Formel 1 gegen MotoGP: Rundenzeiten und Spektakel am Red Bull Ring

Es ist der ultimative Vergleich der beiden Königsklassen: Formel 1 gegen MotoGP, vier gegen zwei Räder, 1.000 gegen 290 PS. Kein Rennwagen ist auf einer Rundstrecke schneller als ein Formel-1-Auto. Keine Rennmaschine schneller als ein MotoGP-Bike. Deshalb sind beide Serien die Königsklassen. Beide locken Millionen an die Rennstrecke. 4.164.948 Zuschauer besuchten im Vorjahr die 21 Grands Prix der Formel 1. Die 19 Rennen der MotoGP verfolgten insgesamt 2.863.113 Zuschauer live an den Rennstrecken.

Der Vergleich auf dem Red Bull Ring

Auf vier Rennstrecken jedoch fahren beide: Austin, Barcelona, Silverstone und Spielberg. Das gibt uns die Möglichkeit, zu vergleichen. Dafür haben wir uns die exakten Fahrdaten von Red Bull und KTM in Spielberg besorgt. Die Unterschiede sind dabei eklatant. Die Formel 1 ist 20 Sekunden schneller. Und das, obwohl der Red Bull Ring nur 4.318 Meter lang ist und nur zehn Kurven hat. In jeder ist die Formel 1 schneller. Der Geschwindigkeitsunterschied reicht von 7,5 bis zu 130,7 km/h.

Die Formel 1 spielt ihre Vorteile in den Kurven gnadenlos aus: mechanischer Grip und Aerodynamik. In Schräglage schrumpft die Kontaktfläche des Reifens einer Rennmaschine auf fünf bis zehn Zentimeter. Die Reifen sind so konstruiert, dass sie auf der Flanke maximalen Grip liefern. Motorräder balancieren durch Kurven, F1-Autos fegen wie auf Schienen hindurch. Frontflügel, Unterboden, Diffusor und Heckflügel drücken sie auf den Boden. Die Autos sind fünf Meter lang, haben eine deutlich größere Verkleidungsfläche, da lässt sich mit der Luft spielen. Ein MotoGP-Bike ist knapp über zwei Meter lang. Anbauteile entdeckten die Ingenieure erst vor ein paar Jahren: Seither tragen die Frontpartien sogenannte Winglets.

Je schneller die Kurve, desto größer die Unterschiede. Die schnellen Kurven gibt es in Spielberg im hinteren Streckenteil. In Kurve 6 ist der Red Bull um 93,2 km/h schneller. In Kurve 7 sind es 121,6 km/h, in Kurve 9 130,7 und in Kurve 10 dann 88,1 km/h. Nur in der langsamsten Ecke robbt sich die KTM heran. In Kurve 3 beträgt die Differenz 7,5 km/h. Auf der folgenden Geraden, die leicht bergab führt, klafft die Geschwindigkeit wieder auseinander. Interessant ist auch der Vergleich auf der Geraden davor zwischen Kurve 1 und 3. Sie misst 626 Meter. Nach gut einem Drittel hat der Red Bull schon 318,4 km/h drauf. Die Geschwindigkeit hält Verstappen bis in den schnellen Linksknick (Kurve 2). An dieser Stelle hat die MotoGP-KTM bis auf 11,6 km/h aufgeschlossen.

Dann muss der Fahrer stark verzögern, während der Red Bull noch bis auf 325,9 km/h zulegt. Das Formel-1-Auto kann je nach Streckenpunkt annähernd um die 200 Meter später bremsen. Ein Antiblockiersystem (ABS) unterstützt in keiner der beiden Hochleistungsmaschinen.

Die neue Schikane am Red Bull Ring

In puncto Durchschnittsgeschwindigkeit war der Red-Bull-Ring in Spielberg in den vergangenen Jahren regelmäßig die schnellste Strecke im MotoGP-Kalender. Das ist jetzt nicht mehr so. Auf der langen Bergab-Passage, die sich an Kurve 1 anschließt, gibt es seit Ende März eine Rechts-Links-Schikane. Diese wird nur von den Motorrädern durchfahren. Für die Motorrad-Piloten verlängert sich die Runde in Spielberg aufgrund der Schikane um 30 Meter, nämlich von 4,318 auf 4,348 Kilometer.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist aufgrund der Schikane auf 174,236 km/h zurückgegangen.

Rundenrekorde und Qualifikationsergebnisse

Zum Vergleich: Der im vergangenen Jahr von Jorge Martin (Pramac-Ducati) aufgestellte MotoGP-Streckenrekord in Spielberg lag dank einer Pole-Zeit von 1:22.643 Minuten bei 188,096 km/h. Als Johann Zarco am Nachmittag die FT2-Bestzeit markierte, war er mit 1:29.837 Minuten mehr als sieben Sekunden langsamer als Teamkollege Martin im Vorjahr.

MotoGP-Rookie Jorge Martin hat die zweite Poleposition seiner Karriere erobert. Mit 1:22.994 Minuten stellte der Fahrer von Pramac-Ducati einen neuen Rundenrekord auf dem Red-Bull-Ring in Österreich auf. Ducati belegt beim Grand Prix der Steiermark die ersten beiden Startplätze, denn Francesco Bagnaia qualifizierte sich als Zweiter. Fabio Quartararo (Yamaha) komplettierte die erste Startreihe.

Pech hatte Quartararo, denn seine schnellste Runde - die für die Pole gereicht hätte - wurde ihm wegen Tracklimits gestrichen.

Ergebnisse des MotoGP-Sprints in Spielberg

Ducati-Werkspilot Francesco "Pecco" Bagnaia hat den MotoGP-Sprint am Rennwochenende des Österreich-Grand-Prix in Spielberg für sich entschieden. Weil der als WM-Spitzenreiter angetretene Jorge Martin (Pramac-Ducati) von der Pole gestartet nach einer Long-Lap-Penalty Zweiter wurde, sind Bagnaia und Martin an der Spitze der MotoGP-Gesamtwertung punktgleich.

In der Schikane der zweiten Runde kürzte Martin nach einem Verbremser ab, womit die Führung doch wieder an Bagnaia ging. Als Martin diese Strafrunde auf der Außenseite von Kurve 1 wenig später absolvierte, fiel er hinter Marc Marquez zurück, kam aber knapp vor Aleix Espargaro auf die Rennstrecke zurück.

Der zweite Fahrer nach Alex Marquez, der einen Sturz verzeichnete, war ausgerechnet sein an zweiter Stelle fahrender Bruder und Teamkollege Marc Marquez. Ihn erwischte es in der langsamen Kurve 3. Zwar richtete Marc Marquez sein Motorrad wieder auf, fuhr aber nur noch bis an die Box, um dort aufzugeben.

Jorge Martin wurde Zweiter und ist nicht vollends glücklich: "Es war ein schwieriges Rennen. Ich glaube, ohne die Strafe wäre es eine bessere Show geworden. Die ersten beiden Runden waren unglaublich. Obwohl ich [beim Abkürzen der Schikane] viel Zeit verloren habe, haben sie mir die Long-Lap-Strafe gegeben. Danach habe ich einfach versucht, die Platzierung zu halten. Hoffentlich geht morgen mehr."

Technische Unterschiede und Fahrerfähigkeiten

Ein MotoGP-Motorrad hat in etwa ein Viertel der Leistung eines F1-Autos, ist dafür viel leichter. Auf- und Abtrieb wechseln sich ab. Mensch bändigt Maschine. Ein Motorrad kommt beim Anbremsen oftmals quer. Bei starker Verzögerung aus hohen Geschwindigkeiten löst sich auch mal das Hinterrad vom Asphalt, weil sich die Last nach vorne verschiebt. Im Motorrad-Rennsport spricht man dann von einem Stoppie. Beim Herausbeschleunigen lupft es das Vorderrad. Das nennt man einen Wheelie. Stoppie und Wheelie setzen dem Fahrer die Grenzen. "Die Reifen würden mehr hergeben, aber wir können die Grenzen der Physik nicht aushebeln", erklärt Risse. "Die maximale Verzögerung ist begrenzt. Im Idealfall schwebt das Hinterrad beim Anbremsen gerade so über dem Asphalt. Praktisch ist das nicht möglich."

Umgekehrt verhält es sich bei der Beschleunigung. "Die beste Beschleunigung erreicht man, wenn auf das Vorderrad null Newton wirken. Es macht nichts aus, wenn das Vorderrad leicht abhebt", erklärt der Technik-Koordinator. Nur sollte nicht direkt eine Kurve folgen. "Es ist schwierig, nur über das Hinterrad die Kurve anzulenken."

Die Elektronik hilft dabei, dass die Räder nicht zu stark abheben. "Die Fahrer halten ihr Motorrad in gewissen Abschnitten bewusst sehr lange in Schräglage, um Wheelies zu unterbinden", erzählt Risse. Zum Beispiel aus Kurve 1 heraus. Der Mensch bändigt die Maschine - unterstützt von der Elektronik.

Bei Verzögerungen aus sehr hohen Geschwindigkeiten erreichen die MotoGP-Raketen Kräfte von 1,3 g. In den Kurven, in der Querbeschleunigung, wirken maximal Kräfte zwischen 1,4 und 1,6 g. Kein Vergleich zur Formel 1, wo es auch schnell mal über 5 g sein können.

Ein MotoGP-Bike wiegt ohne Fahrer 157 Kilogramm, denen 250 bis 290 PS gegenüberstehen. Das Mindestgewicht eines F1-Autos beträgt 743 Kilogramm (2019) - inklusive Fahrer, der mit 80 Kilo eingeht. Rechnet man ihn heraus und legt ein Gewicht von 673 Kilo zugrunde, ergibt sich ein Leistungsgewicht von 0,67 kg/PS. In der MotoGP sind es 0,54 kg/PS, wenn man von 290 PS ausgeht.

Abtrieb und Aerodynamik

In der Formel 1 bringt die Aerodynamik die Rundenzeit. In der MotoGP ist es vor allem der Fahrer. Ein Ausnahmekönner kann die Schwächen seines Arbeitsgeräts umfahren. In der Formel 1 würde selbst ein Hamilton in einem Haas kein Rennen gewinnen.

Ein Formel-1-Auto klebt wie Kaugummi auf der Straße - aber nur in sauberer Luft. Der Hintermann klagt bei einer Wagenlänge Abstand über einen Abtriebsverlust von rund 45 Prozent. Ohne künstliche Überholwerkzeuge wie DRS wären die Fahrer aufgeschmissen. Nur damit und/oder mit frischeren Reifen lässt sich bei gleichwertigen Autos überhaupt noch überholen. In der Qualifikation muss der Abstand zum Vordermann schon ein paar Sekunden betragen, sonst schaden die Turbulenzen mehr, als der Windschatten helfen würde. Echte Überholmanöver unter gleichwertigen Gegnern sind selten geworden.

Reifenmanagement

Reifenmanagement spielt in beiden Serien eine Rolle. Ebenso der Spritverbrauch. Die Formel 1 darf über die Renndistanz etwa 148 Liter verbrennen. Die Motorräder 22 Liter. Die Pirelli-Reifen der F1 sind unberechenbarer. Sie ins magische Fenster zu bringen, ist eine Kunst für sich. Doch jede Unbekannte in der Gleichung macht die Strategie schwerer. Und macht das Fahrgefühl wichtiger. Lewis Hamilton ist auch der Beste, weil er schnell fährt, gleichzeitig aber nicht die sensiblen Reifen überstrapaziert. Auf die Distanz kann Teamkollege Valtteri Bottas da nicht mithalten.

Kommunikation und Anweisungen

In der Formel 1 ist der Funk zu beiden Seiten offen. "Wir geben praktisch fahrschulartige Anweisungen", kritisiert Marko. "Bei uns heißt es: Pass auf die Vorderreifen auf. Brems eine Spur früher. Lass das Auto in die Kurve rollen. Fahr in einer schnellen Kurve so, dass die Reifen nicht überbelastet werden." Das Popometer bleibt auf dem Motorrad die wichtigste Größe. Dieses Fahr- gefühl braucht aber auch ein Formel-1-Pilot.

Ausgaben im Vergleich

Ein Topteam investierte jährlich etwa eine halbe Milliarde Euro. Ein Hersteller in der MotoGP wie Honda nur ein Zehntel davon, sagen Branchenkenner. Doch das ändert sich. Schon 2020 und noch mehr ab dem kommenden Jahr. Dann deckelt die Formel 1 erstmals die Jahresausgaben auf 145 Millionen Dollar - exklusive Motorkosten und Fahrergehälter. Es ist ein erster Schritt, den Wahnsinn einzudämmen. Und ein Schritt dahin, die Formel 1 tatsächlich wirtschaftlich für die Teams zu machen. Sofern die Einnahmen aus den Preistöpfen hochgehen und genügend Sponsoren da sind.

Fazit

Die MotoGP macht 2025 wieder Halt am Red Bull Ring - und liefert ein Wochenende, das weit mehr als nur Racing bietet. Zwischen 14. und 17. August 2025 wird es in Spielberg laut, bunt und schnell.

Was das MotoGP-Wochenende in Spielberg so besonders macht, ist die Kombination aus Racing, Festival und Community.

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