Shimano Deore XT Kurbelgarnitur Übersetzung: Eine detaillierte Analyse

Die passende Übersetzung herzustellen ist die Hauptaufgabe jeder Fahrradschaltung, ob Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Tretlagerschaltung, von mechanisch bis elektrisch.

Die Entwicklung der Fahrradschaltung

In den 90er Jahren argumentierte man, dass mehr Gänge mehr Auswahlmöglichkeiten bedeuten, was zu einem perfekteren Fahrerlebnis führen würde. Den Höchststand erreichte diese Entwicklung 2016 mit Shimanos 3×11-Schaltung, die 40/30/22 Zähne an der Kurbel und 40-11 Ritzel an der Nabe bot. SRAM hatte zu dieser Zeit eine 2×11-Schaltung mit 40/36 Zähnen und einem 10-42 Ritzel im Angebot.Während die Japaner den Kunden eine größere Auswahl und Bandbreite zur Verfügung stellten, brachten die Amerikaner mit der neuen 1×12-Schaltung das genaue Gegenteil auf den Markt. Durch eine massive PR-Offensive sah sich Shimano gezwungen, 2018 ebenfalls mit Einfach-Schaltungen nachzuziehen. Ein Machtkampf der beiden größten Schaltungshersteller führte zu einem Einfach-Einheitsbrei, in dem die Individualität verloren ging.

Eine klassische Entwicklung des 21. Jahrhunderts besteht darin, es dem Menschen in allen Bereichen so komfortabel wie möglich zu machen. Technische Innovationen punkten schon lange nicht mehr mit einem nachhaltigen Nutzen, sondern führen lediglich dazu, dass der Mensch weniger nachdenkt. Und genau das geschah hier gleich in doppelter Hinsicht. Einerseits wurde scheinbar weder vor dem Kauf eines Einfach-Systems nachgedacht, noch musste man dann beim neuen Schalten nachdenken, weil es ja keine Kombinationen aus vorn-hinten mehr gab. Schaltungskomfort hatte den Fahrkomfort abgelöst.

Mit fortschreitender Zeit steigt nicht etwa das technische Verständnis, dafür jedoch die Gier der Konzerne nach immer mehr Umsatz. Um ein wirtschaftliches Wachstum konstant zu halten, müssen regelmäßig neue Dinge auf den Markt gebracht, und die alten demzufolge eingestampft werden. Das Fahrrad wird ständig neu erfunden, praktisch alle 10 Jahre werden vormals bewährte Systeme von den Monopol-führenden Marktführern über den Haufen geworfen.

Übersetzung am Mountainbike

Am Mountainbike liegt die Übersetzung zwischen 0.5 (kurz) und 4.0 (lang). Je breiter man diesen Bereich abdeckt, desto variabler ist der mögliche Einsatz, und je enger die Abstufungen (Gangsprung), desto besser findet man den richtigen Gang.

Größere Raddurchmesser benötigen kürzere Übersetzungen, um die gleiche Steigung bewältigen zu können, wie kleinere Raddurchmesser. Es ist also wichtig, dass die Übersetzung der Schaltung auch zur entsprechenden Radgröße passt.

Gangsprung

Der Gangsprung ist der Steigerungsfaktor in Prozent zwischen zwei benachbarten Gängen; für eine optimale Trittfrequenz sollte dieser bei einem Mountainbike so gering wie möglich ausfallen.

3×9 vs. 2×11 vs. 1×12

Im Vergleich, folgend, typische Kettenschaltungen bei entsprechender Laufradgröße. Bezüglich einer Überschneidung wird oft angebracht, dass durch einen vorderen Umwerfer einige Gänge doppelt belegt wären, und man deshalb auf diese vordere Variabilität verzichten können. Tatsächlich jedoch sind beispielsweise bei einer 3×9 mit 42-32-22 Zähnen und 11-32 Ritzel nur drei Gänge identisch (Übersetzung 2.0, Geschwindigkeit 15km/h): Kettenblatt 42 + Ritzel 21, Kettenblatt 32 + Ritzel 16, Kettenblatt 22 + Ritzel 11 (letzter wegen Ketten-Schrägstellung sowieso nicht fahrbar).

Dreifach vs. Zweifach vs. Einfach

Die Vor- und Nachteile von Dreifach-, Zweifach- und Einfach-Schaltungen:

System Vorteile Nachteile
Dreifach
  • Maximale Variabilität mit der sowohl kürzesten als auch längsten erhältlichen Übersetzung, für die steilsten Anstiege sowie schnellsten Ebenen
  • Durch geringe Gangsprünge optimale Trittfrequenz für jeden Fahrer und jede Situation
  • Vorderer Umwerfer in der Bedienung ungünstig (schlechtes Hochschalten unter Last)
  • Einstellung des vorderen Umwerfers ist komplizierter
  • Geringere Bodenfreiheit am Tretlager
  • Die Bedienung mehrerer Komponenten erfordert mitunter mehr Nachdenken, und teilweise auch Gucken beim Schalten
  • Aufgrund der Schrägstellung der Kette, sind nicht alle Kombinationen nutzbar (Kreuzschaltung)
Einfach
  • Weniger Komponenten bedeutet geringerer Einstell- und Wartungsaufwand
  • Einfacheres und mitunter auch schnelleres Schalten, auch weil weniger Nachdenken erforderlich ist
  • Mehr Bodenfreiheit
  • Geringere Bandbreite zwischen kleinstem und größten Gang verkleinern den Anwendungsbereich (schwierigeres Bergauf-Fahren, geringere Endgeschwindigkeiten)
  • Große Sprünge zwischen den einzelnen Gängen behindern effektives Beschleunigen und ermöglichen nicht immer die optimale Trittfrequenz (man findet nicht den passenden Gang)
  • Große Gangwechsel erfordern viele Schaltvorgänge über die gesamte Kassette
  • Das kleinere 10er Ritzel führt zu höherem Verschleiß (Polygoneffekt) an Ritzel und Kette
  • Ein eventuell regelmäßiger Tausch von Kettenblättern mit dazugehörigem Tausch der Kette, ist nicht alltagstauglich bzw.

Die Wahl der richtigen Übersetzung

Anstatt allerdings einem System hinterher zu laufen, nur weil es gerade „in“ ist (und dies folglich immer wieder zu tun), wäre es deutlich klüger, sich vorher zu überlegen, was man denn eigentlich möchte bzw. wo die individuellen Ansprüche liegen, und welche Übersetzung sich daraus ergibt. Dann nämlich kann man sich an genau das System gewöhnen, was für einen das jeweils beste ist, und sein Geld lieber in Aktivitäten mit dem Rad investieren, als sich dafür ständig neue Teile, oder gar Fahrräder zu zuzulegen.

Wer ausschließlich im Gelände unterwegs ist, benötigt keine Übersetzung, mit der in der Ebene 50km/h gefahren werden könnte, dafür womöglich aber eher Klettergänge für steile Anstiege. Und wer hingegen nur steil bergab rauscht, kann ganz gut auf kurze Übersetzungen verzichten. In beiden Fällen genügt eine Ein- oder Zweifach-Schaltung.

HOLLOWTECH II Technologie

Das Konzept der HOLLOWTECH II Technologie wurde auf die Fertigung einer optimierten Kurbelgarnitur ausgerichtet, die den Kraftaufwand des Fahrers für den Antrieb minimiert. Die hohe Steifigkeit der Kurbelgarnitur gewährleistet die Effizienz der Kraftübertragung beim Treten, während ihr geringes Gewicht insbesondere bei längeren Strecken den Fahrer entlastet. Die Entwicklung der Kurbelgarnitur erfolgte im Hinblick auf ein optimales Verhältnis zwischen Steifigkeit und geringem Gewicht.

Die HOLLOWTECH Technologie ermöglicht extrem leichte, hohle Kurbelarme, die unter Einsatz der exklusiven Schmiedetechnologie von SHIMANO hergestellt werden, um eine maximale Steifigkeit zu erhalten. Zusätzlich ist bei der HOLLOWTECH II Garnitur die rechte Kurbel fest mit der Achse des Innenlagers verbunden, wodurch eine optimale Ausgewogenheit zwischen höchster Steifigkeit und geringstem Gewicht erzielt wird. Wir untersuchten die gesamte Kurbelgarnitur, einschließlich der Kurbelarme und Kettenblätter, um das optimale Verhältnis zwischen Steifigkeit, geringem Gewicht und Rotationseffizienz zu ermitteln. Im Ergebnis sorgt die HOLLOWTECH II Kurbelgarnitur für eine optimale Übertragung der Antriebskraft auf das Fahrrad.

Die richtige Übersetzung finden

Bei der Übersetzung handelt es sich um die Abstufung der Schaltung, also die Kombination aus der Anzahl der Zähne an den Kettenblättern und der Kassette. Diese entscheidet, wie schwer und leicht du treten musst. In Kombination mit dem Umfang des Reifens kannst du für jeden Gang die entsprechende Entfaltung pro Kurbelumdrehung berechnen.

Die Entfaltungs-Werte sind die wichtigsten Parameter für die Berechnung der passenden Übersetzung. Sie sagen aus, wie viel Weg man pro Kurbelumdrehung zurücklegt. Dafür multipliziert man den Radumfang mit der reinen Übersetzung (Quotient aus Zähnen von Kettenblatt und Ritzel).

Generell kann man sagen, dass Gänge mit einer Entfaltung von weniger als 2,5 m besonders bergtauglich sind. Entfaltungen im Bereich von 5 m sind besonders gut für leicht wellige Regionen, während im Flachland rund 7 m Entfaltung bevorzugt werden. Die restlichen Entfaltungen über 7 m sind für sehr sportliche Fahrer oder Bergabfahrten interessant.

Daher sollte man sich vorab bewusst sein, was anders sein soll. Wenn du aktuell ein Fahrrad besitzt, dann stell dir die Frage, ob die Übersetzung so gut ist, oder ob die Gänge eventuell zu schwer sind und du viel lieber leichter treten würdest; oder gehen dir die Gänge aus und du könntest eigentlich viel schneller fahren? Mach dir darüber Gedanken und überlege, wo und wie du das Fahrrad hauptsächlich nutzt.

Die Hersteller geben die Zähnezahl der Kurbel und Kassette an. Diese Angaben sind wichtig, um zu wissen, wie leicht und schwer die Gänge sind. Bei der Angabe der Kurbel sieht man hier zunächst, dass es sich um eine 3-Fach-Kurbel handelt, da 3 Angaben gemacht werden (48-36-26). Somit hat das große Kettenblatt 48, das mittlere Kettenblatt 36 und das kleinste Kettenblatt 26 Zähne. Damit ist die Abstufung der Kurbel bekannt.Bei der Kassette hingegen findet man nur die Angaben des kleinsten und größten Ritzels. In diesem Fall verfügt das kleinste Ritzel über 11 und das größte Ritzel über 34 Zähne. Somit ist die Bandbreite der Kassette bekannt. Hierbei sollte man jedoch noch darauf achten, um wie viele Ritzel (Gänge) es sich handelt.

Übersetzung für verschiedene Fahrradtypen

E-Bike

Im E-Bike-Bereich werden, je nachdem, ob es sich um ein Mountainbike, Trekking-, Urban- oder Citybike handelt, Kettenschaltungen oder Nabenschaltungen verwendet. Meist sind dort schon optimale Übersetzungen verbaut. Durch die zusätzliche Unterstützung ist es auch im MTB-Bereich kein Problem, mit einer 1x11-Übersetzung zu fahren. Da die Unterstützung des Motors nur bis 25 km/h erfolgt, muss die Bandbreite nichts so groß sein, wie bei anderen Fahrrädern.

City und Trekking

Im Trekkingbike-Bereich wird vorrangig auf die Kettenschaltung mit einer 3-Fach-Kurbel gesetzt. Da das Trekkingbike für das zügige Fahren im Überland und auch für bergige Strecken ausgelegt ist, benötigt es eine große Bandbreite sowie eine große Vielfalt an Gängen. Hier haben sich die beiden Abstufungen 48-38-28 und 48-36-26 durchgesetzt. In Kombination mit einer 11-32 oder 11-34 Kassette ist die Bandbreite an Gängen sehr groß.

Im Citybike- bzw. urbanen Bereich wird viel auf die Nabenschaltung gesetzt. Durch die Eingrenzung auf die Fahrten in der Stadt muss die Bandbreite nicht so groß sein wie beim Trekkingbike. Trotzdem sollte man auch hier darauf achten, welche Primärübersetzung (direkter Antrieb über Kurbel und Kassette) verbaut ist.

Mountainbike

Im Mountainbike-Bereich ist die Auswahl an verschiedenen Varianten extrem groß, zwischen 1x12 und 3x11 Schaltungen ist hier alles möglich. So können zwischen verschiedenen MTB-Typen unterschiedliche Übersetzungen verbaut sein.Im Einsteigerbereich bzw. preisgünstigen Segment werden weiterhin 3-Fach-Kurbeln, mit der Abstufung 40-30-22 Zähne vorne und einer 11-36 Kassette, verbaut. Diese Übersetzung hat sich bewährt und sollte eigentlich keine Wünsche offen lassen.

Im sportiven Bereich werden 1-Fach- und 2-Fach-Kurbeln gefahren, beim Trial zum Teil noch 3-fach, die Tendenz geht aber auch zu 2-fach. Bei den 2-Fach-Varianten hat sich die Kombination aus 36-26 Zähnen vorne und einer 11-42 Kassette etabliert. 1x11 wird sowohl von Shimano als auch von Sram angeboten. Shimano bietet diese mit einer 11-42 Kassette an, Sram hingegen mit einer 10-42. Das Maß der Dinge ist jedoch die Sram Eagle mit der 1x12, die mit einer 10-50 Kassette kombiniert und für jedes Terrain einsetzbar ist. Alle 1-Fach-Varianten lassen sich nur über den Austausch eines Kettenblatts verändern.

Rennrad und Triathlonrad

Im Rennrad-Segment gibt es von der Industrie 3 festgelegte Kurbelabstufungen: die Standard Kurbel mit 53-39, die Semi-Kompakt mit 52-36 und die Kompaktkurbel mit 50-34 Zähnen. Am häufigsten ist an Rennrädern eine Kompaktkurbel verbaut. Hier kann man zwischen einigen verschiedenen Kassetten wählen: Von 11-25 bis 11-36 ist alles möglich. Häufig ist eine 11-28 Kassette verbaut, da diese ein guter Kompromiss zwischen leichten Gängen und einer feinen Abstufung ist.

Das Triathlonrad ist für das Fahren gegen die Uhr konzipiert, daher ist die Übersetzung meist sportiv gewählt. Häufig sind 53-39 oder Semi-Kompaktkurbeln mit 52-36 verbaut, kombiniert mit einer 11-28 Kassette. Auch hier lassen sich wie beim Rennrad nahezu alle möglichen Kombinationen fahren.

Gravel und Cyclocross

Das Gravel Bike hat meist eine Kompakt- oder 1-Fach-Kurbel mit einer größeren Kassette. 11-36 oder sogar 11-42 sind hier gut möglich und eine ideale Möglichkeit, um auch im Gelände flott unterwegs zu sein. Im Cyclocross-Bereich sind 2-Fach- und 1-Fach-Kurbeln das Maß der Dinge.

Das 2-Fach-System ist meist mit einer Abstufung 46-36 und einer 11-28 oder einer 11-32 Kassette ausgestattet, sodass es für einen sehr breiten Einsatzbereich eingesetzt werden kann. Durch eine Änderung der Kettenblätter und Kassette kann man das persönlich anpassen. Im sportiven Segment wird immer mehr auf die 1-Fach Variante gesetzt. Hier ist die Abstufung durch die Kassette schon stärker vorgegeben. Trotzdem kann diese durch das Kettenblatt nochmals individuell angepasst werden. So kann zwischen einem 34er bis hin zu einem 42er Kettenblatt gewählt und so die Übersetzung individuell angepasst werden. Für den Beginn empfehlen wir eine leichte Abstufung von 38 Zähnen in Kombination mit einer 11-42 Kassette.

Schaltwerkslänge

Die Schaltwerkslänge ist wichtig, um die Kette ausreichend zu spannen. Je mehr Gänge das Rad hat und je größer die Kassette und die Anzahl der Kettenblätter ist, desto länger muss die Kette sein. Entsprechend muss auch das Schaltwerk länger sein, damit die Kette ausreichend gespannt werden kann.

Kapazität berechnen

Kurbel: Die Kurbel hat eine Abstufung von 42-32-22 Zähnen. Subtrahiere das größte durch das kleinste Kettenblatt, also 42 - 22 = 20.Kassette: Dasselbe macht man bei der Kassette. Wenn diese z.B. eine Abstufung von 12-32 hat, rechnet man auch hier: 32 - 12 = 20.Um nun die Gesamtkapazität zu erhalten, werden beide Werte addiert. Die Gesamtkapazität ist also 20 + 20 = 40. Das Schaltwerk muss also eine Gesamtkapazität von 40 aufweisen, damit die im Beispiel genannte Abstufung gefahren werden kann.

Shimano Deore XT DI2

Die kabellos-elektronische Schaltgruppe Shimano Deore XT DI2 ist eine Weiterentwicklung, die kabelloses Schalten auch für Biker*innen mit kleinerem Budget erschwinglich macht. Die XT-Schaltgruppe wurde runderneuert und bietet eine vollständig kabellose Di2-Plattform mit entnehmbarem Akku und frei konfigurierbaren Schalthebeltasten. Das Schaltwerk ist für Kollisionen optimiert und ermöglicht mehrere Gangwechsel durch Gedrückthalten. Zudem unterstützt es die Steuerung von Freeshift und Autoshift. Die Bremshebel verfügen über einen neu positionierten Hebeldrehpunkt, und es gibt ein neues Nabendesign.

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