Selbstständig, unabhängig und mobil sein - das ist gerade für MS-Erkrankte ein hohes Gut, das es trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu erhalten gilt. In diesem Zusammenhang kann das Fahrrad der ideale Partner und manchmal auch die Rettung sein. Es ist nicht nur ein effektives Trainingsgerät, das Körper und Geist fit hält, es eröffnet auch neue Möglichkeiten, wenn eine eingeschränkte Gehfähigkeit das tägliche Leben beeinträchtigt.
Radfahren: Mehr als nur ein Sport
Die Fortbewegung auf dem Fahrrad vereint das Schöne mit dem Nützlichen, bietet Erholung, Training, Mobilität und Gemeinschaft. MS-Erkrankte, die Schwierigkeiten mit dem Gehen haben, können mit dem Fahrrad wieder längere Strecken zurücklegen. Radfahren stärkt Ausdauer, Gleichgewicht und Kraft und wirkt der motorischen Fatigue entgegen. Es hat aber auch ganz allgemein einen positiven Effekt auf die Gesundheit: Es trainiert Herz und Kreislauf, aktiviert den Stoffwechsel und schont Muskeln und Gelenke, weil der Sattel bis zu 80 Prozent des Körpergewichts auffängt.
Es arbeiten zudem jene Muskeln, die für das Gehen bedeutend sind und bei MS-Erkrankten häufig früh schon schwach sind: Fußheber, Hüftbeuger, untere Bauch- und Oberschenkelmuskulatur. Wenn Sie sich aufs Fahrrad setzen, sind Sie aber nicht nur sportlich aktiv, sondern auch mittendrin im Leben. Ob zum Sport, zum Treffen, zum Einkaufen - Orte und Dinge rücken wieder in erreichbare Nähe. Sie können mit der Familie oder mit Freunden gemeinsam unterwegs sein, schöne Ziele ansteuern und Ihre Freizeit wieder neu genießen. Mit allen Sinnen und in netter Gesellschaft draußen aktiv zu sein, ist ein wirksames Mittel gegen Depressionen und soziale Isolation.
Damit Sie mit Freude in die Pedale treten können, sollten Sie einige Dinge beachten: Sofern Sie nicht einfach nur zum Einkaufen fahren, planen Sie Ihre Route sorgfältig und versuchen Sie, möglichst ebene Wege zu wählen. Fahren Sie in einem Tempo, bei dem Sie sich wohlfühlen und das Ihnen gut tut. Falls Sie in einer Gruppe mit schnelleren Fahrern unterwegs sind, teilen Sie sich gegebenenfalls auf und vereinbaren Sie Treffpunkte im Verlauf der Strecke. Tragen Sie beim Fahren möglichst einen Helm und festes Schuhwerk für einen guten Halt auf den Pedalen. Und last but not least, achten Sie darauf, dass Ihr Fahrrad in einem einwandfreien technischen Zustand ist, vor allem, dass Licht und Bremsen in Ordnung sind.
Fahrradfahren beibehalten
Wenn Sie gerne Fahrrad fahren, sollten Sie sich auch bei zunehmender Symptomatik und den damit verbundenen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen. Nutzen Sie andere Möglichkeiten, wenn Sie sich das klassische Zweirad nicht mehr zutrauen, und trainieren Sie spezifisch Ihr Gleichgewicht durch Physiotherapie. Wer zu Anfang unsicher ist, sollte mit seinem Physiotherapeuten den richtigen Umgang mit dem Fahrrad üben und verschiedene Radtypen ausprobieren. Da Spezialräder wie das Pedelec oder Dreirad in der Regel relativ teuer in der Anschaffung sind, sollten Sie auch die Möglichkeit prüfen, Ihr vorhandenes Fahrrad umrüsten und Ihren Bedürfnissen anpassen zu lassen. Spezielle Lenkhilfen, Pedale, tiefe Einstiege sowie Fixierungen für die Füße können häufig schon den entscheidenden Unterschied machen.
Die acht Glückspunkte des Radfahrens
- Selbst wenn Gehen schwerfällt - Radfahren geht oft trotzdem noch.
- Der Bewegungsradius erweitert sich um ein Vielfaches.
- Radfahren ist ein wirksames Mittel gegen motorische Fatigue.
- Radfahren steigert die Grundfitness, weil es Ausdauer, Muskelkraft und Gleichgewichtssinn trainiert.
- Eine Radtour mit der Familie oder mit Freunden macht Spaß und verbindet.
- Wer Rad fährt, sieht mehr und eröffnet sich neue Möglichkeiten.
- Auch für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen gibt es passende Räder.
- Radfahren ist gut für Körper und Seele, umweltfreundlich und günstig.
Spezielle Fahrradtypen für unterschiedliche Bedürfnisse
Pedelec
In Deutschland ist es derzeit eines der beliebtesten Fahrzeuge: Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Fahrrad, bei dem Sie bei Bedarf einen Elektromotor zuschalten können. Das hat viele Vorteile:
- MS-Erkrankte können hiermit dem Ausdauerproblem oder der motorischen Fatigue entgegenwirken und trotzdem wirksam trainieren.
- Wer körperlich beeinträchtigt ist, kann durch die elektrische Unterstützung beim Treten länger Fahrrad fahren.
- Lange oder hügelige Strecken lassen sich bewältigen, ohne zu schwitzen und ohne zwischendurch schieben zu müssen.
- Wenn Ihr Partner schneller fährt als Sie, können Sie mit dem Pedelec wieder mithalten und gemeinsam Spaß am Fahrradfahren haben.
Bei aller Freude über die Unterstützung sollten Sie den Motor jedoch nur nutzen, wenn Ihre Kräfte wirklich nicht mehr ausreichen. Das Pedelec ist in erster Linie immer noch ein Fahrrad für die sportliche Nutzung.
Dreirad/Trike
Weniger bekannt, aber ideal bei Gleichgewichtsproblemen ist das Dreirad für Erwachsene (Trike). Traditionell hat es eine Doppelbereifung hinten und ein Rad vorne oder umgekehrt. Der Fahrer sitzt relativ hoch über dem Tretlager und hat eine nach unten gerichtete Tretrichtung. Weil das Rad fest steht, ist das Aufsteigen deutlich leichter als beim Zweirad. MS-Erkrankte können sich - selbst wenn das Gehen und das normale Fahrradfahren Schwierigkeiten bereiten - mit dem Dreirad noch ein hohes Maß an Mobilität erhalten und gegebenenfalls die Nutzung eines Rollstuhls hinauszögern.
Aufgrund der drei Räder haben Sie ständigen Bodenkontakt und fallen nicht um. Vor allem, wenn Sie viel im Stadtverkehr unterwegs sind, ist das Dreirad ein ideales Gefährt, mit dem Sie bequem einen Einkaufskorb transportieren können. Auch Dreiräder sind mit Motor erhältlich.
Handbike
Das Handbike ist ein Fahrzeug, vergleichbar mit dem Fahrrad oder Liegerad, das allein durch die Arme angetrieben wird. Es gibt zwei Grundtypen: das Adaptivbike, das sich an fast jeden handelsüblichen Rollstuhl montieren lässt, und das reine Rennbike, das ohne Rollstuhl auskommt. Das Handbike eignet sich für MS-Erkrankte, bei denen der Antrieb über die Beine nicht oder nur schwer möglich ist. Es ist eher für das Fahren in der Ebene als im hügeligen Gelände geeignet.
Achtung: Wenn Sie Handbike fahren, trainieren Sie Ihre Beine gar nicht mehr, so dass Sie eventuell noch vorhandene Restkraft in den Beinen auch nicht weiter aufbauen können. Wenn Sie noch treten können, ist das Fahrrad oder Dreirad, gegebenenfalls mit Motor, auf jeden Fall empfehlenswerter.
Tandem, Laufrad, Rollstuhl-Antrieb
Das Tandem ist eine gute Alternative, um gemeinsam mit einem nicht an MS erkrankten Partner unterwegs zu sein. Bei den meisten Tandems sitzen zwei Personen hintereinander auf einem Fahrrad. Der Lenkende wird als Pilot oder Kapitän, der Nichtlenkende als Stoker oder Heizer bezeichnet. Beide Fahrer treten in die Pedale, aber der Rollwiderstand ist mit einem Einzelrad vergleichbar. Das hat zur Folge, dass das Fahren weniger Anstrengung erfordert und eine höhere Geschwindigkeit in der Ebene möglich ist.
Besonderer Vorteil für MS-Erkrankte: Da beide Fahrer unabhängig voneinander pedalieren können, kann sich einer immer wieder zwischendurch erholen. So können unterschiedlich leistungsfähige Radler gemeinsam Strecken bewältigen.
Ein Tipp für besonders Mutige und Experimentierfreudige ist das Laufrad für Erwachsene. Es ist ein erstklassiges Fitnessgerät, vor allem für das Gehen, da die Füße ständigen Bodenkontakt haben. Der extrem niedrige Einstieg beim Laufrad gibt zusätzliche Sicherheit. Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Kraft lassen sich hervorragend trainieren. Wie beim Radfahren ruht das Körpergewicht auf dem Sattel und die Gelenke sind entlastet. Idealerweise hat nur der Vorderfuß Bodenkontakt und der Fahrer gleitet schwebend dahin. Laufradfahren ist eine tolle Alternative zum Joggen, Radfahren und Walken.
Rollstuhlfahrer, die draußen im Gelände ihre Mobilität im Rollstuhl erhöhen möchten, können das Rollstuhlfahren an sich als Trainingsmöglichkeit nutzen. Außerdem gibt es einen Zusatzantrieb (E-motion), der bei Bedarf zugeschaltet werden kann. Der am Rad montierte Motor hilft, Steigungen und längere Strecken besser zu bewältigen und gibt beim Bremsen bergab zusätzliche Sicherheit.
Die Rolle von Smartwatches und Fitness-Trackern
Viele Radfahrerinnen und Radfahrer haben beim Biken ein Fahrradcomputer, um Geschwindigkeit und Distanz zu messen. Viele messen auch ihre Herzfrequenz und einige erfassen sogar ihre Leistungsdaten. Aber wie sieht es aus, wenn du nicht Rad fährst? Erholst du dich genug? Welche Auswirkungen hat ein anstrengender Arbeitstag? Woher erkennst du, ob du bereit für das nächste Radfahrtraining bist? Eine Garmin-Smartwatch kann dabei helfen, Licht ins Dunkel zu bringen.
Heutzutage kannst du dein Fahrrad mit vielen Geräten verbinden, darunter ein Edge-Fahrradcomputer, ein Herzfrequenz-Brustgurt und Rally-Powermeter. Diese Produkte erfassen alle erforderlichen Daten, damit du deine Performance beim Radfahren besser verstehen und steigern kannst. Dank Firstbeat Analytics, der integrierten Garmin-Plattform für die Datenanalyse, kannst du das Fahrrad auch mit dir selbst verbinden. Du erhältst Einblicke in deine Trainingsbelastung, deinen Trainingszustand, deine Erholungszeit, deinen Fitnesslevel u. v. m.
Das ist alles schön und gut, aber wenn du nur die Daten der wenigen Stunden beim Radfahren erfasst, entgehen dir viele nützliche Fitnessinformationen. Da du nicht deine gesamten Aktivitäten speicherst, z. B. Laufen, Wandern, Gehen, Tennis oder Basketball spielen, interpretierst du die Belastung deines Körpers nicht richtig. Wenn du alles aufzeichnest, kannst du dir ein vollständiges Bild davon machen, was in deinem Körper vor sich geht. In einfachen Worten: Du erhältst dadurch eine großartige Möglichkeit, dein Training positiv zu beeinflussen.
Durch die Daten, die erfasst werden, wenn du nicht Rad fährst, erhältst du 24/7 Informationen als Sportlerin oder Sportler, z. B. zu weiteren Aktivitäten, Schlaf, Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität über Nacht und Stress. Wenn dir das Radfahren also sehr wichtig ist, benötigst du diesen ganzheitlichen Einblick.
Garmin Forerunner 955: Ein umfassender Überblick
Der brandneue Forerunner 955 ist speziell für alle, die gerne laufen, Rad fahren und schwimmen und lässt sich bequem Tag und Nacht tragen. Das Gerät zeichnet die Herzfrequenz kontinuierlich auf, liefert detaillierte Informationen zur Schlafqualität, behält dein Stresslevel und die Atmung im Blick und umfasst viele andere erweiterte Gesundheits- und Sportfunktionen wie du sie benötigst und von einer modernen Smartwatch erwartest. Die Liste ist lang.
Die Kopplung mit deinem Smartphone ist ganz einfach. Schon erhältst du Smart Notifications und die Möglichkeit zum Synchronisieren deiner Daten mit Garmin Connect. Auch externe Sensoren, die du beim Laufen oder Radfahren verwendest, lassen sich nahtlos verbinden. Eine Garmin Smartwatch bietet auch eine großartige Navigationsfunktion mit Multiband-GPS für besonders schwierige Umgebungen. Sicherheits- und Trackingfunktionen sind ebenfalls Standard.
Zum Bedienen des Forerunner 955 kannst du den Touchscreen oder die Tasten an der Seite der Uhr benutzen. Warum? Damit du auch mit verschwitzten Händen oder auf besonders holprigen Wegen alle Funktionen verwenden kannst. Außerdem hält dein Akku lange durch. Eine Woche ohne Aufladen? Überhaupt kein Problem. Wie wäre es mit einem Triathlon? Der Forerunner 955 zeichnet nicht nur alle drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen auf. Deine Smartwatch unterstützt auch das Mirroring, sodass auf deinem Fahrradcomputer die beim Schwimmen erfassten Daten angezeigt werden können.
Mit dem neuen Wettkampf-Widget kannst du Informationen für die Vorbereitung auf den Wettkampf anzeigen, darunter eine speziell für den Wettkampftag geltende Leistungsprognose, das Wetter am Wettkampftag und einen Countdown.
Trainingsbereitschaft und HFV-Status
Auf dem Forerunner 955 gibt es eine coole neue Funktion: die bahnbrechende Trainingsbereitschaftsfunktion. Damit erfährst du, wie dein Körper an diesem Tag auf ein Training reagieren wird. Einfach gesagt: Deinem Fahrradcomputer fehlen zwei wichtige Komponenten für die Berechnung: 24/7 aufgezeichnete Erholungsdaten (sogar die leidenschaftlichsten Fahrerinnen und Fahrer nehmen ihren Fahrradcomputer nicht mit ins Bett) und Daten zur Schlafqualität. Außerdem bezieht der Forerunner 955 Stressdaten der letzten Tage, den HFV-Status und Schlafdaten der vorherigen zwei Nächte ein. Auch diese Informationen liefert nur ein Wearable.
Die neue HFV-Statusfunktion ist gerade in aller Munde. Dein Herz schlägt nicht ständig im gleichen Takt. Der Abstand zwischen zwei Herzschlägen ist immer etwas unterschiedlich. Diese Abweichung im Hinblick auf die Länge kann eine Reaktion auf die Atmung sein, kann aber auch mit Stress, Sport, Krankheit, Alkohol usw. im Zusammenhang stehen. Wenn deine HFV also nicht mit deinem eigenen HFV-Grundwert übereinstimmt, macht dein Körper evtl.
Zum Reduzieren externer Einflüsse wird die HFV beim Forerunner 955 nachts gemessen, während du schläfst. Dadurch ergeben sich im Vergleich zu Daten anderer Marken deutliche Vorteile bezüglich der Bereitstellung zuverlässiger Einblicke. Auf diese Weise kannst du deine allgemeine Gesundheit, deine Erholung und deine Trainingsleistung besser verstehen. Bei der oben erwähnten Trainingsbereitschaftsfunktion wird nicht nur die aktuelle HFV berücksichtigt. Vielmehr wird die HFV der letzten 7 Tage mit deinen persönlichen Grundwerten verglichen. Basierend auf deinem HFV-Status, deinem Trainingsprotokoll und deiner Leistung erhältst du mit der Trainingszustandsfunktion bessere Einblicke in deine allgemeine Anstrengung.
Garmin verwendet den HFV bereits seit Jahren, um den Stress zu berechnen und Daten für die Body Battery zu erfassen. Wir bei Garmin wissen, dass du dich auf das Training konzentrieren möchtest. Unsere Aufgabe ist es also, es für dich so bequem wie möglich zu machen.
Weitere Funktionen für Radfahrer
Möchtest du bei einer Nicht-Radfahraktivität eine Playlist hören, dein Smartphone aber nicht mitnehmen? Wir stehen dir zur Seite. Auf dem Forerunner 955 kannst du bis zu 2.000 Songs von bestimmten Streaming-Services wie Spotify und Amazon Music offline speichern. Verbinde das Gerät mit deinen drahtlosen Kopfhörern und folge dem Takt. Garmin Pay ist eine andere super Funktion. Bezahle damit kontaktlos direkt über die Uhr. Hol dir also einen zweiten Energieriegel bei deiner Tour oder einen Kaffee danach. Brieftasche oder Smartphone brauchst du nicht.
Smartwatches messen sportliche Aktivität und Leistungen über den Tag. Je nach Ausstattung und Preis sind die Geräte in der Lage unterschiedlichste Messdaten zu erheben und Aktivitäten aufzuzeichnen. Bewegungssensoren, optische Sensoren, bioelektrische Sensoren und je nach Modell unterschiedliche GPS-Empfänger erheben die Aktivitäten.
Herausforderungen und Einschränkungen von Fitness-Trackern
Nicht selten gibt es Fehler bei der Wiedergabe der Streckenlänge. Besonders bei Modellen, die nur auf Bewegungssensoren setzen, also die Strecken anhand der Schrittzahl bemessen und keine Satellitenortung haben, wird es bei Outdoor-Aktivitäten wie Joggen, Wandern oder Radfahren schwammig. Unabhängig von der Ausstattung der Tracker können äußere Einflüsse wie eine starke Bewölkung, dichte Wälder oder hohe Gebäude die Standortermittlung via GPS beeinträchtigen.
Hinzu kommt, dass die GPS-Antenne nicht optimal in die Uhren und Armbänder verbaut und daher nicht zum Satelliten ausgerichtet ist. Nicht nur die Streckenlängen, auch die Pulsmessungen können zu hoch oder zu niedrig sein - etwa wenn der Tracker zu locker am Handgelenk sitzt oder das Handgelenk beim Radfahren gebeugt wird. Letzteres führt dazu, dass das Gerät zu weit unten am Handgelenk misst.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt täglich 10.000 Schritte zu gehen um fit und gesund zu bleiben - die Tracker können hierbei hilfreiche Begleiter sein und über das bereits geleistete Pensum informieren. Anhand von Armschlenkern und Pulswerten sollen die jeweiligen Aktivitäten, zum Beispiel Spazieren gehen oder Joggen, erkannt werden. Jedoch kann es passieren, dass Bewegungsprozesse falsch interpretiert werden und Klatschen oder Zähneputzen als Schritte gezählt werden.
Abhängig davon, wie gut die digitalen Coaches ausgestattet sind, ist auch die Akkulaufzeit. Nutzer von Fitnesstrackern geben einen nicht gerade unwesentlichen Teil an persönlichen Daten wie GPS-Positionierung, Messungen von Körperfunktionen und je nach Funktionsvielfalt des Trackers auch Anrufe und Benachrichtigungen an die Geräte- und Apphersteller weiter. Theoretisch könnten so umfassende Gesundheitsprofile einzelner Personen erstellt werden.
Bei der Anschaffung eines Fitness-Trackers sollte unbedingt die Kompatibilität mit dem Smartphone überprüft werden. Nicht jede Geräte-App gibt es auch für jedes Smartphone. Wer mit seinem Fitness-Tracker schwimmen gehen möchte, sollte darauf achten, dass das Armband oder die Uhr wasserdicht sind.
Die Fitnesstracker und Smartwatches können zu mehr Aktivität verhelfen, zumindest in den ersten Wochen nach der Anschaffung. Ob die Geräte es auch darüber hinaus zum digitalen Trainer schaffen, bleibt individuell unterschiedlich und ist abhängig davon, wie gut die Tracker dem Nutzer gefallen.
In einer Studie der TU Chemnitz und der Uni Lübeck befragten Forscher 159 ehemalige Nutzer, warum sie das Armband oder die Uhr nicht mehr nutzen. Ein Drittel der Befragten hatte das Gefühl, nur noch für die getrackten Daten zu trainieren. Andere Studienteilnehmer nannten als Grund, dass die Tracker ihre Freiheit einschränkten. Bevor man ein Fitness-Armband kauft, sollte man sich ausreichend über die Möglichkeiten des Gerätes informieren und auch die Datenschutzbedingungen lesen. Damit man den digitalen Coach auch gerne am Handgelenk trägt, sollte einem das Gerät außerdem optisch gefallen, ansonsten landet es womöglich schnell in einer Schublade.
Die Debatte um die 10.000 Schritte
Müssen wir wirklich 10.000 Schritte am Tag gehen, um fit zu bleiben, so wie es uns Schrittzähler weismachen wollen? Laut des Statistik-Portals Statista benutzen 29 Prozent aller Deutschen Fitness-Tracker (Zahlen von 2019), Tendenz steigend. Die viel beworbene Fitnessmarke der 10.000 Schritte entstand durch eine clevere Marketingkampagne zu den Olympischen Spielen 1964 in Japan. Diese hohe Anzahl der zurückgelegten Schritte sei äußerst gesund und der Ausdruck eines gesunden Lebensstils, warb Yamasa.
Welcher Sport passt zu mir? Tennis oder Fußballl, Schwimmen oder Radfahren? Welchen gesundheitlichen Nutzen haben die unterschiedlichen Disziplinen? Wie lassen sich Anfängerfehler vermeiden - und auf welche Weise können auch Fortgeschrittene profitieren? Wenngleich die Formel wissenschaftlich nie belegt wurde, setzte sich diese willkürlich gesetzte Grenze über die Jahre trotzdem durch. Der Werbe-Bluff etablierte sich zu einer allgemeingültigen Empfehlung, selbst bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Wissenschaftliche Untersuchungen haben in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder Zweifel an der vermeintlich magischen Fitnessgrenze der 10.000 Schritte bekundet. Im Mai 2019 erschien im Fachblatt "Jama" eine Studie, deren Ergebnisse darauf hindeuten, dass bereits 7500 Schritte völlig ausreichen, um das Sterblichkeitsrisiko zu senken. Die Harvard Medical School hatte im Rahmen ihrer Studie 16.000 ältere Frauen aus den USA - das Durchschnittsalter war 72 Jahre - in Bezug auf ihr Sterberisiko und die zurückgelegten Schritte untersucht.
Ergebnis: Die Frauen, die täglich mindestens 4400 Schritte taten, hatten nach vier Jahren ein geringeres Sterberisiko als weniger aktive Probandinnen, die nur 2700 Schritte zurückgelegt hatten. Der statistisch beobachtete Vorteil steigerte sich bis zu einer Grenze von 7500 Schritten. Ein Manko der Studie: Ihre Aussagekraft ist begrenzt, weil sie nur an älteren Frauen durchgeführt wurde. Ob die vorgestellten Ergebnisse ebenso auf Männer oder jüngere Menschen zu treffen, ist unklar.
Es gibt international weitere Studien, die regelmäßige körperliche Aktivität mit einem geringeren Krankheits- und Sterberisiko in Relation gesetzt haben. Und in einer 2022 veröffentlichten Metaanalyse wurden 15 Kohortenstudien aus Europa, Asien und Nordamerika mit fast 50.000 Probandinnen und Probanden ausgewertet. Ergebnis: Bei den Studienteilnehmern unter 60 Jahren wurden 8000 bis 10.000 Schritte täglich mit einem geringeren Risiko für einen frühzeitigen Tod in Verbindung gebracht.
Die motivierende Wirkung von Schrittzählern hingegen ist allerdings umstritten. Nicht immer scheinen die Geräte wie erhofft die Fitness zu stärken und das Gewicht zu senken. So zeigte eine im Fachjournal "Jama" veröffentlichten Studie im Jahr 2016, dass man mithilfe von Fitness-Armbändern nicht zwingend abnimmt: fast 500 junge Übergewichtige absolvierten im Rahmen der Studie eine Langzeitdiät und bekamen dazu Sportempfehlungen.
Im Ergebnis speckte die Gruppe mit den Fitness-Armbändern allerdings etwa 3,5 Kilogramm weniger ab als die Vergleichsgruppe ohne Fitness-Tracker. Das Team um Prof. John M. Jakicic von der University of Kansas lieferte für diese Ergebnisse zwei mögliche Erklärungsansätze: Die Teilnehmenden bekamen durch die Rückmeldung des Fitness-Trackers den Eindruck, besonders aktiv gewesen zu sein und belohnten sich dafür mit leckeren Mahlzeiten. Oder das Fitness-Armband wirkte demotivierend, weil Trainingsziele zu oft verfehlt wurden.
Viel wichtiger als die Anzahl der Schritte könnte für die Gesundheit ohnehin eine andere Messgröße sein: die Intensität der Bewegung. Denn wer fitter werden möchte, muss vor allem mit Belastung trainieren. Die WHO empfiehlt in ihrer weltweiten Leitlinie mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, sodass dabei das Herz-Kreislauf-System angekurbelt wird. Moderate Bewegung kann zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen sein.
Dass Sport gesund ist: eine Gewissheit. Schwieriger schon ist zu ermessen, welches Minimum an Bewegung individuell notwendig ist. Und ab welchem Pensum der Organismus des Menschen Schaden nimmt. Wer mehr tun möchte, um die Gesundheit und den Fitness-Level zu verbessern, sollte das Pensum jeweils verdoppeln - also pro Woche 300 Minuten Sport mit moderater Intensität oder 150 Minuten intensives Training.
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