Schottland Mountainbike Tour Planung: Ein umfassender Leitfaden

Schottland ist ein raues und wildes Land, das Mountainbiker mit seinen abwechslungsreichen Landschaften und anspruchsvollen Trails begeistert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Plan für eine unvergessliche Mountainbike-Tour durch Schottland.

Der Beginn: Aviemore und das Old Bridge Inn

Das Old Bridge Inn in Aviemore ist ein Pub, wie aus dem schottischen Bilderbuch: Das Publikum ist bunt gemischt, Livemusik spielt in der einen Ecke, in der anderen lodert der Kamin. An einem großen Tisch werden gerade hektisch die Trailmaps beiseite geschoben, weil die Burger serviert werden. Hier trifft man sich, tauscht sich über die Trails aus und plant die Tour für den nächsten Tag.

Die Route: Ein sechstägiger Roadtrip

Es ist der dritte Tag unseres sechstägigen Roadtrips durch Schottland und mein Reiseleiter ist kein Geringerer, als Scotty Laughland, eine schottische Bike-Legende. Zum Akklimatisieren hatte uns Scotty für den ersten Tag ins Mountain Bike Epizentrum Tweed Valley im Süden des Landes geführt. Von dort ging es gen Norden weiter nach Dunkeld, am Fuße der Highlands und heute hatten wir bereits die Trails in Ballater, mitten drin im Cairngorms Nationalpark. Morgen früh soll es mit den Trail-Runden in Aviemore weitergehen, deshalb sind wir abends schon angereist und sitzen hier nun in diesem kultigen Pub.

Cairngorms Nationalpark: Auf die Spitze des Windes

Sonnencreme wäre gut gewesen, denke ich, als wir am nächsten Morgen wieder gut bestrahlt durch die Highlands cruisen. Diesmal geht's von Westen her durch den Cairngorms Nationalpark. Eine wilde, rauhe Berglandschaft, deren höchster Gipfel 1245 Meter misst, also gerade mal Mittelgebirgshöhe. Doch so weit oben im Norden reicht das bereits für eine alpine Kulisse. Mit jeder Pedalumdrehung wird die Landschaft schroffer.

Irgendwann rollen wir über eine steppenartige Hochebene, auf der nur noch ein paar Felsbrocken die endlos weite Landschaft dekorieren. Dazu verdunkelt sich der Himmel, doch statt Regen peitschen uns bald orkanartige Böen ins Gesicht. Wir haben mittlerweile Mühe unsere Bikes auf Kurs zu halten, so sehr zerrt der Sturm an uns. Stattdessen gibt sich jetzt auch der Weg immer verblockter. Doch Scotty bleibt dabei, er will mit uns da rauf. Die Aussicht vom Gipfel ist wirklich gigantisch: Wir wagen uns im Sturm so nah wie möglich an die Abbruchkante und blicken 400 Meter tief auf das unten schwarz schimmernde Loch Einich hinunter.

Für die Abfahrt hat Scotty eine Variante gewählt, die er selbst noch nicht kennt. Schnell und direkt beeilt sich dieser Trail die Bergflanke hinunter. Der Wind packt uns jetzt von der Seite, um uns aus der Bahn zu werfen. Doch mit dem Erreichen der Baumlinie, ist der Spuk vorüber. Entspannt surfen wir durch einen Caledonian-Wald, einer Ur-Kiefernart, die nur noch in dieser Region Schottlands zu finden ist.

Tarland - das selbstfinanzierte Trail-Mekka

Bei einer schnellen Sausage Roll im Tamachan Caffè schlägt Scotty als nächstes Ziel den neuen Tarland Trailpark, kurz vor Aberdeen, vor. Dessen Parkplatz zeigt sich wenig später voll mit Gleichgesinnten, aber auf den Trails sind wir allein unterwegs. Der Park ist neu und wurde durch Spendengelder finanziert. Schaufel und Hacke haben hier ausschließlich Ehrenamtliche geschwungen. Das Ergebnis ist genial. Für nahezu jeden Geschmack ist was dabei, von Uphillflow, über die Schwierigkeitsgrade blau, rot und schwarz, bis hin zur Jumpline.

Mehrfach jagen wir uns danach über die Jumpline, bis unsere Akkus samt Range-Extendern fast leer sind. Die Energie reicht noch bis zum Einstieg in den sechs Kilometer langen „High Pressure“. Für seine perfekt geshapten Anlieger würde ich auch ohne Akku noch mal hochtreten, aber leider geht nun auch noch das Tageslicht aus. Dafür hat Scottys Freund Neil inzwischen den Grill für uns angeworfen. Es gibt Hirsch aus dem ehemaligen Jagdrevier der Queen und dazu das ein oder andere Bier. Ein Hochgenuss!

Fast jeder Ort hat hier mindestens eine ausgewiesene Trail-Runde und der nächst größere Trailpark liegt auch immer nur wenige Autominuten entfernt. Dazu gibt's überall Bikeshops und coole Cafés, in denen sich Biker zu gemeinsamen Ausritten treffen. Gefahren wird bei jedem Wetter. Ein Spirit, wie ich ihn bei uns in Deutschland noch nirgends erlebt habe.

Torridon: Trails mit Meerblick - theoretisch

Unser nächster Spot führt uns nach Torridon, zum nördlichsten Punkt unseres Roadtrips. So dicht am Meer zeigen sich die Highlands nochmal besonders wild. Trotz des schönen Wetters treffen wir niemanden, als wir uns Kehre für Kehre einen alten Pass hinaufarbeiten. Der Trail ist steinig und stellenweise technisch, bleibt aber fahrbar.

Wir haben den höchsten Punkt noch nicht erreicht, da greifen die ersten nach uns und nebeln uns ein. Die Sichtweite beträgt vielleicht noch 15 Meter. Aber was noch schlimmer ist: Fast wie auf Knopfdruck schüttet es wie aus Eimern auch schon los. Wir können zuschauen, wie schnell die Regenrinnen bis zum Rand volllaufen - so wie unsere Schuhe übrigens auch. Immerhin kommt so wenigstens eine meiner mitgereisten Regenkombis zum Einsatz.

Nachdem das angekündigte Gipfelpanorama nun ausfallen muss, kann es nahtlos in die Abfahrt gehen. Wir holpern über grobes Geröll, doch die Reifen greifen überraschend gut. Selbst stufige, verblockte Passagen lassen sich spursicher runterpoltern, bis wir am Ende in der Bucht von Torridon ausrollen, wo uns auf den letzten Metern die Sonne wieder begrüßt.

Isle of Skye: Gibt es den Sligachan Trail überhaupt?

So wie am nächsten Morgen auch, als wir mit dem kleinen Fährboot „Misty Isle“ auf spiegelglattem Wasser zur Isle of Skye übersetzen. Wir tuckern an riesigen Felsen und karger Küstenlinie vorbei. Unser Plan: Irgendwie durch diese Felswand zu dem passähnlichen Übergang da oben gelangen, um auf der anderen Seite auf den Sligachan Path zu treffen. Dass dieser Trail überhaupt existiert, behauptet zumindest die Karte.

Leider gibt sich das Gelände bergauf steiler und wilder als erwartet. Spuren eines Weges lassen sich erst im oberen Teil erkennen. Bis dahin macht das Tragen und Schieben der E-Bikes keinen Spaß, doch wir werden belohnt mit einer Superaussicht: Auf der anderen Seite windet sich ein definierter Singletrack durch die ewige Weite, bis er als kleiner Punkt am Horizont verschwindet. Ein Trail-Verlauf zum Niederknien. Zwischendrin ein paar Stufen und Absätze, die Körperspannung fordern. Am Ende fließt der Pfad an einem Fluss entlang und spuckt uns direkt vor Seumas' Whisky-Bar wieder aus. 400 Sorten des Nationalgetränks stehen hier im Regal.

Die Trailcenter Schottlands

Schottlands Trailcenter sind sensationell, seine wilden Natur-Trails einzigartig. Unsere Roadtrip-Route durchs ganze Land ist ein optimaler Mix.

1 - Tweed Valley

Etwa 50 Kilometer von Edinburgh entfernt liegt das Epizentrum der schottischen Bike-Szene: das Tweed Valley mit seinen berühmten Seven-Stanes-Trailparks. Von den inzwischen acht Bikespots mit über 100 Kilometern Trails lohnt sich vor allem ein Besuch in Glentress, Peebles und Innerleithen.

Infos: Trailmaps, Anfahrtspläne und alle wichtigen Adressen: forestryandland.gov.scot

Local-Tipps: Für Snacks und guten Kaffee stoppt man in Innerleithen im Coffeeshop „No.1 Peebles Road“. Gleich gegenüber gibt es auch eine Unterkunft mit kultigem Pub: The Traquair Arms.

2 - Dunkeld

Etwa eine Autostunde nördlich von Edinburgh befindet sich Dunkeld. Der kleine Ort ist das Tor zu den Highlands, hat einen historischen Ortskern aus dem 18 Jahrhundert, nette Geschäften und einen Biergarten direkt am Fluss Tay. Die Trails führen fowig durchs Grüne, sind aber weitgehend naturbelassen und etwas anspruchsvoller.

Infos: Eine Übersichtskarte mit den Trails findet man im Internet unter trailforks.com, sonst upliftscotland.com

Local-Tipps: Den besten Kaffee gibt's im The Aran Bakery und die stilvollste Unterkunftsadresse mit Restaurant und Pub, in dem man sich abends in Dunkeld trifft: The Taybank.

3 - Ballater

In Ballater liefert jeder Bäcker, Fleischer und Handwerker seine Waren und Dienstleistungen auch ans Königshaus, denn König Charles und Familie besitzen hier ein Jagdschloss. Dabei sind hier auch die Trails königlich: Hinter dem Namen Heartbreak Ridge verbirgt sich ein alpiner Natur-Trail, der über einen langen Rücken spaziert und durch herrliche Heidelandschaft führt. Am Ende droppt er in steileres Gelände mit griffigen Granit-Bouldern und läuft dann flowig durch den Wald aus.

4 - Tarland Bikepark

Die neueste Errungenschaft in der Region Aberdeenshire wurde mit Spendengeldern von einer Million Pfund realisiert. Das Ergebnis: ein waschechter Trailpark mit 400 Metern Höhenunterschied und Strecken bis zu sechs Kilometern Länge.

Infos: tarland-trails.com

Local-Tipps: Top-Adresse für den Ride-in: Tarmachan Cafe, Unterkunft/Pub: The Boat Inn, Aboyne.

5 - Sgor Gaoith

Episch-alpine Tour auf den 1180 Meter hohen Gipfel im Cairngorms Nationalpark. Die Auffahrt führt über eine Schotterstraße, die gen Ende immer grober wird. Für die Abfahrt ist im oberen Drittel gute Fahrtechnik nötig. Später viel Flow im Wald.

Info: visitcairngorms.com (unter der Rubrik Adventure/Outdoor)

Local-Tipps: Kultiger Kaffee im Jurtezelt: Cabin Coffee in Aviemore. Unterkunft: Ravenscraig Guest House, ravenscraighouse.co.uk, bester Pub: The Old Bridge Inn in Aviemore.

6 - Torridon

Der nördlichste Punkt unseres Roadtrips. Hier sind die Highlands richtig wild.

Zusammenfassung der Roadtrip-Stationen

RegionHighlightsLokale Tipps
Tweed ValleyGlentress, Peebles, InnerleithenCoffeeshop „No.1 Peebles Road“, The Traquair Arms
DunkeldHistorischer Ortskern, Biergarten am Fluss TayThe Aran Bakery, The Taybank
BallaterHeartbreak Ridge TrailKönigliches Flair
Tarland BikeparkTrailpark mit 400m HöhenunterschiedTarmachan Cafe, The Boat Inn, Aboyne
Sgor GaoithEpisch-alpine Tour im Cairngorms NationalparkCabin Coffee in Aviemore, Ravenscraig Guest House, The Old Bridge Inn in Aviemore
TorridonWilde HighlandsMeerblick (theoretisch)

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