Welche Fahrradjacke ist die richtige für den Winter? Diese Frage stellen sich viele Radfahrer, wenn die Temperaturen sinken und das Wetter ungemütlicher wird. Eine gute Winterjacke für das Rennradfahren muss hohe Ansprüche erfüllen: Ein guter Schnitt, Kälte- und Nässeschutz sollten selbstverständlich sein. Doch erst Details wie praktische Taschen oder Reflexmaterial machen aus einer guten eine sehr gute Winterjacke.
Testkriterien für Winter-Rennradjacken
Die Kriterien für Tests von Winterjacken sind auf die typischen Anforderungen eines Winter-Radlers abgestimmt. Die widrigsten Bedingungen, bei denen winterharte Radler noch auf die Piste gehen, dürften Temperaturen um den Gefrierpunkt sein, verbunden mit dem Risiko, bei einem Niesel- oder Graupelschauer nass zu werden. Zudem sollte die Jacke möglichst atmungsaktiv sein, damit sie bei intensiven Einheiten nicht zur "Schwitztüte" gerät und der Sportler im eigenen Saft schmort. Denn: Nur wenn der Oberkörper möglichst trocken bleibt, lässt sich ein Auskühlen verhindern.
Erstmals wurde die Isolationswirkung der Jacken anhand von Thermobildern in einer Kältekammer mit -12°C ermittelt. Für den Windchill-Effekt wurde ein Ventilator zugeschaltet, der einen konstanten Wind von 5 km/h erzeugte, sodass eine gefühlte Temperatur von -15°C entsteht.
Materialien und Technologien
Nahezu alle Jacken ähneln sich hinsichtlich ihrer Konstruktionsweise: ein Langarmtrikot mit Rückentaschen und besonders wetterfesten und wärmenden Materialien. Der Vorteil dieses Grundstoffs ist, dass die Jacke damit oft etwas dicker und damit warm sowie zugleich ausreichend elastisch ist und sich daher sehr gut an den Körper anpassen lässt. Es sind somit sehr sportive und körpernahe Schnitte möglich.
Hier sind einige der häufig verwendeten Materialien und Technologien:
- DWR (Durable Water Repellent): Eine Spezialbehandlung der Fasern, die somit wasserabweisend werden. Allerdings sind Hosen oder Bekleidungsstücke mit DWR-Behandlung nur wasserabweisend und nicht winddicht.
- Gore-Tex Infinium: Ein früher als Windstopper bezeichnetes und über die Jahre weiterentwickeltes Material. Offiziell bezeichnet Gore-Tex diesen Stoff als winddicht und wasserabweisend. In der Praxis zeigt sich oftmals eine langanhaltend nahezu wasserdichte Funktion. Grundsätzlich bestehen Infinium-Jacken aus einer dickeren Stofflage.
- WPM Pocket: Dies bezeichnet eine wasserdichte Außenlage des Herstellers Löffler. Löffler verwendet dieses Gewebe bei seinen Jacken mit 2,5 Lagen.
Empfehlungen und Modelle im Überblick
Hier werden drei Jacken verschiedener Hersteller vorgestellt:
Biehler Deep Winter Cargo Jacke
Die Biehler Deep Winter Cargo Jacke ist eine recht warme, wind- und wasserdichte Jacke, die aus italienischem Premium Vagotex® Material besteht. Sie ist sehr atmungsaktiv (<20.000g m²Pa/W). Auf Brusthöhe gibt es zwei kleine Zip-Taschen. Am Rücken sind drei Taschen mit offenem Eingriff verarbeitet, wobei die mittlere Tasche biehlertypisch größer ist, als die beiden Seitentaschen. Der 2-Wege Front-Reißverschluss wird dazu teilweise winddicht abgedeckt. Der Kragen ist etwas höher geschnitten als bei regulären Biehler Trikots und Westen. Von Biehler wird ein Temperaturbereich von -10 bis 5 Grad angegeben. Bei Null bis 4 Grad ist die Jacke perfekt. Bei leichten Minusgraden ist der Einsatz ok, allerdings ist die Jacke renntauglich verkürzt geschnitten, wodurch man am Unterleib und unteren Rücken nicht vor Kälte und Nässe geschützt ist. Die Jacke wird laut Biehler ECO+FAIR in Portugal hergestellt.
Maap Apex Winter Jacket 2.0
Die Maap Apex Winter Jacket 2.0 besteht aus einem 4-Wege-Stretch-Material, so dass jegliche Bewegung auf dem Rad ermöglicht wird und man nicht das Gefühl hat eingeschränkt zu sein. Das Außenmaterial ist wasserdicht. Dazu hat die Jacke versiegelte, thermoverklebte Nähte und einem 2-Wege-YKK Aquaguard®-Reißverschluss, so das jeglicher Regen/Schnee draußen bleibt. Die Maap Apex Winter Jacke 2.0 verfügt über einen etwas höher geschnittenen Kragen für zusätzliche Wärme, was für mich persönlich ein wichtiges Kriterium ist, allerdings könnte für mich der Kragen ruhig noch etwas länger sein. Die Jacke hat drei Rückentaschen und eine einzelne verdeckte Rückentasche mit Reißverschluss. Vom Hersteller wird der Temperaturbereich mit 0 bis 12 Grad angegeben. Mit dicker Unterbekleidung taugt die Jacke auch für leichte Minusgrade, allerdings muss dafür die Jacke eine Kleidergröß größer gewählt worden sein, da die Ärmel recht eng sind.
ISADORE Signature Deep Winter Softshell Jacke
Die ISADORE Signature Deep Winter Softshell Jacke ist aus recyceltem GRS-Material und frei von schädlichen PFC-Verbindungen in der EU hergestellt. Die verwendete Quickdry Frame®-Technologie zur Feuchtigkeitsregulierung sorgt für einen schnelleren Abtransport der Feuchtigkeit von innen. Die Windtex® wärmeregulierendem Softshell-Membrangewebe hält Wind und Wasser mit einer Wassersäule von 10.000mm ab. Sie ist mit einer DWR-Beschichtung versehen und hat eine ausgezeichnete Atmungsaktivität (25.000g m²Pa/W). Sie ist durch ein Vier-Wege-Strech-System hoch elastisch. Versiegelte Nähte und der 2-Wege-YKK® Aquaguard®-Reißverschluß sorgen für Wasserdichtigkeit, sodass auch leichter Regen oder Schnee kein Problem darstellen. Bei intensiven Fahrten, bei denen die Gefahr einer Überhitzung besteht, können die YKK® Aquaguard®-Reißverschlüssen in den Achselhöhlen geöffnet werden. Reflektierende Schriftzüge und Aufnäher sorgen für Sichtbareit. Dazu gibt es drei geräumige Rückentaschen und eine zusätzliche wasserabweisende Tasche. Aufgrund ihres vergleichsweise langen Schnitts und hohen Kragens ist die ISADORE Signature Deep Winter Softshell Jacke die erste Wahl bei Minusgraden.
Weitere Empfehlungen
Neben den oben genannten Modellen gibt es eine Vielzahl weiterer Winterjacken für Rennradfahrer, die sich im Alltagstest bewährt haben. Dazu gehören:
- Vaude Batura Thermojacke: Eine mit Primaloft Silver gefüllte Steppjacke, die sich prima komprimieren lässt.
- Endura GV500 Insulated Jacket: Eine sportlich geschnittene Primaloft-Jacke, die sehr leicht und platzsparend ist.
- Gonso Bevinco: Eine Wendejacke mit Primaloft-Füllung, die besonders warm hält.
- Specialized Men’s Packable Down Jacket: Eine Jacke mit Allied Feather + Down-Füllung und zusätzlicher Primaloft-Isolierung.
- Scott Insuloft Tech Primaloft Jacke: Eine leichte Primaloft-Jacke, die sich zum Radfahren in der Stadt und für entspannte Touren eignet.
- Endura MT500 Freezing Point Jacke II: Eine funktionale Jacke mit guter Wärme-Isolation.
- Gonso Save Therm: Eine dick wattierte Jacke mit wasserdichter Außenschicht.
- Northwave Extreme Trail Jacket: Eine sportlich-lässig geschnittene Jacke mit Primaloft Black Insulation-Material.
Zusätzliche Tipps für Winter-Rennradbekleidung
Auch wenn die Temperaturschwankungen während vieler Ausfahrten im Winter weniger extrem sind als in den Übergangsmonaten, kann es trotzdem sinnvoll sein, sich nach einem Mehrlagen-Konzept zu kleiden. Mehrere Schichten übereinander können in der richtigen Kombination der Materialien den Schweiß besonders effektiv vom Körper ableiten. Die Basis bildet ein Funktionsunterhemd. Dieses kann je nach Temperatur in verschiedenen Ausführungen sinnvoll sein: kurz oder lang, dick oder dünn, mit einer zusätzlichen Windblocker-Schicht oder ohne. Merino-Unterhemden sind für viele ebenso funktional wie Kunstfaser-Modelle. Darüber hinaus sind sie weniger geruchsintensiv.
Die mittlere Schicht, auch genannt „Midlayer“, trägt man bei vielen der getesteten Jackenmodellen nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Bei mehr als fünf Grad ist diese Schicht bei den hier getesteten Jacken nicht nötig. Als Zwischenschicht dient oftmals ein wärmendes Langarmtrikot ohne Wetterschutz. Solange es nicht stärker regnet, bildet eine Winterjacke die äußerste Schicht. Sie sind meist wärmend, absolut winddicht, meist wasserabweisend und in manchen Fällen sogar wasserdicht. Bei Starkregen empfiehlt sich dann noch eine zusätzliche Schicht in der Form einer dünnen wasserdichten Regenjacke, etwa aus dem Gore-Tex-Shakedry-Material.
Die Wichtigsten Fragen zu Fahrrad-Winterjacken
- Was ist der häufigste Bekleidungsfehler im Winter? Generell gilt es, auf sehr gute Atmungsaktivität zu achten, denn sonst schwitzt man bei der kleinsten Belastung, und feuchte Kleidung wird schnell kalt. Ein Fehler ist es auch, zu unflexibel angezogen zu sein - und dann nicht reagieren zu können.
- Wie verhindert man, dass man auskühlt? In erster Linie durch funktionelle Kleidung im Mehrlagen-Prinzip. Auf der Haut am besten ein Unterhemd, das den Schweiß aufsaugt und diesen an die äußeren Lagen weitergibt.
- Was macht eine gute Winterjacke aus? Sie muss in erster Linie sehr gut passen, vor allem in der Position auf dem Rad, also an Armabschlüssen, Kragen und Rücken. Dazu sollte sie atmungsaktiv sein, trotzdem guten Windschutz bieten und auch etwas regenabweisend sein.
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