Die Wahl der richtigen Fahrradbekleidung ist entscheidend für Komfort und Leistung. Besonders bei wechselhaftem Wetter sind Allwettertrikots eine sinnvolle Investition. Dieser Artikel vergleicht verschiedene Damen-Rennradtrikots und beleuchtet wichtige Aspekte wie Material, Passform und Ausstattung.
Allwettertrikots im Test
Das Angebot an flexiblen, wärmeren Rennrad-Trikots ohne Membran wächst stetig, die Auswahl für Frauen ist groß. Die Schnitte sind durchweg rennradtauglich, jedoch gibt es Unterschiede und Kritik bei Preis, Wetterschutz oder der Ausstattung. Castelli und Maap erzielen Bestnoten; Bioracer hat das günstigste Allwettertrikot im Programm.
Wetterbedingungen und Anforderungen
Der herbstliche November kann ähnlich launisch sein wie der April im Frühjahr: Regen folgt auf Sonne, Sonne auf Regen; kräftige Böen pfeifen ums Eck, und gelegentlich fällt gar Graupel oder Schnee aus dunklen Wolken. Entsprechend stellt einen der November vor die gleiche Aufgabe wie der April: Die Klamottenwahl für die Rennradrunde - also ein Outfit, in dem man nicht friert, nicht schwitzt und bei einem kleinen Schauer nicht gleich durchnässt - bleibt eine Wette aufs Wetter.
Alleskönner Allwetter-Modelle
Seit einiger Zeit rücken Allwettertrikots als vielseitige Alleskönner in den Blick. Sie sind geschnitten wie Rennrad-Trikots (nicht wie die Jacken), außen wasserabweisend imprägniert, und sie verzichten auf eine Membran, was sie dampfdurchlässiger macht als mehrlagige Produkte.
Mit Ausstattungsdetails wie Spritzschutz an den richtigen Stellen, weichem Kragen oder sinnvoll und ausreichend platziertem Reflexmaterial, können sie ein komfortabler Kompromiss sein zwischen mehrlagigen Membran-Klamotten und dem zwar wirksamen, aber aufwendigen Zwiebelprinzip, bei dem man mehrere Schichten übereinander trägt. Radprofis haben die Vorzüge der Allwetter-Rennrad-Trikots für ihre Ansprüche schnell erkannt und sich die Sachen sogar an ihren angestammten Bekleidungssponsoren vorbei beschafft.
Weil die Trikots so flexibel sind, ist die Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt, der Wetterschutz reicht in den meisten Situationen aus, und sie müssen nicht wie klassische Regenjacken nach einem Guss sofort wieder ausgezogen werden, da das Material relativ schnell trocknet und man darunter nicht sofort schwitzt. Aktuell gibt es ein gutes Dutzend Hersteller dieser Rennrad-Trikots für jedes Wetter, fast alle Modelle werden für Männer und Frauen angeboten, nur wenige in Unisex-Schnitt in sehr kleinen bis sehr großen Größen.
Bei den Preisen pendelt sich der Durchschnitt bei etwa 150 Euro ein. Dagegen sind die Trikots von Bioracer für 110 Euro vergleichsweise günstig.
Material und Imprägnierung
Damit der Trikotstoff wasserabweisend wird, möglichst lange trocken und dampfdurchlässig bleibt, muss er mit Imprägniermittel chemisch ausgerüstet werden. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren und Produkte zum Einsatz, die sich in zwei Klassen einteilen lassen: polyfluorierte Chemikalien (PFC) und PFC-freie Mittel, wie beispielsweise Elastomere. PFC sind jedoch umstritten, sie gelten als umweltschädlich.
Nur wenige Hersteller informieren umfassend darüber, welche Imprägnier-Methode genau sie verwenden. Ausnahmen im Test sind die Allwettertrikots von Isadore und POC, die ausdrücklich auf PFC verzichten. Da die chemische Ausrüstung lediglich drei bis vier Wäschen hält und der Abperleffekt nach und nach verschwindet, muss man die Ausrüstung mit geeigneten Imprägniermitteln regelmäßig auffrischen. PFC-frei, also umweltschonend, sind beispielsweise die Imprägniermittel von Fibertec, Nikwax oder Toco.
Bioracer zum Beispiel verwendet statt einer chemischen Imprägnierung ein Textilmaterial, das aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften Wassertropfen abperlen lassen soll. Das Verfahren der belgischen Marke ist zwar nachhaltiger, da es nicht aufgefrischt werden muss, es funktioniert jedoch nicht so gut wie beispielsweise die PFC-freie Imprägnierung der POC-Trikots, von denen fast jeder Wassertropfen wegkullert, sobald er mit dem Material in Berührung kommt.
Die gute Nachricht: Alle Allwettertrikots für Rennradfahrer im Test überzeugen mit gutem bis sehr gutem Schnitt für die Rennradhaltung, insbesondere Alé, Maap und Q36,5, sowohl für Männer als auch für Frauen. Differenzen bemerkten unsere Tester und Testerinnen bei den Größen: Die Isadore-Trikots fallen in den Testgrößen relativ klein aus, die von POC eher größer.
Ausstattung
Deutlichere Unterschiede zwischen den acht Allwettertrikots-Kandidaten im Test finden sich bei Wetterschutz und Ausstattung. Bei der Ausstattung sind Alé, Isadore und Q36,5 die Einser-Kandidaten: Beispiele für durchdachte Details sind die mit einem Spritzwasserschutz versehene mittlere Tasche beim Alé-Trikot, der besonders flauschige Kragen bei Isadore und das am Q36,5-Trikot großzügig platzierte Reflexmaterial, mit dem man im Straßenverkehr sicherer unterwegs ist - egal ob im November oder im April.
Testkriterien
Die Gesamtnote der Allwetter-Rennrad-Trikots setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die je nach Relevanz gewichtet werden. Alle Messergebnisse haben wir selbst ermittelt.
- Wetterschutz (30 %): Mit dem Spray-Test (DIN-EN-ISO 4920) wird ermittelt, wie Wassertropfen vom Außenmaterial der Allwettertrikots abperlen. Vor dem Test wurden die Rennrad-Trikots einmal gewaschen. Optimal ist, wenn die Tropfen vom gespannten Stoff rückstandlos abperlen; schlecht ist, wenn sich der Stoff schnell vollsaugt.
- Tragekomfort (25 %): Tester und Testerinnen bewerten das Stoffgefühl auf der Haut. In der Praxis kommt es vor, dass Frauen aufgrund empfindlicherer Haut ein Modell strenger bewerten als Männer und ein identisches Modell unterschiedliche Noten erhält. Das Feuchtigkeits- und Wärmeempfinden fließt ebenfalls ein ins Testurteil.
- Handling (25 %): Beim Handling zählt, wie sich die Reißverschlüsse bedienen lassen. Lassen sich diese während der Fahrt einhändig in beide Richtungen leicht bewegen, ist das optimal. Gleiches gilt für die Handhabung der Trikottaschen, die während der Fahrt leichten Zugriff erlauben müssen, auch mit Handschuhen.
- Ausstattung (20 %): Bewertet werden Details wie die Größe und Form von Trikottaschen, Taschen mit Reißverschluss, Zippergarage, Abdeckung der Reißverschlüsse, die Ausführung vom Trikotbund, dem Kragen und der Ärmelbündchen. Weil die Rennrad-Trikots bei Schlechtwetter eingesetzt werden, ist viel Reflexmaterial besonders wichtig.
Übersicht der getesteten Allwetter-Rennrad-Trikots
Im Folgenden werden einige der getesteten Modelle und ihre Eigenschaften näher betrachtet.
Alé K-Idro Jersey
- Preis/Produktionsland: 155 Euro / Italien
- Ausstattung: 3 Taschen, Mitteltasche mit Spritzschutz, Gel-Bund, Polsterkragen, Zippergarage, Reißverschluss hinterlegt, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben Frauentrikot: Rot, Blau, Schwarz, Grün
- Gewicht Frauentrikot (Größe S): 280 Gramm
- Farben Männertrikot: Blau, Gelb, Schwarz, Rot, Grün
- Gewicht Männertrikot: 340 Gramm
- Fazit: Das Rennrad-Trikot überzeugt mit kompletter Ausstattung; der integrierte Spritzschutz an der mittleren Tasche hält den Po trocken; top Rennradschnitt, guter Sitz auch mit vollen Taschen; Wasser perlt nicht komplett ab, sehr viele Größen.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 1,8 (Frauen- und Männertrikot)
Bioracer Tempest Light Jacket
- Preis/Produktionsland: ab 110 Euro / EU
- Ausstattung: Reißverschluss-Tasche, Polsterkragen, Reißverschluss hinterlegt, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben: 3 Farbmuster (Frauen), Bunt, Schwarz (Männer)
- Gewicht (Größe S): 225 Gramm (Frauen), 300 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Vergleichsweise komfortabel geschnitten, aber etwas wenig flauschig. Das Material ist ohne chemische Behandlung wasserabweisend, der Effekt in der Praxis jedoch schwächer als bei chemisch imprägnierten Allwettertrikots.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,6 (Frauen), 2,5 (Männer)
Castelli Tutto Nano RoS Jersey
- Preis/Produktionsland: 150 Euro / Bosnien
- Ausstattung: 3 Taschen, Gel-Bund, Reißverschluss hinterlegt, Reflexmaterial
- Farben: Blau, Grau, Schwarz (Frauen und Männer)
- Gewicht (Größe S): 280 Gramm (Frauen), 335 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Zusammen mit Maap die Doppelspitze im Test der Rennrad-Trikots für jedes Wetter; sehr guter Wetterschutz, bleibt lange trocken; angenehm fester Stoff, tolles Tragegefühl auf der Haut; der Reißverschluss läuft einhändig leicht, auch mit vollen Taschen guter Sitz.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 1,5 (Frauen- und Männertrikot)
Isadore Echelon LS Jersey
- Preis/Produktionsland: 190 Euro / Slowakei
- Ausstattung: 3 Taschen mit Spritzschutz, versteckte Tasche, Gel-Bund, Polsterkragen, Zippergarage, Reißverschluss hinterlegt, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben: Schwarz, Weiß, Lila (Frauen), Schwarz (Männer)
- Gewicht (Größe S): 260 Gramm (Frauen), 305 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Sehr eng geschnitten, fällt klein aus; die PFC-freie Imprägnierung ist nicht so effektiv wie bei POC, Regen perlt schlecht ab; Reißverschlüsse und Taschen sind tadellos, sehr hochwertige Ausstattung.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,4 (Frauen- und Männertrikot)
Le Col Pro Aqua Zero
- Preis/Herstellungsland: 195 Euro / Italien
- Ausstattung: 3 Taschen mit Spritzschutz, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Zippergarage, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben: Hellblau, Schwarz (Frauen), Gelb, Blau, Schwarz (Männer)
- Gewicht (Größe S): 275 Gramm (Frauen), 285 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Guter Schnitt für lange Oberkörper; angenehm fester Stoff, Reißverschlüsse und Taschen sind top, clever ist der integrierte Spritzschutz in den Taschen; Wassertropfen perlen nicht restlos ab.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 1,9 (Frauen- und Männertrikot)
Maap Evade Thermal LS Jersey
- Preis/Produktionsland: 200 Euro / Litauen
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Zippergarage, Reißverschluss hinterlegt, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben: Rostbraun, Weiß, Schwarz (Frauen und Männer)
- Gewicht (Größe S): 255 Gramm (Frauen), 300 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Gemeinsamer Testsieger bei den Allwetter-Rennrad-Trikots mit Castelli. Für lange Oberkörper etwas kurz geschnitten, Anprobe ist ratsam; Funktion und Ausstattung sind tadellos, sehr gute Reißverschlüsse; etwas hoch sitzende Rückentaschen.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 1,5 (Frauen- und Männertrikot)
Poc Radiant Jersey
- Preis/Produktionsland: 180 Euro / Litauen
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, Gel-Bund, Reflexmaterial
- Farben: Orange (Frauen und Männer)
- Gewicht (Größe S): 315 Gramm (Frauen), 325 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Fällt lang und relativ groß aus, eventuell eine Nummer kleiner probieren; PFC-freie Imprägnierung; nur in der einen leuchtenden Farbe erhältlich; relativ kurzer Kragen, mager ausgestattet.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,0 (Frauen- und Männertrikot)
Q36,5 Jersey Long Sleeve WoolF
- Preis/Produktionsland: 194 Euro / Italien
- Ausstattung: 3 Taschen, Reißverschluss-Tasche, verlängerter Bund, Polsterkragen, Reißverschluss hinterlegt, abgesetzte Ärmelbündchen, Reflexmaterial
- Farben: Schwarz (Frauen), Grün, Blau, Schwarz (Männer)
- Gewicht (Größe S): 235 Gramm (Frauen), 250 Gramm (Männer, Größe M)
- Fazit: Das sehr dicht gewebte Material schützt ordentlich vor Fahrtwind, fühlt sich jedoch trotz Merinoanteil weniger flauschig an; sehr leicht, viel Reflexmaterial.
- TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,3 (Frauen- und Männertrikot)
Alternative: Rennrad-Trikots mit Windschutz
Eine Alternative zu Allwetter-Rennrad-Trikots sind Modelle mit Windschutz in Form einer Membran.
Selbst wenn Hersteller dies durch besonders dicht gewebtes Material auszugleichen versuchen, wie beispielsweise Q36,5, pfeift kräftiger Fahrtwind früher oder später durchs Gewebe. Eine Alternative sind Rennrad-Trikots wie das Fiandre Light no rain von Sportful mit clever platzierter, winddichter Membran. Brustpartie und Armvorderseiten sind windgeschützt, der Rest besteht aus dünnem, dampfdurchlässigem Material. Mit 155 Gramm ist es leicht und wärmt nicht besonders, was man wiederum durch entsprechende Unterwäsche ausgleichen kann.
Weitere Aspekte bei der Auswahl von Radbekleidung
Passform und Komfort
Für viele ist die Passform das wichtigste Kaufkriterium. Rennrad-Trikots verfügen in der Regel über eine sportiv-enge und körpernahe Passform. Dieser Schnitt bietet auch aerodynamische Vorteile. Dies bedeutet aber auch, dass eine üblicherweise getragene Konfektionsgröße nicht unbedingt auf die Radbekleidung übertragen werden kann. Die Größenfindung ist demnach - leider - nicht immer einfach.
Bei Sommer-Trikots oftmals positiv ist die Kombination verschiedener Stoffarten. Vorne wird etwa in nicht wenigen Fällen ein luftdurchlässiges, aber nur leicht perforiertes Material eingesetzt - und in der Rückenpartie ein noch deutlich atmungsaktiveres. Bei manchen Modellen kommen hier, oder unter den Ärmeln beziehungsweise in den Seitenbereichen, Mesh-Stoffe zum Einsatz.
Straffe und zugleich eher breite, nahtlose Träger aus einem „feinen“ und recht weichen Stoff sind hier aus der Sicht unserer Tester das Optimum. Auch die Positionierung der Träger spielt beim Tragekomfort eine entscheidende Rolle.
Details und Unterschiede
Neben den wichtigen Parametern - Material, Verarbeitung, Atmungsaktivität, Passform, Komfort und Robustheit - gibt es auch in weiteren Details teils große Unterschiede. Etwa bei den Trikottaschen. Hier ist die Variante drei plus eins - drei Rückentaschen und eine zusätzliche Reißverschlusstasche - fast schon der Standard. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen.
Die Wahl zwischen Gravel- und Rennrad-Bekleidung
Rennradfahren findet überwiegend auf asphaltierten Straßen statt und legt Wert auf Geschwindigkeit und Aerodynamik. Gravelbiken hingegen bedeutet oft längere Ausfahrten auf wechselndem Terrain - von Schotterwegen über Waldpfade bis hin zu unbefestigten Straßen. Hier stehen Komfort, Vielseitigkeit und Robustheit im Fokus.
- Rennrad-Bekleidung ist meist eng anliegend und aerodynamisch geschnitten. Gravel-Bekleidung ist oft etwas weiter geschnitten, um mehr Bewegungsfreiheit zu bieten.
- Gravel-Bib Shorts setzen vermehrt auf etwas robustere Materialien und eine Polsterung, die Erschütterungen auf unebenen Wegen abfedert.
Die Wahl zwischen Gravel- und Rennrad-Bekleidung hängt stark von den persönlichen Fahrgewohnheiten ab. Letztendlich gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Wahl - am Ende zählt vor allem, dass man sich auf dem Rad wohlfühlt. Die perfekte Gravel- oder Rennrad-Bekleidung sollte sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen und nicht umgekehrt.
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