Münster ist weit über seine Grenzen hinaus als Fahrradstadt bekannt. Aber auch rund um Münster ist das Radfahren ein tolles Erlebnis. Sei es Natur oder Kultur: hier ist für jede und jeden was dabei. Entdecke romantische Burgen und Herrenhäuser, idyllische Landschaften mit weiten Feldern und Wäldchen sowie pittoreske Dörfer. Eben typisch münsterländisch!
Einst eine Verrieselungsfläche für das Münsteraner Abwasser, sind die Rieselfelder heute eines der beeindruckendsten Vogelschutzgebiete im Münsterland. Die Rieselfelder liegen zwischen Münster und Gimbte und sind ein beliebtes Ausflugsziel für Naturliebhaber. Ein Aussichtsturm und eine Vielzahl an Beobachtungspunkten sowie mehrere Rundwanderwege bieten einen wunderschönen Ausblick auf die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.
Vier entspannte Radtouren um Münster
Noch keine Idee, wo du lang fahren sollst? Hier kommen vier Ausflugsmöglichkeiten, die sich wie ein Kompass in alle vier Himmelsrichtungen von Münster aus erstrecken. Du hast die Wahl: Wird es eine Tour durch die Rieselfelder, durch die Flusslandschaften südlich der Stadt, entlang dem Flüsschen Werse oder doch vorbei an prächtigen Adelssitzen?
Das Schöne bei allen vier Routen: Sie sind angenehm flach und nur zwischen 24 und 31 Kilometer lang. Du kannst also jede Tour ganz gemütlich fahren und dir viel Zeit für die Attraktionen auf dem Weg nehmen. Oder du kombinierst mehrere Touren zu einer langen.
Tour zu den Rieselfeldern
Von der Münsteraner Innenstadt in das atemberaubende Naturreservat der Rieselfelder sind es nur rund 10 Kilometer! Du startest im Zentrum und radelst an der Promenade entlang, dann durch den malerischen Wienburg Park. Bevor du in das Biotop eintauchst, kannst du im charmanten Café Heidekrug eine Pause einlegen. Schließlich erblickst du die Stauteiche, Weiden und Obstbäume des Feuchtgebietes. Auch Störche, Heckrinder und einige andere Tierarten sind hier beheimatet. Du kannst die Rieselfelder auf eigene Faust erkunden oder an einer geführten Tour in der Biologischen Station teilnehmen. Nach diesem Naturerlebnis geht es weiter durch das sympathische Örtchen Gimbte sowie die Bockholter Berge; ein weiteres Naturschutzgebiet geprägt von Wald und einer sandiger Dünen- und Heidelandschaft. Zurück nach Münster folgst du einfach dem Dortmund-Ems-Kanal.
Tour zu den Flusslandschaften
Wasser ist das prägende Element dieser Radtour im Süden Münsters. Von der Innenstadt fährst du zum Dortmund-Ems-Kanal und kannst einen Blick in den Stadthafen werfen. Du hast die Stadt noch nicht ganz hinter dir gelassen, aber schon fährst du durch friedvolle Natur. Dort, wo die Angel in die Werse fließt, liegt das kleine Örtchen Angelmodde. Schau dich hier um und entdecke hübsche Gebäude wie die katholische Pfarrkirche St. Agatha. Von hier aus folgst du die nächsten Kilometer den Schleifen der Werse bis nach Albersloh. Dann geht es durch den Wald, vorbei am Wasserwerk Hohe Ward. Bevor du am Dortmund-Ems-Kanal entlang zurück nach Münster fährst, passierst du den Hiltruper See. Hier darfst du zwar nicht baden, aber am Ufer gemütlich verweilen.
Tour an der Werse
Die Werse ist ein besonders strömungsarmer Fluss im Münsterland. Sie entspringt in der Nähe von Beckum und mündet bei Münster in die Ems. Hier vor den Toren der Unistadt schlängelt sie sich durch die romantische Parklandschaft. Ein Radausflug entlang des Flusses ist Idylle pur!
Los geht die Tour an der Promenade im Zentrum Münsters. Die ersten Highlights auf der Route lassen nicht lang auf sich warten. Da wäre beispielsweise der Dortmund-Ems-Kanal, wo du den Schiffsverkehr beobachten kannst. Kurz darauf folgt die Dyckburg-Kirche: Sie ist ein hübsches Ensemble, das von Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun erbaut wurde. Durch den Park von Dyckburg radelnd erreichst du schließlich die Werse, die friedlich durch die Landschaft plätschert. Für eine Rast bietet sich die Pleistermühle an; sie gehört zu den schönsten Ausflugsgaststätten in der Region. Auf deinem Rückweg passierst du noch das hübsche Haus Lütkenbeck und überquerst erneut den Dortmund-Ems-Kanal.
Tour auf den Spuren von Annette von Droste-Hülshoff
Du hast den Namen Annette von Droste-Hülshoff noch nicht gehört? Nun, sie war eine der bedeutendsten Dichterinnen des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus auch Komponistin. Auf dieser Tour erkundest du einige ihrer Lebensstationen im Westen Münsters: zum Beispiel das wunderschöne Haus Rüschhaus, das von Johann Conrad Schlaun erbaut wurde. Hier wohnte Annette nach dem Tod ihres Vaters. Dann führt dich dein Weg weiter zur Burg Hülshoff. Die gut erhaltene und romantische Wasserburg ist der Geburtsort der Autorin. Hier findest du ein Museum, das sich der Droste widmet sowie ein Café, das zu einer Pause einlädt. Auf deiner Rückfahrt kommst du an weiteren Attraktionen wie dem Allwetterzoo und dem Freilichtmuseum Mühlenhof vorbei.
Detaillierte Informationen zur Radtour durch die Rieselfelder
Vom Bahnhof führt die Radtour zur Promenade von Münster. Kurze Zeit später ist der Wienburgpark erreicht. Die grüne "Oase" leitet über in den ländlich geprägten Teil von Münster. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer zum Naturschutzgebiet der Rieselfelder. Es lohnt sich immer wieder anzuhalten und an den Aussichtspunkten einen Blick auf die zahlreichen Wasserflächen zu werfen. Aus den Beobachtunghütten lassen sich zahllose Vogelarten beobachten. Nicht umsonst werden die Rieselfelder als "Europareservat" gekennzeichnet. Dazu faszinieren zahllose weitere Tiere und eine abwechslungsreiche Fauna. Mehr Informationen gibt es an der Biologischen Station an der Radroute. Deutlich waldreicher präsentiert sich im Anschluss das Landschaftsschutzgebiet der Bockholter Berge. Höhenmeter während der Radtour sind allerdings auch hier nicht zu erwarten. Zwischen den beiden Naturräumen lockt der schöne Ortsteil Greven-Gimbte. Ein herrlicher Platz für eine Rast in idyllischer Umgebung.
Der Dortmund-Ems-Kanal ist der ständige Begleiter auf dem Rückweg nach Münster. Immer wieder lassen sich die Frachtschiffe auf dem Kanal beobachten. Die Radtour ist perfekt für die Anreise mit der Bahn geeignet. Die Route beginnt am Hauptbahnhof von Münster mit seinen zahllosen Zugverbindungen. In unmittelbarer Nähe liegt zudem der Busbahnhof von Münster mit vielen Verbindungen innerhalb der Stadt und in die umliegende Region.
Hinweis zur Wegführung
Bei Fahrten im Uhrzeigersinn verlässt die Radroute das Knotenpunktnetz am Knotenpunkt 26 und folgt von dort der Beschilderung in Richtung Greven-Gimbte bis zum Knotenpunkt 70.
Bei Fahrten gegen den Uhrzeigersinn verlässt die Radroute das Knotenpunktnetz am Knotenpunkt 70 und folgt von dort zunächst der Beschilderung in Richtung Rieselfelder.
Die Rieselfelder im Detail
Die Rieselfelder sind in zwei Bereiche aufgeteilt. Im Norden liegt das eigentliche Naturschutzgebiet, welches nur bedingt zugänglich ist. Im Süden gibt es ein Naturerlebnisgebiet, das frei zugänglich ist. Hier gibt es mehrere Rundwanderwege, einen Aussichtsturm und tolle Beobachtungspunkte mit Blick in die wunderschöne Natur.
Welche Stadt kann von sich behaupten, dass sie acht Kilometer vom Rathaus entfernt ein Europareservat für Wasser und Watvögel hat? Münster unterhält mit den Rieselfeldern einen international bedeutenden Rastplatz für Zugvögel - ein lebenswichtiger und idealer Standort zwischen Afrika und Skandinavien. Seit 1979 sind die Rieselfelder ein Europäisches Vogelschutzgebiet, was rechtsverbindlich ist.
Auf über vier Quadratkilometern verteilen sich über 100 kleinere und größere Wasserflächen - ein Paradies für Vögel. Die mosaikartig aufgeteilten Teichzonen sind meistens nur 10 bis 30 Zentimeter tief. Zwei tiefere Stauteiche gibt es, die etwa bis 1,50 Meter reichen. Breite Schilfgürtel leuchten in der Morgen und Abendsonne des Frühlings in einem warmen Goldockerton - Ende Mai wachsen dann frische grüne Schilfrohre nach, während die alten Halme langsam verrotten. So gibt das Schilf über das ganze Jahr Sicht und Lärmschutz für Vögel, Insekten und allerlei Getier.
Es ist ein Naturerlebnis für alle Münsteraner und Münsteranerinnen - und für Ornithologen, die wegen der Rieselfelder teils von weit her anreisen, um hier Vögel zu beobachten. Zu ihnen gehört Privatdozentin Dr. Bettina Zeis. Die Wissenschaftlerin am Institut für Zoophysiologie an der Westfälischen Wilhelms- Universität (WWU) ist häufig in den Rieselfeldern, weil sie hier Lehrveranstaltungen für ihre Studenten durchführt.
„Ich finde es sehr wichtig, dass wir Tiere und Pflanzen kennen und wenigstens einige Vögel ihrer Art zuordnen können“, sagt Dr. Bettina Zeis.
Praktisch für Mensch und Tier sind die zehn Beobachtungshütten. Versteckt für die Vögel steht man hinter Holzwänden und beobachtet durch die Fenster, ohne zu stören.
Dr. Hans-Uwe Schütz, Mitarbeiter der Biologischen Station der Rieselfelder Münster, fasst die Geschichte des Vogelparadieses gut zusammen: „Ursprünglich wuchs auf diesen Flächen lückiger ein Stileichen-Hainbuchenwald, es war das ‚Allmend-Land‘ der Gemeinde St. Mauritz, wo deren Vieh zum Weiden aufgetrieben wurde“, sagt er. Die heute noch in Karten angedeuteten Flurnamen „Coerheide“ und „Gelmer Heide“ sind Zeugnis von der Öffnung der Landschaft durch die historische Viehhaltung.
1899 wurden die „Rieselfelder“ angelegt, so hießen die Flächen für ein weit über 100 Jahre altes Verfahren zur Abwasserreinigung. Kritisch wurde es mit dem Bau der neuen Kläranlage 1975 - die Rieselfelder drohten trocken zu fallen. Noch schlimmer: Die Stadt Münster überlegte, ein Industriegebiet anzusiedeln. Die Münsteraner protestierten auf dem Prinzipalmarkt, die Mitarbeiter der Biologischen Station ebenso. Sie wurden gehört und die Rieselfelder blieben der Natur und der Naherholung erhalten.
Im April beobachtet Dr. Hans-Uwe Schütz von der Biologischen Station unter anderem Bartmeisen, Blaukehlchen und Rohrammern. „Das sind Singvögel, deren Lebensräume an das Schilf gebunden sind“, erklärt er. Aber auch die Watvögel staksen dann mit ihren hohen Beinen durch das Wasser - etwa der Kibitz, die Uferschnepfe oder der Kampfläufer. Die Watvögel haben die weiteste Anreise unter allen Rieselfelder-Vögeln.
„Nicht zu überhören ist die Kanadagans“, findet Patrick Günner. Es klingt wie „Ah-Ronk“ mit Betonung auf der zweiten Silbe. Die großen Zugvögel erkennt man an den schwarzen Köpfen und dem weißen Kinnband. Kanadagänse lösen Sehnsucht aus, auf Reisen zu gehen.
Vom Kanal an das Vogelmeer: Routenbeschreibung
Ein guter Treffpunkt für den Start ist die Warendorfer Straße: Dort fährt man auf der östlichen Kanalseite in Richtung Norden bis zur Schleuse. Die Schleuse überquert man - und Achtung: wir folgen dem Weg links, der einer Schleife folgend auf den Radweg der westlichen Kanalseite führt. So rollt man am Wasser entlang, lässt das Industriegebiet am Schifffahrter Damm hinter sich, bis der Radweg endet. Links abbiegen, auf der linken Hand blickt man schon über die Beweidungsflächen der Rieselfelder. Der Fahrstraße folgen, dann links. Bald taucht die Biologische Station auf. Der Straße Coermühle folgend biegt am Ende des großen Teiches ein befestigter Naturweg links ein. Gleich anfangs steht die erste Beobachtungshütte. Jetzt taucht man in die Rieselfelder Atmosphäre ein. Fußgänger und Radfahrer teilen sich rücksichtsvoll den Weg. Vom Aussichtsturm gewinnt man einen Überblick. Unsere Tour folgt dem Weg, der rechts abbiegt (links) steht eine weitere Beobachtungshütte, Entlang des Emsableiters kann man unterwegs immer wieder durch die Lücken im Schilf auf die Wasserflächen blicken. Der Weg biegt rechts ab und gabelt sich daraufhin ein weiteres Mal. Vor dem Linksabbiegen empfiehlt sich die Stippvisite des Schilflehrpfades. Weiter auf dem Weg zur Straße Coermühle, dann links zum Rieselfelderhof. Ist die Gaststätte Heidekrug geöffnet, kann man hier einkehren. Ansonsten ein Blick nach oben: Sind die Störche im Horst? Gegenüber der Gaststätte führt die Route Richtung Reiterhof Bölting, geradeaus bis zum Messingweg, dort links Richtung Sprakel. Nach dem Bahnübergang rechts, der Weg macht dann erst einen Links-, dann einen Rechtsschlenker und an der Kreuzung kurz vor Sprakel biegen wir rechts ab, es geht wieder über die Bahn. Wenn wir auf die Gimbter Straße stoßen, geht es rechts. Die Straße führt über die Aa , der nächste Weg rechts führt zurück in die Rieselfelder (Alternativ würde ein wenig später rechts der Hessenweg auftauchen). Immer dem Weg folgen, bis links zwischen den Wasserflächen der Weg „An der Schlüppe“ quert, hier links, am Ende rechts, so kommt man zur Biologischen Station zurück. Der Rückweg folgt dem Hessenweg nach rechts. Wie auf dem Hinweg geht es am Kanal zurück in die Stadt.
Anreise und Parkmöglichkeiten
- Adresse Biologische Station: Coermühle 181
Aufgrund der Sperrung eines Teilstücks der Coermühle ist die Biologische Station Rieselfelder Münster mit Kraftfahrzeugen nur von Norden her über den Hessenweg erreichbar. An der Biologischen Station gibt es Parkraum für 10-15 PKW. Weitere ca. 10 Stellplätze gibt es am Hessenweg an der Kanalbrücke, ca. 15 Gehminuten von der Station entfernt.
- Adresse Gaststätte „Heidekrug“ und Rieselfeldhof: Coermühle 100
Aufgrund der Sperrung eines Teilstücks der Coermühle sind die Gaststätte „Heidekrug“ und der Rieselfeldhof inklusive dem Seminargebäude und der Ausstellung mit Kraftfahrzeugen nur von Süden her erreichbar. Hier gibt es Parkraum für ca. 60 PKW.
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Fahren Sie mit der Bahn bis Münster Hauptbahnhof. Zum Europareservat bringt Sie von dort die Buslinie 4 Richtung Gelmer, Haltestelle Rieselfelder. Auf der anderen Seite des Kanals beginnt bereits das Vogelschutzgebiet.
Anreise mit dem Fahrrad ab Münster Hauptbahnhof (Vorschlag)
Verlassen sie das Bahnhofsgebäude in Richtung Innenstadt und faheren sie auf dem Radweg nach rechts. Sie befinden sich auf der Friedrichstraße in Richtung Warendorf. An der nächsten größeren Kreuzung fahren Sie geradeaus auf die „Piusallee“. Überqueren Sie den „Niedersachsenring“. Fahren Sie weiter geradeaus, bis Sie rechts in den „Hohen Heckenweg“ einbiegen. Folgen sie diesem bis zu der Bahn-Unterführung. Hier biegen sie hinter der Überführung links auf die Straße „Im Hagenfeld“ ab. Folgen sie nun der Bahn bis zur Coermühle. Biegen sie rechts ab, und folgen der Straße ca. 400m bis zur Gaststätte Heidekrug.
Überblick über die Radtouren
| Tour | Länge | Schwierigkeit | Dauer (ca.) |
|---|---|---|---|
| Tour zu den Rieselfeldern | 31,2 km | Leicht | 2 Stunden (bei 16,8 km/h) |
| Tour zu den Flusslandschaften | 31,3 km | Mittelschwer | 2 Stunden (bei 15,6 km/h) |
| Tour an der Werse | 24,1 km | Leicht | 1,5 Stunden (bei 14,6 km/h) |
| Droste-Tour | 27,4 km | Leicht | ca. |
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