Schwere Oberschenkel beim Radfahren: Ursachen und Lösungen

Viele Radfahrer kennen das Gefühl schwerer, schmerzender Oberschenkel. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein und reichen von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Ursachen und zeigt Lösungsansätze auf.

Häufige Ursachen für schwere Oberschenkel beim Radfahren

Überlastung und falsche Belastung

Gerade zu Beginn der Saison oder nach längerer Pause kann es schnell zu einer Überlastung der Oberschenkelmuskulatur kommen. „Der Körper muss sich auf anfänglich ungewohnte Belastungen einstellen. Also lieber häufiger fahren und Pausen machen, als gleich mit einer Gewalttour starten“, sagt Tofaute. Eine unökonomische Haltung mit viel Muskelanspannung kann ebenfalls zu Beschwerden führen.

Die falsche Sattelhöhe ist oft nicht nur für Schmerzen am Oberschenkel außen verantwortlich, sondern auch für Knieschmerzen nach dem Fahrradfahren. Ist der Sattel zu niedrig eingestellt oder befindet er sich zu weit vorne, werden die Bänder und der Knorpel übermäßig belastet.

Handlungsempfehlung: Achten Sie auf eine korrekte Sitzposition und eine gleichmäßige Belastung. Regelmäßige Pausen und Dehnübungen können helfen, Verspannungen zu lösen.

Muskuläre Dysbalancen

Radfahrer leiden häufiger als andere Sportler unter verkürzten Muskeln. Wenn beim Fahrradfahren die Muskeln wehtun - insbesondere die Oberschenkelmuskeln -, stecken in den meisten Fällen muskuläre Dysbalancen dahinter. Ungleichgewichte werden durch die einförmigen Bewegungen nicht selten verstärkt. Durch gezielten Aufbau der beteiligten Muskulatur beugt man Muskelschmerzen am Oberschenkel vor.

Piriformis-Syndrom

Durch eine Verspannung oder Verhärtung des Piriformis-Muskels verringert sich der Platz im großen Sitzbeinloch und es kommt zur Einengung und Reizung des Ischiasnervs (darum spricht man mitunter auch vom „Engpass-Syndrom“). Das Piriformis-Syndrom beim Radfahren gehört - ähnlich wie Muskelkater im Rücken - zu den seltenen, aber umso schmerzhafteren Problemen beim Biken. Es kann leicht mit normalem Muskelkater verwechselt werden, da es sich ähnlich anfühlt - ein starker Schmerz, der vom Rücken in die Beine ausstrahlt.

Handlungsempfehlung: Durch Übungen mit einer Faszienrolle wird der im Gesäß befindliche Piriformis-Muskel trainiert und das Problem somit behoben.

Nervenkompressionssyndrome

Weitere Probleme sind Nervenkompressionssyndrome, hier vor allem die ulnare Neuropathie, das Carpaltunnelsyndrom, vertebral bedingte Dysästhesien und das „burning Feet Syndrome“.

Muskelkrämpfe

Bei einem Muskelkrampf, in der Medizinersprache “Spasmus” genannt, zieht sich ein Muskel oder ein Teil eines Muskels plötzlich und teils unter heftigen Schmerzen stark zusammen. Theoretisch kann jeder Skelettmuskel des Körpers ­verkrampfen.

Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Muskelkrämpfe das Ergebnis eines Elektrolytmangels seien. Laut Behringer, der in seiner Karriere viel zum Thema Muskelkrämpfe beim Sport geforscht hat, ist die Ursache eher eine neurologische: “Das Rückenmark, das die Muskulatur ansteuert, erhält immer hemmende und aktivierende Informationen. Nervenzellen aktivieren den ermüdeten Muskel also übermäßig und der reagiert mit maximaler Kontraktion.”

Handlungsempfehlung: Dehnen sei die beste Sofortmaßnahme, rät Behringer: “Dadurch bringt man das Un­gleich­­gewicht zwischen hemmenden und aktivierenden Feed­back­informationen wieder ins Gleichgewicht, hin zu mehr Hemmung.”

Seltenere, aber ernstzunehmende Ursachen

Endofibrose

Unter Insidern gilt sie als „Radfahrer-Krankheit“. Sie ist vor allem bei Radsportlern und Triathleten nachgewiesen. Und hängt wohl spezifisch mit der Sitzposition auf dem Rad zusammen.

Betroffen ist in den meisten Fällen die äußere und innere Beckenarterie - diese beiden Arterien gehen direkt von der Aorta ab und führen durch das Becken nach unten. Sie sind die „Hauptversorgungskanäle“ aller Beinmuskeln. In den meisten Fällen bildet sich in ihnen Narbengewebe, das den Blutfluss behindert.

Die Folge: Die Blutversorgung der Beinmuskeln ist eingeschränkt. Je länger beziehungsweise „geknickter“ die Arterien sind, desto weniger Blut und damit Sauerstoff erreicht die Muskeln.

Im intensiven Leistungsbereich nimmt der „Druck auf dem Pedal“ nach und nach ab. In vielen Fällen gehen die Sportler sowie auch die meisten Ärzte zunächst vom berüchtigten Übertrainingssyndrom als Ursache aus.

Die einzige Hoffnung: eine Operation. Eine große und gefährliche Operation. Das Risiko dabei ist hoch.

Die Symptome variieren: Die meisten Betroffenen sprechen von Schmerzen, einer Art Muskelkrampf und Taubheit. Dieses Gefühl tritt in der Regel nur in einem Bein auf.

Diagnose: Für die Diagnose können verschiedene bildgebende Verfahren, wie etwa das MRT, zum Einsatz kommen.

Therapie: Die konservative Behandlung umfasst vor allem Positionsveränderungen auf dem Rad, die die Hüftbeugung vermindern sollen - und bei Freizeitsportlern: das Vermeiden maximaler Belastungen.

Eine der gängigsten Operationsmethoden ist die „Endofibrosektomie mittels einer Patch-Angioplastie“: Dabei wird die betroffene Arterie der Länge nach aufgeschnitten. Das fibrotische Gewebe wird entfernt und die Arterie mittels eines „Pflasters“ aus körpereigenem Material verschlossen.

Weitere Ursachen

Verengte oder blockierte Blutgefäße, die in Ruhe unauffällig waren, können bei großer Anstrengung ähnliche Symptome auslösen.

Was kann man gegen Schmerzen beim Radfahren tun?

  • Sitzposition überprüfen: „Es lohnt sich, die Einstellung des Rades zu üüberprüfen. Oft sind es nur kleine Punkte, die geändert werden müssen. Dabei unterstützen Video-Tutorials oder spezielle Tools, wie zum Beispiel die Fitting-Box“, so der Experte.
  • Sattelwahl: „Dass der von vornherein verbaute Sattel auch passt, ist ein Glücksspiel. Die Investition in einen neuen Sattel ist deshalb immer zu überlegen. Bei Schmerzen im Genitalbereich lohnt sich beispielsweise ein Sattel mit Entlastungszonen und Aussparungen“, rät Dr. Kim Tofaute.
  • Kleidung: „Radhosen sind zu empfehlen oder Sportunterwäsche ohne Nähte. Jeans können aufgrund ihrer Nähte auf längeren Touren zu Reibungen führen.
  • Regelmäßige Pausen: „Hin und wieder aus dem Sattel gehen und das Gesäß entlasten.“
  • Dehnübungen: „Tägliches Dehnen von zwei Minuten ist dabei ausreichend. Das kann jeder zu Hause machen.“

Tipps zur Vorbeugung

  • Richtig trinken, vor allem bei Hitze
  • Sitzposition (inkl. Cleats) optimieren
  • Training sinnvoll aufbauen
  • Regelmäßig dehnen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten prüfen

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Vor allem bei wiederkehrenden Krämpfen sei eine genauere Untersuchung sinnvoll, um andere Ursachen auszuschließen, sagt Behringer: “Krämpfe können auch ein Symptom von verschiedenen Erkrankungen sein.” Hormon- und Stoff­wechsel­erkrankungen zum Beispiel, Leberprobleme oder Nervenfunktionsstörungen. Auch manche Medikamente, etwa zur Behandlung von Blut­hochdruck, Asthma, COPD (eine chronische Lungenerkrankung) oder Alzheimer, können die Krampfneigung erhöhen.

12 typische Warnsignale des Körpers beim Radfahren

  1. Kopfschmerzen
  2. Taube Hände
  3. Plötzlicher Leistungsverlust
  4. Knieschmerzen
  5. Kalter Schweiß
  6. Taube oder kalte Füße
  7. Sitzfläche brennt oder ist gereizt
  8. Rückenschmerzen
  9. Salzig trockene Haut
  10. Muskelbrennen
  11. Pochen oder Wummern im Ohr

Ampel-Checkliste: Wann sollte man handeln?

Die folgende Tabelle gibt eine grobe Einschätzung, wann man bei bestimmten Symptomen handeln sollte:

Symptom Ampel Handlungsempfehlung
Kopfschmerzen Gelb Belastung verringern, trinken, Nacken dehnen
Taube Hände Grün Handhaltung variieren, Lenker und Sitzposition prüfen lassen
Plötzlicher Leistungsverlust Rot Bei Atemnot, Herzrasen, Schwindel: Notarzt rufen!
Knieschmerzen Gelb Gang runterschalten, dehnen, ggf. Hausarzt aufsuchen
Kalter Schweiß Rot Sofort anhalten, Hilfe rufen, Schocklage einnehmen

Wichtig: Diese Checkliste dient nur als Leitfaden. Hören Sie auf Ihr Körpergefühl und ziehen Sie im Zweifelsfall einen Arzt zu Rate.

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