Die Suche nach der passenden Kassette kann zermürbend werden. Insbesondere mit der Einführung der 11- und 12-fach-Kassetten hat die Varianten-Vielfalt im Zusammenspiel zwischen Schaltung, Kassette und Freilauf enorm zugenommen. Welche Kassette passt auf welchen Freilauf? Was bedeutet die Angabe 11-32? Sind Shimano- und SRAM-Kassetten untereinander kompatibel? Und wann sind Spacer und Adapter-Kits nötig? Dieser Artikel bietet einen Leitfaden für deine Suche nach der passenden Kassette für dein Fahrrad oder E-Bike.
Grundlagen der Kassetten
In Verbindung mit dem Schaltwerk bildet die Kassette den hinteren Teil des Getriebes bei Fahrrädern mit Kettenschaltung. Diese Kassette besteht aus fix oder lose zusammengefügten Ritzeln mit unterschiedlicher Zähnezahl und ermöglicht die Fortbewegung mit unterschiedlichen Übersetzungen. Der Gangwechsel erfolgt durch die Betätigung des Schaltwerks über Schalthebel und Bowdenzug. Mit der Anzahl der verbauten Ritzel steigt die Anzahl möglicher Gänge.
Dabei entscheidet die Abstufung der Zähnezahlen darüber, wie weit diese einzelnen Gänge in ihrer Entfaltung auseinander liegen. Die Differenz in der Zähnezahl zwischen größtem und kleinstem Ritzel sorgt für eine mehr oder weniger große Bandbreite an Über- bzw. Untersetzungen. Dabei werden im Gelände auf dem größten Ritzel möglichst viele Zähne und im Straßenrennen auf dem kleinsten Ritzel möglichst wenige Zähne angestrebt.
Das Übersetzungsverhältnis
Das Übersetzungsverhältnis eines jeden Ganges resultiert aus der Zähnezahl auf dem vorderen Kettenblatt und der Zähnezahl am betreffenden Ritzel an der Kassette hinten. Bist du mit der Bandbreite an Über- und Untersetzungen an deinem Bike nicht zufrieden, kannst du durch den Wechsel auf eine Kassette mit anderen Ritzelgrößen individuelle Anpassungen vornehmen.
Die Hersteller der Kassetten bieten die einzelnen Modelle in der Regel in unterschiedlichen Abstufungen an (z. B. 11-25, 11-26, 11-28, 11-30, 11-32, angegeben werden hierbei immer die Zähnezahlen des kleinsten und des größten Ritzels).
Abstufung der Kassetten
Je nach Einsatzbereich (Road, MTB, usw.) muss die Kassette eine mehr oder weniger große Bandbreite unterschiedlicher Gänge bereitstellen. Die Schwinge am Schaltwerk (der Käfig) muss die passende Länge haben, um die Kette in jedem gewählten Gang auf Spannung halten zu können. Je größer die Bandbreite zwischen kleinstem und größtem Ritzel, desto länger muss der Käfig am Schaltwerk sein.
Die Differenz in der Zähnezahl darf bei benachbarten Ritzeln nicht zu groß sein, sonst gibt es Probleme beim Gangwechsel. Ist die Kassette ein nicht zerlegbares Ritzelpaket, hat der Hersteller sich in dieser Hinsicht schon um die passende Abstufung gekümmert. Anders ist das bei Kassetten, in denen sich einzelne Ritzel auswechseln lassen. Da musst du den Empfehlungen des Herstellers folgen, damit die Schalt-Performance am Ende nicht leidet.
Die Ritzel der Kassetten sind mit Steighilfen ausgestattet, um eine perfekte Schalt-Performance zu erreichen: Die Zähne der Ritzel haben unterschiedliche Konturen und auf den Seitenflanken der Ritzel sind Einprägungen vorhanden. Das hilft der Kette beim Gangwechsel und ermöglicht dem Hersteller gröbere Abstufungen in der Zähnezahl. Somit ist heute die gewaltige Bandbreite von 9-52 Zähnen an einer 12-fach-Kassette realisierbar.
Kassette als Verschleißteil
Neben der Fahrradkette zählen auch die Kettenblätter am Tretkurbelsatz und die Kassette auf der Hinterrad-Nabe zu den Verschleißteilen im Fahrrad-Antrieb, wenngleich sie in aller Regel auch seltener ausgetauscht werden müssen, als die Kette.
Die Kassette wird entweder axial auf den Freilauf an der Hinterrad-Nabe geschoben und mit einer Abschlussscheibe fixiert (Shimano) oder aufgeschraubt, je nach Hersteller und Modell. Für den nötigen Formschluss zwischen Freilauf und Kassette in radialer Richtung (es müssen ja Drehmomente übertragen werden) greifen axial angeordnete Verzahnungen (Spline) ineinander. Das Werkzeug für Demontage und Montage der Kassette richtet sich ebenfalls nach Hersteller und Kassetten-Modell. Bei Shimano benötigst du beispielsweise Kettenpeitsche und den passenden Kassettenabzieher.
Kompatibilität der Kassette
Die Kassette muss sowohl zur verbauten Schaltung, als auch zum verbauten Freilauf auf der Hinterrad-Nabe passen. Was in dieser Hinsicht alles zu beachten ist:
- Die Anzahl der Kassetten-Ritzel muss zum verwendeten Schalthebel passen. So benötigst du beispielsweise für eine 9-fach-Schaltung eine 9-fach-Kassette.
- Der Ritzel-Abstand auf der Kassette muss zu der „Übersetzung“ zwischen Schalthebel und Schaltwerk passen. Die Übersetzung gibt an, um wie viel mm sich das Schaltwerk seitlich bewegt, wenn der Schaltzug am Schalthebel um einen mm bewegt wird. Und hier kocht jeder Hersteller seine eigene Suppe. Infolgedessen sind die Ritzel-Abstände im Vergleich unter mehreren Herstellern nur ähnlich, aber nicht identisch.
- Die Kassette muss zum verbauten Freilauf auf der Hinterradnabe passen, und zwar bezüglich Aufnahme-Profil, axialer Länge und Verschlusssystem. Die Kassetten-Hersteller geben in der Produktbeschreibung an, auf welches Freilauf-System die einzelnen Modelle passen.
Gängige Freilauf-Standards
Hier ist eine Gegenüberstellung der gängigen Freilauf-Standards:
- Shimano HG M (8-10 Road + MTB, 11 MTB): Shimano Hyperglide MTB-Standard für MTB-Kassetten von Shimano, SRAM und anderen Anbietern. Kleinstes Ritzel mindestens 11 Zähne.
- Shimano HG L (11/12 Road): Shimano Hyperglide Road-Standard für Rennrad-Kassetten von Shimano, SRAM und anderen Anbietern. Kleinstes Ritzel mindestens 11 Zähne. 11/12-fach Road-Kassetten passen ohne Spacer, 8/9/10-fach Road-Kassetten und 11-fach MTB-Kassetten benötigen Spacer.
- Shimano HG L2 (12-fach Road): Eignung für 12-fach Road-Kassetten. Steifer und leichter als HG L.
- Shimano Micro Spline: Eignung für 12-fach MTB-Kassetten, kleinstes Ritzel mindestens 10 Zähne.
- SRAM XD: Eignung für 11/12-fach Kassetten von SRAM und anderen Anbietern. Erlaubt kleinstes Ritzel mit 10 oder 9 Zähnen.
- SRAM XDR: Eignung für 12-fach Road-Kassetten von SRAM. SRAM-XD-Kassetten passen mit Spacer.
- Campagnolo ED 7/8-fach: Eignung für 7/8-fach Campagnolo Kassetten.
- Campagnolo UD 9/10/11/12-fach: Eignung für 9/10/11/12-fach Ultra-Drive Campagnolo Kassetten.
- Campagnolo N3W: Eignung für Campagnolo N3W 13-fach Kassetten. 11/12-fach Campagnolo Kassetten passen mit Adapter-Kit.
Shimano Kassetten im Detail
Uniglide
Die älteren Shimano-Ritzel verwendeten ein Design mit „gedrehten“ Zähnen mit dem Namen „Uniglide“. Sie wiesen 9 identische Stege auf, die in entsprechende Aussparungen auf dem Freilaufkörper griffen. Zwischen die Ritzel wurden zusätzlich Abstandshalter eingesetzt. Ritzel mit weniger als 14 Zähnen verwendeten einen integrierten Abstandshalter, aber alle übrigen Ritzel waren beidseitig nutzbar, so dass man sie, wenn sie abgenutzt waren, einfach umdrehen konnte und eine Seite hatte, die wie neu war!
Das kleinste Ritzel einer Uniglide-Kassette wies keine Stege auf, sondern ein Gewinde. Um eine Uniglide-Kassette zu demontieren, muss das kleinste Ritzel mit einer Kettenpeitsche gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden, während man die Kassette mit einer zweiten Kettenpeitsche oder der Kette des Fahrrads festhält.
Dura-Ace-Freilaufkörper verwendeten ein anderes, etwas kleineres Gewinde, das nur mit Dura-Ace-Ritzeln funktionierte. Uniglide-Kassetten sind nicht mehr erhältlich. Alternativ kann man Hyperglide-Ritzel an den Uniglide-Freilaufkörper anpassen, in dem man den breiten Steg abfeilt. Dies ist nicht besonders schwierig. Allerdings benötigt man trotzdem noch ein Uniglide-Ritzel mit Gewinde als Abschluss.
Hyperglide
In den späten 1980ern führte Shimano „Hyperglide“ ein, ein neues Design für die Ritzel, mit dem die Kette gleichzeitig über zwei angrenzende Ritzel laufen kann. Die Kette läuft auf dem neuen Ritzel, bevor sie sich vom alten Ritzel gelöst hat. Damit dies funktioniert, müssen die Zähne der Ritzel untereinander exakt ausgerichtet sein. Die älteren „Uniglide“-Ritzel konnten in jeder der 9 möglichen Positionen (18, wenn man die umgedrehte Montage dazurechnet!) montiert werden.
Hyperglide-Ritzel müssen dagegen in einer festen Position angebracht werden. Dies wird dadurch sichergestellt, dass einer der Stege in den Ritzeln breiter ist, als der Rest. Dieser breite Steg passt nur an einer entsprechend breiten Aussparung des Freilaufkörpers. Da die Ausrichtung der Ritzel entscheidend für die Funktion von Hyperglide ist, können geschraubte Ritzel nicht verwendet werden. Alle Ritzel einer Hyperglide-Kassette weisen daher Stege auf und der Verschlussring wird in ein spezielles Gewinde im Freilaufkörper geschraubt, um das Paket zusammenzuhalten.
Als Shimano Hyperglide entwickelt hat, wurde der Freilaufkörper so aufgebaut, dass ältere Uniglide-Ritzel ohne Probleme auf den neuen Freilaufkörpern weiterhin genutzt werden konnten. Zusätzlich können die meisten Shimano-Kassettennaben mit einem neueren Hyperglide-Freilaufkörper aufgerüstet werden.
Um die Hyperglide-Funktionalität zu bieten, müssen die Ritzel zueinander gleich ausgerichtet werden. Hyperglide-Kassetten werden üblicherweise als Einheit verkauft und mit einem Buchstaben gekennzeichnet, der diese spezielle Zusammenstellung identifiziert. Es sind dutzende Kombinationen erhältlich.
Weitere wichtige Aspekte
- Kompatibilität von Naben: Shimano 8- und 9-fach-Naben und -Kassetten sind vollständig untereinander austauschbar, so dass jede 8-fach-Nabe mit einer 9-fach-Kassette bestückt werden kann und umgekehrt. Shimano 8-, 9- und 10-fach-Kassetten/Naben sind vollständig untereinander austauschbar, sofern Freilaufkörper aus Stahl verwendet werden.
- Spider: Die Kassetten ak, P, Q & R und die meisten 9-fach-Kassetten verwenden für die grösseren Ritzel eine „Spinne“ (Spider).
- Hyperglide-C: Shimano verwendet die Marke „Hyperglide-C“ als Kennzeichnung für ein System, das ein 11-Zähne-Ritzel beinhaltet. Aufgrund der Platzprobleme sind die Aussparungen zwischen den Stegen der 11-Zähne-Ritzel nur bis zur Hälfte des Ritzels vorhanden. Man kann Hyperglide-C-Kassetten auf konventionellen Freilaufkörpern montieren, indem man zuerst einen zusätzlichen 1 mm-Abstandshalter auf den Freilaufkörper steckt, bevor die Kassette aufgesetzt wird.
Auswahl der richtigen Kassette
Die Wahl der richtigen Kassette ist entscheidend, da sie die Übersetzungsverhältnisse bestimmt, was direkt die Leistung und den Komfort des Radfahrers während der Fahrt beeinflusst. Der Übersetzungsbereich einer Kassette bestimmt, wie leicht es ist, auf verschiedenen Terrains zu fahren. Die richtige Wahl der Kassette kann dem Radfahrer helfen, eine komfortable Trittfrequenz beizubehalten, was die Effizienz und Ausdauer verbessert.
Faktoren bei der Auswahl
- Terrain: Das Terrain, auf dem gefahren wird, wie flache Straßen, Hügel oder bergiges Terrain, bestimmt, welcher Übersetzungsbereich am geeignetsten ist.
- Typ des Radfahrers: Der Typ des Radfahrers, wie ein Freizeitradfahrer, ein Rennradfahrer oder ein Mountainbiker, spielt eine Rolle bei der Auswahl einer Kassette. Verschiedene Typen von Radfahrern haben unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich des Übersetzungsbereichs und der Leistung.
- Marke: Die Wahl von Top-Marken wie Campagnolo, Shimano, SRAM, Sunrace und XLC bietet Garantien für Qualität, Zuverlässigkeit und Leistung.
Häufige Fehler
Häufige Fehler umfassen das Ignorieren des Übersetzungsbereichs, die Nichtanpassung an das Terrain, auf dem gefahren wird, und die Nichtberücksichtigung der Trittfrequenz.
Kassetten für verschiedene Schaltungen
Im Folgenden findest du eine tabellarische Übersicht aller Kassetten der unterschiedlichen Hersteller mit Angaben zum passenden Freilauf-Konzept, sortiert nach Ritzel-Anzahl:
Kassetten für 7-fach Schaltung
Kassetten für 8-fach Schaltung
Kassetten für 9-fach Schaltung
Kassetten für 10-fach Schaltung
Kassetten für 11-fach Schaltung
Kassetten für 12-fach Schaltung
Kassetten für 13-fach Schaltung
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