Die Ural ist mehr als nur ein Motorrad; sie ist eine Zeitmaschine mit einer reichen Geschichte und einer treuen Fangemeinde. Ihre Vorfahren knatterten bereits im Zweiten Weltkrieg an die Front, und seitdem hat sich ihr Aufbau kaum verändert, obwohl die Technik stetig verbessert wurde.
Die Ursprünge: Eine BMW aus den Vierziger Jahren
Die Geschichte der Ural begann während des Hitler-Stalin-Paktes. Der Legende nach beobachtete der sowjetische Generalstab bei gemeinsamen Manövern mit der deutschen Wehrmacht aufmerksam die wendigen deutschen BMW-R-71-Motorradgespanne mit ihren aufgepflanzten Maschinen-Gewehren. Die Krads wurden von 1938 bis 1941 in München produziert. Der berühmte Nachfolger im Krieg war die verbesserte R-75.
Die Sowjets kauften sich umgehend in Schweden fünf R-71 mit dem Zweizylinder-Boxermotor und bauten sie nach. Später fügten sie einige Features der R-75 ein. Als das Deutsche Reich die UdSSR überfiel, wurde die Fabrikation von Leningrad, Moskau, Charkow und Gorki hinter das Ural-Gebirge jenseits von Jekaterinburg verlagert - daher der Name Ural. Nach dem Krieg machte das unverwüstliche Gespann nicht nur in der Roten Armee Karriere, sondern auch als Pack-Karre auf den Kolchosen.
Die Irbiter Motorradfabrik (IMZ)
Die M72 Produktion übersiedelt mitten im Krieg nach Irbit ans namensgebende Ural-Gebirge. Die Gespanne sind als wendige, leichte und geländegängige Fahrzeuge ideal für das Militär. Drei Mann mit Ausrüstung können schnell und leicht transportiert werden und so läuft die Produktion in den letzten Kriegsjahren und darüber hinaus auf Hochtouren.
Am 19. November 1941 traf in Irbit, einer Kleinstadt 300 km östlich der Ausläufer des Ural Gebirges der erste Zug mit Maschinen, Werkzeugen, Teilen für die Produktion von Motorrädern ein. Nur ein Monat davor wurde beschlossen das Moskauer Motorradwerk vor der drohenden Gefahr des Angriffs deutscher Truppen zu evakuieren. Es folgten lange Jahre Krieg. Die übersiedelte Motorradfabrik hatte die Aufgabe schwere geländegängige Motorräder und Gespanne für den Einsatz im Krieg zu produzieren.
So begann die Geschichte des Irbiter Motorrad Werkes (IMZ). Das Motorrad hieß M72. Die ersten Exemplare aus Irbit konnten Mitte 1942 fertig gestellt werden. Fast 9.500 Einheiten M72 wurden bis 1945 der Roten Armee zur Verfügung gefertigt. Es waren viele Frauen und auch Kinder, die da im Westen Sibiriens Motorräder für die Kriegsfront zusammenbauten um den Feind abzuwehren halfen. Keine Idee für diese Arbeiter, dass Ihre Motorradfabrik 70 Jahre später noch immer existiert, ja die einzige Gespannfabrik weltweit ist und das Motorrad mit Seitenwagen Ural Kult geworden ist.
Seit 1941 wurden über 3 Millionen Motorräder in der Irbiter Motorradfabrik gefertigt. Am 19. November 2011 feiert das Irbiter Motorradwerk seinen 70. Geburtstag und stellt dazu das Jubiläumsmodell Ural M70 vor. Es ist den Pionieren unter den Arbeitern und Ingenieuren des Irbiter Motorradwerks aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gewidmet. Es soll in den Details eng an das Original erinnern, daher kommt nur das Modell Retro als Basisfahrzeug in Frage.
Technische Entwicklung und Modernisierung
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Irbitski Motozikletny Sawod - IMZ (Motorrad-Fabrik Irbit) im Jahr 1998 privatisiert, blieb aber trotz eines Produktionseinbruches der weltweit führende Hersteller von Gespannen. Seitdem hat sich einiges bei den 40-PS-Maschinen zum Besseren verändert: Eingebaut werden heute beispielsweise japanische Keihin-Vergaser, Katalysatoren, eine elektronische Zündanlage von Ducati Energia, eine Lichtmaschine von Denso, Stoßdämpfer von ZF Sachs und Bremsen von Brembo.
Die nun zur Verfügung stehenden 40 PS ermöglichen es den Fahrern, auch auf Autobahnetappen nicht auf LKW-Windschatten angewiesen zu sein. Bei den Modelle seit 2008 sorgt ein SLS-System für zeitgemäße Abgaswerte. Die elektronische Zündanlage von DUCATI ENERGIA sorgt für den richtigen Zündfunken.
Die Lichtmaschine ist nun aus dem Hause DENSO , die Stoßdämpfer werden von ZF SACHS verbaut und alle Zahnräder (Motor, Getriebe) werden von der deutschen Fa. HERZOG ins russische Irbit geliefert um in die Ural-Gespanne verbaut zu werden. Alle Lager, Wellendichtringe, Schrauben, Muttern, Kabel, elektrische Verbindungsstecker am Gespann sind westlicher Herkunft. Für eine gute Bremsverzögerung sorgt eine BREMBO - Scheibenbremsanlage am Vorderrad. Alle Räder haben ab 2011 Aluminiumfelgen.
Beliebte Modelle und Sondermodelle
Ural cT hat 18 Zoll Räder, Ural T hat 19 Zoll Räder, beide haben eine geschobene Schwinge für die Vorderradführung.
- Ural T 2WD
- Ural Sportsman 2WD
- Ural Ranger 2WD
Der Beiwagenantrieb ist zuschaltbar. Das heißt, das Fahrzeug wird im Normalfall mit Hinterradantrieb bewegt. Auf Untergrund mit wenig oder ohne Grip (Eis, Schnee, Schotter, Sand, tiefer Boden, “offroad”) kann mittels eines kleinen Hebels das Beiwagenrad zugeschaltet werden. Beide Räder haben nun Traktion. Es gibt aber kein Differential, das heißt, die Traktion ist auf beiden Rädern 100%, die Wirkung ist wie bei einer Differentialsperre. Lenken ist in diesem Zustand auf normalen Boden beinahe unmöglich, im Gelände ist aber die Wirkung des Ural Beiwagenantriebs sehr willkommen. Ural Gespanne mit Beiwagenantrieb sind nicht umsonst bei allen Winterfahrern sehr beliebt.
Ural Ranger ist die martialische und beliebteste Ural mit Beiwagenantrieb. Schon 2010 gab es bereits eine "Roter Oktober" Limited Edition des Ural Gespanns. Mit rot/schwarzer Lackierung, 18 Zoll Rädern mit schwarz verchromten Speichenfelgen und niedrigem Beiwagen mauserte sich das mit sowjetischen Kolben und Sichel verzierte Sondermodell schnell zu den beliebtesten von Urals Limited Editions. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums gab es dann die Ural Roter Oktober II. Die Ural Roter Oktober II ist offiziell dem am 31.
Camouflage beige-beige-braun. Hat bei Einführung im Jahre 2011 binnen kürzester Zeit den ersten Rang in der Beliebtheitsskala bei den Rangers übernommen.
Markt und Produktion heute
Im Krisenjahr 2009 hat das Ural Werk nur knapp 500 Motorräder produziert. Aus Umweltschutzgründen hat das Werk die hauseigene Galvanische Abteilung schließen müssen. Für 2011 sind 1300 Motorräder geplant. Hauptabsatzmarkt ist die USA, zwei Drittel der gesamten Produktion gehen in die USA. Neben Europa werden Motorräder auch noch nach Kanada, Australien, Japan, Südafrika geliefert.
Das Irbiter Motorradwerk produziert und verkauft heute um die 100 Beiwagenmotorräder monatlich, also um die 1200 Einheiten pro Jahr. Hauptmarkt sind die USA, wohin die Hälfte der Gesamtproduktion geht.
Technische Daten
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Hubraum | 745 cm³ |
| Leistung | 40 PS |
| Antrieb | Kardan |
| Bremsen (Vorderrad) | BREMBO - Scheibenbremsanlage |
| Zündanlage | Elektronische Zündanlage von DUCATI ENERGIA |
| Lichtmaschine | DENSO |
| Stoßdämpfer | ZF SACHS |
Verwandte Beiträge:
- Unglaubliche Russische Beiwagen-Motorradmodelle: Die Historische Entwicklung, Die Sie Kennen Müssen!
- Unglaubliche Fakten über die Geschichte der alten russischen Motorräder, die du nie kanntest!
- Ural Motorrad Modelle: Geschichte, Übersicht & Kaufberatung
- Radtour Strausberg Buckow: Strecken & Sehenswürdigkeiten
- Motorrad Fahrsicherheitstraining Baden-Württemberg: Termine & Anbieter
Kommentar schreiben