Eure Reifen sollten beim Mountainbiken die einzigen Kontaktpunkte zum Boden sein und sind somit eins der wichtigsten - allerdings oft stark unterschätzten - Teile am Bike. Seit 1973 entwickelt das Unternehmen Reifenmodelle und wird nicht müde, die Messlatte immer weiter nach oben zu schrauben. Einer, der alle Anforderungen kennt, ist der deutsche Reifenhersteller Schwalbe.
Neues Design und Technologie
Mit dem Reifen Albert bricht Schwalbe ein neues Kapitel an. Denn es ist nicht nur der erste Reifen im neuen Design, auch im Inneren hat sich viel getan: Die neue Radial-Karkasse soll so komplett neue Fahreigenschaften liefern. Damit bringt Schwalbe nicht nur ein neues Design, sondern geht auch weg von den zweiteiligen Namen, die so lange typisch für den deutschen Hersteller waren. Zunächst wird der neue Schwalbe Albert nur in der 79,90 € teuren Pro-Version erhältlich sein, bald soll jedoch auch ein günstigeres Modell nachkommen. Zudem will Schwalbe sein Line-up vereinfachen und geht dafür mit dem Albert den ersten Schritt.
Der neue Schwalbe Albert
Nun betritt der Schwalbe Albert-Reifen den Markt. Er soll die Lücke schließen zwischen dem klassischen Vorderreifen, dem Magic Mary, und dem neuen Allrounder, dem Tacky Chan, und als Allrounder für Vorder- und Hinterreifen funktionieren. Die Gummimischungen bleiben erhalten und behalten sowohl ihre Namen als auch die Farbmarkierung, die eindeutig macht, um welchen Compound es sich handelt. Der große Fokus liegt dabei klar auf dem Albert, dessen Profil speziell für die neue Karkasse und die damit einhergehende größere Verformung der Lauffläche entwickelt wurde. Die Art der Anordnung der Stollen ist der des Magic Mary gar nicht unähnlich.
Allerdings liegen die Stollen des Albert näher aneinander und die Seitenstollen sind deutlich kürzer, was dem Reifen ein geschlosseneres, rundes Profil verleiht. Das soll am Vorder- wie auch Hinterrad viel Kontaktfläche mit dem Boden und somit guten Grip in allen Situationen liefern - durch den kleineren Abstand der Stollen am besten bei trockenen Bedingungen. Der Albert wird in 2,5” und 2,6” Breite angeboten, sowohl in Soft- als auch in Ultra Soft-Gummimischung und mit Trail- oder Gravity-Karkasse.
Schwalbe Shredda für E-Mountainbikes
Geht es um E-Mountainbikes, rollt der Shredda auf die Bühne. Er bietet ein extrem grobes Profil mit langen Stollen, das von Motocross-Reifen inspiriert ist und am E-Bike bergauf sowie bergab maximale Traktion verspricht, vor allem in weichem Boden. Ein geringer Rollwiderstand war mit den langen, weit auseinanderliegenden Stollen eindeutig nicht das Ziel der Entwicklung.
Die Radial-Karkasse im Detail
Die beiden neuen Schwalbe-Reifen, die ausschließlich mit der neuen Radial-Karkasse (dazu später mehr) ausgeliefert werden, hören auf die Namen Albert und Shredda. Mit 1.328 g hat er nahezu das gleiche Gewicht wie die vergleichbaren anderen Modelle im Portfolio. Zusätzlich kommt ein E-Bike-spezifischer Reifen namens Shredda auf den Markt, der mit seinem extremen Profil maximalen Grip im Up- und Downhill bieten soll.
Die neue Schwalbe Radial-Karkasse setzt auf den gleichen Aufbau wie die bekannten Karkassen von Schwalbe, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Anders als bei den anderen Reifen im Schwalbe-Portfolio und denen anderer Hersteller verlaufen die Fäden nicht im 45° Winkel von einer Reifenwulst zur anderen, sondern nahezu im 90°-Winkel. Daher kommt auch der Name der Karkasse, da die Fäden radial um die Rundung des Reifens laufen - also den kürzesten Weg zwischen den beiden Wülsten haben. Diesen Aufbau kennen wahrscheinlich die meisten von ihren Auto-Reifen, wo dieser Aufbau inzwischen Standard ist.
Bei MTBs hat man es bisher allerdings noch nicht gesehen, denn reine Radial-Karkassen haben nur mit einer Draht-Wulst die nötige Stabilität. Schwalbe hat deshalb einen etwas flacheren Winkel gewählt - welcher genau, ist natürlich ihr Geheimnis. Klar ist jedoch: Die Fäden haben durch den stumpferen Winkel weniger Überlappung miteinander, wodurch im Reifen beim Verformen eine deutlich geringere Reibung entsteht. Das soll dann ein weicheres Fahrgefühl geben, ohne dass die Seitenwand-Stabilität und Durchschlagschutz beeinträchtigt werden.
Die stärkere Verformung des Reifens mit der neuen Karkasse bedingt allerdings auch einen etwas erhöhten Rollwiderstand. Laut Schwalbe soll der Albert allerdings dank seinem Profil mit Radial-Karkasse den gleichen Rollwiderstand haben wie ein Magic Mary mit der alten Karkasse. Die neue Radial-Karkasse wird zunächst an den beiden neuen Modellen, Albert und Shredda, verbaut. Zukünftig wird aber auch der beliebte Vorderreifen Magic Mary mit der neuen Karkasse erhältlich sein.
Fahrtest des Schwalbe Albert
Wir sind den neuen Schwalbe Albert MTB-Reifen bei der Produktvorstellung in Finale Ligure auf den bekannten schnellen und steinigen Trails gefahren. Vielmehr ging es darum, einen vollen Tag Back-to-back-Tests auf einer festgelegten Teststrecke abzuspulen, um den neuen Albert gegen den Magic Mary und auch die neue Radial Gravity-Karkasse gegen die bekannte Super Gravity-Karkasse zu testen. Im Anschluss haben wir die Reifen noch einige Bikepark-Tage über unzählige Laps gejagt, um die Unterschiede detailliert herausstellen zu können. Dabei sind wir den Albert in Ultra Soft-Gummimischung an der Front gefahren und in Soft am Heck.
Startet man mit dem Albert mit Radial Gravity-Karkasse auf den Trail, fühlen sich die Reifen bereits auf den ersten Metern deutlich softer an als das Pendant mit Super Gravity-Karkasse. Dadurch folgt der Reifen dem Untergrund besser, spricht deutlich sensibler auf kleine Schläge an und dämpft Vibrationen vom Trail spürbar ab. Vor allem am Vorderrad ist das deutlich zu spüren und durch die verringerten Vibrationen ist es spürbar weniger anstrengend für die Hände. In ruppigen Passagen werden seitliche Schläge besser gedämpft und man wird nicht so schnell von der Line geworfen, wodurch sich die Laufruhe des Bikes deutlich verbessert.
Auch nach Sprüngen spürt man eindeutig, dass der Reifen nachgiebiger ist und man landet mit den Albert-Reifen wie auf einem Wattebausch. Denkt man noch bei der ersten Millisekunde der Landung, dass man bis auf die Felge durchschlägt, ist die Dämpfung dann aber sehr progressiv und der Reifen hält stand. Das Fahrgefühl entspricht insgesamt dem, wenn man mit Tire-Inserts unterwegs ist - nur ohne das zusätzliche Gewicht. Ein Unterschied ist allerdings, dass die Radial-Karkasse euch keinen erhöhten Durchschlagschutz bietet - im Gegenteil. Denn Seitenwandstabilität und Felgenschutz kommen nicht ganz an an die der Super Gravity-Karkasse heran, wenn man den Albert mit dem gleichem Druck fährt.
Außerdem kann sich der Reifen auf Sprüngen oder in starken Kompressionen etwas ungewohnt anfühlen, da er zunächst deutlich mehr nachgibt und somit auch ein anderes Rebound-Verhalten hat. Allerdings ist das durch leichtes Erhöhen des Reifendrucks schnell behoben. Wir sind mit dem neuen Albert nach einigem Experimentieren etwa 0,1 bar mehr an Front und Heck gefahren, damit haben wir etwa gleiche Karkassenstabilität und immer noch ein deutlich gedämpftes Fahrverhalten mit all seinen großen Vorteilen.
Das Profil des Albert zeigt gute Allround-Eigenschaften und hat sich in einer Vielzahl von Bedingungen bewährt. Im Vergleich zum Magic Mary bietet er ein entspannteres Fahrverhalten. Das bedeutet, dass er durch sein rundes Profil einen gleichmäßigen Übergang von den Mittel- auf die Seitenstollen hat und dadurch vorhersehbar in die Kurven geht. Bricht der Reifen doch mal aus, passiert das auch nicht plötzlich, sondern sehr vorhersehbar und berechenbar.
Der Magic Mary bietet zwar unter einem versierten Fahrer mehr absoluten Grip - vor allem in lockerem Boden -, allerdings auch einen schmaleren Grenzbereich: Bei viel Druck auf den aggressiven Seitenstollen bohren die sich in den Boden, aber wenn der Reifen dann ausbricht, ist er unvorhersehbarer und schwerer zu kontrollieren. Seine große Stärke spielt der Albert bei trockenen Bedingungen und auf harten Bikepark-Lines oder steinigen Trails aus.
Für uns ist der neue Schwalbe Albert-Reifen ein Liebling in der Redaktion geworden, da er bei fast allen Bedingungen sehr stark performt. Durch die neue Radial-Karkasse zeigt er zudem ein gedämpfteres Fahrverhalten, das mehr Kontrolle bietet, Sicherheit vermittelt und weniger ermüdend für die Hände ist.
Fazit zum Schwalbe Albert MTB-Reifen
Beim Schwalbe Albert MTB-Reifen ist nicht nur der Look komplett neu, auch die Fahreigenschaften sind radikal anders. Die neue Radial-Karkasse setzt neue Maßstäbe in Sachen Sensibilität und erhöht dadurch die Laufruhe, was den Fahrer weniger ermüden lässt. Einbußen in Sachen Stabilität muss man dafür kaum machen und wer mit dem leicht erhöhten Rollwiderstand zurechtkommt, bekommt mit dem Albert einen starken Allround-Reifen, der mit seinem Profil für die allermeisten Bedingungen geeignet ist und zudem ein sehr vorhersehbares Grip-Verhalten ermöglicht.
Alternativen und Ergänzungen im Schwalbe Portfolio
Schwalbe bietet ein breites Spektrum an Mountainbike-Reifen, die jeweils auf spezifische Einsatzbereiche zugeschnitten sind.
- Magic Mary: Ein Allrounder für den Gravity-Einsatz am Vorderrad, bekannt für hervorragende Kurvenführung auf weichen Böden.
- Tacky Chan: Schwalbes schnellster Downhill-Reifen, der sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad gut funktionieren soll.
- Big Betty: Ein Klassiker, der sich als Downhill- und Enduro-Allrounderin für trockene bis feuchtnasse Böden eignet.
- Hans Dampf: Ein vielseitiger Reifen für All-Mountain- und Enduro-Touren, der Grip und Rollverhalten gut kombiniert.
Weitere MTB-Reifen im Test (27.5 Zoll)
Neben Schwalbe gibt es auch andere Hersteller, die hochwertige 27.5-Zoll-MTB-Reifen anbieten. Hier eine kurze Übersicht einiger getesteter Modelle:
| Modell | Typ | Geeignet für | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Maxxis Minion DHR II | Faltreifen | Gelände | Besonders pannensicher, Tubeless-Ready |
| Fincci Reifen für MTB | Faltreifen | Gelände | Kompakt transportierbar, Set aus zwei Reifen |
| Schwalbe Nobby NIC Evo | Faltreifen | Gelände/Straße | Hohe Pannen- und Abriebfestigkeit, Selbstreinigung |
| Prophete MTB Fahrradreifen | Drahtreifen | Gelände | Grobes Profil |
| Schwalbe Smart Sam Performance | Drahtreifen | Gelände/Straße | Pannensicher, verstärkte Seitenwangen |
| Continental MTB Cross King | Drahtreifen | Gelände/Straße | Besonders pannensicher, geringer Rollwiderstand |
Die Qual der Wahl: Welcher Reifen ist der Richtige?
Die Wahl des richtigen Mountainbike-Reifens hängt stark von den individuellen Bedürfnissen und dem bevorzugten Einsatzbereich ab. Ob für aggressive Downhill-Strecken, lange All-Mountain-Touren oder den täglichen Einsatz auf gemischtem Terrain - Schwalbe und andere Hersteller bieten eine breite Palette an Optionen, die es ermöglichen, das optimale Setup für jedes Abenteuer zu finden.
Verwandte Beiträge:
- Schwalbe Mountainbike Reifen 27,5 Zoll: Test & Kaufberatung
- Moped Schwalbe elektrisch umbauen: Kosten, Vorteile & Tipps
- Schwalbe Reifendruck MTB Tabelle: Der richtige Luftdruck für Ihr Bike
- Schwalbe Racing Ralph Fahrradreifen: Test & Erfahrungen
- Die besten Fahrradreifen im Test – Ultimativer Guide für Top-Performance und Sicherheit
- Radwege in Eiderstedt: Die Top-Routen für unvergessliche Fahrradtouren auf der Halbinsel
Kommentar schreiben