Schaumstoff für Motorradsitzbänke: Materialauswahl, Bearbeitung und DIY-Anleitungen

Das Aufpolstern oder Neubeziehen einer Motorradsitzbank ist eine lohnende Aufgabe, um Komfort und Optik des Motorrads zu verbessern. Vor allem bei älteren Modellen leiden oft die Polster der Sitzbänke. Mit etwas Geschick und den richtigen Materialien lässt sich dies jedoch leicht beheben.

Materialauswahl für Motorradsitzbänke

Bei der Wahl des richtigen Schaumstoffs für eine Motorradsitzbank gibt es verschiedene Optionen, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften und Vorteile bieten:

  • PU-Schaumstoff: Eine preisgünstige Option, die jedoch möglicherweise nicht so langlebig ist wie andere Materialien.
  • Kaltschaum: Bietet eine höhere Lebensdauer und wird oft von großen Autoherstellern verwendet.
  • Verbundschaumstoff: Besonders fest und langlebig, ideal für Motorradsitze, die hohen Belastungen standhalten müssen. Empfehlenswert sind Varianten mit RG (Raumgewicht) 100, 120 oder 140.
  • Zellkautschuk (Moosgummi): Eine puristische Option, die sich nicht mit Wasser vollsaugt, aber weniger Komfort bietet.

Für Motorradsitzbänke empfiehlt sich Verbundschaumstoff RG 120, da er eine gute Balance zwischen Festigkeit und Komfort bietet. Er ist zudem leicht zu verarbeiten.

Raumgewicht (RG)

Das Raumgewicht (RG) ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Schaumstoffs. Es gibt an, wie viel Gewicht der Schaumstoff pro Kubikmeter hat. Je höher das Raumgewicht, desto fester und langlebiger ist der Schaumstoff. Für Autositze sollte der Schaumstoff mindestens ein Raumgewicht von 35 aufweisen, besser wären RG 40 oder 50. Für Motorradsitzbänke wird empfohlen, einen möglichst hohen Wert für das Raumgewicht zu wählen, damit die Sitzbank fest und langlebig ist.

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Schaumstoffarten und ihre empfohlenen Raumgewichte zusammenfasst:

Schaumstoffart Empfohlenes Raumgewicht (RG) Eigenschaften
PU-Schaumstoff 35-50 Preisgünstig, weniger langlebig
Kaltschaum 40-50 Langlebig, komfortabel
Verbundschaumstoff 100-140 Sehr fest, robust, langlebig
Zellkautschuk (Moosgummi) - Wasserabweisend, hart

Schaumstoffbearbeitung für individuelle Sitzbankformen

Oft sind keine übermäßigen Veränderungen notwendig, um aus einer unförmigen Seriensitzbank ein schönes Exemplar zu machen. Hier sind einige Tipps, wie man Schaumstoff bearbeiten und in Form bringen kann:

Werkzeuge und Materialien

  • Langes, scharfes Messer (evtl. mit Öl benetzt)
  • Flex mit Fächerscheiben (einstellbare Drehzahl empfohlen)
  • Handschleifer
  • Schleifpapier (Körnung 40)
  • Staubschutzmaske
  • Schutzbrille
  • Sprühkleber

Bearbeitungsschritte

  1. Grobe Formgebung: Verwenden Sie ein Messer oder eine Flex mit Fächerscheibe, um die grobe Form der Sitzbank zu gestalten. Bei Verwendung der Flex, üben Sie wenig Druck aus und gleiten Sie leicht über den Schaumstoff.
  2. Feinarbeit: Verwenden Sie einen Handschleifer und Schleifpapier mit 40er Körnung, um die Oberfläche zu glätten und Unebenheiten zu beseitigen. Ziehen Sie das Material immer in eine Richtung ab.
  3. Verkleben: Falls Sie Schaumstoff aufbringen müssen, schneiden Sie ein Stück Schaumstoff grob zu, sprühen Sie beide Teile mit Sprühkleber ein, lassen Sie den Kleber anziehen und fügen Sie die Teile zusammen.

Es ist wichtig, bei der Bearbeitung eine Staubschutzmaske und eine Schutzbrille zu tragen, da eine Menge Fusseln entstehen können.

Motorradsitzbank selber beziehen

Eine Motorradsitzbank zu beziehen ist kein Hexenwerk. Mit Polsterstoffen aus robustem Outdoor Kunstleder, den richtigen Werkzeugen und einer einfachen Anleitung kann man verschlissene Sitzpolster erneuern.

Benötigte Materialien und Werkzeuge

  • Polsterstoff (z.B. Outdoor & Boot Kunstleder Ocean)
  • Spitzzange / Schraubendreher
  • Drahtbürste
  • Scharfes Messer / Schere
  • Tacker
  • Tacker-Klammern (ca. 6 - 8 mm)
  • Fön

Anleitung in 6 Schritten

  1. Altes Sitzpolster entfernen: Befreien Sie das Sitzkonstrukt vom alten Sitzpolster. Die Klammern des Bezuges lassen sich mit einer Spitzzange oder einem Schraubendreher entfernen. Etwaige Kleberückstände vom Schaumstoff lassen sich mit einem Drahtschwamm sauber beseitigen.
  2. Neuen Sitzbezug ausmessen: Vermessen Sie nun den neuen Sitzbezug mit einer Nahtzugabe von circa 4 Zentimetern. Mit einem scharfen Messer bringen Sie jetzt den Sitzbezug sowie das innere Polstermaterial in die gewünschte Form.
  3. Innenpolster ausrichten: Richten Sie das Innenpolster sorgfältig unter dem Polsterbezug aus. Fixieren Sie den Stoff zunächst mit einem Tacker locker im Frontbereich des Sitzkerns.
  4. Sitzpolster auf Spannung bringen: Mit einem Fön bringen Sie das Sitzpolster auf die optimale Spannung. Tackern Sie das Sitzpolster direkt nach dem Erkalten in immer kleiner werdenden Abständen fest.
  5. Stoffreste entfernen: Entfernen Sie überstehende Stoffreste mit der Stoffschere.
  6. Motorradsitzbank wieder befestigen: Kalibrieren Sie abschließend die Sitzposition auf Ihrem Motorrad.

Warum Sitze ich schlecht? Ursachen und Lösungen

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einem unbequemen Sitzgefühl auf dem Motorrad führen können:

  • Schaumstoffqualität: Der original verwendete Schaumstoff ist oft nicht optimal für die punktuelle Belastung auf dem Motorradsitz.
  • Form der Sitzbank: Eine nach vorne abfallende Sitzfläche kann das Abrutschen nach vorne verstärken.
  • Schaumstoffdicke: Eine ungleichmäßige Schaumstoffdicke, insbesondere im vorderen Bereich, kann zu weiterem Nachgeben des Schaumstoffs führen.

Lösungen für ein besseres Sitzgefühl

  • Verwendung von Verbundschaumstoff: Ersetzten Sie den originalen Schaumstoff durch ermüdungsfreien Verbundschaumstoff.
  • Optimierung der Sitzform: Verbreitern Sie die Sitzfläche, um das Gewicht besser zu verteilen.
  • Schichtaufbau: Verwenden Sie verschiedene Lagen Schaumstoff mit unterschiedlichen Stauchhärten und Raumgewichten, um den Sitz optimal an die Bedürfnisse des Fahrers anzupassen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0