Die richtige Einstellung deines Mountainbikes ist entscheidend für dein Fahrerlebnis. Eine falsche Sitzposition kann nicht nur zu Schmerzen und Ermüdung führen, sondern auch deine Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Besonders die Sattelhöhe und -neigung, sowie die Position des Lenkers und der Griffe spielen eine große Rolle.
Warum du dein MTB richtig einstellen solltest:
- Vermeidung von Schmerzen und Beschwerden: Eine zu hohe oder zu niedrige Sattelhöhe kann zu Knie-, Rücken- und Handschmerzen führen.
- Effiziente Kraftübertragung: Eine korrekte Sitzposition ermöglicht eine optimale Kraftübertragung auf die Pedale.
- Bessere Kontrolle und Handling: Ein richtig eingestellter Lenker verbessert die Kontrolle über das Bike und erhöht die Sicherheit.
Die richtige Sattelhöhe einstellen
Die Sattelhöhe ist einer der wichtigsten Faktoren für eine komfortables Fahrerlebnis und effiziente Kraftübertragung. Sie ist entscheidend für eine effiziente Tretbewegung und um Knieprobleme zu vermeiden.
So stellst du sie ein:
- Innenbeinlänge messen: Stelle dich ohne Schuhe mit dem Rücken an eine Wand und miss von der Sohle bis zum Schritt. Dies schaffst du am besten, indem du ein Buch zwischen den Beinen nach oben schiebst. Die Oberkante des Buches ist deine obere Messkante.
- Sattelhöhe berechnen: Multipliziere deine Beinlänge mit 0,883. Das Ergebnis ist die deine Sattelhöhe.
- Sattel einstellen: Stelle den Sattel so ein, dass der gemessene Abstand dem von der Mitte des Tretlagers zur Oberkante des Sattels entspricht. Auf unseren neuen Sattelmodellen wirst du die sogenannte Biomechanische Referenzlinie (BMR) finden. Sie bestimmt den Messpunkt auf der Oberfläche des Sattels.
Links: Sattelhöhenmessung nach der Hügi Formel. Während beide Methoden bei Körpergrößen von 1,75 bis 1,85 fast die gleichen Ergebnisse liefern.
Unser Bike Ergonomics Kanal hat auch ein Video zur Einstellung der Sattelhöhe für dich bereitgestellt. Dort ist alles noch einmal kompakt und anschaulich erklärt.
Die horizontale Sattelverstellung
Die horizontale Position des Sattels beeinflusst deine Position im Verhältnis zum Tretlager und zum Lenker. Das erreichst du, imdem du ein Lot von der Kniescheibe nach unten fällst. Das Lot sollte durch die Pedalachse fallen. Das kann am besten von einer anderen Person kontrolliert werden. (Ein Lot findest du übrigens auch in unserer Fitting Box, mit du dein Rad für dich ergonomisch einstellen kannst.) Verschiebe den Sattel so lange nach vorne oder hinten, bis diese Position erreicht ist.
Neben dem Einstellen der Sattelhöhe haben wir auch ein Video zum vollständigen Einstellen des Sattels produziert. Dort erfährst du anschaulich, wie du alle nötigen Einstellungen vornimmst.
Die richtige Sattelneigung einstellen
Die Sattelneigung beeinflusst die Druckverteilung auf dein Gesäß und deine Hände. Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.
Viele Biker stellen bewusst die Sattelnase etwas nach unten, um den Dammbereich zu entlasten. Das führt jedoch zu mehr Druck und Haltearbeit in Armen, Händen und Schultern. Deshalb sollte der MTB-Sattel im Idealfall waagerecht sein. Um Druck im Dammbereich zu mindern, lesen Sie die Tipps bei Schmerzen am Gesäß.
Die richtige Lenkerhöhe und -position einstellen
Die Lenkerhöhe und -position beeinflussen deine Sitzhaltung und den Fahrkomfort. So stellst du den Lenker richtig ein:
- Lenkerhöhe: Die Höhe des Lenkers sollte so eingestellt sein, dass deine Arme leicht gebeugt sind. Ein höherer Lenker sorgt für eine aufrechtere Sitzposition, ein niedrigerer Lenker für eine sportlichere Haltung.
- Lenkerbreite: Die Lenkerbreite sollte zu deiner Schulterbreite passen. Ein breiterer Lenker bietet mehr Kontrolle, ein schmalerer Lenker weniger Luftwiderstand.
- Lenkerneigung: Stelle den Lenker so ein, dass deine Handgelenke in einer neutralen Position sind, um Überlastungen zu vermeiden. Wenn du unsicher bist, beginne zuerst so, dass du die Griffstück waagerecht einstellst. Nach Bedarf kannst du dann den Winkel der Griffe, beziehungsweise deren Neigung so einstellen, das nur ein sehr feiner Winkel vom Arm zum Handrücken entsteht.
Schau dir auch unser Video zur Einstellung des Lenkerabstands an.
Weitere wichtige Aspekte
Bei allen Einstellungen ist es immer ratsam auf seinen Körper zu hören. Zu tiefer Sattel belastet das Knie stärker und sorgt für eine schellere Ermüdung der Muskulatur. Ist der Sattel zu hoch wird das Knie durchgedrückt und der Fuß überstreckt. Es erhöht sich der Druck auf den vorderen Teil des Fußes. Um eine überhöhte Sitzposition auszugleichen muss die Fußspitze nach unten bewegt werden. Dadurch wandert der Druckpunkt am Fuß, vom Fußballen (Großzehengrundgelenk) zu den Fußzehen. Das Pedalieren mit den Fußspitzen sorgt für eine schlechtere Kraftübertragung und viel Druck auf die Zehen.
Um den Sattel richtig einzustellen wird bei modernen Fahrrädern meist ein Inbusschlüssel benötigt, bei älteren Modellen einen Ring- oder Gabelschlüssel. Als erstes sollte der Sattel waagerecht justiert werden.
Testlauf: So erkennen Sie mögliche Probleme
Je steiler und länger ein Berg, desto deutlicher treten bestehende Probleme zu Tage. Nur, wer ausreichend beweglich und stark ist, kann schmerzfrei und kraftvoll auf dem MTB treten. In der Praxis sollten Sie längere Anstiege deshalb ohne Schmerzen fahren können. Die folgenden Punkte helfen Ihnen dabei.
Zusätzliche Tipps
- Kurze Testfahrten: Mache nach veränderten Einstellungen eine kurze Testfahrt und überprüfe, ob du dich wohlfühlst.
- Kleine Anpassungen: Verändere die Einstellungen in kleinen Schritten und teste die Wirkung. Mache dir am besten vorher Notizen von den aktuellen Einstellungen, um diese Anpassungen im Bedarfsfall rückgängig zu machen.
- Individuelle Bedürfnisse: Berücksichtige deine individuellen Bedürfnisse und Vorlieben.
Professionelles Bikefitting
Wer Fahrradtyp, Ergonomie und Körpergefühl beim Einstellen der Fahrradkomponenten beachtet, sollte die Anpassungen selbst vornehmen können. Ein professionelles Fahrradfitting ist relativ teuer. Pro Stunde muss man mit etwa 100 Euro rechnen und - je nach Leistung - mit 2 bis 4 Arbeitsstunden.
Ein professionelles Bikefitting kann sinnvoll sein, wenn man auf Profiniveau fährt, gesundheitliche Einschränkungen oder eine Vorbelastungen mitbringt, zum Beispiel nach einem Unfall, oder eine lange Fahrradreise plant. Das Bikefitting beim Experten kann umfassen:
- Körpervermessung
- Fahrradvermessung
- Beweglichkeitsanalyse
- Einstellung der Sattelhöhe
- Justierung des Sattelversatzes
- Anpassung von Lenkerhöhe und -abstand
- Ermittlung der Lenkerbreite
- Optimierung der Fußstellung auf dem Pedal
- Kontrolle der Knieerhebungskurve
Die richtige Sitzhöhe und Rahmenhöhe bestimmen
Die Schrittlänge liefert Ihnen einen sehr guten Anhaltspunkt für die Sitzhöhe - das ist der Abstand von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sattels.
Sitzhöhe = 0,885 x Schrittlänge (cm) = ...............
TIPP: Die richtige Sitzhöhe ist das Maß für gute Kraftentfaltung. Beginnen Sie die Annäherung an die optimale Sitzposition am besten von einer etwas zu hohen Sitzposition aus - erkennbar am unrunden Tritt und kippendem Becken. Tasten Sie sich abwärts mit der Sitzhöhe, bis der Tritt rund ist und das Becken nicht mehr mit jedem Tritt wegkippt. Wie Sie die richtige Rahmengröße beim Mountainbike bestimmen, lesen Sie hier.
Cleat-Position: Pedalplatten korrekt einstellen
Zur Findung der Grundposition sollte das Cleat über Ihrem Großzehengrundgelenk (der dicke Teil hinter dem großen Zeh) sitzen. Schrauben Sie das Cleat mittig unter den Schuh. Mit einem Fall-Lot testen Sie (angesetzt in der Mitte des Kniegelenks außen), ob das Lot über die Pedalachse fällt. Dafür steht die Kurbel in einer 90-Grad-Tretstellung. Schieben Sie nun den Sattel vor oder zurück, um das Lot auszurichten. Hier finden Sie eine genaue Anleitung zur Einstellung von Shimano-SPD-Pedalplatten.
Lenkerformen und Griffposition
Die optimale Griffposition ist wesentlich von der Körperhaltung auf dem Fahrrad abhängig. Schnelle Fahrer bevorzugen eine gestreckte Sitzposition, weil sie die Kraftübertragung und die Aerodynamik verbessert. Für die allermeisten anderen Radfahrer spielen jedoch Komfort und die Radbeherrschung eine größere Rolle: Sie fahren eher aufrecht.
Maßgeblich wird dabei die Haltung vom Abstand zwischen Sattel und Lenker sowie von der Position der Griffebene im Verhältnis zur Sattelebene bestimmt. Entsprechend haben Fahrräder je nach potenziellem Einsatzzweck unterschiedliche Lenkerformen, die Haltung und Fahrverhalten vorgeben. Bei einem Hollandrad ist der Lenker weit in Richtung Sattel geschwungen. Folglich verkürzt sich der Abstand, das Fahren wird aufrechter und komfortabler. Beim Rennrad sorgen dagegen die Auswölbungen am Lenker dafür, dass sich der Fahrer weiter strecken kann und damit flacher auf dem Bike sitzt. Mountainbikes haben einen vergleichsweise geradlinigen Lenker, was für ein besonders stabiles Fahrgefühl sorgt, gerade im Gelände.
Für weitere Informationen und detaillierte Anleitungen, besuche unsere Webseiten zum Thema Fahrradsattel, Griffe, Bike-Fitting und anderen relevanten Themen.
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