Die Wahl des richtigen Rennradschuhs ist entscheidend für Fahrspaß und Effizienz. Zwar gelten die Treter vielen als modisches Statement, ihre wichtigste Aufgabe ist es aber, die aufgebrachte Kraft möglichst effizient aufs Pedal zu übertragen. Für besseren Vortrieb und mehr Fahrspaß, erst recht bei mehrstündigen Fahrten. Dazu braucht’s neben der Kraftübertragung: Komfort, Passform und Halt. Denn schlafen die Zehen ein oder entstehen Druckstellen, ist es mit dem Fahrspaß schnell vorbei.
Der Markt bietet eine breite Palette an Modellen, von günstigen Einsteigerschuhen bis hin zu teuren Topmodellen. Topschuhe versprechen zwar beste Performance und sehen stylisch aus, kosten aber schnell 400 Euro und mehr. Für viele Sportler klar zu viel, weshalb sich die Auswahl oft auf die preisliche Mittelklasse zwischen 150 und 200 Euro beschränkt - mit starkem Verhältnis von Preis zu Leistung.
Worauf es beim Kauf ankommt
Auf den ersten Klick: Zu jedem Topf gibt’s den passenden Deckel, genauso verhält es sich mit Füßen und Schuhen. Natürlich - oder erst recht - beim Rennradfahren. Alle diese Aspekte sind natürlich von Fuß zu Fuß individuell. Den richtigen Rennradschuh zu finden, ist also gar nicht leicht.
Hier sind einige wichtige Aspekte, auf die man bei der Anprobe achten sollte:
- Passform: Der Fuß darf im Schuh nicht hin und her rutschen, andererseits ist genügend Zehenfreiheit wichtig. Ebenso wie guter Halt an der Ferse, damit der Fuß in der Zugphase nicht herausrutscht. Eine unnachgiebige Fersenschale, die den Fuß fest umschließt, hilft dabei.
- Sohlensteifigkeit: Wer keine Kraft am Berg oder beim Sprint verlieren möchte, sollte auf eine steife Sohle setzen.
- Belüftung und Gewicht: Belüftungsschlitze in den Rennradschuhen verhindern Hitzestau und schwitzige Füße. Zusätzlich solltest du auf ein leichtes Gewicht der Schuhe achten. Ist es zu hoch, kann es sich unangenehm bemerkbar machen.
- Druckverteilung: Oft ist es die Druckverteilung am Fuß, die auf Dauer Qualen verursacht, aber auch eine zu schmale Zehenbox kann bei anschwellendem Fuß auf langen Ausfahrten die Stimmung vermiesen.
- Einsatzzweck: Nicht jeder Sportler braucht eine brettharte Sohle, die hilft, jedes Watt in Vortrieb umzuwandeln. Eine leicht flexende Sohle kann gerade für Tourenfahrer die bessere, auf Dauer bequemere Wahl sein. Auch schätzen viele Langstreckenfahrer eine gepolsterte Innenausstattung, während Racer oft spartanisch direkte Leichtbauschuhe favorisieren.
Übrigens: so mancher Hersteller bietet sogenannte "Wide"-Modelle an, wo die Zehenbox und der Schuh insgesamt etwas breiter ausfällt.
Bei den Rennradschuhen aus dem Test bewegte sich das Gewicht zwischen 478 g und 659 g. Daher gilt auch hier: Wenn die Möglichkeit besteht, die Schuhe im Fachhandel anprobieren!
Verschlusssysteme im Vergleich
Beim Blick auf die Verschlusssysteme zeigen sich erste Unterschiede. Zwar setzen alle Testkandidaten auf mindestens einen Drehverschluss am Spann, doch nur Scott und Van Rysel spendieren ihren Modellen einen zweiten Drehverschluss zur optimalen Druckverteilung auch im Zehenbereich. Giant, Giro, Mavic, Northwave, Shimano und Specialized setzen am Vorderfuß auf einen Klettverschluss. Fizik, Gaerne, Lake und Sidi verzichten gänzlich auf eine zweite Option zur Anpassung, hier sorgt lediglich ein Drehverschluss an der Zunge für festen Halt im Schuh.
Egal ob vom Zulieferer oder als Eigenentwicklung: Drehverschluss ist nicht gleich Drehverschluss. Die Details und Funktionsweisen der verschiedenen Systeme im Test.
- SIDI Tecno-3-System: Um drehen zu können, muss man bei Sidi den Hebel nach oben klappen. Einseitiges Betätigen der seitlichen Drücker lockert die Drahtspannung in feiner Rasterung, beidseitiges Drücken öffnet komplett.
- BOA IP1/Li2, Habu: Die Alleskönner von Boa: Zum Einrasten runterdrücken, zum stufenweisen Festziehen oder Lockern drehen, zum Öffnen nach oben ziehen. In diesem Test ist der Boa IP1 bei Giant montiert, Li2 gibt’s bei Fizik und Specialized. Der Habu-Verschluss am Van Rysel wird ebenfalls von Boa vertrieben und basiert auf demselben Prinzip wie IP1 und Li2.
- Northwave xDial: Drehen am Rädchen fixiert den Fuß; drückt man von oben auf den Metallhebel, lockert sich die Spannung in definierten Rastschritten. Zum Öffnen des Verschlusssystems zieht man den Metallhebel vom Rädchen weg.
Testergebnisse und Empfehlungen
Beim Fahren herrschte unter den Testern zwar nicht immer Einigkeit - schließlich sind Fußformen sehr unterschiedlich. Was einige als komfortabel empfanden, sorgte bei anderen für Druckstellen oder gar Taubheitsgefühle an den Zehen. Daher haben wir in den Testbriefen auffällige Befindlichkeiten berücksichtigt und im jeweiligen Fazit auf Besonderheiten sowie Stärken und Schwächen eines Schuhs hingewiesen.
Einig waren sich die Testfahrer bei der Frage: Wie sportlich fahren sich die getesteten Modelle? Den besten Eindruck hinterließen hier Fiziks Vento Omna, Specializeds Torch 2.0 und Van Rysels RCR, die alle dank hervorragender Kraftübertragung und steifer Carbon-Sohle jedes Watt aus den Beinen effizient aufs Pedal brachten. Scotts Damen- und Herrenmodelle reihten sich in puncto Kraftübertragung knapp hinter der Spitze ein, machten das leichte Defizit aber dank ihrer hervorragenden Passform und auch dank zweier Boa-Verschlüsse wieder wett.
Zum Erkenntnisgewinn gehört aber auch: Keiner der hier getesteten Schuhe kann nach ROADBIKE-Erfahrung den teuren Topmodellen in Sachen Kraftübertragung und Sportlichkeit das Wasser reichen - nur kosten die eben oft doppelt so viel. Wer also einen brettsteifen Schuh für den Renneinsatz sucht, muss dafür unter Umständen etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer nicht auf das letzte Prozent an Effizienz angewiesen ist, trifft mit allen Modellen aus dem Test eine gute Wahl.
Die Modelle von Fizik, Scott und Specialized überzeugten alle Tester. Fizik und Scott teilen sich den Testsieg. Aber: Der Schuh muss zum Fuß passen. Das beste Modell im Test muss nicht für jede(n) das optimale sein.
Weitere getestete Modelle und ihre Eigenschaften
Hier eine Übersicht weiterer getesteter Modelle und ihrer besonderen Eigenschaften:
- Shimano RC702: Ein speziell für ambitionierte Rennradfahrer toller Schuh. Im Hinblick auf Kraftübertragung und Einstellbarkeit erreicht der Schuh im Test Bestwerte.
- Scott Road Team BOA: Wer auf der Suche nach einem fair bepreisten, komfortablen und für viele Fußtypen geeigneten Rennradschuh ist, findet mit dem Scott Road Team BOA einen dankbaren Partner für Rennradaktivitäten aller Art.
- Van Rysel RCR: Ein innovativer und optisch ansprechender Rennradschuh, der sehr viel bietet - besonders eine tolle Kraftübertragung und einen komfortablen Sitz.
- Sidi Ergo 6: Begeistert durch seine wertige, langlebige Verarbeitung und die sehr gutmütige Passform, durch die sich auch Rennradler mit etwas breiteren Füßen wohlfühlen.
- Mavic Cosmic BOA: Bringt so ziemlich alles mit, was Rennradfahrer benötigen: hoher Tragekomfort, Schnellschnürsystem und geradlinige Optik.
- Q36.5 Dottore Clima: Beeindruckende Rennradschuhe, die durch Haptik, Verarbeitung und Steifigkeit der Carbonsohle überzeugen.
- Specialized Torch 2.0: Verblüfft mit seiner tollen Kraftübertragung.
- Bontrager Circuit: Allein schon durch ihre relativ breite Passform kommen sie unserem Tester entgegen - Rennradler mit schmaleren Füßen könnten sie allerdings etwas zu breit finden.
- Fizik Vento Omna: Kombiniert ein elegantes, schnörkelloses italienisches Design mit einer einfachen Bedienung per BOA-Schnellschnürung und einem komfortablen Fußbett.
- Shimano SH-RC502: Sind mit nur 540 Gramm eine der leichtesten Rennradschuhe im Test!
- Luck Evo: Der je nach Größe nur 60 Euro teure Schuh ist tatsächlich in Spanien hergestellt.
Rennradschuhe für Damen
Einige Rennradschuhe sind speziell für Damen konzipiert. Diese zeichnen sich durch ihr besonders farbiges Design (pink, orange, lila,…) und den etwas schmaleren, auf den Damenfuß angepassten, Schnitt an.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
- Die Passform des Schuhs ist entscheidend für eine optimale Kraftübertragung.
- Achten Sie auf eine steife Sohle, um keine Kraft beim Pedalieren zu verlieren.
- Die Verschlusssysteme sollten eine gleichmäßige Druckverteilung gewährleisten.
- Berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Fahrstil und Einsatzzweck bei der Auswahl.
- Probieren Sie die Schuhe vor dem Kauf an, um Druckstellen und Unbehagen zu vermeiden.
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