Rennrad zum Gravel Bike umbauen – Eine Anleitung

Du suchst nach einem Bike, mit dem du nicht nur bei längeren Fahrten auf der Straße so richtig auf Touren kommst, sondern auch spontan auf unebene Seitenpfade abbiegen kannst? Dann könnte ein Gravelbike genau das richtige Fahrrad für dich sein. Ein Gravelbike ist ein Fahrrad, dass sich sowohl für ebene Fahrten auf der Straße als auch für Touren durch unebenes Gelände eignet. Das Wort Gravel kommt aus dem Englischen. Es bedeutet Schotter oder Kies. Ein Gravelbike ist also wörtlich übersetzt ein Schotterrad.

Die ersten Gravelbikes kamen vor rund zehn Jahren in den USA auf den Markt. Seitdem hat das Gravelbike auch bei uns mehr und mehr Fans gewonnen. Mittlerweile ist dieses neuartige Bike aus der Fahrradwelt nicht mehr wegzudenken. Optisch sieht das Gravelbike aus wie ein gewöhnliches Rennrad.

Was unterscheidet ein Gravelbike von einem Rennrad?

  • Reifenbreite: Das Gravelbike hat im Vergleich zu einem Rennrad deutlich breitere Reifen.
  • Rahmenaufbau: Oberrohr und Steuerrohr, also die horizontale Stange zwischen Lenker und Sattel und die Verbindung zwischen Lenker und Rad, sind bei Gravelbikes länger als bei einem Rennrad. Das führt dazu, dass du als Fahrer auf dem Gravelbike aufrechter sitzt.
  • Gewicht: Rennräder sind meist sehr leicht, da jedes Kilogramm mehr Einbußen bei der Geschwindigkeit bedeuten kann.

Die Flexibilität, die dir das Gravelbike gegenüber einem reinen Rennrad bietet, hat natürlich ihren Preis. So agil und schnell, wie du dich mit einem Rennrad auf der Straße bewegst, kannst du es mit einem Gravelbike nicht. Das sollte dir vor der Anschaffung bewusst sein.

Umbau eines Rennrads zum Gravelbike

Vielleicht hast du schon ein Rennrad und fragst dich, ob du es zu einem Gravelbike umrüsten (lassen) kannst? Um dein Rennrad zu einer Art Gravelbike umzubauen, musst du einige seiner Komponenten austauschen und auf Gravelbike-Komponenten umrüsten. Passendes Lenkerband findest du bei uns im Shop. Der Rahmenaufbau bleibt allerdings, wie er ist. So fallen das tiefere Tretlager und die bequemere Sitzposition weg.

Wenn du ein Rennrad hast und dir sicher bist, zukünftig lieber ein geländegängigeres Bike fahren zu wollen, ist ein Umbau ein denkbarer Weg. Ein „echtes“ Gravelbike mit all seinen Vorzügen wirst du aber aus einem Rennrad durch einen einfachen Umbau nicht machen können. Wenn du mit den Abstrichen leben kannst, ist es für dich aber vielleicht trotzdem eine Option.

Ob Scheibenbremsen, Teleskop-Sattelstützen, Schutzbleche gegen Schmutz und Nässe, mehr Licht für die Nacht oder dunklere Waldwege, Transporttaschen und Werkzeug für unterwegs, einen neuen Sattel oder Lenker, ein neues Lenkerband oder neue Reifen. Auch auf ein Tubeless-Reifensystem lässt sich dein Gravelbike meist recht schnell und problemlos umrüsten.

Herausforderungen und Lösungen beim Umbau

Was genau macht ein Gravel Bike aus? Und wo genau müsste man dann ansetzen, um daraus ein Gravel Bike zu machen? Gehen wir mal von hinten nach vorne die einzelnen Stellen durch.

Laufräder

Die erste denkbare Stelle zum Ansetzen. Die Felgen selbst sind mit 28″ relativ groß. Statt schmalen Reifen hat ein Gravelbike meist dicke Pneus. Doch ein Stahlrenner hat nicht den Platz um diese Breite zu unterstützen. Die Lösung: 650B Laufräder (auch bekannt als 27,5″). Der Felgendurchmesser sinkt auf 584mm statt 622mm. Damit gewinnt man viel Platz um etwas größere Reifen aufzunehmen. Daraus entstehen aber auch die nächsten Probleme / Herausforderungen.

650B Laufräder findet man nicht so häufig. Gerade wenn man eine Version haben möchte, die ohne Scheibenbremsen daherkommt. Da diese Laufräder fast immer auf Gravel- oder MTB verbaut werden sind Scheibenbremsen praktisch immer gesetzt. Jedoch findet man auch ein paar Hersteller in der Nische. Welche solche Laufräder für Randonneur-Räder produzieren.

Bremsen

Der nächste offensichtliche Punkt der nicht zusammenpasst. Die Seitenzugbremsen müssen weg. In der Regel hat ein Offroad-Bike hydraulische Scheibenbremsen. Ältere Cyclocross-Räder auch Cantilever-Bremsen. Oder auch V-Brakes sind denkbar. Doch für alle drei Punkte muss der Rahmen ausgestattet sein. Für die Scheibenbremsen braucht es die Aufnahmen an Gabel und Rahmen. Bei Cantilever- und V-Brakes muss der Rahmen zwei Stifte an der richtigen Stelle haben um die Bremsen zu montieren. Beides hat ein Stahlrenner nicht. Doch es gibt auch hier Lösungen.

Tektro R559 Seitenzugbremsen kommen zur Rettung. Das sind ebenfalls Seitenzugbremsen, die jedoch mit extra langen Bremsschenkeln daher kommen. Die Zahl 559 steht für 26″ Reifen. Also klassisch würde man so eine Bremse am Hybrid-Bike oder BMX/Freestyle Rädern montieren. Aber warum nicht mit 650B Reifen am Graveller kombinieren? Die Bremsen lassen sich von 559mm auch auf 584mm umstellen, das sind 25mm Unterschied. So viel Spielraum ist auch in der Einstellung der Bremsschuhe. Zudem hat man dann einen besseren Bremshebel.

Diese Seitenzugbremsen können an jedem Rahmen montiert werden, der für Seitenzugbremsen ausgelegt ist. Bedeutet: der Rahmen muss an der Brücke eine Aufnahme (Bohrung) für diese haben. Am Hinterrad ist es die Brücke zwischen den Sattelstreben. Am Vorderrad ist es die Gabelbrücke.

Die alten Shimano 105 Seitenzugbremsen werden einfach gegen die Tekro 559 ausgetauscht. Die längeren Bremsschenkel passen perfekt zu 26″ oder 27,5″ Laufrädern. In meinem Fall also die 650B Felgen mit 584mm Durchmesser. Alte Shimano 105 sind für Laufräder die nicht 622mm Durchmesser haben ungeeignet.

Die längeren Schenkel haben eine etwas schlechtere Bremswirkung, da nun mehr Spiel und Flex im System ist. Dennoch sorgen sie für genug Bremskraft.

Die Monage am Hinterrad erfolgt an der Brücke zwischen den Sattelstreben.

Tektro war viele Jahre für besonders billige und auch unzuverlässige Komponenten bekannt - mittlerweile hat die Qualitätsabteilung nachgeholt und die Bremsen machen einen soliden eindruck.

Die Montage am Vorderrad erfolgt an der Gabelbrücke.

Hier ist die richtige Dimension der Schraube entscheidend.

Die Bremsschuhe an den Tektro R559 können für 559mm Felgen (26″) oder 584mm (650B / 27,5″) eingestellt werden. Damit wäre die Bremsenfrage gelöst.

Schaltung

Prinzipiell könnte man jetzt das Rad weiterhin mit einer 2×8 oder 2×9 aufbauen. Moderne Bikes haben aber alle 1-fach Schaltungen, also nur ein Kettenblatt vorne. Wie wärs, kann man das nicht auf einem klassischen Rad montieren? Denkbar ist hier alles, denn es ist nicht direkt am Rahmen limitiert. Welche Punkte es da trotzdem zu beachten gibt lest ihr unten im Detail.

Reifen

Reifen und Gesamtumfang spielen die wichtigste Rolle in der Konvertierung des Bikes. Dabei ist der Gesamtumfang aus Felge und Reifen entscheidend. Vergleichen wir 23-622 Rennradreifen (also womit das Rad ursprünglich ausgestattet war) mit beispielsweise 38-584 (die 650B Gravel-Reifen). Die „großen“ hätten einen Gesamtdurchmesser von 668mm (2×23 + 622). Bei den Gravel-Pneus kommt man auf 660mm. Das sind nur 8mm Unterschied! Weniger als man glauben mag. Sollte doch in den Rahmen passen, oder?

Tubeless Umbau am Gravelbike

Die meisten Mountainbiker verzichten bereits auf den Schlauch im Reifen. Besonders die erhöhte Pannenresistenz und das bessere Fahrverhalten der Reifen sprechen dafür, den Schlauch auch am Gravelbike wegzulassen. Der Tubeless-Umbau kann, je nach Erfahrungslevel des Monteurs und der Kombination zwischen Felge und Reifen, für eine kleine Sauerei sorgen. Mit unseren Tipps klappt dein Umbau hoffentlich problemlos!

Für wen ist Tubeless am Gravelbike geeignet?

Wir würden den Tubelessumbau also vor allem Gravelern empfehlen, die ihr Bike hauptsächlich auf Schotterwegen und in leichtem Gelände bewegen und dadurch wirklich von den Vorteilen des Systems profitieren. Gravelbiker, die hauptsächlich auf Asphalt unterwegs sind oder das Rad überwiegend für den Weg zur Arbeit nutzen und zudem vielleicht keine Lust haben, den Luftdruck vor jeder Fahrt zu kontrollieren, sind beim herkömmlichen Schlauch wahrscheinlich besser aufgehoben.

Bevor du loslegst:

Im Vorfeld solltest du noch sicherstellen, dass sowohl deine Reifen wie auch deine Felgen für einen Tubelessaufbau geeignet sind. Normalerweise machen die Hersteller das durch Kennungen wie: Tubeless Ready, Tubeless Easy, entsprechenden Kürzeln dafür oder im Fall von Mavic, mit UST kenntlich. Falls du auch hier nichts finden kannst, ist dein Material höchstwahrscheinlich nicht für den Tubelessaufbau geeignet.

Das benötigst du:

  • Tubeless Ventile in entsprechender Länge für deine Felge. Bei hohen Felgen, zum Beispiel Carbonfelgen, sind lange Ventile nötig. Mindestens 15mm länger als deine Felgenhöhe.
  • Tubeless Dichtmilch (50-70ml pro Reifen)
  • Tubeless-Felgenband (ca. 2mm breiter als die Maulweite deiner Felge)
  • Reinigungsmittel zum Entfernen von Kleberückständen

Los geht´s!

  1. Laufräder demontieren: Im ersten Schritt demontierst du die Laufräder und anschließend die Reifen von den Laufrädern. Die beiden Schläuche kannst du als Ersatz aufheben. Falls du unterwegs mal einen irreparablen Reifenschaden haben solltest, kannst du im Notfall immer noch einen Schlauch einsetzen.
  2. Felgenband montieren: Jetzt solltest du checken, ob deine Felge bereits mit ein Tubeless-Felgenband ausgerüstet ist,oder ob du ein neues verkleben musst. Ein Tubeless-Felgenband hat eine plastikartige Oberfläche und klebt in der Felge. Falls das nicht der Fall ist, gehst du so vor:
    • Entferne das alte Felgenband und reinige das Felgenbett von eventuellen Kleberesten und Schmutz.
    • Das neue Felgenband setzt du zwei Speichenlöcher vor dem Ventilloch an und ziehst es mit gleichmäßiger Spannung auf die Felge. Am einfachsten funktioniert das Verkleben, wenn du das Laufrad wieder in das Bike einbaust. Hast du keinen Montageständer, kannst du das Bike auch einfach auf den Kopf stellen. Achte allerdings darauf, dass du dein Bike dabei nicht verkratzt.
    • Am Ende lässt du das Felgenband wieder bis zwei Speichenlöcher nach dem Ventilloch überlappen, damit es dauerhaft fest sitzt.
    • Jetzt musst du nur noch eine Öffnung für das Ventil durch das Felgenband stechen. Eine Schere oder ein Messer funktionieren dazu bestens.
  3. Ventil montieren: Das Ventil steckst du einfach durch die Felge und ziehst die Mutter fest an. Manche Ventile haben einen ausgeformten Sockel, der nicht zu jeder Felgenform passt, in der Regel funktioniert die Montage allerdings problemlos. Wie vorhin bereits kurz angesprochen, solltest du die Länge des Ventils entsprechend deiner Felgenhöhe wählen. Für hohe Carbonfelgen sind beispielsweise längere Ventile notwendig.

    Wir empfehlen dir, dass du ein Ventil wählst, das mindestens 15 Millimeter aus der Felge herausragt, damit du keine Probleme beim Aufpumpen deiner Reifen bekommst.

  4. Reifen aufziehen: Für das Aufziehen des Reifens, beziehungsweise das Einfüllen der Dichtmilch später, gibt es zwei Taktiken.
    • Variante Eins: Bei der ersten Variante ziehst du den Reifen komplett auf die Felge auf und füllst die Dichtmilch anschließend durch das Ventil ein. Dazu schraubst du den Ventileinsatz heraus. Bei dieser Methode besteht allerdings die Gefahr, dass das Ventil durch die zurückbleibende Dichtmilch verklebt.
    • Variante Zwei: Variante zwei ist unserer Meinung nach etwas sauberer. Du montierst den Reifen zu 90 % bis auf einen kleinen Teil auf Höhe des Ventils. Hier füllst du die Tubeless-Milch ein und drückst anschließend die letzten 10% des Reifens über die Felge. Dabei ist etwas Geschick erforderlich.
  5. Reifen aufpumpen: Die meisten Reifenhersteller haben zwar mittlerweile den Dreh raus, wie sie gut abdichtende Reifen bauen: Es gibt allerdings immer noch vereinzelt Kombinationen, die etwas widerspenstig sind und nicht direkt den Druck halten. Nach dem Aufpumpen solltest du deinen Reifen anschließend horizontal auf beiden Seiten schwenken, damit sich die Dichtmilch im ganzen Reifen verteilen kann. Hier sind ein paar Tipps, wenn sich dein Reifen nicht direkt aufpumpen lässt:
    • Schraube den Ventileinsatz heraus, damit mehr Luft durch das Ventil strömen kann und versuche mit schnellen Pumphüben den Reifen so schnell wie möglich zu entfalten. Etwas Ausdauer bewirkt hier manchmal Wunder.
    • Klappt das nicht, musst du zur Druckluft greifen. Bei Tankstellen, Autowerkstätten oder Fahrradläden gibt es häufig Kompressoren, die du mit einem entsprechenden Adapter nutzen kannst. Wichtig ist, dass der Reifen einmal auf das Felgenhorn gesprungen ist. Auch mit einem Kompressor solltest du es erstmal ohne Ventileinsatz versuchen, denn dieser wirkt wie eine Drossel und verringert den Luftstrom.
    • Abschließend solltest du darauf achten, dass die Reifen richtig und gleichmäßig auf der Felge sitzen. Wenn dein Reifen an einer Stelle auch mit maximal zulässigem Luftdruck nicht auf das Felgenhorn springen möchte, solltest du die Luft nochmals ablassen und die Stelle mit etwas Seifenwasser befeuchten.

Die Wahl des richtigen Gravel Reifens

Ein Gravel Reifen steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Er muss schnell über den Asphalt flitzen und im nächsten Moment Grip auf Schotter beweisen. Auch der Rollkomfort und dein Fahrstil spielen eine große Rolle. Wir zeigen die verschiedenen Gravel Reifen Typen und erklären, was du für einen Tausch wissen musst.

Das moderne Gravelbiken hat sich aus dem klassischen Cross- beziehungsweise Querfeldein-Radsport heraus entwickelt. Immer mehr Rennradfahrer hegen den Wunsch, hin und wieder die Straße zu verlassen und dem Verkehr aus dem Weg zu gehen. Ein Blick auf die Landkarte offenbart ein unglaublich dichtes Netz an Wirtschafts-, Schotter- und Waldwegen. Hunderte Kilometer dieser Wege sind für Gravelbiker nutzbar. Du kannst die Natur intensiver genießen und nicht zuletzt dein Tourenrevier extrem erweitern.

Mit der Wahl des richtigen Reifens kannst du auch mit dem Gravelbike den einen oder anderen Flowtrail abreiten.

Aber auch Mountainbiker, die gerne sportlich auf Schotter- und Waldwegen unterwegs sind, entdecken das Gravelbiken für sich. In vielen Regionen, von flachem Terrain bis Mittelgebirge, ist das Gravelbike eine leichtgewichtige Alternative zum Hardtail-MTB.

Laufradgrößen bei Gravelbikes

Bei den Größenangaben von Laufrädern und Reifen hat sich traditionell die Angabe in der Maßeinheit „Zoll“ etabliert. Leider, muss man sagen. Denn die Zollangaben sind ungenau und schaffen mehr Verwirrung als Klarheit. Besser ist es, sich mit der so genannten ETRTO-Angabe vertraut zu machen. Diese Zahlenkombination steht auf der Seitenflanke jedes Reifens, zum Beispiel 33-622. Sie gibt unmissverständlich den Durchmesser und die Breite des Reifens in Millimetern an. In diesem Fall 33 mm Breite und 622 mm Durchmesser.

Außerdem gibt es auf der Flanke oft Empfehlungen für den Luftdruck.

  • Klassisches Gravelbike: 28 Zoll (622 mm)

    Das Gravelbike Stammt vom Rennrad ab. Aus diesem Grund ist ein Laufraddurchmesser von 28 Zoll die meist-verbreitete Variante. Bei der ETRTO Angabe, zum Beispiel 40-622, entspricht dieser Felgen- bzw. Reifendurchmesser dem Wert 622 (Millimeter).

  • Vielseitiges Gravelbike: 27,5 Zoll (584 mm)

    Manche modernen Gravelbikes kommen mit 27,5-Zoll-Laufrädern, was einem Felgendurchmesser von 584 Millimetern entspricht. Es gibt auch Gravelbikes, bei denen man die Wahl zwischen 28- und 27,5-Zoll-Rädern hat. Generell bietet 27,5 Zoll die Möglichkeit, breitere und damit auch voluminösere Reifen zu montieren. Allerdings müssen Rahmen und Gabel für diese Option eine große Reifenfreiheit aufweisen. Sprich: Hinterbau, Kettenstreben und Gabelscheiden stehen weit genug auseinander (siehe auch Absatz „Reifenfreiheit“).

  • Selten: 29 Zoll-Gravelbike (622 mm)

    Hier wird wird die Merkwürdigkeit der Zoll-Angaben besonders deutlich, denn ein 29-Zoll Laufrad weist in Millimetern denselben Durchmesser wie ein 28-Zoll-Laufrad auf: 622 Millimeter. Man hat jedoch die Möglichkeit, besonders breite Reifen aufzuziehen. Ergo besitzen (die seltenen) 29-Zoll-Gravelbikes eine große Reifenfreiheit an Hinterbau und Gabel.

Was muss ein Gravel Reifen können?

Eine typische Graveltour verläuft in der Regel über einen Mix aus Schotterwegen und Straßen oder asphaltierten Radwegen. Die Wahl des richtigen Reifens hängt unter anderem davon ab, in welchem Verhältnis diese Untergründe zueinander stehen. Gravelbiker, die Straßen bewusst und so oft wie möglich meiden, werden eher mit einem voluminösen, stärker profilierten Reifen glücklich. Bei umgekehrten Anteilen ist ein Semislick mit leichten Seitenstollen und glatter Lauffläche die beste Wahl sein. Generell muss ein Gravel Reifen jederzeit ein komfortables Fahrgefühl vermitteln und sicheren Halt in Kurven gewährleisten. Außerdem ist ein guter Pannenschutz wichtig, schließlich geht es über Stock und Stein.

Komfort und Traktion

Grundsätzlich ist es Geschmacksache, welche Reifenbreite man am liebsten fährt. Fakt ist jedoch: Je breiter und voluminöser ein Reifen ist, desto komfortabler ist sein Fahrverhalten. Beim Gravelbike ist der Komfort des Reifens umso wichtiger, da das Fahrwerk selbst in der Regel ungefedert ist. Zweiter wichtiger Faktor ist der richtige Luftdruck. Er sorgt letztendlich dafür, dass neben dem Komfort auch die Traktion des Reifens optimal ist. Also, wie gut sich die Lauffläche an den Untergrund anschmiegen kann. Und hier ist weniger meist mehr! Denn das beste Profil nützt in der Schotterkurve nichts, wenn der Reifen prall aufgepumpt ist.

Tipp: Eine kurze Testrunde mit verschiedenen Untergründen hilft dabei, den richtigen Luftdruck zu finden. Am besten mit (zu) viel Luftdruck anfangen und beim Start zu jeder neuen Runde den Druck um einen definierten Wert verringern. Zum Beispiel 0,2 Bar. Du wirst dich wundern, wieviel dieser geringe Wert bereits bewirkt. Das optimale Verhältnis zwischen Komfort und Traktion ist erreicht, wenn der Halt in Kurven Sicherheit vermittelt, sich das Bike aber noch nicht schwammig anfühlt. Bei wenig Luftdruck sollte man auch die Gefahr von Durchschlägen im Auge behalten.

Reifenfreiheit des Rahmens checken

Die maximale Breite der Reifen an deinem Gravelbike begrenzen der Hinterbau des Rahmens und die Gabelscheiden. Zu diesem Wert gibt es in der Regel eine Herstellerangabe, also beispielsweise 48 Millimeter. Die weiteren Möglichkeiten: Ausprobieren oder selbst nachmessen zwischen Kettenstreben, Sattelstreben und Gabelscheiden. Wobei man letztendlich mit dem Reifen nicht bis auf Haaresbreite an diese Bauteile heran gehen sollte. Zum einen verformt sich das Laufrad geringfügig in manchen Fahrsituationen. Zum anderen kann Schmutz eine Kruste auf dem Profil bilden, die entsprechend einige Millimeter dick aufträgt.

Unser Tipp: Mindestens 4 Millimeter Spielraum zwischen Reifen und Rahmen lassen.

Der passende Gravel Reifen für jeden Einsatzbereich

Sportliche Gravelbiker, die maximal auf feinem Schotter und festen Naturbelägen unterwegs sind, wählen in der Regel Reifen zwischen 30 und 40 Millimeter Breite. Vielseitiger einsetzbar sind Gravelreifen zwischen 40 und 50 Millimeter Breite oder sogar noch voluminöserem Querschnitt. Breite, Volumen und Luftdruck sind für Komfort und Traktion aber fast wichtiger als das Profil.

Sind Tubeless-Systeme sinnvoll am Gravelbike?

Schlauchlos-Systeme etablieren sich immer mehr an allen Fahrradtypen. Im Rennsport sind sie sogar nicht mehr wegzudenken, zum Beispiel in der Mountainbike Szene.

Die Vorteile generell:

  • Tubeless Bereifung kann mit sehr wenig Luftdruck gefahren werden, da die Gefahr von Durchschlägen sehr gering ist.
  • Das heißt, Traktion und Rollkomfort sind spürbar besser als bei normalen Systemen mit Schlauch.
  • Und kleinere Löcher verschließt die eingebrachte Dichtmilch selbstständig während des Fahrens.
  • Zu guter letzt sparen Tubeless-Systeme Gewicht am Gravelbike.

Voraussetzungen und Nachteile:

  • Laufräder und Felgen müssen für Tubeless-Systeme vorbereitet sein.
  • Die Montage erfordert Zeit und eine gewisse Expertise.
  • Ein größerer Reifenschaden unterwegs kann das Aus der Tour bedeuten.

Für alle Fälle sollte ein Schlauch mitgeführt werden - was jedoch den Gewichtsvorteil reduziert.

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