Die schönsten Radwege der Welt: Eine Übersicht

Auf zwei Rädern und mit eigener Muskelkraft die Welt entdecken, das geht auf Fernradwegen. Von der Natur verschluckt, strampelst du auf wilden Strecken durch den Dschungel oder eroberst anspruchsvolle Berge, die mit gigantischen Panoramen locken, tolle Erlebnisse am Wegesrand inklusive.

Der reisereporter stellt dir acht Strecken vor, die Radler-Herzen höherschlagen lassen:

1. West Coast Wilderness Trail in Neuseeland

Eine lange Tradition hat Radtourismus in Neuseeland noch nicht. Aber das Interesse steigt und der Ausbau von Radrouten nimmt zu. Eine davon ist der West Coast Wilderness Trail. Auf vier Etappen verteilt, bewältigst du 139 Kilometer entlang der Westküste. Die Strecke führt zu Gletscherflüssen und gibt den Blick auf die schneebedeckten Berge der neuseeländischen Südalpen frei, etappenweise radelst du durch Regenwald und Flusstäler sowie entlang zerklüfteter Strände.

Startpunkt des West Coast Wilderness Trails ist Greymouths historischer Hafen, die Tour endet in der kleinen Stadt Ross. Auf der Strecke liegt auch die Goldgräberstadt Hokitika, in der du Einblicke in die Herstellung neuseeländischer Jade erhältst.

2. Vänerleden in Schweden

640 Kilometer Schweden liegen Radbegeisterten auf dem Vänerleden zu Füßen. Der 2022 eröffnete Radwanderweg führt um den namensgebenden Vänern-See und bündelt den Charme des skandinavischen Landes. Zu entdecken gibt es pittoreske Kleinstädte, Naturschutzgebiete, malerische Badestellen und sogar Kunst.

Letztere wird beispielsweise in Form einer 15 Meter großen Skulptur von Pablo Picasso in Kristinehamn präsentiert. Aber auch Badefans kommen an Stränden wie Jutvikens Badplats oder Svalnäs, der auch bei Surfenden beliebt ist, auf ihre Kosten. Bei dem Streckenabschnitt durch den Ökopark Halle-Hunneberg stehen die Chancen gut, Elche zu sehen.

3. Stoneman Miriquidi im Erzgebirge

Nicht alle kommen ins Ziel. Die anspruchsvolle Mountainbikeroute Stoneman Miriquidi, die vom ehemaligen Mountainbike-Profi Roland Stauder ins Leben gerufen wurde, führt über neun Gipfel durch das Erzgebirge und macht auch einen 70 Kilometer langen Abstecher ins Nachbarland Tschechien. Zu bezwingen sind 162 Kilometer und 4400 Höhenmeter. Eine Herausforderung für Willenskraft und Oberschenkel.

Besonders Ambitionierte können sich für die Tour offiziell anmelden und versuchen, die Strecke an einem Tag zu bewältigen. Dafür lockt die Goldmedaille. Aber innezuhalten lohnt sich: Der Weg führt durch einsame Wälder, zu Talsperren und Wasserfällen und zu Relikten der Bergbautradition. Für Rennradfahrerinnen und ‑fahrer gibt es eine gesonderte Strecke von 290 Kilometern.

4. Carretera Austral in Chile

Zugegeben, diese Strecke ist nicht allein für Radfahrende ein Anziehungspunkt. Auch Wandernde, Motorradfans und Autofahrende nutzen die insgesamt 1350 Kilometer lange Straße zum Einsaugen grandioser Landschaften. Asphalt und Schotterpiste wechseln sich auf der Ruta CH‑7, wie die Strecke durch Patagonien in Chile offiziell genannt wird, ab.

Entschädigung für die Strapazen liefert der Blick in die Umgebung. Die Gebirgsketten der Anden, das fantastische Grün der Mammutblätter, die den Weg säumen, dazu Fjorde, Gletscher und Seen. Auch die Begegnung mit tierischen Bewohnern dieser Gegend wie Guanakos und Murmeltiere oder die Sichtung des Andenkondors sind möglich.

5. Biwa-Ichi-Rou­te in Japan

Der Biwa-See ist Japans größtes Binnengewässer. Und das kannst du auch umrunden. Die Biwa-Ichi-Rou­te führt auf rund 200 Kilometern einmal um den See, für die Strecke werden zwei bis drei Tage veranschlagt. Das Fahrradabenteuer bietet zahlreiche Stopps, die tiefer in japanische Traditionen und die Geschichte des Landes einführen.

Entlang der Strecke liegen etwa die Burg Hikone und die Ruinen der Burg Azuchi sowie verschiedene Tempelanlagen. Mit einem Boot ab Nagahama, Hikone oder Imasu setzt du zur Insel Chikubu über, die auch als „Insel der Götter“ bekannt ist. Der Tsukubusuma-Schrein und der Hogonji-Tempel, in dem Glück verheißende Daruma-Puppe verkauft werden, gehören zu den Sehenswürdigkeiten der Insel.

6. Die Alpen­panorama­route in der Schweiz

7900 Höhenmeter gilt es auf der Alpen­panoramaroute in der Schweiz auf 475 Kilometern zu überwinden. Das erfordert Fitness. Mehrere Alpenpässe werden auf der Strecke überquert und es geht auf eine Höhe von 1950 Meter über dem Meer. Sehr gut trainierte Radler und Radlerinnen werden für die Mühen mit atemberaubenden Aussichten belohnt. Andere schaffen die Route erst gar nicht.

Gestartet wird in St. Margrethen nahe dem Bodensee. Dann führt die Route unter anderem durch das Appenzeller Land, über den Klausenpass, zum Vierwaldstätter See und durch das Unesco-Biosphärenreservat Entlebuch. Die Kulissen der Fahrt gleichen Postkarten: der Stausee Lac de la Gruyère, das Schloss Gruyères, Alpenweiden. Zaungäste der Strecke sind weiße Ziegen und Kühe mit Glocken um den Hals.

7. Der Munda Biddi Trail in Australien

Munda Biddi bedeutet in der Sprache der Aborigines „Weg durch den Wald“, und genau dahin führt die Route. Der Fernradweg in Westaustralien beeindruckt Radfahrende mit genügend Wadenmuskulatur mit unberührten Landschaften. Zu den sehenswerten Naturhighlights der Strecke zählen malerische Flusstäler und mystische Eukalyptuswälder sowie schroffe Küstenabschnitte.

Startpunkt ist der Ort Mundaring in den Perth Hills, und wer die gesamte Strecke fahren möchte, ist 1060 Kilometer unterwegs und kommt in der Walfängerstadt Albany ans Ziel. Die Route ist an verschiedenen Stellen mit dem Auto erreichbar, sodass auch nur Teilstrecken gefahren werden können.

8. Balkanradweg Trans Dinarica

Seit Frühjahr 2024 geht es auf der neuen Rad-Route Trans Dinarica durch Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, das Kosovo und Serbien. Die Anbieter der Tour versprechen auf 2000 Kilometern spannende Abfahrten und verzauberte Bergdörfer, jede Menge Natur und Einblicke in Traditionen der Regionen.

Zu den Highlights und Anlaufpunkten der Strecke zählen unter anderem der „Grand Canyon“ Sloweniens, Kroatiens Hafenstadt Rijeka, der unberührte Nationalpark Sutjeska in Bosnien und Herzegowina und die gigantische Tara-Schlucht mit der Đurđevića-Brücke in Montenegro.

Flussradwege in Mitteleuropa

Das Fahrradfahren an Flüssen bringt verschiedenste Reize mit sich. Da du dem Flussverlauf am Talboden folgst, weisen die Strecken meist eine geringe Steigung auf und sind daher für Anfänger, Genussradfahrer oder Familien bestens geeignet. Flüsse sind Lebensadern, deshalb durchquerst du bei deiner Radtour am Strom nicht nur herrliche Natur, sondern auch viele Städte, Kulturlandschaften oder historische Bauten.

Hier ein Überblick über einige der schönsten Flussradwege in Mitteleuropa:

  1. Donauradweg: Die Strecke von Bayern über Österreich und Slowakei bis nach Ungarn ist landschaftlich als auch kulturell äußerst vielfältig. Der beliebteste und bekannteste Streckenabschnitt verläuft mit seinen 330 km von Passau bis Wien.
  2. Ems-Radweg: Der Radweg verläuft zumeist mitten in der Natur durch Auen, Wiesen und Wälder. Auf seinen 375 Kilometern kann man der Ems von der Quelle in Senne (Nordrheinwestfalen) bis zu ihrer Mündung in Emden (Niedersachsen) in die Nordsee folgen.
  3. Etsch-Radweg: Auf dem Etsch-Radweg durchquerst du ein herrliches Alpenpanorama und passierst die Regionen Südtirol, Trentino und Venetien.
  4. Elberadweg: Auf der Strecke von der Elbquelle im Riesengebirge in Tschechien bis zur Mündung in die Nordsee. Solltest du der Elbe auf der gesamten Strecke durch 2 Länder und 7 Bundesländer auf dem Rad folgen wollen, sind mindestens 14 Fahrtage einzuplanen.
  5. Main-Radweg: Während deiner Fahrt entlang des Mains gelangst du vom Bierfränkischen ins Weinfränkische. Die Strecke verläuft in großen Schleifen bis zur Rheinmündung in Mainz.

Die schönsten Fahrradrouten über die Alpen

Malerisch grüne Almwiesen, die von majestätischen Berggipfeln umschlossen werden, während der Himmel plötzlich ganz nah scheint: Die Alpen bilden wohl eine der traumhaftesten Szenerien, die man sich für eine Fahrradtour nur ausmalen kann. Kein Wunder, dass eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad bei jedem Radler Sehnsüchte weckt.

Viele Wege führen zum Glück:

  • Transalp-Rhone-Radweg: Von Andermatt nach Genf
  • Via Claudia Augusta: Von Donauwörth nach Ostiglia oder Altino
  • Transalp München - Venedig: Von München nach Venedig
  • Ciclovia Alpe Adria Radweg: Von Salzburg nach Grado
  • Der Innradweg: Von St. Moritz nach Passau

Die Vielzahl an Möglichkeiten, mit dem Fahrrad über die Alpen zu fahren, sind nahezu ebenso endlos, wie die Landschaft vielfältig ist. Ob gemütliche oder schweißtreibende Touren, ob komplett mit dem Rad oder zum Teil in der Gondel und im Bus: Du findest bestimmt die passende Route, auf der du deine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad rundum auskosten kannst. Viele Strecken sind sogar für E-Bikes geeignet.

Radweg Besonderheit Länge
Transalp-Rhone Radweg von Andermatt nach Genf Anspruchsvolle Tour durch raue Bergwelten, romantische Bergdörfer, mondäne Städte & malerische Weingärten Ca. 350 km
Via Claudia Augusta von Donauwörth nach Ostiglia Mittelschwere historische Strecke auf alten römischen Handelswegen Ca. 740 km
Transalp von München nach Venedig Mittelschwere Tour durch die Dolomiten entlang von Seen und Bergen Ca. 580 km
Ciclovia Alpe Adria Radweg von Salzburg nach Grado Mittelschwere Tour durch zahlreiche Tunnel und entlang von alten Bahnstraßen Ca. 410 km
Der Innradweg von St. Moritz nach Passau Mittelschwere Tour durch historische Altstädte und vorbei an Naturschauspielen Ca. 520 km
Der Etschradweg von München nach Meran Mittelschwere Tour mit fantastischen Ausblicken auf das Karwendel- und Wettersteingebirge Ca. 315 km
  1. Transalp-Rhone Radweg: Die anspruchsvolle 350 km lange Radtour durch die Alpen führt dich in 8 Etappen vor imposanter Bergkulisse auf ruhigen Wegen an der Rhone entlang und endet in der Weltstadt Genf.
  2. Via Claudia Augusta: Die Via Claudia Augusta gilt als eine der leichteren Alpenüberquerungen und führt dich in 717 km in 12 Etappen von Donauwörth in Bayern bis nach Italien.
  3. Transalp von München nach Venedig: Bei dieser Radtour über die Alpen radelst du in 8 Etappen auf rund 580 km von München über Cortina d’Ampezzo bis nach Venedig.
  4. Ciclovia Alpe-Adria Radweg: Der Ciclovia Alpe-Adria Radweg von Salzburg nach Grado hat sich seit seiner Eröffnung im Jahr 2012 zu einer der bekanntesten Alpenüberquerungen mit dem Fahrrad entwickelt.
  5. Der Innradweg: Der Innradweg führt dich auf ca. 520 km in 6 Etappen von St. Moritz über Innsbruck nach Passau.
  6. Der Etschradweg: Die Radtour auf dem Etschradweg ist genau das Richtige für dich, wenn dich eine Alpenüberquerung reizt, du es aber lieber etwas gelassener angehen lassen möchtest oder noch nicht ganz so geübt im Fernradfahren bist.

Vorbereitung für eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad

So eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad ist definitiv nichts Alltägliches. Damit du das Abenteuer auf zwei Rädern zwischen grünen Almen, kristallklaren Seen und sanften Meereswellen so richtig genießen kannst, ist etwas Vorbereitung gefragt.

  • Beste Reisezeit: In den Sommermonaten ist das Wetter in den Bergen am konstantesten.
  • Dauer: Je nach deiner Route und deinem Fitnesslevel kannst du unterschiedlich lange unterwegs sein. Im Allgemeinen solltest du zwischen vier und zehn Tagen einplanen.
  • Die richtige Route finden: Berücksichtige dein Fitnesslevel und deine technischen Fertigkeiten. Verschaffe dir einen Überblick über die unterschiedlichen Routen in Bezug auf Länge der Etappen, Beschaffenheit der Wege und Höhenunterschiede.
  • Das richtige Fahrrad: Wähle ein für die Strecke geeignetes Fahrrad, das auf alpine Touren abgestimmt ist. Stelle sicher, dass dein Bike einwandfrei funktioniert.
  • Erforderliche Fertigkeiten: Deine Kondition und Fähigkeiten sollten der Strecke angemessen sein, du solltest (kleinere) Reparaturen an deinem Fahrrad ausführen können und dich mit Karte und GPS-Gerät auskennen.
  • Training: Beginne mindestens drei Monate vor deiner Radreise mit längeren Radtouren mit ähnlichen Anforderungen und kombiniere dazu Kraftübungen für Beine und Rumpf.
  • Übernachtungsmöglichkeiten: Überlege, ob du lieber in traditionellen Hütten oder komfortableren Hotels oder Pensionen übernachten möchtest. Buche insbesondere in der Hauptsaison im Voraus.
  • Packliste: Wichtig sind atmungsaktive Funktionskleidung, wasserdichte Regenkleidung, ein Reparaturset, Kartenmaterial, Erste-Hilfe-Set, Ausweisdokumente, Bargeld & EC-Karte, Verpflegung.

Für welche Route du dich auch entscheidest, um mit dem Fahrrad über die Alpen zu fahren: Atemberaubende Panoramen, zauberhafte Landschaften von weiten Tälern über stille Seen bis hin zu majestätischen Berggipfeln sowie liebliche Städtchen und internationales Flair werden deine täglichen Begleiter sein. Da die Radwege in der Regel bestens ausgebaut und beschildert sind, musst du nur noch eins tun: Den Mix aus Natur, Kultur und kulinarischen Erlebnissen in vollen Zügen genießen.

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