Shimano RX8 Gravel Schuhe im Test: Ein umfassender Überblick

Gravelbikes und die dazugehörige Ausrüstung müssen vielseitig einsetzbar sein, genau wie Gravelbikes selbst. Ein Schuh für alles: lange Radtouren, Fußpassagen im Gelände und entspannte Abende im Camp. In diesem Artikel wird untersucht, ob sich die Investition in spezielle Gravelschuhe lohnt und welche Modelle empfehlenswert sind.

Warum spezielle Gravel-Schuhe?

Ähnlich wie bei Gravelbikes stellt sich auch bei den passenden Schuhen die Frage nach dem tatsächlichen Mehrwert gegenüber den klassischen Klickschuhen. Natürlich lassen sich Graveltouren auch mit Cross-Country- oder Straßenklickschuhen bewältigen - doch das ist nicht immer optimal. Unsere Tests haben gezeigt: Die Investition in spezielle Gravelschuhe lohnt sich.

Hochwertige Gravelschuhe vereinen den Tragekomfort von Rennradschuhen mit einer alltagstauglichen Sohle. Dank ihrer speziellen Außensohle ermöglichen sie sicheres Gehen, was bei Straßenradschuhen oft problematisch ist. Ihr griffiges Profil bietet zudem besseren Halt auf schotterigen Wegen. Besonders auf längeren Touren zahlt sich der Gehkomfort aus - sei es beim Café-Stopp oder abends am Lagerfeuer.

Die Vorteile von Gravel-Schuhen im Überblick:

  • Tragekomfort: Vergleichbar mit Rennradschuhen.
  • Alltagstaugliche Sohle: Ermöglicht sicheres Gehen.
  • Griffiges Profil: Bietet besseren Halt auf Schotterwegen.

Shimano RX8 im Detail

Für seine Gravelschuhe hat Shimano laut eigener Aussage die besten Eigenschaften der ohnehin schon beliebten Straßen- und Cross-Country-Schuhe kombiniert. Das Ergebnis ist der RX8, der neben der klassischen Passform auch in einer weiten Version sowie in einer Damenvariante verfügbar ist. Neben der Optik fällt das sportliche Fahrgefühl - enge Passform plus steife Sohle - auf. Da die Öffnung recht schmal ist, gestaltet sich der Einstieg in den Schuh etwas beschwerlich. Besonders Performance-orientierte Fahrer werden mit diesem leichten Modell jedoch ihren Spaß haben.

Mit dem RX8 haben die Japaner einen guten Sweetspot getroffen, man kann gut und gern ein paar Meter laufen, dennoch ist der Schuh auch hart genug für den Renneinsatz und generell für lange Tage auf dem Gravelbike.

Technische Details des Shimano RX8:

  • Kombination: Eigenschaften von Straßen- und Cross-Country-Schuhen
  • Passform: Klassisch, weite Version und Damenvariante verfügbar
  • Fahrgefühl: Sportlich, enge Passform und steife Sohle
  • Einstieg: Etwas beschwerlich durch schmale Öffnung
  • Zielgruppe: Performance-orientierte Fahrer

Weitere getestete Gravel-Schuhe

Neben dem Shimano RX8 wurden auch andere Gravelschuhe getestet, die sich für unterschiedliche Einsatzbereiche eignen.

Bontrager GR2

Laut Bontrager kann der GR2 für lange Abenteuertouren, Langstreckenrennen und Cyclocross-Wettkämpfe eingesetzt werden. Mit dem hauseigenen Steifigkeitsindex 6 von 14 ist der Schuh allerdings kein reiner Racer, sondern ein vielseitiger Offroad-Schuh. Die weich gummierte Sohle des GR2 bietet verlässlichen Halt auch auf unbefestigtem Boden. Dank des klassischen Schnürsystems lassen sich Druckpunkte gut einstellen, das Tragegefühl empfanden wir als recht komfortabel. Für die Einstellung der Cleats hätten wir uns Markie- rungen an der Sohle gewünscht.

Langstrecken-Tourer und Graveller, die häufiger zwischendurch laufen, finden in dem GR2 einen gelungenen Gravel-Schuh. Auch in Rennen einsetzbar, aber nicht die erste Wahl.

Fizik Terra Atlas

Jedes Gelände, egal ob mit dem Gravelbike oder dem MTB, ob kurze Alltags- flucht oder Bikepacking-Abenteuer - Fizik hat den Terra Atlas für alles konzipiert, was mit Gravel und Offroad-Rad- fahren in Verbindung gebracht wird. Im Praxistest präsentiert sich der Atlas als grundsolider und bequemer Begleiter, der im besten Sinne unauffällig seinen Dienst verrichtet. An- und ausziehen sowie festzurren funktionieren dank Boa-Drehverschluss ganz vortrefflich, die Passform geht voll in Ordnung, und auf kurzen Geh-Passagen im Gelände liefert der Atlas ausreichend Grip und Komfort.

Ein Performance-Gravelschuh zum fairen Kurs. Wir haben am Atlas eigentlich nichts auszusetzen. Wer einen Schuh für jeden erdenklichen Einsatzbereich sucht, wird bei Fizik fündig.

Quoc Grand Tourer II

Quoc Pham, Gründer und Namensgeber des 2009 gegründeten Schuhherstellers, hat sich als passionierter Radler nach sei- nem Modestudium ganz der Entwicklung von Fahrradschuhen verschrieben und dafür das Schuhmacherhandwerk quasi von der Pike auf gelernt. Das sieht man dem Grand Tourer II (Nummer eins wird mit Senkeln geliefert) an. Und zwar in beiderlei Hinsicht: Stil und Performance. Der Schuh passt wie eine Eins, ist komfortabel, verteilt den Druck aufs Pedal sehr gut und hat sehr gute Laufeigenschaften. Dass sein Schöpfer Wert auf gutes Aussehen legt - nicht zu übersehen.

Kein Scherz, zum Grand Tourer könnte man (zumindest in der Schnürsenkel-Version) auch einen Anzug tragen. Das ist britische Schuhmacherkunst auf den Bereich Fahrradfahren übertragen. Gemacht für Leute, die etwas Besonderes tragen möchten.

Sidi Gravel

Bei Rennrad- und Mountainbikeschuhen zählt Sidi zu den beliebtesten Marken. Straßenrad- und Geländefahrer, die einmal bei den Radschuhen der Italiener sind, kommen so schnell nicht mehr davon weg. Klar, dass auch Sidi die Lücke zwischen Rennrad und MTB geschlossen hat und nun ein Gravelmodell am Markt hat. Die Schotterschuhe kommen etwas weniger technisch daher, besonders in Braun und Grün finden wir die Optik äußerst gelungen. Auf technischer Seite - Passform, Sohle - haben wir keinen Grund zur Klage. Der hauseigene Boa-Verschluss funktioniert prima.

Nicht nur Mountainbiker, auch Graveller werden mit diesem Schuh glücklich. Auch Sidi schafft den Spagat, bei einem Radschuh sowohl Fahr- als auch Gehkomfort zu gewährleisten. Den Preis bewerten wir als (noch) angemessen.

Specialized S-Works Recon

Wer den S-Works Recon in Weiß fährt, ist vermutlich gesponserter Profisportler - alle anderen dürften sich im Gravelsport eher bei den dunkelgrünen oder schwarzen Ausführungen wiederfinden. Die Schnürsenkel (Lace-Variante) sorgen für Style-Punkte, erschweren aber auch die Druckanpassung während der Fahrt. Nicht nur äußerlich, auch technisch ist der Recon Profimaterial. Die Carbonsohle ist steif wie bei Rennradschlappen, weswegen der Schuh auch für Straßenradsportler eine tolle Wahl ist. Leider drückte die harte Fersenkappe an unseren Testfüßen auf längeren Ausfahrten.

Toll für Leute, die Gravel- oder auch Straßenrennen fahren möchten. Für längere Touren mit Hike-a-bike-Pas- sagen ist der S-Works Recon nach unserem Empfinden zu hart. Wer nicht das Topmodell braucht, findet bei Specialized auch günstigere Recon-Modelle.

Welche Pedalplatten (Cleats) passen bei Gravel-Schuhen

An Gravelschuhen kommt das Zwei-Loch-Klicksystem zum Einsatz, das sich auch im MTB- und Tourenbereich bewährt hat - vielen auch als Shi- mano SPD bekannt, wenngleich es Alternativen von Crankbrothers, Look und Co. gibt. Dieses kompakte System ermöglicht zum einen, eine Außensohle drum herum konstruieren zu können, auf der Sie gehen können. Ebenso wichtig ist, dass die kleinen Metall-Cleats auch verdreckt noch funktionieren. Ein Vorteil, den alle zu schätzen wissen, die schon einmal mit den klassischen, breiten Rennrad-Cleats von Look oder Shimano im Matsch, Sand oder Schnee stecken geblieben sind.

Der neue Shimano RX801 Gravel-Schuh

Seit Ende 2022 hat der RX800 einen Nachfolger - den neuen Shimano RX801, der im Detail verbessert wurde. Der Shimano RX801 Gravel-Schuh gefällt wie sein Vorgänger wegen seiner schlanken, rennrad-typischen Silhouette. Das spricht nicht nur Gravel-Fahrer an, die aus der Rennrad-Ecke kommen. Durch seine sehr steife Carbonfaserverbundsohle (Steifigkeitswert 10 von 12) fühlt er sich wie ein Straßenradschuh an, nur eben mit SPD-System und einer Sohle, mit der man mehr als drei Schritte zum Rennrad machen kann.

Bemerkenswert ist die sehr gute Passform des Schuhs. Laut Shimano weist der Neue einen integrierten Fersenstabilisator auf, der für mich im Vergleich zum Vorgänger keinen Unterschied macht. Dafür merkt man den etwas breitere Zehenbereich des RX801. Ich habe keinen breiten Fuß, der sich auch im RX800 wohl fühlt. Im RX801 haben Vorfuß- und Zehenbereich allerdings mehr Platz. Mit 268 Gramm (Größe 42 ohne Cleats) ist der Shimano RX801ein Leichtgewicht unter den Gravel-Schuhen.

Wie schon beim Vorgänger fällt beim Shimano ERX801auf, wie gut der Kraftschluss mit den SPD-Pedalen ist. Ich merke keinen wirklichen Unterschied zu Rennradschuhen mit Look KEO oder Shimano SPD-SL. Der BOA Li2-Drehverschluss des Shimano RX801 sorgt für leichtes Öffnen und Schließen sowie präzise Feineinstellung, auch während der Fahrt. Ansonsten ist positiv zu erwähnen, dass ich dank der Gummierung im mittleren Bereich der Sohle des RX801 nicht vom Pedal rutsche, wenn ich aus Versehen beim Einklicken das Pedal nicht richtig treffe.

Vor- und Nachteile des Shimano RX801:

  • Vorteile:
    • Schlanke Silhouette
    • Steife Carbonfaserverbundsohle
    • Gute Passform
    • Leichtgewicht
    • Präzise Feineinstellung durch BOA Li2-Drehverschluss
  • Nachteile:
    • Keine deutliche Verbesserung durch Fersenstabilisator spürbar

Shimano RX8R Gravel-Schuhe

Der neue Shimano RX8R Gravel-Schuh versucht durch geschlossene Strickbündchen, in Form einer Knöchel-Manschette, jede Menge Schutz und Tragekomfort zu generieren. Daneben stehen aber auch Performance durch eine Carbonsohle sowie Gehkomfort und Traktion durch robuste und abriebfeste TPU-Stollen im Vordergrund.

Die Sohle aus Carbon soll ein geringes Gewicht und eine optimale Kraftübertragung bringen. Mit einem Steifigkeitswert von 10 auf der Shimano-eigenen Skala (die bis 12 reicht) sollte das klappen. Auf der Waage stehen 639 g bei unserem Schuh-Paar in Größe 46. Als Gravel-Schuh ist der Shimano RX8R passenderweise mit dem SPD-Pedalsystem kompatibel.

Besonders praktisch: Die Einsätze sind mit Klett befestigt. Mit den flachen Boa Li2-Drehverschlüssen mit Gummigriff lässt sich auch der Außenschuh mit einem - oder zwei - Handumdrehern gut anpassen.

Das Standard-Modell ist aber auch generell nicht so eng, wie man es von anderen Shimano-Schuhen gewohnt ist und bietet genug Platz im Zehenbereich. Normal-breite Füße sollten keine Probleme mit dem Shimano RX8R Gravel-Schuh bekommen. Der Mittelfußbereich wird leicht gestützt, und durch den Heel-Lock sitzt der Fersenbereich straff, wodurch ein Hin- und Herrutschen vermieden wird.

Nach unzähligen Tests und Sockenwechseln konnten wir nur mit der Socken-Farbe Schwarz matchen. Alles andere wirkte immer fehl am Platz. Das Hineinschlüpfen fällt durch die straffen Strickbündchen ebenfalls nicht ganz so leicht, die Finger-Lasche hinten hilft. Ist man erstmal drin, bedarf es auch etwas Fummel-Arbeit, die extra Socken gerade zu bekommen. Sitzt dann alles am richtigen Fleck, stellt sich aber ein ausgesprochen angenehmes Tragegefühl ein.

Ohne die super steife Sohle ließe sich hier fast von einem Turnschuhgefühl sprechen. Für Hike a Bike-Einsätze taugt das, erst recht in Kombination mit dem stabilen und rutschfesten Profil. Das geringe Gewicht ist nicht nur beim Laufen, sondern auch beim Fahren spürbar. Der Schuh fühlt sich am Fuß leicht an und sorgt für eine sehr gute Kraftübertragung aufs Pedal.

Die wichtigsten Eigenschaften des Shimano RX8R:

  • Geschlossene Strickbündchen für Schutz und Komfort
  • Carbonsohle für optimale Kraftübertragung
  • TPU-Stollen für Gehkomfort und Traktion
  • SPD-Pedalsystem Kompatibilität
  • Boa Li2-Drehverschlüsse für einfache Anpassung
  • Heel-Lock-System für stabilen Halt

Der Shimano RX8R Gravel-Schuh hält, was er verspricht. Die extra Socke sorgt für ein sehr angenehmes Tragegefühl, was sich besonders auf langen Touren bemerkbar macht und für viel Komfort sorgt. Er kann als bequemer und universeller Fahrradschuh mit SPD-Pedalsystem für Bikepacking-Abenteuer, (Long Distance) Gravel-Rennen und natürlich auch Trainingsrunden eingesetzt werden. Heel-Lock und wechselbare Fußgewölbepolster bieten Support und Stabilität.

Alternativen zu reinrassigen Gravel-Schuhen

Mit den meisten Cross-Country- und Trekking-Klickschuhen können Sie ganz vortrefflich graveln. Besonders Neulinge finden hier oft auch etwas günstigere Modelle. Reinrassige Gravel-Schuhe zeichnen sich jedoch durch ein etwas geringeres Gewicht aus, und rennorientierte Modelle bieten zudem eine steifere Sohle, ähnlich einem Rennradschuh.

Qualitätsmerkmale von Gravel-Schuhen

Weitere Qualitätsmerkmale von Gravel-Schuhen sind zum Beispiel verstärkte Zehenboxen und Fersenkappen, damit die Füße im Geröll besser geschützt sind. Hochwertige Modelle verfügen überdies oft über Boa-Drehverschlüsse oder Schnürsenkel statt Klett- oder Ratschenverschlüsse, mit denen sich die Schuhe sehr gut einstellen lassen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0