Rennradkette ölen: Die ultimative Anleitung für lange Lebensdauer und optimale Leistung

Die Kette ist eines der elementaren Bauteile jedes Bikes. Sie ist das Bindeglied, das die Kraft des Fahrers zum Reifen überträgt und in Vortrieb umwandelt. Dabei ist sie ständig Witterungseinflüssen ausgesetzt und wird durch unsanfte Schaltvorgänge malträtiert.

Warum muss die Fahrradkette geschmiert werden?

Kettenschmierung erfüllt folgende Zwecke:

  • Sie reduziert Reibungswiderstände im Antrieb und hält so den Verschleiß gering.
  • Sie sorgt für einen geschmeidigen Antrieb und leichtgängiges Schalten.
  • Sie schützt vor Korrosion, da Öle und Fette bekanntermaßen wasserabweisend sind.

Reibung und Verschleiß hängen dabei eng miteinander zusammen.

Die Auswirkungen von Kettenverschleiß

Bei Kettenverschleiß ist oft von „Längung“ die Rede. Tatsächlich heißt das aber nicht, dass die Kettenglieder selbst länger werden, wobei sich theoretisch auch der Stahl minimal streckt. Vor allem bekommen die Gelenke der Kette mit der Zeit Spiel, das sich zu einer sichtbaren Längung addiert. Das geschieht durch Reibung bei Rotation der Gelenke, da sich die Nietstifte, Innen- und Außenlachen sowie die Röllchen gegeneinander bewegen. Eine verschlissene Kette wird außerdem auch die Abnutzung von Kettenblättern und Ritzeln beschleunigen und im Extremfall nicht mehr zuverlässig darauf greifen.

Die Wahl des richtigen Kettenöls

Die Wahl des richtigen Kettenöls ist in gewissem Maß Glaubenssache. Fest steht jedoch, dass dünnflüssige Öle wie z. B. WD 40 oder BRUNOX Turbo-Spray nicht für die Pflege der Kette zu empfehlen sind, da sie das vom Hersteller aufgebrachte Fett zwischen den Kettengliedern herausspülen. Bitte beachte auch: Weitverbreitete Kriechöle wie WD-40 oder Brunox, die in anderen Bereichen hervorragende Dienste leisten, eignen sich nicht zur Kettenschmierung, da sie zu dünnflüssig und somit flüchtig sind. Sie spülen die Restschmierung der Kette eher noch aus.

Welcher Kettenschmierstoff ist der beste?

Welcher Schmierstoff der beste für Dich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Für eine staubige Langstrecken-Tour mit dem Gravelbike beispielsweise brauchst Du eine Mischung mit langer Schmierfähigkeit und geringer Schmutzanhaftung. Für eine Mountainbike-Runde an einem verregneten Tag hingegen sollte die Schmierung möglichst standfest sein und Wasser abweisen.

Was leisten Wet Lube, Dry Lube und Kettenwachs?

Wenn Du Dich nicht mit einem Kompromiss zufriedengeben und mehr aus Deinem Antrieb herausholen willst, kannst Du für bestimmte Anwendungen auch zu spezielleren Schmierstoffen greifen. Kettenöle für nasse Bedingungen (Wet Lube) beispielsweise sind zähflüssiger, um einen Schmierfilm zu bilden, der nicht so leicht von Spritzwasser ausgewaschen wird. Sie wirken wie eine Art Imprägnierung der Kette und schützen bestens vor Korrosion. Dieser zähere Schmierfilm ist aber nur bei Nässe von Vorteil, da trockener Dreck leichter daran haftet. Für trockene und staubige Bedingungen sind daher Trockenschmierstoffe (Dry Lube) die bessere Wahl. Sie sind deutlich dünnflüssiger. Nach etwas Einwirkzeit verfliegen die Lösungsmittel und es bleibt ein Schmierfilm zurück, an dem kaum Schmutz haftet. Wenn Du mit Dry Lube auf der Kette doch mal in den Regen gerätst, dann wird der Schmierfilm allerdings schneller ausgewaschen als bei den Wet Lubes.

Kettenwachs ist unumstritten der mit Abstand leistungsfähigste Schmierstoff für Fahrradketten. Wachs erzeugt einen trockenen Schmierfilm, den man anfassen kann, ohne fettige oder schmutzige Hände zu bekommen.

Die Wahl des optimalen Schmiermittels je nach Witterung

Die Wahl des optimalen Schmiermittels ist ebenso wie die Frequenz der Pflege abhängig von der vorherrschenden Witterung. Als Faustregel gilt: Bei hoher Feuchtigkeit empfiehlt sich ein Öl mit hoher Viskosität, weil es lange an der Kette haften bleibt und Wasser verdrängt. Bei Trockenheit und Staub nimmt man besser ein Öl mit niedriger Viskosität, um möglichst wenig Schmutz anzuziehen.

Reinigung der Kette vor dem Ölen

Bevor die Kette mit neuem Öl versehen wird, sollte sie zuerst von Schmutz befreit werden. Achtung: Zur Reinigung keinen Entfetter oder Bremsenreiniger verwenden, da beide das Öl/Fett zwischen den Kettengliedern herauswaschen und es im Anschluss nicht wieder angebracht werden kann. Auch das Einlegen der Kette in Reinigungslösung oder die Verwendung von speziellen Reinigungsgeräten sehen wir kritisch und finden beides überflüssig. Falls man sehr hartnäckigem Schmutz zu Leibe rücken will und dennoch zum Entfetter greift, sollte man darauf achten, dass dieser im Anschluss vollständig abgespült wird. Dadurch verhindert man, dass das neu aufgetragene Kettenöl direkt verdünnt wird oder evtl. nicht richtig haftet.

Reinige Deine Kette gründlich. Je häufiger, desto weniger Schmutz sammelt sich in der Regel.

Wie reinige ich meine Kette?

Bei der Reinigung der Kette solltest du möglichst sanft und vorsichtig arbeiten! Benutze keinen Hochdruckreiniger, da dieser die beweglichen Teile der Kette, Kassette und Co. schnell beschädigen kann. Gehe stattdessen wie folgt vor:

  1. Schalte vor dem Reinigen in einen mittleren Gang.
  2. Spanne dein Fahrrad in einen Montageständer.
  3. Lege gegebenenfalls den Boden mit Zeitungspapier oder einer Plane aus, um Ölflecken auf den Boden zu vermeiden.
  4. Am besten reinigst du dein Fahrrad an einem offiziellen Waschplatz da dort spezielle Auffangbehälter vorhanden sind und das ölhaltige Wasser nicht ins Grundwasser gelangt.
  5. Entferne den groben Schmutz von der Kette trocken mit einer Kettenbürste.
  6. Bürste dazu locker über die Kette.
  7. Sitzt der Schmutz tiefer, kannst du diesen vorsichtig mit einem Zahnstocher entfernen.
  8. Vergiss dabei nicht die Schaltwerkröllchen.
  9. Löse nun mit einem trockenen Lappen die verbliebenen Verschmutzungen.
  10. Sprühe anschließend Kettenreiniger auf den Lappen und fahre nochmal über die Kette.
  11. Dadurch wird das Öl-Schmutzgemisch aufgeweicht und lässt sich leichter entfernen.
  12. Alternativ kannst du auch eine Zahnbürste und Wasser mit Spülmittel verwenden.
  13. Nachdem du den Schmutz entfernt hast, spülst du die Kette noch einmal mit klarem Wasser ab und trocknest sie anschließend gut ab.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Kettenreinigung

  1. Nacheinander Schmutz entfernen. Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt. Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.
  2. Kette reinigen. Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen. Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird. Ein paar Tropfen herkömmliches Spülmittel fördern den Reinigungsprozess zusätzlich. Allerdings hat dieses eine entfettende Wirkung - entsprechend gründlich muss später die Schmierung erfolgen.
  3. Öl auftragen. Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Ölbasis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen.

Das Ölen der Kette: So geht's richtig

Nachdem der Antriebsstrang gereinigt wurde, muss man die Kette wieder mit neuem Öl versehen. Der Spruch „Viel hilft viel” ist bei der Kettenpflege fehl am Platz. Im Gegenteil: Zu viel Öl führt nur dazu, dass die Kette Schmutz und Dreck verstärkt anzieht und schneller verschleißt. Daher muss man den überschüssigen Schmierstoff im Anschluss ans Auftragen auch wieder entfernen. Hierfür dreht ihr die Kette einfach nach einer Einwirkzeit von ca. 5 min mehrfach über den Antrieb und zieht sie danach mit einem sauberen, trockenen Tuch ab. Das überschüssige Öl sollte nach einer Einwirkzeit von ca.

Es gilt also, das Öl / Ketten Fluid sparsam, aber effektiv einzusetzen.

Drehe auch dazu wieder die Kurbel langsam rückwärts und gib das Öl oder Tropfwachs auf die Kettenröllchen und Übergänge der seitlichen Kettenlaschen. Lass Dir etwas Zeit, sodass wirklich jedes Kettenglied ein Tröpfchen abbekommt. Wenn Deine Kette ein Kettenschloss hat, kannst Du es als Anhaltspunkt nehmen, um zu sehen, dass Du eine komplette Runde gedreht hast.

Fahrradkette ölen: Schritt für Schritt

  1. Die Vorbereitung: Drehe die Kette vorne auf das mittlere Kettenblatt, hinten auf das mittlere Ritzel. So läuft die Fahrradkette möglichst gerade.
  2. Der Hauptteil: Anschließend drehst du die Pedale mit der Hand rückwärts. Und während sich die Kette rückwärts bewegt, tropfst oder sprühst du vorsichtig Öl auf die einzelnen Glieder der Fahrradkette.
  3. Der Feinschliff: Fertig geschmiert? Dann bewege die Kette noch mindestens eine Minute gleichmäßig weiter. So verteilt sich das Fahrradöl schneller.
  4. Die Nacharbeit: Die Kette tropft leicht? Kein gutes Zeichen, das war zu viel des Guten. Tupfe das überschüssige Öl mit einem trockenen Tuch ab.
  5. Die Generalprobe: Jetzt wird es Zeit für eine Testfahrt. Drehe eine Runde und schalte die Gänge dabei rauf und runter, sowohl vorne als auch hinten. Nur so fließt das Öl auch gleichmäßig in Ritzel und Zahnkränze.

Wie oft sollte man die Kette pflegen?

Das Service-Intervall der Kettenpflege ist abhängig von der Witterung, in der das Bike gefahren wird. Dabei lässt sich nicht pauschal sagen, ob bei Regen oder Trockenheit mehr Pflege nötig ist, denn neben Feuchtigkeit schaden auch Sand und Staub der Kette.

Idealerweise wird die Kette nach jeder längeren Tour gereinigt und geschmiert, damit sie immer im Topzustand ist. Findest Du direkt nach der Tour nicht die Muße, ist der Abend vor der nächsten Ausfahrt auch ein guter Zeitpunkt für die Kettenpflege. Wenn Du nur eine kurze Feierabendrunde in trockenen, aber nicht staubigen Bedingungen gefahren bist, reicht die Schmierung meist noch für die nächste Runde.

Wann ist eine Schmierung überfällig?

Zudem ist es sinnvoll, hin und wieder auf die Geräusche der Kette zu hören. Läuft sie leise und geschmeidig über Kettenblatt und Ritzel, ist sie wahrscheinlich gut geschmiert. Wenn sie beginnt, leicht metallisch zu rasseln oder gar zu quietschen, ist sie überfällig. Knirscht Deine Kette nach einer schlammigen Ausfahrt mit dem Mountainbike regelrecht, dann solltest Du ihr besonders viel Aufmerksamkeit schenken. Kettenöl und Dreck bilden eine Schleifpaste, die ins Ketteninnere wandert und dort den Verschleiß stark beschleunigt.

Faktoren, die die Häufigkeit der Schmierung beeinflussen

Am Ende hängt die Frage, ob Du für jede Ausfahrt neu schmieren solltest, stark von den folgenden Punkten ab:

  • In welchen Bedingungen fährst Du?
  • Welche Distanzen legst Du pro Tour zurück?
  • Welchen Schmierstoff verwendest Du und wie sorgfältig trägst Du ihn auf?

Mit der Zeit wirst Du ein Gefühl dafür entwickeln, wie lange eine Schmierung bei Dir reicht. Für eine Tour über mehrere Tage sollte der Schmierstoff Deiner Wahl sowie ein Stück Lappen im Gepäck sein. So kannst Du auch unterwegs rechtzeitig nachschmieren.

Wie oft muss ich die Fahrradkette ölen?

Wie oft du die Fahrradkette ölen musst, hängt stark davon ab, wie häufig du dein Rad benutzt und wie viel Schmutz die Kette abbekommt. Manchmal musst du schon nach 100 Kilometern ran, manchmal erst nach 300 Kilometern. Am besten prüfst du regelmäßig den Zustand deiner Kette und machst dir selbst ein Bild. Du fährst jeden Tag mit dem Bike zur Arbeit? Bei jedem Wind und Wetter? Das klingt nach einer starken Beanspruchung. Am besten pflegst du deine Fahrradkette mindestens einmal pro Monat. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kann du deine Fahrradkette auch wöchentlich reinigen und ölen.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte zur Pflege und Schmierung Ihrer Fahrradkette:

  • Regelmäßige Reinigung: Entfernen Sie Schmutz und alte Ölreste, bevor Sie neues Öl auftragen.
  • Die richtige Wahl des Öls: Verwenden Sie spezielle Kettenöle, die für die jeweiligen Witterungsbedingungen geeignet sind.
  • Sparsame Anwendung: Tragen Sie das Öl sparsam auf, um zu vermeiden, dass Schmutz angezogen wird.
  • Regelmäßige Kontrolle: Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand Ihrer Kette und schmieren Sie sie bei Bedarf.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich WD-40 zum Schmieren meiner Kette verwenden?

Nein, WD-40 ist zu dünnflüssig und spült die vorhandene Schmierung aus. Es eignet sich eher zur Reinigung.

Wie oft sollte ich meine Kette reinigen und schmieren?

Das hängt von den Fahrbedingungen ab. Bei regelmäßiger Nutzung und schlechtem Wetter empfiehlt sich eine wöchentliche Pflege.

Welches Öl ist am besten für trockene Bedingungen?

Für trockene Bedingungen eignen sich Dry Lubes, die dünnflüssiger sind und weniger Schmutz anziehen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0