Viele Biker wagen sich noch immer ohne Rückenprotektor auf die Trails, während der Schutz von Kopf und Knie zum guten Ton gehört.
Warum ein Rückenprotektor?
Glücklich schätzen kann sich, wer dabei wirklich nur auf grüne und blaue Flecken blickt und keine schwerwiegenden Verletzungen davongetragen hat. Da gelegentliche Stürze zu Bikers Alltag gehören, sollte die entsprechende Schutzausrüstung zur Grundausstattung zählen wie der Kaiserschmarrn zum Gipfelglück. Eigentlich unverständlich, denn mit einem Protektor-Rucksack kann ein wichtiges Sicherheits-Feature ergänzt werden, ohne sich an ein neues Ausrüstungsteil gewöhnen zu müssen. Denn Rucksack trägt ohnehin fast jeder Biker.
Nach einer Rückenverletzung vor ein paar Jahren war mir klar, wie wichtig das ist: Bei einem unglücklichen Sturz im Bikepark in Belgien hatte ich mir drei Wirbel gebrochen.
Protektor-Rucksäcke als Alternative
Die Anschaffung eines neuen Rucksacks ist in den meisten Fällen allerdings notwendig, denn kaum ein Modell kann per Nachrüst-Protektor einfach vom Lastenträger zum Schutzengel aufgewertet werden. Nur für die Verwendung mit einem Protektor ausgelegte und im Verbund entsprechend zertifizierte Rucksäcke schützen auch zuverlässig! Damit du an deinem Rücken ein im Sturzfall geeignetes Safety-Backup trägst, haben wir zwölf Protektor-Rucksäcke zwischen 140 und 250 Euro in Labor und Praxis getestet.
Im Vergleich: Alle Modelle schützen sehr gut!
Alle Modelle erfüllen die Vorgaben unseres Schlagtests, der sich an der aktuell gültigen strengsten Norm orientiert, ohne Probleme. Und dies unabhängig vom verwendeten Material. Zwar haben sich Softprotektoren aus PU-Schaum in den letzten Jahren durchgesetzt, doch auch die sehr leichten Einweg-Protektoren in "Central-Back"-Bauweise von Ergon (141 g) und Thule (157 g) schützen hervorragend. Beide Modelle müssen nach einem Sturz ausgetauscht werden, da die Schlagenergie sie dauerhaft beschädigt.
Tipp: Wenn Sie mit Ihrem Zubehör eher unachtsam umgehen, ist ein Modell mit Schaumprotektor die bessere Wahl, da dieser unempfindlicher gegen mechanische Belastungen wie Druckausübung und Verbiegen ist.
Die Rucksäcke von Deuter, Amplifi und Cube, allesamt mit Full-Back-Protektoren bestückt, unterschreiten die Testvorgaben gar um deutliche 3,5 bis 3,2 kN. Der Cube zeigt damit, dass top Sicherheit kein Vermögen kostet, und erntet den Kauftipp. Der Deuter Attack vereint höchsten Komfort mit top Schutz und verdient sich den Testsieg.
Was muss ich beim Packen beachten, und schützt auch ein Modell ohne Protektor?
Holger Hertneck vom Protektoren-Hersteller SAS-TEC gibt Tipps.
Schützt auch ein ganz normaler Bike-Rucksack ohne Protektor?
Grundsätzlich erhöht jede zusätzliche Schicht am Rücken den Impact-Schutz, daher natürlich auch ein "normaler" Bike-Rucksack. Wer beim Mountainbiken schon mal nur mit Trikot bekleidet gestürzt ist, kann sich das gut vorstellen.
Wie packe ich den Rucksack, damit er bei einem Sturz keine zusätzliche Gefahr darstellt?
Auf keinen Fall sollten harte Teile wie Luftpumpe, Alu-Trinkflasche oder Werkzeug direkt am Rücken anliegen. Bei einem Sturz wirken die ansonsten wie ein Fallbeil und könnten im besten Fall zu schmerzhaften Prellungen führen, im schlimmeren Fall zu geknacksten Rippen oder gar schwerwiegenden Wirbelverletzungen. Eine dämpfende Zwischenschicht ist daher sehr ratsam. Stabile Teile unterfüttert man am besten mit Ersatzkleidung.
Bietet auch eine Trinkblase Aufprallschutz?
Ganz klar: ja. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Dabei ist nicht die Art der Füllung entscheidend, sondern die Füllmenge. Wobei eine schmale Trinkblase keinesfalls einen geprüften Protektor ersetzen kann, der bei sämtlichen Bedingungen zuverlässig schützt.
Haben Schaumprotektoren ein Verfallsdatum wie Helme?
Empfehlungen dazu finden sich in der Beschreibung des Protektors. Üblicherweise beträgt die Lebensdauer von Protektoren 3-5 Jahre. Zur Sicherheit den Protektor regelmäßig auf Beschädigungen prüfen.
So testen wir Protektoren
Für den Schlagtest in Anlehnung an die Norm nutzte Testredakteur Christian Zimek den Prüfstand der Firma SAS-TEC.
„Protektor-Rucksäcke sind das Must- have für Tourenbiker. Denn Rucksack trägt man ohnehin, warum dann nicht gleich mit Sicherheits-Update?“, sagt Christian Zimek über Protektoren-Rucksäcke.
Hersteller Je größer die Fläche, desto höher der Schutz: ein Central-Back-Protektor (rot) deckt eine geringere Fläche ab als ein Full-Back-Protektor (schwarz).
Schlagtest:
Im Prüflabor der Firma SAS-TEC, Hersteller von Protektor-Elementen (verarbeitet in den Rucksäcken von Amplifi, Cube, Deuter, USWE), unterzog MOUNTAINBIKE alle Protektor-Rucksäcke einer Vergleichsmessung in Anlehnung an die aktuell gültige Norm.
Das für den Test benötigte Schlagelement
Das für den Test benötigte Schlagelement ist ein 5 Kilo schwerer, 160 mm langer, stabförmiger Fallkörper, der mit einer Energie von etwa 50 Joule aus einem Meter Höhe an einer Führungsschiene auf den Protektor-Rucksack fällt. Dabei ruht dieser auf einem flach gekrümmten Amboss aus Stahl, der mit Messsensoren zur Erfassung der Restenergie versehen ist. Da Schnallen und Gurte das Messergebnis beeinflussen können, wurde jeder Protektor-Rucksack mit drei Schlägen an verschiedenen Stellen geprüft.
Die gemittelten Werte flossen zu 50 Prozent in die Schutznote ein. Alle Rucksäcke erfüllen im Schlagtest die Vorgaben zu Schutzlevel 2. Dieses wird erreicht, wenn ein Durchschnittswert von unter 9 kN erfüllt ist und wenn kein Einzelschlag über 12 kN liegt.
Die Größe des Protektors
Die Größe des Protektors wurde ebenfalls vermessen. Das Testfeld teilt sich in Rucksäcke mit Central-Back-Protektoren, deren Schutzfläche vorwiegend die Wirbelsäulenregion abdeckt, und Full-Back-Protektoren, die, breiter und länger geformt, zusätzliche Abdeckung von Rücken, Schulter und Hüfte gewährleisten.
Die Rucksäcke von Camelbak, Ergon, Leatt, Thule, USWE und Vaude sind mit Central-Back-Protektoren bestückt, alle anderen besitzen Full-Back-Protektoren. Da mehr Fläche mehr Schutz bedeutet, wurde die Größe mit 50 Prozent an der Bewertung des Schutzes gewichtet.
Praxistest:
Anpassung, Tragekomfort, Ausstattung und Handhabung wurden mit voller Trinkblase und kompletter Tourenausrüstung in zig Testfahrten geprüft.
Einzelne Modelle im Test
Hier werden einige Modelle von Protektor-Rucksäcken und -Westen vorgestellt und bewertet:
- Amplifi Track 23: Sehr gut geeignet für große Biker, hoher Tragekomfort, viel Stauraum, beste Dämpfungseigenschaften.
- Camelbak T.O.R.O. Protector 14: Minimalistisch, geringes Gewicht, viel Stauraum, sehr guter Schutz.
- Cube Edge Trail: Günstigster Testkandidat, hervorragende Schlagabsorption, gut strukturiert.
- Deuter Attack 20 L: Zeitlos gut, beste Dämpfungseigenschaften, viel Stauraum, hohe Bedienfreundlichkeit.
- Ergon BA3: Hoher Tragekomfort, variable Rückenlängen-Verstellung, guter Schutz.
- Evoc Neo 16L: Herausragend komfortabel, Anti-Rutsch-Pads, starke Belüftung.
- Leatt Hydration DBX XL 2.0: Geräumiger Protektor-Rucksack mit Vollausstattung.
Oberkörperprotektoren: Zusätzlicher Schutz für den Oberkörper
Ein Oberkörperprotektor sollte immer mit dabei sein, um schwerwiegende Verletzungen zu vermeiden. Brustpanzer bieten zusätzlich auch noch Schutz für die Schultern oder Oberarme.
Arten von Oberkörperprotektoren:
- Brustpanzer: Bieten Schutz für Brust, Schultern und Oberarme.
- Protektorjacken: Dünner und leichter als konventionelle Brustpanzer, oft mit Schaumstoffeinsätzen integriert.
- Protektor-Westen: Dünn, oft nur mit einem Brust-Protektor aus Schaumstoff und ärmellos.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
- Passform: Der Protektor sollte gut sitzen und nicht verrutschen.
- Größe: Oberkörperprotektoren sollten nur bis zu den Nieren gehen, um die Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken.
- Verschlüsse: Schnallen, Reißverschlüsse oder verstellbare Riemen ermöglichen eine individuelle Anpassung.
- Material: Viele Protektoren sind aus viskoelastischem Schaum, Gel, PU-Schaum oder D3O.
- Zertifizierung: MTB-Protektoren sollten das EN1621 Zertifikat besitzen.
Spezifische Tests und Produkte
POC VPD Rückenprotektor
Der POC VPD Rückenprotektor schützt hervorragend und ist dabei minimalistischer und luftiger als Protektoren-Westen oder -Shirts. Der Protektor selbst ist eine große, gitterförmige Platte aus flexiblem Kunststoff - lang genug, um auch die unteren Rückenwirbel abzudecken. Laut Hersteller verhärtet das Material bei einem Aufprall, nimmt einen Teil der Kraft auf und verteilt den Rest auf einer größere Fläche, statt sie auf einen Punkt wirken zu lassen. Dabei erfüllt der Protektor die strenge Prüfnorm EN 1621-2 Level 1 für Rückenprotektoren.
Bei hochsommerlichen Temperaturen bis 32 °C wurde direkt ein großer Vorteil deutlich: Der Protektor ist dank zahlreicher Öffnungen sehr gut belüftet - Du schwitzt nicht so stark darunter. Belüftung und Tragekomfort haben mich derart überzeugt, dass ich den POC Rückenprotektor auch außerhalb des Bikeparks empfehlen würde.
Unisex im besten Sinne: ein Protektor für Frauen und Männer. Insgesamt kann ich den POC VPD Rückenprotektor absolut empfehlen!
Rückenprotektoren für die weibliche Anatomie
Viele Frauen haben Probleme, passende Bike-Wear zu finden. Also fragte ich weiter herum nach einem Tipp für den passenden Rückenprotektor. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Es geht vielen wie mir! Wir sind nicht alleine! Die meisten Frauen sagten mir traurigerweise, dass sie noch nichts Passendes gefunden hätten und daher ohne Protektor fahren würden. Oder, dass sie ihren Protektor nicht empfehlen könnten, da sie mit Sitz und Passform unzufrieden seien.
Fox Baseframe Pro Vest
Fox schafft es mit seiner Baseframe, ein hohes Maß an Schutz bei gutem Tragekomfort zu bieten. Damit eignet sich die Weste vor allem für Enduro- und Parkbiker, die ihren Schutz gerne etwas weniger offensichtlich unter dem Jersey tragen. Die leichte Meshweste sitzt angenehm und passgenau, fällt dabei nicht zu lang oder zu labbrig aus und hält die Protektoren perfekt in Position. Mit guten Schutzwerten und hohem Tragekomfort ist die Fox eine top Wahl für lange Tage im Bikepark.
- Schutz-level BACK / FRONT² Level 2 / Level 1
- Restkraft¹ BACK / FRONT 7,16 kN / 10,66 kN
Leatt Body Vest 3DF AirFit Evo
Wem Schutzwirkung über alles geht, der kommt bei der wuchtigen Leatt auf seine Kosten. Im Schnitt liefern die Südafrikaner die besten Werte im Labor, lediglich das etwas kurze Pad am Rücken gibt Abzüge. Nachteil: Die massiven Pads drücken aufs Gewicht und sind bei jeder Bewegung spürbar.
- Schutz-level BACK / FRONT² Level 2 / Level 2
- Restkraft¹ BACK / FRONT 6,27 kn / 10,20 kn
Ion MTB Protektorenweste Amp
Auch wenn die finale Note nur mittelmäßig ausfällt: Die Ion Protektorenweste ist ein absoluter Tipp für Trailbiker, die für etwas anspruchsvollere Einsätze einen leichten Schutz suchen. Beide Pads erfüllen zwar nur das niedrigere Level 1, dafür sind sie angenehm flexibel und schmiegen sich gut dem Träger an. Die Ion bietet hohen Tragekomfort, dafür weniger Schutz und eine schlechtere Belüftung.
- Schutz-Level BACK / FRONT² Level 1 / Level 1
- Restkraft¹ BACK / FRONT 10,39 kn / 16,67 kn
Scott Softcon Air
Weil die Softcon Air auf eine Weste als Trägermaterial verzichtet, über den Protektoren aber dennoch eine dünne Stoffschicht bietet, lässt sie sich sowohl über als auch unter dem Jersey tragen. Damit bietet die Scott bei äußerst geringem Gewicht ein enormes Maß an Schutz. Nur der Rückenpanzer könnte noch etwas weiter nach unten reichen. Sehr gute Werte im Labor ergänzt die Scott mit tollem Tragekomfort.
- Schutz-level BACK / FRONT² Level 1 / Level 1
- Restkraft¹ BACK / FRONT 8,77 kn / 8,37 kn
Bluegrass Armour Lite und Armour B&S D3O
Mit den neuen Armour Lite und Armour B&S D3O-Rückenprotektoren hat Bluegrass auf ein wenig Schutzwirkung verzichtet (erkennbar an der Level 1-Zertifizierung anstelle von Level 2), um im Gegenzug jedoch die Bewegungsfreiheit und den Tragekomfort zu maximieren.
Die richtige Wahl treffen
Jeder Fahrer muss für sich selbst einschätzen, welches Maß an Schutz er tragen will. Ob man dabei einen Fullface-Helm auf einfachen Trails trägt oder einen Halbschalenhelm im Bikepark - solange man die Vor- und Nachteile für sich persönlich abgewogen hat, gibt es keinen Grund zur Diskussion.
Wichtige Normen und Zertifizierungen
Die CE-Zertifizierung, insbesondere die Norm EN 1621-2:2014, ist ein wichtiger Anhaltspunkt für die Sicherheit von Rückenprotektoren. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Restkraft bei einem Aufprall an den Körper weitergegeben wird.
Level 1 vs. Level 2
- Level 1: Die maximal übertragene Kraft muss im Schnitt unter 18 kN betragen und kein einzelner Messwert darf 24 kN überschreiten.
- Level 2: Hier dürfen die Restkräfte maximal 9 kN betragen.
Schlussfolgerung
Die Wahl des richtigen Rückenprotektors hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Einsatzzweck, das persönliche Risikobewusstsein und der gewünschte Tragekomfort. Es ist wichtig, verschiedene Modelle zu testen und auf eine gute Passform sowie eine entsprechende Zertifizierung zu achten.
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