Riemen oder Kette: Welcher Antrieb ist besser für dein E-Bike?

Immer mehr E-Bikes werden mit Riemen statt Kette angeboten. Hersteller wie Lemmo lassen euch beim Antrieb die Wahl - Kette oder Riemen? Beides hat gewisse Vor- und Nachteile. Die Frage, welches Antriebskonzept besser ist, ist jedenfalls nicht leicht zu beantworten. Mitunter wird die Diskussion darüber emotional geführt.

Immer mehr moderne E-Bikes und Fahrräder fahren mit Riemenantrieb vor. Dem Riemen eilen handfeste Vorteile voraus. Er ist sauber, muss nie geölt werden und ist quasi wartungsfrei. Ganz im Gegensatz zur Kette.

Hersteller wie das Berliner Unternehmen Lemmo bieten nicht grundlos ein und dasselbe Rad wahlweise mit Riemen oder Kette an. Wir waren mit dem Lemmo One eine zeitlang mit Kettenantrieb und eine zeitlang mit Riemenantrieb unterwegs und erläutern nachfolgend - ganz sachlich - die Vor- und Nachteile des jeweiligen Konzeptes.

Fahrdynamik und Schaltung

Es gibt fahrdynamische Unterschiede zwischen einem E-Bike oder Fahrrad mit Kettenantrieb und einem mit Riemenantrieb. Im direkten Vergleich fallen diese jedoch eher gering aus. Da Lemmo wie viele andere E-Bike-Hersteller auch einen Nabenmotor im Hinterrad verbaut, ist kein Platz mehr für eine Nabenschaltung.

So ist die Version mit Riemenantrieb mit nur einem Gang ausgestattet, während die Kettenvariante mit 10 Gangstufen vorfährt.

Sauberkeit und Wartung

Dieser Vorteil des Riemens gegenüber der Kette ist nicht von der Hand zu weisen. Fasst bei nächster Gelegenheit einmal an einen Fahrradriemen, wenn ihr ein geparktes Rad am Straßenrand seht. Keine Sorge, eure Hände bleiben garantiert öl- und schmierfrei. Das ist bei der Kette anders. Sie will, um lange zu halten, gesäubert und geölt, sprich: gepflegt werden.

Unter rauen Bedingungen, etwa im Winter, wenn Salz auf den Straßen und Radwegen liegt, sogar bestenfalls nach jeder Fahrt. Wir finden den Riemenantrieb gerade bei Falträdern praktisch, denn beim Hantieren mit dem Faltmechanismus kommt es garantiert zum Kontakt zu Kette oder Riemen.

Der offensichtlichste Vorteil von Antriebsriemen am Fahrrad und E-Bike ist, dass kein Öl mehr im System ist, das Schmutz anzieht und weiter verteilt. Carbonriemen benötigen keinen Schmierstoff, es reicht, wenn du den gröbsten Schmutz mit Wasser und einem Tuch abwischst. Auch ohne Schmierstoff macht der Riemen so gut wie kein Geräusch beim Fahren, die Kraftübertragung ist auf ähnlichem Niveau wie bei einer ordentlich gepflegten Kette.

Allerdings funktioniert der Riemen nur mit Naben- oder Getriebeschaltungen sowie an Singlespeedbikes. Kettenschaltungen und Riemen passen - das steht schon im Namen - nicht zusammen. Ketten hingegen sind flexibler und können in Kombination mit allen Schaltungsarten genutzt werden.

Lebensdauer und Kosten

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Kette nach einer Laufleistung von rund 10.000 Kilometern gewechselt werden soll beziehungsweise muss. Diese Aussage beruht sowohl auf Erfahrungswerten als auch auf den Herstellerangaben. Riemenantriebe wie hier am Lemmo One sind eine saubere Sache. Doch auch die Kette hat ihre Daseinsberechtigung noch lange nicht verloren. Denn nur die wenigsten Radfahrer oder E-Bikerinnen putzen ihre Kette akribisch, ölen und pflegen sie.

Ein Riemen hat eine deutlich längere Lebenserwartung. Der Pressedienst Fahrrad gibt als Faustregel an, dass ein Riemen etwa dreimal so lange hält, wie eine Kette. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, etwa, wenn der Riemen nicht exakt in der so genannten Riemenlinie läuft.

Schaut man sich im Ersatzteilhandel um, schlägt ein Riemen mit mindestens 50 Euro zu Buche. Die bekannten Gates Carbon Riemen kosten schnell auch einhundert Euro und mehr. Die klassische Fahrradkette hingegen gibt es zu Preisen ab zehn Euro aufwärts. Dennoch kann man nicht pauschal von der "günstigen Kette" und dem "teuren Riemen" sprechen.

Denn zum einen kommen beim Kettenantrieb Kosten für Öle, Wartung und den höheren Verschleiß hinzu. Auf der anderen Seite sind Fahrräder und E-Bikes mit Riemenantrieb in der Anschaffung teurer, da der Antrieb schon in die Planung des Rahmens mit einfließen muss.

Selbst bei optimaler Pflege kommen Ketten selten auf 10.000 Kilometer Laufleistung, empfohlen wird zumeist sogar, eine Kette nach 2.000 oder 3.000 Kilometer zu wechseln. Mit der Zeit dehnt sich die Kette aus und droht irgendwann, Ritzel zu beschädigen. Infolgedessen kann die Kette dann beim Treten sogar durchrutschen, was im schlimmsten Fall sogar Radler*innen zu Fall bringen kann.

Riemenhersteller werben damit, dass fünfstellige Kilometerzahlen mit ihrem Antriebssystem locker drin sind. Um die Kosten von Ketten und Riemen miteinander zu vergleichen, solltest du nicht nur die Anschaffung, sondern auch die Lebensdauer ins Verhältnis setzen. Wenn der Riemen zwar doppelt so teuer wie eine Kette ist, aber dreimal so lange hält, kommst du auf Dauer günstiger weg. Überdies kann dir der Riemen nicht nur einige Euro sparen, sondern auch Zeit, die du oder dein Fahrradmechaniker beim Reinigen und Wechseln der Antriebsteile einer Kettenschaltung verbringst.

Während eine Kette zwar gereinigt werden muss, aber mit geübten Händen schnell gewechselt ist, dauern Ein- und Ausbauen des Riemens etwas länger. Zunächst: Um den Riemen unter Spannung zu halten, muss bei vielen E-Bikes der Rahmen geöffnet und der Riemen als Ganzes auf die Ritzel gebracht werden. Zusätzlich muss das Hinterrad exakt ausgerichtet werden.

Eignung für verschiedene Fahrertypen und Bedingungen

Insbesondere im Winter kommt das System Kettenschaltung an seine Grenzen: Streusalz und Feuchtigkeit setzen dem Material zu. Sorgenfrei fahren im Winter, weniger Wartung insgesamt: Der Riemen spielt seine Stärken eindeutig an Alltagsfahrrädern aus. Und ganz nebenbei kannst du auch Reinigungstuch und Kettenöl im Rad-Urlaub zu Hause lassen. Grundsätzlich gilt, dass besonders E-Bikes profitieren, da die Last vom Mittelmotor zur Hinterradnabe insgesamt größer ist, was bei Ketten zu höherem Verschleiß führt.

Sportfahrräder - Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes - werden auch in absehbarer Zeit mit Kettenschaltung angetrieben. Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten, ist ein Riemenantrieb geeignet. Selbst bei hoher Beanspruchung und wenig Pflege dürfte ein Riemen über Jahre keine Probleme verursachen. Der jährliche Radservice, den du ohnehin bei E-Bikes in Anspruch nehmen solltest, sollte verschlissene Riemen rechtzeitig erkennen.

Grundsätzlich sind Kettenantriebe immer da im Einsatz, wo wir über Sport sprechen. Mountainbiker, Rennradfahrer oder auch performance orientierte Gravelbiker fahren mit Kette.

Auch für jene, die ihr Fahrrad öfter mal im Auto transportieren, ist die Überlegung sinnvoll, lieber auf den Kettenantrieb zu zählen, wenn das Hinterrad für den Autotransport ausgebaut werden muss.

Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter ist der Riemenantrieb auf jeden Fall eine Überlegung wert. Wer schmutzfrei ankommen möchte, geringen Wartungsaufwand und eine hohe Lebensdauer schätzt, ist damit bestens bedient. Kaum verwunderlich also, dass die Nachfrage nach dem Carbongurt steigt. Das Prinzip gleicht dem eines klassischen Kettenantriebs: Statt einer Kette mit unterschiedlichen Ritzeln hat man einen Riemen mit keilartigen Zähnen, der über zwei Riemenscheiben läuft. Dieser besteht aus extrem zugfesten und langlebigen Carbonfasern.

Vor- und Nachteile im Überblick

Riemenantrieb

  • + Längere Lebensdauer
  • + Wenig Wartungsarbeiten, kaum Reinigung notwendig
  • + Verschleißt nicht so stark bei hohen Lasten
  • + Geringe Unterhaltskosten
  • - Meist etwas teurer in der Anschaffung
  • - Weniger sportliches Schaltverhalten
  • - Radausbau im Pannenfall möglicherweise kompliziert
  • - Macht oft Geräusche beim Fahren

Kettenantrieb

  • + Bekanntes, bewährtes Prinzip
  • + Günstig in der Anschaffung
  • + Kettenschaltung bietet dynamischeres Fahrverhalten und für steile Anstiege
  • + Schneller, unkomplizierter Service im Schadensfall
  • - Muss regelmäßig geölt werden
  • - Verschleißt relativ schnell, besonders an E-Bikes

Zusätzliche Aspekte

Kette oder Riemen - was ist der bessere Antrieb? Darüber lässt sich trefflich diskutieren. In Kombination ist der Wirkungsgrad, sofern die Kette gut gepflegt und gut geölt wurde, höher als beim Riemen, der nur in Verbindung mit einer Naben- oder Getriebeschaltung verbaut werden kann.

Doch solltet ihr euch am Thema Wirkungsgrad nicht allzu sehr abarbeiten. Im Alltag kommt es viel eher auf eure persönlichen Vorlieben an. Seid ihr eher der "Wartungsmuffel", dann bietet euch der Riemenantrieb handfeste Vorteile. Wer kein Problem mit dem gelegentlichen Säubern und Ölen der Kette hat, kann unter Umständen sparen und ist einen Tick effizienter unterwegs.

Wer auf einem unterstützenden Pedelec unterwegs ist, muss sich über die Effizienz des Antriebs ohnehin nur wenig Gedanken machen, da der Motor die höhere Reibung im Zweifel egalisiert. Den "besseren" Antrieb gibt es nicht.

Obwohl der breite Riemen etwas weniger dynamisch daherkommt als die feingliedrige Kette, gibt es kein nennenswertes Plus, was den Widerstand beim Fahren angeht.

Riemenantrieb nachrüsten

Die Nachrüstung eines Fahrrades mit einem Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich, wobei einige Faktoren zu beachten sind. Zunächst ist zu prüfen, ob der Fahrradrahmen mit einem Rahmenschloss ausgestattet werden kann, um den geschlossenen Riemen aufziehen zu können. Bei Stahlrahmen ist dies deutlich einfacher als beispielsweise bei Aluminium- oder Carbonrahmen.

Ist der nachträgliche Einbau eines Rahmenschlosses nicht möglich, kannst du auch einen teilbaren Riemen verwenden. Damit entfällt das Öffnen des Rahmens mit einem Rahmenschloss. Dies gilt jedoch nicht für die Kettenblätter und Ritzel. Diese müssen in beiden Fällen durch Riemenscheiben ersetzt werden, da ein Riemen nur auf spezielle „Antriebsräder“ aufgezogen werden kann. Grundvoraussetzung ist übrigens auch eine Naben- oder Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Hinterrad. In Kombination mit einer Kettenschaltung ist die Montage eines Riemens nicht möglich.

Bei senkrechten Ausfallenden des Fahrradrahmens ist zusätzlich die Montage eines Riemenspanners erforderlich, da der Riemen sonst nicht auf die erforderliche Spannung gebracht werden kann. Bei waagerechten Ausfallenden ist dies nicht notwendig, da das Hinterrad horizontal verschoben werden kann, um den Riemen zu spannen.

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