„Mein Hintern tut weh, ich kann nicht mehr sitzen!“ Ein schmerzender Po kann die schönste Fahrradtour vermiesen.
Warum der richtige Fahrradsattel so wichtig ist
Der Sattel ist Dreh- und Angelpunkt beim Fahrradfahren.
Es ist schon ein Hochgefühl, wenn man den passenden Sattel für sich gefunden hat. Wer wünscht es sich nicht: Drauf auf das Bike und los geht der Fahrspaß, egal wie lange die Tour auch dauert!
Dies kann aber viele Ursachen haben. Entweder ist der Sattel zu weich oder er passt einfach nicht zum eigenen Körperbau. Die Gründe dafür sind vielfältig. Möglich ist, dass der Fahrradsattel neu oder zu weich ist oder einfach nicht zu Ihrem Körperbau und Ihrer Sitzhaltung passt.
Ein schmerzhaftes Hinterteil kann verschiedene Ursachen haben, aber oft liegt es an einem ungeeigneten Sattel. Um einen besseren Überblick zu erhalten, erläutern wir die Ursachen von Problemen, bieten Lösungsansätze und beleuchten die Merkmale eines „passenden“ Sattels.
Die Qual der Wahl: Welcher Sattel ist der Richtige?
Generell gilt: Der Fahrradsättel sollte in der Form der Sitzhaltung und der Beckenform des Fahrers entsprechen. Egal für welchen Fahrradsattel Sie sich entscheiden, er sollte immer im Einklang mit Ihrer Sitzposition und Ihrem Einsatzbereich stehen.
Unser Testergebnis kann hierbei eine Entscheidungshilfe sein. Immer mehr Marken bieten zudem Adaptermöglichkeiten für Werkzeuge, Lichter oder Satteltaschen über Clipsysteme an, wie es beispielsweise bei Selle Royal der Fall ist. Viele Sattelhersteller bieten mittlerweile ihre Sattelmodelle in verschiedenen Breiten an.
Die Bedeutung der Sitzposition
Tourenradler sitzen besonders lange auf dem Sattel, manche tragen dabei auch noch einen Rucksack, der das Gewicht, das auf den Sitzknochen lastet, erhöht. Cityradler sind dagegen tendenziell eher kurz unterwegs.
Wer aufrecht fährt, belastet den Fahrradsattel hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht. Reiseradler fahren in der Regel leicht nach vorne gebeugt (45-Grad-Haltung), sodass auch der Lenker das Körpergewicht mitträgt.
Häufige Probleme und Lösungen
Radfahrer müssen diese Probleme nicht aussitzen, sondern können etwas dagegen tun.
Sitzbeschwerden und ihre Ursachen
Viele Radfahrer klagen oft über Beschwerden im Gesäßbereich, die von empfindlichen Sitzknochen ausgehen können. Es ist ratsam, die Druckempfindlichkeit durch kurze und regelmäßige Fahrten zu Beginn der Saison zu trainieren. Die Knochen nehmen durch das Sitzen keinen Schaden, daher sollte das Körpergewicht vor allem auf ihnen ruhen.
Entweder der Sattel ist noch neu oder er ist zu weich, die Sitzknochen versinken so tief im Sattel, dass das darunterliegende Gewebe gereizt wird. Das Gewebe muss hier einen Teil des Gewichts mittragen - nochmal mehr, wenn ein Rucksack zusätzliche Last mitbringt. Es kommt zu einer stärkeren Schweißbildung und zu unangenehmen Druckstellen.
Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Erstens: Kribbeln und Taubheitsgefühle im Genitalbereich bei Männern und Frauen aufgrund von Durchblutungsstörungen der Nerven und Blutbahnen. Zweitens: Der Sitzknochen schmerzt. Drittens: Das Steißbein schmerzt.
Was tun bei Beschwerden?
Bestenfalls sollten Sättel immer waagrecht montiert werden. Drehen Sie zunächst an den Stellschrauben Ihres Sattels, und verändern Sie in kleinen Schritten die Einstellung - waagerecht, leicht nach unten kippend, in der Höhe. Möglicherweise haben Sie damit schon das Problem gelöst. Hierzu haben wir einen kleinen Workshop auf Seite 44 erstellt. Leider führt aber auch eine zu hohe Sitzposition zu seitlichen Bewegungen des Beckens über dem Sattel, wodurch das Hin und Her zu Hautirritationen und Reibstellen führen kann.
Sollten weiterhin Probleme im Sitzbereich bestehen, wird empfohlen, ein Fahrradfachgeschäft aufzusuchen, denn oft bieten diese professionelle Bike-Fittings an. Dort werden untere anderen die Sitzknochen vermessen, der passende Sattel ausgewählt, die Einstellung und die Sitzposition überprüft und bei Bedarf optimiert.
Die richtige Sattelbreite finden
Der Abstand der Sitzknochen am Sattel variiert je nach Sitzposition. Bei aufrechter Sitzposition als Trekkingradfahrer rotiert das Becken nach hinten.
Die Breite des Fahrradsattels ist sehr wichtig. Wenn er zu breit ist, können die seitlichen Kanten an den Innenseiten der Oberschenkel scheuern und Druckstellen verursachen. Das kann dazu führen, dass der Biker unbeabsichtigt nach vorne rutscht. Ist der Sattel zu schmal, wird zu viel Druck auf die Weichteile und den Bereich zwischen den Oberschenkeln ausgeübt, wo wichtige Blut- und Nervenbahnen verlaufen, die gequetscht werden können. Leider reagiert dieser Bereich relativ unempfindlich gegenüber Überlastung, was langfristig zu ernsthaften Problemen und Schäden führen kann.
So bieten viele Fachhändler an, den Sitzknochenabstand ihrer Kunden zu messen. Der Münchner Hersteller SQlab hat die Methode der Sitzknochenvermessung in Deutschland etabliert. Aber auch andere Hersteller bieten Sättel an, die auf der Berechnung des Sitzknochenabstands basieren.
So messen Sie Ihren Sitzknochenabstand
Um den Sitzknochenabstand zu messen, brauchen Sie Wellpappe, eine Sitzgelegenheit mit ebener Oberfläche, einen Stift und ein Lineal. Die Wellpappe wird auf die gerade Sitzfläche (beispielsweise ein Hocker) gelegt. Setzen Sie sich nun mittig auf die Pappe und richten Ihren Oberkörper auf, die Füße stellen Sie auf die Zehenspitzen, damit die Sitzknochen mehr Druck auf die Pappe ausüben. Umkreisen Sie nun mit einem Stift den Abdruck, und kennzeichnen Sie den tiefsten Punkt mit einem Kreuzchen.
Besondere Sattelarten und ihre Vorteile
Stufensattel? Gelkissen? Das Problem des Kribbelns und der Taubheitsgefühle gehen Sattel-Hersteller zum Teil unterschiedlich an.
Stufensättel
Da gibt es beispielsweise das erhöhte Heck, bei dem die Nase des Sattels tiefer liegt als der hintere Teil.
Sättel mit Aussparung
Ein anderer Lösungsweg liegt in der Aussparung, die für Entlastung sorgt. Egal ob der Sattel ein Loch in der Mitte besitzt, oder der Entlastungskanal mittig vertieft angebracht ist, dieses Feature ermöglich es, den sensiblen Dammbereich zu entlasten. Bei dem Sattelloch ist zu beachten, dass diese Öffnung unter Umständen Grund für eine Verschmutzung der Hose ist und im Winter ein eher unangenehmes Kältegefühl im Sitzbereich erzeugt.
Ledersättel
Das natürliche Material passt sich im Laufe der Zeit der Anatomie des Fahrers an, da die Lederdecke wie eine Hängematte vorne und hinten flexibel aufgehängt ist. Kernledersättel haben den klassischen Look - und sind überaus bequem, vorausgesetzt, sie sind eingefahren.
Die Bespannung muss, wenn der Sattel weich gefahren ist, regelmäßig nachgezogen werden. Leder ist ein natürliches Material, das sich verändert. Daher sollten Ledersättel regelmäßig gefettet und nachgespannt werden. Laut Hersteller soll die Spannschraube immer mit einer halben Umdrehung weiter gespannt werden.
Der klassische Ledersattel muss erst eingefahren werden, passt sich aber individuell an den Fahrer an und ist ein echtes Schmuckstück.
Das kann allerdings bedeuten 100 Kilometer auf einem anfangs harten Sattel zu fahren. Wer sich nach einem guten Ledersattel umsieht, kommt an Brooks aus England nicht vorbei. Der Hersteller fertigt seit 1866 Ledersättel in Handarbeit.
Geschlechtsspezifische Sättel
Einige Hersteller bieten geschlechtsspezifische Sättel an. Ob Gleichstellung oder nicht: ausprobieren. Denn die Hauptsache ist: Sie fühlen sich wohl.
Speziell für verschiedene Geschlechter konzipierte Sättel sind in der Bike-Industrie immer noch umstritten. Einige Hersteller wie Contec, Ergon und Terry bieten in unserem Test sowohl Herren- als auch Damenmodelle an.
Die Eingewöhnungsphase
Richtig beurteilen lassen sich Sattel und Satteleinstellungen erst, nachdem Sie einige Kilometer damit gefahren sind. Unser Gesäß muss sich erst an den neuen Sattel gewöhnen. Eine schmerzhafte Reaktion auf den ungewohnten Druck ist daher normal. Machen Sie idealerweise drei bis vier Fahrten mit ein bis zwei Tagen Pause dazwischen.
Testberichte und Empfehlungen
Im Punkt Preis-Leistung hatten in diesem Test unter 23 Modellen die Hersteller Acid und Wittkop die Nasen vorne. Am Ende wurden zwei Testsieger gekürt. Bontrager für den sportlichen Radfahrer mit einer straffen Polsterung und SQlab für Trekking-Biker, der mit einem hochwertigen Fahrkomfort punktet.
Ergon ST Gel Women/Men
Perfekt! Bei unserer ersten Testfahrt mit dem Ergon ST Gel Women haben wir uns bereits ab dem ersten Moment auf dem Sattel wohlgefühlt. Unser aktueller Testsieger für Trekking und Touring ist der Ergon ST Gel Women, den es auch für Männer als Ergon ST Gel Men gibt.
Der Tourensattel ist in zwei Größen erhältlich: S/M für einen Sitzknochenabstand von neun bis zwölf Zentimetern und M/L für einen Abstand von zwölf bis 16 Zentimetern. Unser Sitzknochenabstand von zwölf Zentimetern liegt genau dazwischen.
Der Hersteller Ergon berücksichtigt beim Design geschlechtsspezifische Merkmale und unterscheidet seine Sättel dementsprechend. Der Frauensattel hat einen Entlastungskanal, der vorne liegt, und auch die Sattelform ist mit den Seitenflanken an die weibliche Anatomie angepasst. Die Auflagefläche ist flach, das Sitzpolster besteht aus orthopädischem Komfortschaum mit Gelpads. Gut gefallen hat uns auch die schmale Sattelnase des Ergon ST Gel Women. Der Sattel ist breit, man sitzt sehr stabil. Außerdem schluckt er kleine Unebenheiten im Boden einfach weg und dämpft Stöße gut ab. Der Ergon ST Gel Women ist ein hochwertiger Tourensattel zu einem guten Preis, ideal für längere Touren.
Der ergonomische Sattel ist mit orthopädischem Komfortschaum ausgestattet, der für eine effektive Entlastung sorgt. Die schmale Sattelnase bietet viel Beinfreiheit.
SQlab 602 Ergolux Active 2.0
Für alle, die mit ihrem Trekkingrad gerne längere Touren machen, ist der SQlab 602 Ergolux Active 2.0 empfehlenswert. Der schmale SQlab 602 Ergolux Active 2.0. hat ein wellenförmiges Stufenheck und nimmt in der 45-Grad-Haltung den Druck vom Sitzknochen.
SQlab hat als erster Hersteller den Sitzknochenabstand als Grundlage genommen, um die optimale Sattelbreite zu ermitteln. Der 602 Ergolux Active 2.0 hat ein wellenförmiges Stufenheck und eine Einkerbung in der Sattelmitte.
Wir haben beim Fahren das Stufenheck nicht bemerkt. Die Schaumpolsterung lässt sich mit dem Finger ein wenig eindrücken, dennoch sinken die Sitzknochen beim Fahren nicht bemerkbar in die Polsterung ein. Sollte es Ihnen anders gehen, wird es wahrscheinlich eine Frage der Gewohnheit sein, bis Sie die Stufe nicht mehr wahrnehmen.
Das Sitzgefühl war von Anfang an sehr angenehm. Doch nach einigen Kilometern kam uns der Sitz ein wenig unbequem vor. Nach rund sechs Kilometern unserer Teststrecke haben wir daher zum Vergleich die Komfort-Sticks herausgenommen. Und empfanden damit den Sattel mit einem Fahrergewicht von unter 60 Kilo tatsächlich nochmal komfortabler. Ohne die Sticks wird der Sattel etwas weicher, vor allem die seitlichen Bewegungen werden intensiver.
Die Sattelnase ist ein wenig tiefergelegt, so konnten wir keine Druckstellen im Dammbereich bzw. im vorderen Bereich des Schambeins feststellen.
Die Testfahrt mit dem SQlab Ergolux Active 2.0 hat uns Spaß gemacht. Nochmal mehr, nachdem wir die Dämpfungssticks herausgenommen hatten. Dass man hier selbst eine Möglichkeit hat, den Sattel härter bzw. weicher einzustellen, ist toll.
Terry Anatomica Flex Gel
Für Citybikes - also für die aufrechte Sitzposition - ist der Terry Anatomica Flex Gel für uns der beste in diesem Testfeld. Das können wir zumindest von dem Damen-Modell, das wir getestet haben, behaupten.
Der Anatomica Flex ist nur als Einheitsgröße erhältlich. Der breite Fahrradsattel soll mit Schaum und Komfortgel bei kurzen bis mittellangen Touren für angenehmen Sitzkomfort sorgen. Wir können das aus unserem Praxistest bestätigen. Zwar ist der Citysattel im Vergleich zu anderen Citysätteln verhältnismäßig hart, aber unangenehme Druckstellen haben wir auf unserer Testfahrt nicht verspürt. Von hinten ist gut das Cellasto-Dämpfungssystem des Terry Anatomica zu erkennen, das für eine zusätzliche Entlastung am Rücken sorgt. Das System hat der Hersteller gemeinsam mit BASF in Deutschland entwickelt und hergestellt. Damit werden Stöße gut absorbiert und der Rücken wird somit stark und effektiv entlastet.
Auch wenn der Terry Anatomica für einen City-Sattel ungewohnt hart erscheint - das Fahrgefühl ist viel angenehmer als bei anderen City-Sätteln, die aufgrund ihrer Polsterung auch immer etwas waberig erscheinen.
Rose Comfort Handle Sattel
Der Rose Comfort Handle Sattel ist ein solider City-Bike-Sattel, der vor allem mit seinem günstigen Preis überzeugt. Für einen City-Sattel ist der Rose Comfort Handle allerdings etwas fest gepolstert. Daher wird er möglicherweise von einigen als zu fest empfunden. Auch wer sehr empfindliche Sitzknochen hat, könnte mit der Polsterung möglicherweise unzufrieden sein. Für eine gute Entlastung im Dammbereich sorgen die Ergoplain-Oberfläche sowie die Geldämpfung.
Brooks Flyer Classic Line
Die Stahlfedern bei unserem Modell sorgen für viel Komfort beim Fahren. Brooks produziert seit 1866 in Handarbeit Kernledersättel in England. Ein Brooks Flyer Classic Line sollte regelmäßig gepflegt werden. Und man sollte vermeiden, dass der Ledersattel dem Regen ausgesetzt wird - denn Leder ist nicht wasserabweisend und verändert sich bei Nässe.
Alpensattel 3.0 Komfort+
Beim Alpensattel 3.0 Komfort+ handelt es sich um einen breiten, ergonomisch geformten Sattel, der für eine aufrechte Sitzpositon wie bei einem City-Bike geeignet ist. Für sportliche Fahrer ist der Sattel nicht geeignet. Die Gelpolsterung passt sich gut an die Körperform an und verteilt den Druck gleichmäßig. Die Aussparung entlastet den Dammbereich nochmal zusätzlich. Wir konnten während unserer Testfahrten keine Druckstellen oder Taubheitsgefühle feststellen. Wer aufrecht durchs Leben pedaliert und auch gerne länger auf dem Rad unterwegs ist, kann den Unisex-Sattel gerne mal ausprobieren.
Alpensattel 3.0 Sport+
Der Alpensattel 3.0 Sport+ richtet sich an sportliche Radfahrer, allerdings ist im Vergleich zu anderen sportlichen Sätteln aus unserem Test die Polsterung mit 3D Memory Foam weicher. Auch bei unseren Testfahrten hat sich dieser Eindruck bestätigt. Trotz unzähliger Korrekturen an der Sattelposition konnten wir keinen Fahrkomfort für uns feststellen. Die Aussparung in der Mitte des ergonomisch geformten Sattels bot uns auch keine Entlastung. Vielmehr hatten wir den Eindruck, dass das gesamte Gewicht auf dieser Aussparung lastet, was zu unangenehmen Druckgefühlen führte.
SQlab 602 Ergolux Active 2.1
Der SQlab 602 Ergolux Active 2.1 ist die Weiterentwicklung des 602 Ergolux Active 2.0, unserer Empfehlung als Trekking-Alternative. Der ergonomisch geformte Trekkingsattel verfügt ebenfalls über die Ergolux-Stufenform. Das Upgrade reicht von einer verbesserten, leichteren Sattelschale, einem vergrößerten Verstellbereich bis hin zu einer komplett neu entwickelten Technik für das Comfort-active-System, so der Hersteller. Das Comfort-active-System kann hier über eine Switch-Funktion reguliert werden. Das funktionierte bei uns im Test auch wunderbar: einfach und effektiv.
Für längere Touren oder zur stärken Entlastung der Bandscheibe und des Rückens kann mithilfe des Drehmechanismus die gewünschte Beweglichkeit eingestellt werden. Im ersten Moment empfanden wir die Stufenform des Sattels wenig komfortabel, nachdem wir allerdings die Sitzhöhe an unserem Trekkingrad verringert haben, kamen wir auch in den Genuss des Sitzkomforts - ohne Druckspitzen oder anderen Unannehmlichkeiten. Der SQlab 602 Ergolux Active 2.1 ist eine lohnenswerte Alternative für Tourenfahrer. Erhältlich ist der Sattel in den Größen 14, 15, 16 und 17 Zentimetern. Wir haben mit unserem Sitzknochenabstand von zwölf Zentimetern die 14-Zentimeter-Variante getestet.
Selle Italia GT-5
Für Cityräder und Pendler eignet sich der Selle Italia GT-5, ebenso wie für E-Bikes mit aufrechter Sitzposition. Der Sattel ist mit einem integrierten Griff und Rückstrahler versehen. Der Sattel fühlt sich im ersten Moment recht hart an, das gibt sich jedoch nach einigen Kilometern. Als Polster verwendet der Hersteller Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA), das Material ist leicht, weich und dämpft Stöße ab. Die Seiten bewegen sich mit und sorgen für einen angenehmen Komfort. Druckspitzen konnten wir nicht feststellen, ebenso wenig Taubheitsgefühle. Bemerkenswert ist noch, dass die Produktion klebstofffrei ist und der Sattel somit leicht zu recyceln ist. Aufgefallen ist uns noch, dass der Sattel etwas rau ist.
Weitere Faktoren für eine komfortable Fahrt
Auch hier gibt es Lösungen, wenn durch das lange Sitzen weiterhin Druckschmerzen oder Hautirritationen an der Tagesordnung sind. Mit beispielsweise einem regelmäßigen Wechseln der Sitzposition durch Aufstehen oder Pausen, kommt mehr Frischluft an den Sitzbereich. Dies verhindert, dass feuchtes und warmes Sitzklima entsteht. Zudem ist eine Radhose mehr als nur ratsam, da diese den Schweiß im Sitzpolster ideal abtransportiert und durch ihr meist antibakteriell und atmungsaktives Material eine hohe Luftzirkulation ermöglicht. Geschmacksache sind Sitzcremes.
Auch die „Sattelhöhe“ ist ein wichtiges Kriterium damit beim Radfahren Freude aufkommt. Der beste Sattel nützt nichts wenn er falsch montiert und eingestellt wird.
Schadstoffe in Fahrradsätteln
Im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens fahndeten Chemiker nach besonders gefährlichen Stoffen. Denn zuletzt wurden in Kinderfahrradsätteln hormonaktive Weichmacher und gefährliche Flammschutzmittel nachgewiesen. "Problematisch ist, dass man beim Fahrradfahren häufig nur eine dünne Radlerhose anhat. Dann können potentielle Schadstoffe aus dem Sattel durch den Schweiß in den Körper gelangen. Das kann zu Gesundheitsschäden wie z.B. Krebs, Allergien, Organschäden führen und es kann eben auch die Fortpflanzung beeinträchtigen", erklärt Chemikerin Dr.
Während fünf Fahrradsättel hinsichtlich der untersuchten Schadstoffe aktuell nicht zu beanstanden waren, fanden sich im Material des Amazon-Sattels große Mengen des nach der EU-Chemikalienverordnung REACH verbotenen, fortpflanzungsgefährdenden Phthalats DEHP. Die Substanz wurde vor Einführung des EU-weit gültigen Grenzwerts von 0,1% zumeist als Weichmacher für Kunststoffe verwendet. Der Fahrradsattel hätte allein wegen des Phthalats nicht verkauft werden dürfen.
Fazit: Der günstigste Sattel von Amazon hat insgesamt im Labor und im Praxischeck am schlechtesten abgeschnitten. Die Fahrradsättel aus dem Fachhandel waren schadstoffmäßig alle in Ordnung. Es lohnt sich also, sich fachmännischen Rat zu holen, ggf.
Überblick über empfohlene Fahrradsättel
Die folgende Tabelle fasst einige der im Artikel erwähnten Fahrradsättel zusammen, um eine bessere Vergleichsmöglichkeit zu bieten:
| Sattel | Typ | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Ergon ST Gel Women/Men | Trekking, Touring | Orthopädischer Komfortschaum, schmale Sattelnase |
| SQlab 602 Ergolux Active 2.0 | Trekking | Wellenförmiges Stufenheck, Einkerbung in der Sattelmitte |
| Terry Anatomica Flex Gel | Citybike | Cellasto-Dämpfungssystem |
| Brooks Flyer Classic Line | Klassisch, Urban | Kernledersattel, Stahlfedern |
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