Schlauchlosen Fahrradreifen reparieren: Eine umfassende Anleitung

Auch Fahrradfahrer sind vor Reifenpannen nicht gefeit. Spitze Gegenstände auf dem Radweg, zu hoher Reifendruck oder auch Fehler bei der Montage der Räder können schnell dazu führen, dass der Fahrradreifen platzt. In einer Fahrradwerkstatt ist das Problem meist innerhalb kurzer Zeit und für wenig Geld behoben. Doch viele Fahrradfahrer entscheiden sich auch dafür, die Reparatur selber vorzunehmen und den Fahrradreifen eigenhändig zu flicken. Das spart Kosten und häufig auch Zeit. Und befinden Sie sich grad auf einer Radtour mitten im Nirgendwo, ist es meist auch die einzige Möglichkeit, wenn Sie die restlichen Kilometer nicht schieben möchten.

Grundlagen der Tubeless-Reifenreparatur

Tubeless Fahrradreifen sind eine innovative Alternative zu herkömmlichen Reifen mit Schläuchen. Sie bieten Vorteile wie ein geringeres Gewicht, weniger Rollwiderstand und eine höhere Pannensicherheit. Allerdings können auch Tubeless-Reifen beschädigt werden und müssen dann repariert werden.

Vorteile von Tubeless-Reifen

  • Geringeres Gewicht
  • Weniger Rollwiderstand
  • Höhere Pannensicherheit
  • Verbesserter Komfort und Traktion

Tubeless-Reifen sind luftdichte Reifen, die ohne Schlauch auskommen. Sie werden direkt auf die Felge montiert und bieten durch einen niedrigeren Luftdruck eine größere Kontaktfläche, was den Rollwiderstand reduziert, das Fahrverhalten und den Pannenschutz verbessert. Zudem sind sie durch die Verwendung von Dichtmilch in der Regel besser gegen Pannen geschützt als herkömmliche Reifen.

Ich kann für mich, als Rennrad-Enthusiast und Vielfahrer, sagen, dass Tubeless ein Segen sind. Soviel sei vorweggenommen. Wenn es beim sportlichen Rad drauf ankommt, dann tendiere ich immer zu Tubeless (am Rennrad und am Gravelrad). Lediglich beim Stadt-, Lasten- und „Liebhaber“-Bike (alte Stahlrenner, Singlespeeds und Fixies die ich in der Garage habe) nehme ich noch Schläuche, weil dies kompatibler und unkomplizierter sein kann.

Zwei Wege zum Reparieren eines Tubeless-Reifens

Generell gibt es zwei Reparaturmöglichkeiten bei Tubeless. Die schnell-unterwegs Reparatur und bei größeren Schäden den Einsatz in der Werkstatt.

Schnelle Reparatur unterwegs: Bacon-Strips

Für eine schnelle Reparatur unterwegs eignen sich sogenannte Bacon-Strips, auch als Reifenwürmer bekannt. Dies sind spezielle, selbstklebende Streifen, die aus einem robusten, flexiblen Material bestehen. Bei einem Plattfuß oder einer kleinen Beschädigung des Tubeless-Reifens können sie als provisorische Lösung dienen.

  1. Entferne eventuelle Fremdkörper aus der beschädigten Stelle.
  2. Fädel den Bacon-Strip durch das Spezialwerkzeug, am besten mittig am Baconstrip ansetzen und so „aufspießen“, dass dieser zwischen den beiden Spitzen liegt und ziehe ihn etwa zur Hälfte durch.
  3. Führe das Werkzeug mit der Spitze voran mit dem Bacon-Strip in das Loch ein, das wird eventuell das Loch im ersten Schritt minimal vergrößern und Luft wird entweichen. Drücke das Werkzeug soweit durch, dass der Strip zum größten Teil im Reifen verschwindet und ziehe die Spitze (Werkzeug) dann vorsichtig wieder heraus, sodass der Strip im Reifen verbleibt und das Loch verschließt.
  4. Entferne das überschüssige Material mit einem Messer oder Schere wenn möglich (unterwegs immer etwas schwierig), ansonsten kann sich der Strip beim Abrollen am Asphalt festhängen und verloren gehen, dann geht das Spiel von Neuem los. Deshalb sollte möglichst wenig Reparaturmaterial am Manteläußeren übrig bleiben.
  5. Pumpe den Reifen wieder auf. Die Dichtmilch im Reifen sollte nun das Loch vollständig abdichten.

Diese Methode ist ideal für kleinere Löcher und Schnitte, sollte aber als temporäre Lösung betrachtet werden.

Ich habe schon mehrfach meine Rennradreifen so unterwegs repariert bekommen, ohne einen Schlauch als letzte Alternative herauszücken zu müssen. Das häufigste Problem waren dann aber die „Zieher“, wenn der Bacon-Strip nach ein paar Kilometern irgendwo hängenbleibt und das gestopfte Loch wieder offen ist. Dann geht das Spiel mit dem Flicken wieder los, weshalb ich wirklich empfehlen würde auch ein kleines Cuttermesser-Endstückd dabei zu haben, um den Strip mit wenig Überresten am äußeren Mantel zu belassen.

Große Reparatur: Spezielle Tubeless-Flicken

Für größere Schäden oder wenn die Bacon-Strip-Methode nicht ausreicht, empfiehlt sich die Verwendung von speziellen Tubeless-Flicken. Hierbei handelt es sich um selbstklebende Flicken, die speziell für die Reparatur von Tubeless-Reifen entwickelt wurden.

  1. Lass die Luft aus dem Reifen und nimm den Mantel von der Felge mithilfe von Reifenhebern.
  2. Beseitige um die beschädigte Stelle herum von Dichtmilchresten und Fremdkörpern.
  3. Reinige die beschädigte Stelle gründlich mit einem geeigneten Reinigungsmittel, um sicherzustellen, dass der Flicken optimal haftet. Mit einem trockenen Lappen oder Papiertuch gründlich abwischen, damit weder etwas vom Silikon-Dichtmittel oder anderen Fremdkörpern oder Fett übrig ist.
  4. Raue die Fläche um das Loch mit einem Schmirgelpapier oder einer Feile leicht an, um die Haftung zu verbessern. Die Karkasse (Fäden) kann dabei deutlich in Erscheinung treten, pass auf die Stelle nicht zu stark anzurauen und keine tiefen Schäden in der Karkasse zu machen.
  5. Trage einen geeigneten Reifenkleber auf die beschädigte Stelle auf und lass ihn gemäß den Anweisungen des Herstellers antrocknen. Genauso wie bei klassischen Flicken am Schlauch.
  6. Achte darauf, dass der Flicken vollständig mit dem Kleber in Kontakt kommt und keine Luftblasen oder Falten entstehen. Mit einem Reifenheber den Flick kräftig an allen Seiten andrücken.
  7. Lass den Kleber vollständig aushärten - die Dauer variiert je nach Produkt, bitte die Herstellerangaben beachten.
  8. Montiere den Reifen wieder auf die Felge und füll Dichtmilch nach Bedarf nach.
  9. Pumpe den Reifen auf den empfohlenen Druck auf und überprüfe die Reparaturstelle auf Dichtheit.

Weitere Pannenarten und Reparaturmethoden

Burping

Burping ist ein häufiges Problem - ausgelöst von zu wenig Reifendruck bzw. Ihr heizt den Trail runter und durch einen engen Anlieger. Auf einmal hört ihr ein lautes „braaap“! Euer Hinterreifen hat kein Loch, aber er hat definitiv Luft verloren…. Was ist passiert?! Der Reifen ist so stark seitlich belastet worden, dass sich der Reifenwulst von der Felge gelöst hat. In kurzer Zeit ist viel Luft verloren gegangen, bevor der Reifen wieder auf die Felge gesprungen ist. Für das sogenannte Burping gibt es zwei Ursachen: Entweder ihr habt zu wenig Reifendruck, was die Stabilität des Reifens beeinflusst, oder ihr seid die Kurve sehr, sehr hart angefahren. Wie auch immer, die Reparatur ist einfach. Alles was ihr tun müsst, ist den Reifen aufzupumpen und ihr könnt weiterfahren. Wir empfehlen euch, unseren Guide zum perfekten Reifendruck durchzulesen. Hier erfahrt ihr alles über den passenden Reifendruck und wie ihr Burping in Zukunft vermeiden könnt. Vor der nächsten Tour solltet ihr auch das Dichtmittel wieder auffüllen. Durch das Burping ist sicher etwas verloren gegangen.

Schnitte in der Seitenwand

Ein Schnitt in der Seitenwand wird meist durch lange, scharfe Steine verursacht, die den Reifen regelrecht aufschlitzen. Diese Schäden sind zu groß für Tire-Plugs und die Dichtflüssigkeit kann auch nicht mehr helfen. Die einzige Möglichkeit ist das Installieren eines Schlauchs. Wenn der Cut sehr groß ist, könnt ihr etwas Tape auf die Innenseite des Mantels kleben, um den Schlauch zu schützen. Je nach Größe des Schadens könnt ihr versuchen, den Reifen zu Hause zu reparieren, indem ihr ihn innen und außen gründlich reinigt, die Innenseite des Reifens mit Sandpapier aufraut und einen Reifenflicken mit Vulkanisierkleber anbringt. Andernfalls ist er wohl nicht mehr zu gebrauchen.

Speiche sticht durch das Felgenband

Wenn eine Speiche durch das Tubeless-Felgenband sticht, wird sich die Luft schnell durch das Speichenloch verabschieden. Leider gibt es hier keine Smartrepair-Möglichkeit. Ihr müsst einen Schlauch einziehen, um nach Hause zu kommen (stellt sicher, dass die Speiche nicht in das Felgenbett hineinsteht). Um den Schaden zuhause zu reparieren, entfernt den Reifen und das Felgenband und reinigt alles. Wenn die Speiche gebrochen ist, ersetzt sie. Findet heraus, warum die Speiche durch das Felgenband gekommen ist: Checkt eure Speichenspannung und ob das Laufrad zentriert ist. Legt ein neues Felgenband ein und macht ein Tubeless-Setup. Wie die Montage funktioniert, erklären wir euch in diesem How To-Artikel.

Verbeulte Felge

Wenn ihr eure Felge zerbeult habt und die Luft raus ist, legt einen Schlauch ein und fahrt vorsichtig zurück. Stellt sicher, dass ihr die Felge genau inspiziert - wenn der Schaden zu groß ist, schiebt das Bike besser nach Hause.

Undichtes Ventil

Ein undichtes Ventil wird meistens durch lockere Feststellmuttern oder durch einen verbogenen Ventilschaft verursacht. Wenn euer Ventil undicht ist, versucht die Feststellmutter anzuziehen. Manchmal werden sie durch die Vibrationen des Laufrads locker und verursachen Luftverlust. Wir alle haben schon mal an unseren Ventilen am Trail herumgebogen. Beim Luft ablassen zum Beispiel … . Wenn euer Ventilkern gebrochen ist, braucht ihr keine Panik zu bekommen. In eurem Ersatzschlauch befindet sich ein Ventilkern, an den man nur selten denkt! Entfernt den Ventilkern vom Ersatzschlauch, nehmt den Kern aus dem Tubeless-Ventil heraus (die ganze Luft wird aus dem Reifen entweichen) und installiert den Kern des Schlauchs im Tubeless-Ventil.

Notfallset für Tubeless-Reifenreparatur

Folgende Liste an Ersatzteilen und Werkzeug kann euch helfen die passenden Produkte zu finden, welche ich in den Anleitungen unten verwende:

  • Schwalbe Reifenheber
  • Spezialwerkzeug für Bacon-Strips
  • Tubeless-Flicken
  • Reifenkleber
  • Reinigungsmittel
  • Schmirgelpapier oder Feile
  • Messer oder Schere
  • Luftpumpe

Tipps zur Vorbeugung von Tubeless-Pannen

Seid ihr bekannt als der „Pannenkönig“ oder die „Pannenkönigin“ in eurer Gruppe? Ihr macht alles richtig, werdet aber bei den meisten Ausfahrten von Reifenpannen geplagt? Möglicherweise habt ihr die falschen Reifen an eurem MTB! Mit den richtigen Reifen und einem ordentlichen Setup sind Tubeless-Pannen sehr selten. Wenn ihr aber trotzdem einen Defekt habt, hoffen wir, dass euch unsere Tipps schnell auf den Trail zurückbringen.

WICHTIG: Erneuert euer Dichtmittel alle 6 Monate (oder jedes Mal, wenn ihr den Reifen wechselt), um sicherzustellen, dass es so effektiv wie möglich arbeiten kann.

Tubeless-Pannen sind kein großes Ding

Tubeless-Pannen sind kein großes Ding und bestimmt kein Grund, aus Angst vor Problemen immer mit einem Schlauch-Setup zu fahren.

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