Die Reifen sind der einzige Kontaktpunkt, den ein Fahrrad beim Fahren zum Boden herstellt. Alle fahrdynamischen Kräfte werden von den Reifen aufgenommen und an Felgen sowie weitere Komponenten weitergegeben. Für Sicherheit und Performance müssen Reifen und Felge am Rennrad optimal aufeinander abgestimmt sein. Dies gilt umso mehr für Tubeless-Rennradreifen.
In den vergangenen Jahren hat sich die Tendenz, dass die Innenweite von Felgen sowie die nominelle und tatsächliche Reifenbreite zunehmen, stark beschleunigt, auch durch die am Gravelbike gesammelten Erfahrungen. Lange Zeit waren zunächst 23, später 25 Millimeter breite Rennradreifen Standard, montiert meist auf 17, später 19 Millimeter breiten Felgen. 28 bis 32 Millimeter breite Reifen auf mindestens 20 Millimeter weiten Felgen sind am Rennrad aktueller Standard, am Gravelbike sind 40-mm-Pneus bei 22er-Maulweite nahezu schmal. Kurz: Reifen und Felgen werden zunehmend breiter.
Vorteile breiterer Reifen und Felgen
Breitere Reifen können mit geringerem Luftdruck gefahren werden. Das verkürzt die Kontaktfläche vom Reifen zum Boden, wodurch der Pneu leichter und schneller über Unebenheiten rollt, dabei besser dämpft und mehr Grip bietet. Im Idealfall ist das Fahrgefühl weniger hart, man fährt sicherer - nicht zuletzt auf nassem Asphalt - und ist je nach Untergrund schneller.
Dem steht gegenüber, dass breitere Reifen und Felgen schwerer sind, das Mehrgewicht liegt weiter außen (rotierende Masse), was zu einem spürbar weniger sportlich-spritziges Fahrgefühl führt. Last, but not least bietet die größere Stirnfläche mehr Luftwiderstand: Die Aerodynamik wird schlechter.
Pro und Contra breiterer Reifen
- Vorteile: Komfort, Grip, Rollwiderstand
- Nachteile: Gewicht, Aerodynamik, möglicherweise höhere Kosten
Wie Reifen- und Felgenbreite sich gegenseitig beeinflussen
Die Maulweite wirkt sich neben der Form auch auf die effektive Breite des Reifens aus.
Die Maulweite einer Felge beeinflusst maßgeblich, wie ein Reifen "baut" und ob er sicher sitzt. Ein breiter Reifen auf einer zu schmalen Felge nimmt die Form einer Glühbirne an. Die Aufstandsfläche auf dem Boden wird runder, das Fahrgefühl schwammiger, die Lenkung ist schwerer einzuschätzen. In Extremfällen kann der Reifen wegknicken und vom Felgenhorn springen. Ähnlich problematisch ist es bei einem schmalen Reifen, der auf einer zu breiten Felge montiert wird: "Hier wird der Reifen ganz flach, weil die Felge ihn in eine Breite zieht, die er eigentlich nicht hat. Seine Aufstandsfläche ist schmal und elliptisch, das Fahrgefühl wird ‚holziger‘ und schwer einschätzbar, zudem steigt die Gefahr von Durchschlägen."
Bei beiden Varianten verschlechtert sich zudem die Aerodynamik, da Luftströme früher abreißen. Die Aufgabe für die Industrie, aber auch Rennradfahrerinnen und -fahrer ist folglich: Reifenbreite und Felgenmaulweite so aufeinander abstimmen, dass diese gut korrelieren. Damit der Reifen sicher sitzt, harmonisch baut - und sich gut fährt.
Die passende Kombination finden
Es gibt nicht die eine zulässige Kombination von Reifenbreite und Felgenmaulweite. Es bietet sich immer ein Spektrum an kompatiblen Abmessungen - einsehbar in der Tabelle der European Tyre & Rim Technical Organisation (ETRTO). Vor allem sollten Reifenbreite und Felgenmaulweite immer individuell passend zum Fahrstil, Untergrund, Körpergewicht und Luftdruck gewählt werden.
Um dennoch eine Orientierung zu bieten:
- Strassenrennrad für Wettkämpfe: 26- bis 30-mm-Reifen, Maulweiten von 20 bis 23 mm.
- Endurance-Rennrad für viele Untergründe: 30- bis 34-mm-Reifen auf Maulweiten von 22 bis 25 mm.
- Gravelbike für nicht asphaltierte Untergründe: 35- bis 50-mm-Reifen auf Maulweiten 22 bis 27 mm.
Der korrekte Luftdruck
Der Luftdruck ist sehr individuell und hängt von Körpergewicht, Untergrund, Reifen- und Felgenbreite, Zuladung, Witterung, Fahrrad und manchem mehr ab.
Grundsätzlich gilt: Je breiter der Reifen, umso geringer kann der Luftdruck sein.
Aerodynamik
Breitere Reifen und Felgen vergrößern die Stirnfläche - der Luftwiderstand steigt. "Um diesen aerodynamischen Nachteil zu kompensieren, muss die Felgenform optimiert werden", erklärt Jean-Paul Ballard, Aerodynamikexperte von Swiss Side, "eine breitere Felge und ein nicht zu breiter Reifen bedeuten einen harmonischeren Übergang von Felge zu Reifen. Durch die geradere Reifenflanke reißen Luftströme später ab, der ‚Segeleffekt‘ ist somit geringfügig besser. Meistens gleicht dies aber nicht die Verluste durch die größere Stirnfläche aus."
Hookless-Felgen
Bei klassischen Hakenfelgen sind die Flanken oben nach innen gedreht und bilden so einen Haken. Der verhindert, dass der Reifen von der Felge springt. Vorteil: Alle Reifentypen können bedenkenlos verwendet werden, also sowohl klassische Draht- und Faltreifen als auch Tubeless-Pneus. Und: Der Sicherheitspuffer ist größer, sollte man Reifen- und Felgenbreite falsch kombinieren. Die Haken reduzieren allerdings die effektive Maulweite und beeinflussen, wie der Reifen baut.
Hookless-Felgen hingegen haben gerade Felgenflanken ohne Haken, der Reifen rastet "nur" in die umlaufenden "Höcker" ein. Das spart Material und folglich Gewicht, vereinfacht und vergünstigt die Felgenproduktion und reduziert durch den harmonischen, geraden Aufbau des Reifens die Gefahr von Durchschlägen.
Allerdings ist das Risiko fehlerhafter Nutzung durch technisch weniger versierte Fahrerinnen und Fahrer größer: Hookless-Felgen setzen zwingend auf Tubeless-Reifen, da die über einen verstärkten Wulstkern verfügen und somit sicherer in der hakenlosen Felge sitzen. Zum anderen ist es essenziell, die richtige Reifenbreite zu verwenden und den maximal zulässigen Luftdruck einzuhalten.
Wichtig: Hookless-Felgen dürfen ausschließlich mit Tubeless-Reifen in zur Felgenmaulweite passenden Breite sowie mit dem maximal zulässigen Luftdruck gefahren werden!
ETRTO-Norm
Die ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) ist eine Organisation, die Empfehlungen zu Standards für Reifen und Felgen in Europa veröffentlicht. Aus diesem Grund werden Fahrradreifen bei Continental unter Berücksichtigung der ETRTO Empfehlungen und ISO-Standards entwickelt.
Auf der Suche nach einem passenden Reifen für das Fahrrad verwenden viele Fahrradfahrer noch die längst veralteten und ungenauen Zollangaben. Wenn dann zum Beispiel einfach ein beliebiger 28“ Reifen gekauft wird, kann es beim Aufziehen zu bösen Überraschungen kommen. Die jetzt gängige Richttabelle für Reifengrößen finden Sie in der wesentlich genaueren ETRTO-Norm (European Tire and Rim Technical Organization). Die ETRTO-Nummer finden Sie geprägt oder gedruckt an Ihrer Reifenflanke. Diese Nummer ist entscheidend für den Kauf eines neuen, passenden Reifens. Sie besteht aus insgesamt fünf Zahlen und einem Bindestrich, zum Beispiel 37-622, und gibt Auskunft über die Breite (37 mm) und den Innendurchmesser (622 mm).
Die Größenbezeichnung der Felge finden Sie ebenfalls an der Flanke. Diese Bezeichnung ist ähnlich aufgebaut und lautet zum Beispiel 622 x 19C. Zunächst müssen der Reifeninnendurchmesser und der Felgenschulterdurchmesser exakt übereinstimmen, in diesem Fall „622“. Im zweiten Schritt muss auch die Felgenmaulweite zur Reifenbreite passen. Dieses Verhältnis ist allerdings variabler gestaltet, es passen verschiedene Breiten auf eine Felgenmaulweite.
Aero-Laufräder und Reifenwahl
Roadies träumen oft von teuren Aero-Laufrädern. In kaum einem anderen Bereich wird so viel Geld ausgegeben. Doch schick und teuer allein reicht nicht immer aus. Tiefe Laufräder sehen schnell aus und sparen Watt - klingt erstmal einleuchtend, doch warum eigentlich?
Ein Problem haben allerdings auch tiefe Laufräder: Der Übergang zwischen Reifen und Felgen ist normalerweise recht unaerodynamisch und kann schnell die ach so hervorragende Effizienz der teuren Felgen verhauen.
Die optimale Felgenbreite im Verhältnis zum Reifen sollte knapp 5 % breiter sein als der Reifen. Der Luftstrom soll also nicht abreißen und sich an der Oberfläche „entlanghangeln“.
Grip, Rollwiderstand, Pannenschutz - darüber entscheidet der richtige Reifen, aber auch Dämpfung spielt hier eine Rolle. Im Vergleich dazu machen Laufräder recht wenig. Klar Steifigkeit, Kurvenverhalten und natürlich Aero-Gains.
Die ideale Reifenbreite
Unter Performance-Gesichtspunkten liegt die ideale Breite in unserem Vergleich von -28 bis 54 Millimeter breiten Reifen bei 28 Millimetern. Sowohl im Roll- als auch im Luftwiderstand liegt der schlankeste Pro One in unserem Labortest leicht vorne. In der Simulation kommt noch das geringere Gewicht hinzu.
Eine effektive Reifenbreite von 34 Millimetern ist ein guter Kompromiss auf Asphalt, mit der richtigen Felge ist diese Kombination aerodynamisch noch gut und bewährt sich in der Praxis. Als Tubeless-Set-up ist das unser Tipp für Marathonfahrer. Wer maximal schnell fahren will, kann sich Tadej Pogačar zum Vorbild nehmen und effektiv 32 Millimeter breite Reifen auf 33 Millimeter breite Aero-Felgen aufziehen, dann sind aerodynamisch keine Nachteile zu erwarten.
Rollwiderstand
Der Aufbau eines Reifens entscheidet mehr über seinen Rollwiderstand als die Breite.
Im Rollwiderstandstest auf zwei Untergründen ermitteln wir die Werte für 85 Kilogramm Systemgewicht (Rad plus Fahrer) bei 35 km/h. Den Reifendruck haben wir dabei an die Breiten angepasst. Im Ergebnis setzt sich der 28er knapp vor dem 32er und 38er durch. Im Prinzip liegen die Reifen aber auf einem sehr ähnlichen Niveau.
Die Rolle der Felge
Reifen und Felge sind Partner. Der eine kann ohne die andere nichts. Die Beziehung hat sich stürmisch entwickelt: Felgen haben enorm an Breite zugelegt. Das wirkt sich auch auf die Form der Reifen aus.
Die breitere Felge macht den Reifen voluminöser und seitensteifer; die breiter stehenden Reifenflanken stützen den Reifen besser. Die effektive Breite des Reifens auf einer Felge hängt davon ab, wie weit der Reifen geschnitten ist. Neuere Produkte sind bereits auf die breiteren Felgen abgestimmt und erreichen etwa bei 22 Millimeter Innenweite ihre aufgedruckte Breite.
Federung
Reifen sind Teil des Fahrwerks. Wird das Geläuf grob, muss der Druck runter.
Die Federsteifigkeit (Ziel: möglichst niedrig) hängt stark vom Reifendruck ab. Die Quersteifigkeit - hier gemessen mit 22 Millimeter Felgenweite - ist nicht ganz so drucksensitiv. Sie ist ein Maß für die Lenkpräzision und sollte möglichst hoch sein. Das Verhältnis von Kontrolle zu Komfort ist beim dicksten Reifen am besten. Der am besten nutzbare Druckbereich für den 38er liegt bei 2,5 bis 3,0 Bar.
Aerodynamik im Windkanal
Reifen und Felgen sind die „Segel“ des Rennrads und wichtig beim Kampf um Sekunden.
Im Aero-Gravel-Renner Ridley Kanzo Fast testen wir die Pro One auf den DT Swiss-Felgen ARC 1100 (20 mm Innen-, 27 mm Außenbreite). Erwartungsgemäß ist der 28er-Reifen am schnellsten. Der Widerstand steigt mit der Reifenbreite bis 38 Millimeter linear an.
Tabelle: Empfohlene Reifenbreite in Abhängigkeit von Felgenmaulweite (ETRTO)
| Felgenmaulweite (mm) | Empfohlene Reifenbreite (mm) |
|---|---|
| 17 | 25-32 |
| 19 | 28-35 |
| 21 | 30-40 |
| 23 | 32-45 |
| 25 | 35-50 |
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