Du möchtest eine mehrtägige Rennradtour wagen? Dieser Artikel bietet dir einen umfassenden Ratgeber, um deine 3-Tages-Tour optimal zu planen und vorzubereiten. Es geht um die wichtigsten Dinge, an die du bei der Planung denken solltest.
1. Die Wahl des richtigen Fahrrads und Gepäcks
Es gibt zwei Hauptvarianten für Radtouren:
- Klassisch mit Trekkingrad und Packtaschen: Geeignet für Camper, die Zelt und Schlafsack transportieren müssen. Der Nachteil ist das hohe Gewicht.
- Rennrad und Rucksack: Ideal, um schnell voranzukommen und in Hostels, Motels oder Bed & Breakfasts zu übernachten. Bietet maximale Flexibilität und ermöglicht es, pro Tag etwa doppelt so weit zu fahren wie mit einem Trekkingrad.
Für mich war das eigene Rad die beste Lösung. Ich wusste, dass mir der Sattel gut passt und ich lange darauf fahren kann, ohne große Schmerzen zu bekommen. Dass die Komponenten in Ordnung sind und einiges aushalten. Dass die Grundeinstellungen zu Sattelhöhe, Lenker, Schaltung und Bremsen passen.
2. Fahrradtransport oder -Verleih
Bei einer Rundfahrt, die kürzer als 10 Tage ist, solltest du eher vor Ort ein Rad leihen. Bei mehr als 14 Tagen lohnt sich meist der Aufwand, das eigene Rad mitzunehmen. Bei Start-Ziel-Touren solltest du entweder das eigene Rad mitnehmen oder ein günstiges Rad vor Ort kaufen, um es dann am Zielort wieder zu verkaufen.
3. Packliste und Gewichtsoptimierung
Jetzt geht es darum, „Gewicht zu machen“, also deinen Rucksack so leicht wie möglich zu packen. Denn eines ist sicher: Wenn du den ganzen Tag, mehrere Tage in Folge auf dem Rad sitzt, ist jedes unnötige Gramm ein Problem. Hier einige Tipps:
- Nimm nur das Nötigste mit: Überlege genau, was du wirklich brauchst.
- Schwere Dinge am Rad verstauen: Am Rad ist das Gewicht weniger schlimm.
- Minimales Rucksackgepäck: Ordne deine Sachen in verschiedenfarbige Plastikbeutel (Technik, Rad, Freizeit, Waschtasche und Dreckwäsche).
- Navigation: Nutze dein Smartphone mit einer App wie „Ride with GPS“ oder „Google Offline Maps“. Lade die Strecke für den nächsten Tag über WLAN vor, um Akku zu sparen.
- Von Anfang an 2 Radhosen übereinander anziehen: Das hab ich erst ab Tag 5 gemacht, als es schon ordentlich gedrückt hat am Hintern. Die zweite Radhose war eine super Lösung, sodass es zumindest nicht schlimmer wurde.
Mein Rucksack hatte insgesamt rund 8,5 kg.
4. Ernährung und Pausen während der Tour
Vor allem dann, wenn du den ganzen Tag fährst, iss soviel wie möglich. Das kostet auf Dauer mehr Energie, als du denkst. Hier einige Tipps:
- Nimm nur das Nötigste an Proviant mit: Also eine Trinkflasche mit Wasser (in der Rahmenhalterung), ein paar Notfall-Energieriegel und/oder Gels (Oberrohrtasche) und ein paar Bananen, Äpfel und Trockenfrüchte in der Rahmentasche.
- Nutze die Boxenstopp-Taktik: Sobald ich halbwegs Hunger hatte, bin ich im nächsten Ort an den erstbesten Supermarkt gefahren, habe je nach Bedarf 5-6 Bananen gegessen und Wasser sowie die Essensreserve in der Rahmentasche aufgefüllt.
- Nimm eine zweite Trinkflasche mit: Die passt zwar nicht mehr in den Rahmen, wenn du wie ich mit den Rahmentaschen fährst. Aber man kann sie immer mal gebrauchen.
- Regelmäßige (kurze) Pausen: Das war kein Problem, da es ständig etwas zum Fotografieren gab. Aber auch ohne Fotos solltest du ab und zu kurz anhalten, den Rucksack absetzen, den Rücken gerade machen und ein paar Schritte herumlaufen.
Ich bin im Durchschnitt rund 200 km am Tag gefahren und habe dabei laut Pulsuhr locker jeweils 4000 Kalorien verbrannt.
5. Teste dein Equipment
Ein ganz wichtiger Schritt fehlt noch, bevor zu abreist: Teste dein Equipment unbedingt zu Hause! Ich habe eine Woche vor Abreise alles genau so gepackt und mein Rad so präpariert, wie es auf der Reise geplant war. Dann bin ich mit Freunden eine große Radrunde gefahren, rund 200 km. Erst dann wusste ich, wie es sich wirklich anfühlt, was noch anzupassen war und ob ich vielleicht zuviel dabei habe (oder ob noch etwas wichtiges fehlt).
6. Inspiration für Strecken und Routen
Für besondere Momente auf dem Rennrad muss man nicht zwingend in die Ferne schweifen - schon drei Tage Bikepacking vor der eigenen Haustür liefern große Gefühle. Hier einige Beispiele für Strecken:
- Murgtalradweg im Schwarzwald: Spektakulär schöne Strecke durch ein raues Tal.
- Schwarzwaldhöhenstraße: Verkehrsarme Strecke zur Hornisgrinde mit Blick in die Rheinebene.
- Distance Rallye des Anbieters Hirsch-Sprung: Quer durch den Schwarzwald.
- Stoneman Road Miriquidi: 290 Kilometer durch den tschechischen Egergraben und übers Erzgebirge.
7. Gepäcktaschen vs. Rucksack
Die Entscheidung zwischen Gepäcktaschen und Rucksack hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab. Hier eine Übersicht der Vor- und Nachteile:
| Gepäcktaschen | Rucksack |
|---|---|
| + Keine Last am Körper | + Wenig Auswirkung auf Fahrverhalten |
| + Kein "Schwitzrücken" | + Tagsüber schnell zugänglich |
| + Satteltasche hält Po bei Regen trocken | + Viele Fächer |
| - Verändertes Bikehandling | - Schultern, Nacken und unterer Rücken werden stärker belastet |
| - Satteltasche tagsüber nur mit Aufwand zugänglich | - Rucksackinhalt kann bei ungeschickter Beladung wippen |
8. Tipps zur Vorbereitung deiner Rennrad-Tour
- Training: Trainiere mehrmals pro Woche auf langen Strecken und vernachlässige das Krafttraining nicht.
- Gezieltes Training einzelner Bereiche: Übe das schnelle Bremsen und das Fahren von engen Kurven.
- Das Rennrad vorbereiten: Checke Bremsen, Kette, Beleuchtung, Luftdruck und Schaltung.
- Die Vorbereitung auf kleinere Reparaturen: Lerne, wie du deinen Reifen wieder aufpumpst, Schrauben festziehst und einen Ersatzschlauch einziehst.
- Übernachtungen und Stopps akribisch planen: Buche Unterkünfte im Voraus, um Stress zu vermeiden.
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