlich unter dem Normalbereich von 60 bis 100 Schlägen.

Leistungsgewicht und Energieverbrauch

Ein durchschnittlicher Tag auf der Tour verlangt den Fahrern einiges ab: Mit einer Leistung von 230 bis 250 Watt verbrennen sie etwa 900 Kalorien pro Stunde. Auf anspruchsvollen Bergetappen steigt die Leistung auf über 300 Watt, was einem Verbrauch von 1.100 Kalorien pro Stunde entspricht. Tadej Pogačar, einer der besten Fahrer der Welt, erreicht bei einer einstündigen maximalen Anstrengung (Functional Threshold Power) etwa 415 Watt. Der Schlüssel zu solchen Leistungen ist das sogenannte Leistungsgewicht, also die Wattzahl pro Kilogramm Körpergewicht.

Die Tour de France ist bekannt für ihre steilen Anstiege und herausfordernden Bergetappen. Während Spitzenprofis bei einer einstündigen Anstrengung etwa 6 Watt pro Kilogramm Körpergewicht erreichen, liegen Amateure bei rund 3 Watt pro Kilogramm. Freizeitfahrer kommen meist auf lediglich 1,8 Watt pro Kilogramm.

Laut der Datenanalyse von Whoop verbrachten die Fahrer auf der achten Etappe der Tour 2020 51 Prozent der Zeit in einem Herzfrequenzbereich von 80-90 Prozent ihrer maximalen Herzfrequenz und 38 Prozent in der Zone von 90-100 Prozent. Das bedeutet: 85 Minuten unter absoluter Volllast.

Ein Einzelzeitfahren zeigt, wie außergewöhnlich die Fahrer sind. Daten des Analysetools SRM belegen, dass Elitefahrer bei einem 40-minütigen Kampf gegen die Uhr konstant über 403 Watt treten können. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass Tour-Profis eine VO2 max von 70-80 mL/kg/min haben.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Mann im Alter von 30 bis 39 Jahren weist eine VO2max von 35 bis 40 auf - und eine Frau von 27 bis 31. VO2 max steht für die maximale Sauerstoffmenge, die eine Person während körperlicher Betätigung nutzen kann; und wird oft als Indikator für körperliche Fitness verwendet.

Das Material: Rennräder und Komponenten

Neben den körperlichen Voraussetzungen spielt auch das Material eine entscheidende Rolle. Neben den Rennmaschinen selbst legen die Materialsponsoren noch eine beträchtliche Summe Geld obendrauf, damit die Fahrer ihre Räder und Komponenten fahren.

Aerodynamik und Leichtbau sind dabei die Gegenspieler. Die aerodynamisch besten Räder liegen deutlich über dem Mindestgewicht von 6,8 Kilogramm, das die UCI vorschreibt, im Mittel rund 500 Gramm. Leichträder, die aerodynamisch zwischen sieben und 30 Watt mehr Leistung benötigen als die Aero-Spezialisten (bei 45 km/h), schaffen zum Teil das Gewichtslimit im Renntrimm. TOUR hat die Rennmaschinen der Profis allesamt im Windkanal und im Labor getestet. Damit lässt sich zumindest theoretisch ermitteln, wie groß der Vorteil einer Aero- oder Leichtbaumaschine ist. Ob und wann sich der ständige Wechsel zwischen unterschiedlichen Rennrädern auszahlt, haben wir auch versucht herauszuarbeiten.

Doch die Räder sind nur ein Puzzleteil unter vielen beim Wettstreit ums Podium. Ein überragender Fahrer wie Pogacar kompensiert mit seiner Physis auch ein nur mittelmäßiges Rad, wie er immer wieder beweist. Superstar Tadej Pogacar muss sich darüber keinen Kopf machen - der Slowene benutzt immer das gleiche Rad, ein Colnago V4Rs. Eine aufwendigere Strategie fährt das Team Visma | Lease a Bike. Jonas Vingegaard & Co. können zwischen Leicht- und Aerorenner wählen, zwischen Einfach- oder Zweifach-Antrieb und unterschiedlichen Laufrädern.

Kein anderes Team bürdet seinen Mechanikern vor einer Etappe so viel Schraubarbeit auf - aber die Mehrzahl fährt die Mehrere-Räder-Strategie, befeuert vom Wunsch, dem Sportler ein perfektes Rad hinzustellen, das im Sekundenpoker Vorteile verspricht.

Die wichtigsten Aspekte bei der Konstruktion von Fahrradkomponenten sind:

  • Aerodynamik
  • Gewicht
  • Steifigkeit
  • Komfort

Die Hauptkomponente bei den Rädern ist der Rahmen. Dessen grundsätzliche Form ist vom Weltradsportverband UCI vorgegeben. Specialized zum Beispiel, das bei der Tour Bora-Hansgrohe und Soudal Quick-Step ausrüstet, hat bei seinem neuen Top-Modell S-Works Tarmac SL 8 noch einmal etwas nachgebessert. Nach eigenen Angaben ist es auf 40 Kilometern knapp 17 Sekunden schneller als der Vorgänger.

Sowohl Pinarello und Specialized haben ihre Räder zudem so abgespeckt, dass sie die Teams - abgesehen von den speziellen Zeitfahrboliden - nur noch mit einem Rad ausstatten. Aber selbst für die leichten Bergräder gibt es eine Gewichtsuntergrenze.

Mittlerweile haben sich die Discs im Profisport größtenteils durchgesetzt - auch wenn sie schwerer sind als die Felgenbremsen und dadurch der Gewichtsspielraum beim Gesamtrad für die Hersteller etwas eingeschränkt wurde. Üblicherweise werden in den Profi-Rädern Bremsscheiben mit 160 Millimetern Durchmesser eingesetzt, manchmal auch eine Kombination aus 140er und 160er Scheiben. Die meisten Teams in der World Tour fahren das Topsystem von Shimano: Dura Ace Di2.

Gewicht der Rennräder bei der Tour de France 2023

7,0 Kilogramm wiegt das leichteste Rennrad, das bei der Tour de France 2023 gefahren werden könnte. Danach haben wir uns zu Beginn der Tour de France im Fahrerlager auf die Suche gemacht und wurden schließlich bei Simon Yates vom Team Jayco-AlUla fündig.

Der Giant TCR Advanced SL-Rahmen ist auch nach unseren Tests die mit Abstand leichteste Basis, die bei der Tour zum Einsatz kommt. Damit unsere mitgebrachte Waage 7,00 Kilogramm anzeigt, mussten die Mechaniker dennoch alle Register ziehen: Das Rennrad in kleinster Rahmengröße wurde mit 36 Millimeter flachen Carbonfelgen und Schlauchreifen ausgestattet, die etwa 200 Gramm weniger wiegen als das üblicherweise gefahrene Tubeless-Setup mit 50-Millimeter-Felgen.

Das Giant TCR Advanced von Simon Yates wurde von uns fahrfertig gewogen, das heißt inklusive Pedale, Computer und zwei (leeren) Flaschen. Bei der UCI-Kontrolle würde ohne Computer und Flaschen gewogen, dann käme das TCR auf 6,77 Kilogramm - knapp unter dem Mindestgewicht von 6,80.

Manche Aero-Renner von großen Fahrern schaffen es auch auf 7,8 Kilogramm oder mehr. Das Giant TCR dürfte in der Gewichtswertung einen komfortablen Abstand zur Konkurrenz haben, die meisten Rennräder im Peloton wiegen zwischen 7,2 und 7,7 Kilogramm.

Die Favoriten für die Tour de France

Klar ist: Die Meisten erwarten wieder ein Duell um den Gesamtsieg: Pogačar gegen Vingegaard. Doch am Ende setzte sich der „Überfahrer“ des Jahres, Tadej Pogačar, souverän durch - nach sechs Etappensiegen und mit 6:17 Minuten Vorsprung. Er erbrachte im Verlauf dieser Tour die höchsten jemals im Radsport gemessenen beziehungsweise errechneten Watt-Pro-Kilogramm-Leistungen. Es ist auch diese Unberechenbarkeit, die die Tour seit nunmehr 120 Jahren ausmacht.

Hier eine Einschätzung zu den Top-Favoriten:

  • Tadej Pogačar: Der dreimalige Tour-de-France-Sieger und aktuelle Weltmeister Tadej Pogačar hat in diesem und im vergangenen Jahr fast jedes Rennen gewonnen, bei dem er an den Start ging. Bergauf war er oftmals eine Klasse besser als alle anderen. Der 26-jährige Slowene ist auch in diesem Jahr der absolute Top-Favorit auf den Tour-Sieg.
  • Jonas Vingegaard: Der Däne ist einer der aktuellen „Überfahrer“ seiner Generation. Im vergangenen Jahr stürzte er bei der Baskenland-Rundfahrt schwer, lag mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus und konnte wochenlang nicht trainieren. Bei der Tour fuhr er nach nur drei Monaten Training dennoch auf Rang zwei.
  • Remco Evenepoel: 2024 wurde der Belgier bei seiner ersten Tour-Teilnahme Dritter. Bei den Olympischen Spielen gewann er kurz darauf die Goldmedaillen im Straßenrennen und im Zeitfahren. In dieser Saison ist die Tour sein wichtigstes Saisonziel. Doch viel hängt davon ab, ob er bis dahin seinen Trainingsrückstand nach seinem schweren Unfall im Winter kompensieren kann.
  • Primož Roglič: Seit der Frankreichrundfahrt 2020 musste der Slowene alle weiteren drei Tour-Teilnahmen nach Stürzen aufgeben. Im Spätsommer 2024 gewann er zum vierten Mal die Vuelta a España. Wie Rogličs Form bei der Tour de France sein wird, hängt auch davon ab, wie gut er sich vom Giro d’Italia zuvor erholt hat.
  • João Almeida: João Almeida wäre wohl in fast jedem anderen Team der Kapitän bei der diesjährigen Tour de France. Der Portugiese ist stark bergauf und ein sehr guter Zeitfahrer. Bei der „Grande Boucle“ wird er als „Edelhelfer“ von Tadej Pogačar an den Start gehen. Doch sollte der Slowene wider Erwarten Probleme haben oder stürzen, kann auch Almeida „auf Sieg“ fahren.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0