Rocker Mini Bikes Test: Ein umfassender Überblick

In der Welt der E-Mountainbikes gibt es eine Vielzahl von Modellen, die unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben ansprechen. Dieser Artikel beleuchtet einige interessante Optionen, von potenten Enduro-Bikes bis hin zu agilen Trailbikes, und bietet einen umfassenden Überblick über ihre jeweiligen Stärken und Schwächen.

RADON DEFT: Das E-Enduro mit fairem Preis-Leistungs-Verhältnis

2022 brachte RADON das DEFT erstmals auf den Markt und positionierte damit ein potentes BOSCH-Enduro zu einem erstaunlich fairen Preis. Für 2025 wurde das Modell nun umfassend überarbeitet und kommt mit dem neuen Bosch-CX-Motor der fünften Generation. Zudem wurde der Reach verlängert, was die Geometrie spürbar moderner macht. Mit dem Deft stellt Radon dem ursprünglichen Topseller Render seit einigen Jahren einen großen Bruder zur Seite. Gerade erst bekam das Bike eine wichtige Frischzellenkur. Im Unterrohr steckt nun der neue Bosch CX 5 samt Power-Update und dickem 800er Akku. Geblieben ist das Radon-typische Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dass man beim deutschen Direktversender Radon extrem viel Ausstattung für sein Geld bekommt, ist kein Geheimnis. Das gilt auch für das E-Enduro Deft. Mit dem RADON DEFT 10.0 750 2023 schickt der Online-Versender sein Bike fürs Grobe ins Rennen. Für einen Preis von 6.799 € bekommt man 170 mm Federweg und das Bosch Performance CX Smart System mit 750-Wh- Akku, verpackt in einen Carbon-Rahmen mit Alu-Hinterbau. Der stylische Hauptrahmen mit doppelter Verstrebung zwischen Ober- und Unterrohr, was die vordere Dämpferaufnahme bildet, wird aus Carbon gefertigt und mit einem Aluminiumhinterbau verknüpft. Vorne wie hinten rollt das Deft auf großen 29-Zoll-Laufrädern.

Mit dem DEFT führt der Bonner Versender ein, übersetzt, „flinkes“ E- Enduro mit 170-mm-Fahrwerk neu im Programm. Zum Test stand uns das Einstiegsmodell 8.0 mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau zur Verfügung. Bereits einige Tage vor der offiziellen Präsentation und Markteinführung hatten wir die Möglichkeit, das neue Radon Deft 9.0 zu testen.

Mit the DEFT frame, you are up to date - not only visually, but also technically. The integration of the new Bosch Performance CX Gen.5 means in plain language that the frame is equipped for all current (and future) Bosch features. Range en masse and enough reserves on board even in cold temperatures or turbo uphills. We have remained true to our striking wing design, which elegantly connects the down tube with the top tube, ensures stability and at the same time accommodates the Trunnion mount for the rear suspension.

BULLS SONIC EN-R TEAM: Das Racing-E-Enduro für Bestzeiten

100 % E-MTB Race Performance, so preist BULLS ihr neues SONIC EN-R TEAM an. Das BULLS Sonic EN-R TEAM kommt mit gemischten Laufradgrößen - 29” vorne und 27,5” hinten -, dazu gibt es 170 mm Federweg an der Front und 160 mm am Heck. BULLS hat neben dem neuen Bosch Performance Line CX-Motor weitere Funktionen eingebaut. BULLS baut seit 1995 Fahrräder und ist als Marke der ZEG, dem größten Zweirad-Fachhandelsverband Europas, eine der größten Bike-Marken Deutschlands.

Das breite Portfolio reicht von City-Bikes, über Road- und Gravel-Bikes bis hin zu E-MTBs, die ihren Fokus eher auf den Tourenbereich legen. Doch BULLS kann auch Performance. Das haben sie in unserem großen E-Mountainbike-Vergleichstest mit 27 E-MTBs und ihrem BULLS SONIC EVO AM bewiesen. Jetzt geht BULLS einen Schritt weiter und bringt mit dem neuen SONIC EN-R TEAM ein voll auf Racing getrimmtes E-Enduro an den Start.

Mit Gewichtseinsparungen im Vergleich zur restlichen SONIC-Reihe, 170 mm Federweg an der Front und 160 mm im Heck, dem Mullet-Setup (29″ vorne, 27,5″ hinten) sowie dem neuen Bosch Performance Line CX-Motor mit 600-Wh-Akku soll das Bike Bestzeiten auf den Trail brennen. Das schlanke Design und die innovative Geometrieverstellung versprechen, das SONIC EN-R TEAM zu einem einzigartigen Modell im BULLS-Portfolio zu machen.

Design und Technik

Was beim neuen EN-R sofort ins Auge springt, ist die leuchtende Ferrari-rote Lackierung am Oberrohr. Es setzt in Kombination mit den polierten Aluminium-Akzenten an der Dämpferaufnahme und der Motorabdeckung ein echtes Statement. Um das Cockpit des BULLS SONIC EN-R TEAM clean zu gestalten, verlaufen die Kabel direkt unter dem Lenker in den Steuersatz, bei dem 1,8-Zoll-Steuersatzlager zum Einsatz kommen. Die erlauben nicht nur ein schlankes Rahmendesign, sondern bieten den Kabeln auch noch Raum, um sie sauber und effizient intern verlegen zu können. Vor dem Lenker sitzt am BULLS SONIC eine MonkeyLink 2.0-Schnittstelle, in die ein Garmin Charger integriert ist.

BULLS hat beim SONIC EN-R den Fokus klar auf E-Enduro-Racing gelegt und dafür ein sogenanntes Powerstage-Tool an der Unterseite des Oberrohrs montiert. Das Tool lässt sich durch einfache 90°-Drehung leicht abnehmen - auch mit Handschuhen. Allerdings waren wir davon etwas enttäuscht, denn trotz seiner imposanten Ausmaße beherbergt es lediglich drei Werkzeuge: je einen 4er-, 5er- und 6er-Inbus.

Motor und Akku

Auch wenn die 5. Generation des Bosch Performance Line CX-Motors auf dem Papier mit 85 Nm und eine 600 Watt maximale Leistung keine Unterschiede zum Vorgänger zeigt, steckt einiges an spannenden Veränderungen unter seiner Haube. BULLS hat den neuen Bosch-Motor dezent in den Rahmen integriert. Statt einer herkömmlichen Motorabdeckung bietet ein robuster Unterfahrschutz aus Aluminium Schutz vor Aufsetzern und sorgt gleichzeitig für eine optimale Kühlung des Motors durch ausreichende Frischluftzufuhr.

Kombiniert wird der neue Motor mit einem 600 Wh starken PowerTube-Akku, der - wie von BULLS gewohnt - seitlich aus dem Unterrohr entnommen wird. Mithilfe des 4er-Inbus-Schlüssels am Powerstage-Tool lässt sich die Akkuabdeckung lösen. Dazu dreht man die Schraube am Unterrohr eine halbe Umdrehung, um die Abdeckung herauszuklipsen. Anschließend muss man den Inbus erneut einsetzen, um das etwas tiefer sitzende „Akku-Schloss“ ebenfalls eine halbe Umdrehung aufzudrehen und den Akku entnehmen zu können. Wichtig: Da das „Akku-Schloss“ keine Feder hat, muss man beim Wiedereinsetzen des Akkus die halbe Umdrehung manuell zurückdrehen, um es zu verriegeln.

Wem das 4er-Inbus-Akku-Schloss nicht ausreichend ist, der kann optional ein richtiges Akku-Schloss nachrüsten, sodass zur Akku-Entnahme ein Schlüssel benötigt wird. Wer mehr Reichweite braucht, kann sich optional den Bosch PowerMore Range Extender mit 250 Wh dazu kaufen. Montiert wird der Range Extender auf einer speziellen Schiene, die man anstatt des Flaschenhalters an die Anschraubpunkte am Unterrohr montiert. Zum Laden muss der Akku nicht zwingend entnommen werden, da der Ladeport an der Gabelung zwischen Unterrohr und Oberrohr direkt neben dem Steuersatz gut erreichbar positioniert ist. Den Bosch-Motor steuert man über die kabellose Bosch Mini Remote am Lenker. Ergänzt wird diese vom im Oberrohr integrierten System Controller.

Ausstattung und Fahrwerk

Wir haben das BULLS SONIC EN-R in der TEAM-Variante getestet, das mit einer RockShox ZEB Ultimate-Federgabel mit 170 mm Federweg ausgestattet ist. Am Heck regelt ein RockShox Vivid Ultimate-Dämpfer die 160 mm Federweg. Das Fahrwerk besticht nicht nur durch seine einfache Einstellbarkeit, sondern auch durch eine hohe Trail-Performance. Für die Schaltvorgänge ist die elektrische SRAM XX Eagle Transmission AXS zuständig, die ohne Schaltauge direkt am Rahmen befestigt ist. Das Schaltwerk wird direkt vom Hauptakku gespeist.

Für die nötige Verzögerung sorgt die MAGURA GUSTAV PRO-Vierkolbenbremse, die mit guter Dosierbarkeit und solider Bremspower auf dem Trail überzeugt hat. Am SONIC EN-R bestehen Lenker und Vorbau aus einem einzigen Teil, dem RUMBLE Altimate PRO Carbon. Mit einer Breite von 780 mm folgt der Lenker dem aktuellen Trend zu kürzeren Modellen. Die Sattelstütze am SONIC EN-R ist die EightPins NGS 2, die direkt mit dem Rahmen verschraubt ist. Besonders praktisch ist, dass sie stufenlos bis zu einem Hub von 265 mm verstellt werden kann. Über einen kleinen Hebel an der Sattelklemmung lässt sich die Höhe ganz einfach regulieren, indem man das Schloss öffnet oder schließt. Trotz der festen Integration kann die Stütze problemlos demontiert und ausgetauscht werden, falls gewünscht. In unserem Test fanden wir die Sattelstütze allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, da man sie vor dem Absenken erst entlasten muss.

Die Alu-Laufräder am SONIC EN-R stammen von Mavic, die Deemax Enduro SL-Modelle sind an der Front mit einem Schwalbe Tacky Chan-Reifen kombiniert. Dieser kommt mit einer Ultra Soft-Gummimischung, die für soliden Grip sorgt, und auch die Super Trail-Karkasse ist für die Front eine gute Wahl. Am Heck rollt eine Schwalbe Big Betty, ebenfalls mit Super Trail Karkasse, aber mit der etwas härteren Soft Gummimischung, was für eine längere Haltbarkeit sorgt.

Weitere Ausstattungsvarianten

Neben der von uns getesteten Version des SONIC EN-R gibt es noch zwei weitere Ausstattungsvarianten. Alle drei Modelle teilen sich denselben Carbonrahmen und sind in den gleichen Größen verfügbar. Die günstigere SONIC EN-R 2-Variante ist für 7.999 € erhältlich und kommt mit einer soliden Ausstattung. An der Front arbeitet eine RockShox ZEB-Federgabel mit 170 mm Federweg, während am Heck ein RockShox Super Deluxe-Dämpfer für ein geschmeidiges Fahrgefühl sorgen soll. Geschaltet wird mit der etwas günstigeren, aber genauso zuverlässigen SRAM GX Eagle AXS Transmission, die präzise und kabellos arbeitet. Die TRP C2.3RX TRAIL-Bremsen mit 220-mm-Bremsscheiben vorne und 203 mm hinten bieten die nötige Verzögerung.

Die Einstiegsvariante SONIC EN-R 1 ist mit einem Preis von 6.799 € die günstigste Version des BULLS SONIC EN-R. Hier gibt’s die RockShox Domain Gold R 1.8-Federgabel und 170 mm Federweg an der Front sowie einen RockShox Deluxe Select+ RL Dämpfer mit 160 mm am Heck. Geschaltet wird mit dem Shimano DEORE XT Schaltwerk, allerdings nur in 11 Gängen, was die Übersetzungsbandbreite etwas einschränkt. Die Shimano DEORE-Bremsen, kombiniert mit 220-mm-Bremsscheiben vorne und 203 mm hinten, bieten leider nur mäßige Bremspower im Vergleich zur MAGURA GUSTAV PRO im Topmodell. Im SONIC EN-R 1 ist eine LIMOTEC Alpha-Dropperpost verbaut. Aufgebaut ist das Bike ebenfalls mit Mavic E-Deemax-Laufrädern und Schwalbe Magic Mary-Reifen an der Front sowie Big Betty am Heck.

Geometrieverstellung

Das BULLS SONIC EN-R kommt in nur zwei Rahmengrößen, M und L. Am Oberrohr befinden sich zwei Schrauben, die mit nur zwei Umdrehungen gelöst werden können, um die Dämpferaufnahme zu verschieben. Das Bike bietet drei Geometrie-Einstellungen, die flexibel an den jeweiligen Einsatzbereich angepasst werden können: Ausgangspunkt ist der Trail-Modus, von dem aus sich die Geometrie in den Uphill- und Downhill-Modus verstellen lässt. Der Lenkwinkel variiert dabei zwischen 64,5° (Uphill), 64,0° (Trail) und 63,5° (Downhill), während sich auch die Tretlagerhöhe von 355 mm im Uphill-Modus auf 347,5 mm im Trail-Modus und 340 mm im Downhill-Modus ändert.

Beim Sitzwinkel des BULLS EN-R TEAM ist das ähnlich, der etwas steiler im Uphill- und flacher im Downhill-Modus wird. Zusätzlich verlängert sich der Reach im Uphill-Modus minimal, während der Stack etwas abnimmt, was die Effizienz durch eine sportliche Sitzposition in steilen Anstiegen verbessern soll. Im Downhill-Modus soll die abfahrtsorientierte Geometrie hingegen für mehr Stabilität und Kontrolle auf schnellen, technischen Trails sorgen.

Der Wechsel zwischen den Modi funktioniert schnell und einfach direkt auf dem Trail mit dem speziell dafür vorgesehenen Powerstage-Tool. BULLS will mit dieser Geometrieverstellung das SONIC EN-R bei E-Enduro-Rennen vor sogenannten Powerstages schnell zu einem effizienten Kletterer oder zu einer Abfahrtsmaschine machen.

Flip-Chip zur Federwegsverstellung

Der Flip-Chip ist im Drehpunkt, der die silberne Dämpferaufnahme mit der Wippe des Hinterbaus verbindet, versteckt. Um ihn zu verstellen, muss man zuerst den großen Bolzen lösen, gefolgt von zwei kleineren Schrauben. Dabei ist wichtig, darauf zu achten, dass zwischen dem Lager und der Dämpferaufnahme ein kleiner, konisch geformter Spacer sitzt, der korrekt positioniert sein muss.

Der Flip-Chipdient zur Verstellung des Federwegs und ermöglicht es, zwischen 160 mm (100 % abfahrtsorientiert) und 145 mm Federweg zu wählen - ohne die Geometrie des Bikes zu verändern. Allerdings ist die Verstellung nicht für unterwegs direkt auf dem Trail gedacht, sondern erfordert eine ruhige Hand und etwas Zeit - rund 5 Minuten, der Kaffee kann dann hinterher auch noch kommen.

Fahrverhalten und Performance

Setzt man sich im Trail-Modus auf das BULLS SONIC EN-R, steht man weniger tief integriert, aber zentral zwischen Front und Heck auf dem Bike. Das vermittelt bergab eine etwas geringere Sicherheit, dafür nimmt man aber eine effizientere Sitzposition ein. Im Uphill bleibt die Front des SONIC EN-R stabil und setzt Lenkbefehele auch in technischen Sektionen präzise um. Der kraftvolle Motor boostet einen mühelos über Stock und Stein und koppelt sanfter ein und aus als der Vorgänger - nice!

Durch den Hinterbau, der eher auf der straffen Seite ist, lässt sich die Traktion zwar nicht immer optimal auf den Boden bringen, dafür arbeitet das Bike effizient auf Forstwegen und weniger anspruchsvollen Uphills - ein Griff zum Climb Switch ist nicht nötig, hier wippt kein Hinterbau. Der Uphill-Modus der Geometrieverstellung verbessert die Bergauf-Performance nur geringfügig.

Bergab fühlt man sich im Downhill-Modus auf dem SONIC EN-R etwas besser integriert, was aus dem etwas stärker abgesenkten Tretlager resultiert. Auf Flowtrails vermittelt das Bike reichlich Fahrspaß, da man durch das straffe Fahrwerk viel Geschwindigkeit auf Pushwellen aufbauen kann und es einen auch mit Schwung aus dem Anlieger drückt. Wird der Trail jedoch rauer, fehlt es dem SONIC EN-R an Laufruhe.

Das straffe Fahrwerk gibt Schläge bei der Fahrt mit hohem Tempo durch Steinfelder oder Wurzelteppiche direkt an den Fahrer weiter, und man muss aktiv arbeiten und in der Linienwahl präzise sein, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Das macht das Bike weniger einsteigertauglich und benötigt eine erfahrene Hand, um die Abfahrt zu genießen. Bei verpatzten Landungen oder bei gebauten Sprüngen und Drops bietet das Fahrwerk aber noch genug Reserven.

Das BULLS SONIC EN-R ist ein Bike, das sich effizient und dank des kraftvollen Bosch CX-Motors mühelos den Berg hinauftreten lässt. Die aufrechte Sitzposition macht es ideal für längere Touren, bei denen man bequem unterwegs sein möchte. Auf flowigen Trails vermittelt es ordentlich Fahrspaß. Bevor man sich auf härtere und anspruchsvollere Trails wagt, sollte man diese jedoch vorher erkunden, denn das Bike verlangt eine präzise Linienwahl, was es eher für erfahrene Biker attraktiv macht.

Raaw Jibb V2: Das vielseitige Trailbike für anspruchsvolle Fahrer

Das neue Raaw Jibb V2 bringt einige aufregende Updates und Verbesserungen mit, die das Bike besonders für aggressive Trail- und Enduro-Fahrer attraktiv machen. Ob das Bike im Bikepark abliefern kann und trotzdem auf Hometrails mit leichteren Trailbikes mithalten kann? Lebhaft, aktiv und furchtlos. All das sind Attribute eines Jack Russell Terriers, das Tier, dessen Emblem auf dem Oberrohr des Raaw Jibb abgebildet ist. Aber wie stimmig ist der Vergleich?

Mit 150 mm bzw. 130 mm Federweg im Heck ist der Federweg für Gravity-Fans eher knapp bemessen. Hier stimmt der Vergleich zur Tierwelt schon mal. Denn ein Terrier lebt auf der Jagd von der Agilität, die ihm seine kurzen Beine geben. Verspieltes Handling: Das Raaw Jibb V2 ist so konstruiert, dass es auf engen, technischen Trails besonders wendig ist. Zum einen ist die Geometrie zwar modern, fällt aber nicht zu extrem (flach) aus.

Klare Linie im Design und kein unnötiger Schnickschnack: Die stabile Rahmenkonstruktion und die gezielte Materialwahl verleihen ihm die nötige Stärke, auch wenn das Terrain härter wird. Die Kombination dieser Merkmale treibt das Gewicht des Raaw Jibbs auf deutlich über 15 Kilo. Der Werkstoff Aluminium gehört bei Raaw zur Firmenphilosophie. Und daran rüttelt auch das Jibb der zweiten Generation nicht. Das Design hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig geändert.

Rocker-Links und Federwegsoptionen

Zum einen gibt es jetzt, wie beim Enduro Bike von Raaw - der Madonna - schon länger, zwei verschiedene Umlenkwippen für optimale Hinterbau-Funktion je nach Körpergewicht. Das Jibb V2 ist für zwei Rocker-Links ausgelegt: Rocker 50 und Rocker 55. Der Rocker 50 funktioniert mit einem 50 mm Hub Dämpfer und hat ein höheres Übersetzungsverhältnis. Das macht ihn ideal für Fahrer bis 90 kg. Der Rocker 55 arbeitet mit einem 55 mm Hub Dämpfer und hat ein niedrigeres Übersetzungsverhältnis. Damit eignet er sich besser für Fahrer über 90 kg.

Außerdem bieten die zwei Rocker eine weitere spannende Option. Man kann das Rad durch die Kombination aus Rocker 50-Umlenkwippe und einem Dämpfer mit 55 mm Hub auch als Long-Travel-Variante mit 141 mm Federweg am Heck fahren. Mit dem neuen Toolbox-System lassen sich die Tretlagerhöhe und die Progression des 130mm Hinterbaus anpassen. Hierfür ist aber eine separat erhältliche Dämpferaufnahme nötig, die in etlichen Varianten zu haben ist.

Weitere Anpassungsmöglichkeiten

Für den einen oder anderen ist mit Sicherheit auch die Möglichkeit des Umbaus auf ein Mullet Setup interessant. Das Jibb V2 ist in fünf Größen von S bis XXL verfügbar und somit wird es für fast jeden die richtige Rahmengröße geben. Wir hatten ein Testbike in Größe L, das uns bei 1,80 m bzw. Das Jibb gibt es außerdem mit zwei verschiedenen Sitzstrebenversionen. Mit dem Raaw Seatstay lässt sich optional die Kettenstrebe verlängern/verkürzen. Hierfür ist aber ein extra Steckachsen-Kit zu kaufen. Diese Option fällt mit der UDH-Sitzstrebe leider weg. Dafür kann man an die UDH-Sitzstrebe auch Srams neueste Transmission Schaltung verbauen.

Gewicht und Rahmenphilosophie

Das Jibb ist mit über 15,5 kg alles andere als ein Leichtgewicht. Denn ohne Pedale ist das Bike 1-2 Kilo schwerer als z.B. Carbonbikes in dieser Federwegs- und Preisklasse. Raaw verfolgt mit seinen Rahmen eine andere Philosophie als den absoluten Leichtbau. Auch im Hardcore-Einsatz sollen die Bikes aus Ruben Torbecks Hand wenig Pflege benötigen.

Zurück zur Frage, ob das Gewicht eine Rolle spielt. Die Frage muss man sich wohl selbst stellen, denn es kommt sehr auf den persönlichen Fahrstil und die Vorlieben an. Will man ein Rennpferd auf den Hometrails, das dafür an härteren Tagen stärker leiden muss? Oder setzt man doch auf einen soliden Alurahmen, der auf flacheren Trails etwas mehr Input vom Fahrer braucht, aber auch z.B. verblockte Trails in San Remo abkann?

Wartung und Langlebigkeit

Dank der externen Kabelführung ist das Jibb V2 leicht selbst zu warten und zu reparieren. Die außen verlaufenden Kabel sind jederzeit gut zugänglich, was das Austauschen einzelner Komponenten deutlich vereinfacht. Zusätzlich tragen die doppelt gedichteten Lager erheblich zur Langlebigkeit des Bikes bei. Diese Lager sind so konzipiert, dass sie Schmutz und Feuchtigkeit effektiv abwehren und dadurch seltener gereinigt oder ausgetauscht werden müssen. Selbst bei minimalem Pflegeaufwand bleibt das Jibb V2 somit zuverlässig und belastbar - perfekt für Fahrer, die ihr Bike in unterschiedlichsten Bedingungen einsetzen.

Mit diesem Ansatz hat die kleine Firma Raaw auch die Entwicklung von deutlich größeren Firmen wie Canyon längst geprägt. Details wurden mittlerweile übernommen. Die Zuverlässigkeit, Einfachheit und der Fahrspaß stehen bei Raaw klar an erster Stelle.

Performance bergauf und auf Trails

Das Jibb ist nicht als reinrassiges Uphill-Bike konzipiert, zeigt aber eine solide Leistung bergauf. Der steile Sitzwinkel sorgt dafür, dass der Fahrer aufrecht und zentral über dem Tretlager sitzt. So findet die Kraftübertragung effizient statt. Im Vergleich zu einem Specialized Stumpjumper wirkt das Jibb bergauf etwas träge, da es durch sein höheres Gewicht mehr Kraftaufwand benötigt und langsamer vorankommt.

Der Hinterbau ist so konzipiert, dass er bei einem Sag-Wert von 30 % deutlich über 100 % Anti Squat hat. Das heißt, er arbeitet beim Pedalieren bergauf absolut antriebsneutral. Und das gilt für alle Gänge. Je schwerer man den Gang wählt, desto effizienter arbeitet das Heck. Auf flachen Trails muss man die Kette des Jibb stets stramm halten, um das relativ schwere Bike immer wieder zu beschleunigen. Liefert man als Fahrer diesen Input, wird man mit Fahrspaß auch im leichten Gelände belohnt.

Egal ob schnelle Kurven, kleinere Drops oder steinige Passagen - das Jibb bleibt kontrolliert und vermittelt ein direktes Fahrgefühl. Wir waren mit dem Jibb aber auch in Bikeparks, wie dem Geißkopf, unterwegs. Hier spielt das Jibb seine Stärken vor allem auf den Jumplines aus. Die Enduro-Trails machen ebenfalls Spaß, verlangen aber nach einer sauberen Linienwahl. Dank seines etwas geringeren Federwegs im Vergleich zu einem klassischen Enduro bleibt es agil und verliert weniger Energie beim Pumpen durch Bodenwellen, was für ein dynamisches Fahrgefühl sorgt.

Auf reinrassigen Downhillstrecken kommt der knappe Federweg des Bikes deutlich zum Vorschein. Nach einem langen Tag im Bikepark spürt man zudem etwas mehr Armpump als auf einem voll ausgestatteten Enduro.

Verfügbarkeit und Preis

Das Raaw Jibb gibt es als Rahmenset ab 2.790 € ohne Dämpfer zu kaufen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein Rolling Chassis mit Fox oder Öhlins Fahrwerk für um die 5.000 € zu erwerben. Leider gibt es keine Möglichkeit, ein Komplettbike bei Raaw zusammenzustellen.

Fazit

Das Jibb ist ein durchdachtes Bike, das mit vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und hoher Verarbeitungsqualität begeistert. Bergab ist das Bike genial, solange das Gelände nicht zu verblockt wird. Bergauf muss man aufgrund des Gewichts etwas Bums in den Waden haben. Das Konzept mit wenig Federweg und robustem Rahmen macht besonders dann Sinn, wenn der Fokus auf Stabilität und Langlebigkeit statt auf Gewichtsersparnis liegt.

Vergleichstabelle

Um die Unterschiede zwischen den vorgestellten Modellen besser zu veranschaulichen, hier eine Vergleichstabelle:

Merkmal RADON DEFT 10.0 750 2023 BULLS SONIC EN-R TEAM Raaw Jibb V2
Federweg (vorne/hinten) 170 mm / 170 mm 170 mm / 160 mm 150 mm / 130 mm
Motor Bosch Performance CX Smart System Bosch Performance Line CX -
Akkukapazität 750 Wh 600 Wh -
Rahmenmaterial Carbon-Rahmen mit Alu-Hinterbau Carbonrahmen Aluminium
Preis (ca.) 6.799 € Ab 6.799 € Rahmenset ab 2.790 €
Besonderheiten Faires Preis-Leistungs-Verhältnis Geometrieverstellung, Powerstage-Tool Vielfältige Einstellungsmöglichkeiten, hohe Verarbeitungsqualität

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