Rennradrennen für Jedermann: Regeln und Tipps für Einsteiger

Früher oder später stellt sich die Frage: Warum nicht mal bei einem Radrennen starten? Die Emotionen und Erlebnisse, die dich erwarten - Aufregung, Adrenalin, Stolz - wirst du so schnell nicht vergessen. Egal ob du in der ersten Gruppe ins Ziel kommst, mit einer Runde Rückstand oder im Besenwagen.

Verschiedene Arten von Radrennen

Es gibt verschiedene Arten von Radrennen, die sich in ihrer Organisation, den Teilnahmebedingungen und den Kosten unterscheiden:

  • Lizenzrennen: Ehrenamtlich von Radsportvereinen ausgerichtete Radrennen, meist auf Rundkursen, die für den Verkehr gesperrt sind. Zur Teilnahme brauchst du eine Rennlizenz - die gibt es für Vereinsmitglieder für ein ganzes Jahr oder als Tageslizenz. Die Teilnahmekosten sind vergleichsweise gering.
  • Hobbyrennen: Finden oft am gleichen Tag und auf dem gleichen Kurs wie Lizenzrennen statt. Teilnehmer brauchen keine Rennlizenz, auch hier sind die Teilnahmekosten sehr überschaubar. Insgesamt die einfachste und günstigste Möglichkeit, selbst einmal Rennluft zu schnuppern.
  • Jedermann-/Jedefrau-Rennen: Sind in der Regel große, von Eventagenturen organisierte Straßenrennen auf attraktiven, für den Verkehr gesperrten Strecken. Oft finden sie am selben Tag und auf derselben Strecke wie Profirennen statt. Eine Rennlizenz braucht es hier nicht, es dürfen aber auch Lizenzfahrer teilnehmen - bis zu einer gewissen Leistungsklasse. Je nach Veranstaltung kostet die Teilnahme bis zu 100 Euro.

Vorbereitung auf das Rennen

Das kommt auf deine Ambitionen an. Für die allermeisten dürfte es bei der ersten Rennteilnahme nicht um Platzierungen gehen, sondern darum, ohne größere Probleme ins Ziel zu kommen. Und natürlich darum, Erfahrungen zu sammeln. Dafür solltest du zunächst das Anforderungsprofil "deines" Rennens kennen. Ist es ein kurvenreiches Rundstreckenrennen mit vielen Antritten? Ein schneller, flacher Parcours, der dir Tempohärte abverlangt? Oder ein hügeliger Kurs mit hoher Belastung bergauf und ruhigeren Phasen bergab? Davon ausgehend solltest du dein Training anpassen und im Vorfeld gezielt einige zur Rennanforderung passende Intervalle absolvieren. Du kennst Radsportler:innen, die schon bei Rennen gestartet sind? Frag sie nach Tipps und Tricks - oder trainiere gemeinsam mit ihnen.

Ernährung vor dem Rennen

Aufgrund der hohen Belastung bei einem Radrennen sind volle Glykogenspeicher essenziell. Daher solltest du schon zwei bis drei Tage vor dem Event deine Kohlenhydratzufuhr in Form von Nudeln, Reis oder Müsli erhöhen. Dazu solltest du ausreichend trinken, denn Glykogen kann nur in Verbindung mit Wasser auch in deinen Muskeln eingelagert werden. Am Renntag solltest du drei bis vier Stunden vor dem Start eine leicht verdauliche, kohlenhydratbetonte Mahlzeit mit wenig Ballaststoffen zu dir nehmen - zum Beispiel weißen Reis oder Toastbrot mit Honig oder Marmelade. Finger weg hingegen von fetthaltigen Speisen wie Nutella oder Eiern mit Speck! Kurz vor dem Rennen hilft ein kleiner Snack, z.B. eine Banane oder ein Energieriegel.

Zeitplanung am Renntag

Parkplatzsuche, Startnummer abholen und befestigen, umziehen, Rad zusammenbauen und checken, Streckeninspektion - vor einem Radrennen gibt’s einiges zu tun. Geschieht das alles unter Zeitdruck, bist du schon vorher gestresst. Deshalb besser eine oder anderthalb Stunden vor dem Start da sein. Wie intensiv du dich warmfährst, hängt von dem Rennen ab - und deinen Ambitionen. Wenn du vom ersten Meter an vorn mitfahren möchtest, es sich um ein Rundstrecken- oder Cyclocross-Rennen handelt oder gleich zu Beginn ein Anstieg wartet, solltest du dich vorher zwanzig Minuten warmfahren und dabei auch mal den Puls hochjagen. Möchtest du der größten Hektik beim Start aus dem Weg gehen oder gibt es eine neutralisierte Einrollphase, kannst du dich auch unterwegs auf "Betriebstemperatur" bringen.

Rennstrategie

Selbst wenn du nicht auf eine gute Platzierung abzielst, solltest du dir vorab einige Gedanken über das Rennen machen. Tipp: Strecke und Höhenprofil anschauen, Gefahrenstellen kennen und wissen, ob Bekannte mitfahren, an denen du dich orientieren kannst. Natürlich solltest du einen Blick in den Wetterbericht werfen und deine Ausrüstung entsprechend wählen. Faustregel: lieber zu warm als zu kalt anziehen, dabei aber in Rechnung stellen, dass dir im Rennen meist wärmer wird als bei einer normalen Ausfahrt. Abhängig von Streckenlänge, Topografie und Wetteraussichten eine Windweste und Verpflegung mitnehmen. Handelt es sich um eine längere Runde, gehören auch Reifenheber, Ersatzschlauch, Pumpe und Minitool ans Rad. Denn: Kannst du ein Rennen nicht finishen, nur weil du 500 Gramm Gewicht sparen wolltest, wird dich das lange ärgern.

Verhalten während des Rennens

Startposition

Die erste Frage, die du dir stellen solltest: Wo fahre ich los? Reihe dich bei der Startaufstellung nicht in falscher Bescheidenheit ganz hinten ein, sonst findest du dich schnell in einer abgehängten Gruppe wieder. Vorn schwimmst du womöglich länger im Hauptfeld mit, als du dir selbst zugetraut hättest. Und: Durch Kurven fährt man im vorderen Teil des Pelotons schneller und sicherer, hinten musst du härter antreten und gegebenenfalls Stürzen ausweichen und "Löcher zufahren".

Fahrweise

Ansonsten gilt bei einem Rennen für Neulinge ebenso wie für alte Hasen: gerade Fahrlinie ohne Schlenker einhalten, keine plötzlichen Bremsmanöver, vor dem Ausscheren/Anhalten rundum absichern, per Handzeichen oder Zurufe mit den anderen kommunizieren, Hinweise nach hinten weitergeben, keine engen Überholmanöver, kein "Reinstechen in nicht vorhandene Löcher", die rechte Fahrbahnhälfte nutzen, bei Abfahrten die Finger an den Bremsen lassen. Anstatt dich regelwidrig aerodynamisch aufs Oberrohr zu legen, solltest du aufmerksam fahren und Gefahren antizipieren. Unsicher fahrende Mitstreiter überholst du am besten und lässt sie hinter dir. Sei dir vor allem der Verantwortung bewusst, die du für dich, aber auch für die gesamte Gruppe trägst. Denn wenn du stürzt, reißt du andere mit. Stichwort: Dominoeffekt...

Verpflegung während des Rennens

Je nach Rennlänge, ja, unbedingt. Schon bei einer Renndauer von einer Stunde lohnt es sich, spätestens nach 30 Minuten "nachzutanken". Als Faustregel kann gelten: alle 30 Minuten einen Riegel oder ein Gel. Erfahrungsgemäß lassen sich Gels und Kohlenhydrat oder Elektrolytdrinks in der Rennhektik leichter, schneller und sicherer konsumieren. Vertraue dabei nur auf Bewährtes, um deinen Magen-Darm-Trakt nicht zu überfordern. Ausreichende Verpflegung und womöglich ein Gel mit Koffein helfen übrigens, die Konzentration oben zu halten - wichtig auch mit Blick auf deine Sicherheit.

Kraftsparendes Fahren

Grundsätzlich solltest du den Windschatten anderer Fahrerinnen und Fahrer nutzen, um Kräfte zu sparen. Das bedeutet, dass es kurzzeitig auch mal sinnvoll sein kann, in den roten Bereich zu gehen, um in einer Gruppe zu bleiben. Etwa an kleineren Hügeln: Ist die Kuppe fast erreicht, bleib dran - auf der anschließenden Abfahrt sinkt die Intensität, im Windschatten rollst du dann weiterhin mit. Ist ein Anstieg noch lang oder das Tempo einer Gruppe bereits im Flachen zu hoch, lass sie ziehen. Von hinten kommt früher oder später meist eine passendere Gruppe. Im Rennen läufst du häufig Gefahr, im Eifer des Gefechts zu schnell loszupreschen, um zum Ende hin "einzugehen". Versuch deshalb immer abzuschätzen, wie lange du das geforderte Tempo halten kannst, oder nutze, wenn möglich und vorhanden, einen Leistungsmesser zum Pacing. Ein kühler Kopf kann dir helfen, so manchen Heißsporn später wieder einzusammeln…

Sicherheit

Sturzprävention

Stürze kommen vor und lassen sich leider nicht immer vermeiden. Gründe dafür gibt’s viele: Fahrfehler, schlechte oder nasse Straßen, ein plötzlich auftauchendes Hindernis… Vor deinem ersten Rennstart solltest du idealerweise wenigstens einmal mit anderen zusammen Rennrad gefahren sein und die wichtigsten Handzeichen kennen. Dann hast du die Dynamik in einer Gruppe bereits erlebt. Und auch den Windschatten, den Mitfahrer spenden. Solltest du stürzen: falls möglich, Kopf und Schultern einziehen, Katzenbuckel machen und seitlich abrollen, anstatt frontal mit dem Gesicht oder Schlüsselbein zu bremsen.

Niemals ohne Helm: Das Tragen eines Sturzhelms ist bei Radrennen obligatorisch.

Nach dem Rennen

Zunächst mal runter von der Strecke, um allen, die nach dir kommen, nicht im Weg zu stehen. Wenn du es professionell angehst, nimmst du einen Recovery-Drink. Wichtiger ist es, abhängig von der Witterung, warme und trockene Bekleidung drüberzuziehen. Und dann genieße einfach den restlichen Tag: Du kannst mit Gleichgesinnten fachsimpeln, Erlebnisse austauschen, Bekanntschaften schließen - und vielleicht hat jemand noch einen heißen Tipp für dein nächstes Rennen…

Regelwerk bei Rad am Ring

Rad am Ring ist ein multidisziplinäres Radsport-Festival, das sportliche Angebote in unterschiedlichsten Disziplinen anbietet. Die Teilnahme an der Veranstaltung erfolgt auf eigenes Risiko! Der Teilnehmer weiß und ist sich voll der Gefahren bewusst, welche mit der Ausübung von Radsportarten, insbesondere beim Graveln und Befahren des Nürburgrings, verbunden sind.

Auszug aus dem Regelwerk

  • Teilnahmeberechtigt sind alle Radfahrerinnen und Radfahrer der in den speziellen Reglements festgelegten Jahrgänge.
  • Der Teilnehmer verpflichtet sich, seine Sporttauglichkeit zur Teilnahme an der Veranstaltung selbst zu prüfen.
  • Teilnehmer unter 18 Jahren benötigen zur Teilnahme das Einverständnis der Erziehungsberechtigten.
  • An den Jedermann-Rennen bei Rad am Ring können Männer, Frauen und Jugendliche (mit Einverständnis des/der Erziehungsberechtigten) unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft teilnehmen.
  • Es gelten die Materialbestimmungen des BDR (Bund Deutscher Radfahrer). Jeder Teilnehmer ist für die Verkehrssicherheit seines Fahrrads selbst verantwortlich.
  • Jeder Teilnehmer ist verpflichtet, die Streckenführung seines Rennens/seiner Disziplin exakt zu kennen.
  • Kein Teilnehmer darf einen anderen behindern oder gefährden.

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