Die Fahrradkette ist ein entscheidendes Bauteil am Bike und für den Antrieb verantwortlich. Sie überträgt die Kraft, die die Beine beim Treten erzeugen, über die Pedale auf das Hinterrad. Damit diese Kraftübertragung effizient und störungsfrei verlaufen kann, muss die Fahrradkette in einem guten Zustand sein und perfekt zum Zweirad passen. Auch die richtige Länge ist von großer Bedeutung, damit Sie gut vorankommen.
Eine unpassende Kette kann ein Grund für erhöhten Verschleiß sein. Davon ist dann aber nunmehr nicht nur die Kette betroffen, sondern zumeist auch noch die Ritzel. Der gesamte Antrieb wird in Mitleidenschaft gezogen und das kann dann auf Dauer teuer werden.
Wenn Sie eine neue Fahrradkette im Fachhandel kaufen, ist diese in der Regel zu lang und muss eingekürzt werden. Manchmal aber kann es auch nötig sein, dass die Kette verlängert werden muss.
Die richtige Kettenlänge ermitteln
Zunächst müssen Sie die passende Länge für Ihre Fahrradkette herausfinden. Sie können natürlich einfach die Glieder der alten Kette abzählen, das kann allerdings auch ungenau werden. Besser ist es, wenn Sie die optimale Länge mathematisch errechnen.
Um die richtige Kettenlänge zu ermitteln, hast Du verschiedene Optionen:
- Länge der alten Kette übernehmen: Die einfachste Methode ist, die Länge der alten Kette zu übernehmen. Das geht natürlich nur, wenn die Länge bisher schon optimal war. Dazu kannst Du die Kettenglieder zählen - schneller geht es aber, wenn Du die neue und die alte Kette in voller Länge parallel auf Deine Werkbank (oder den Boden) legst. Aufgrund der Längung werden die Kettenglieder am Ende nicht an gleicher Stelle liegen, aber die benötigte Länge lässt sich trotz Versatz meist leicht erkennen. Hast Du den Kettennieter zum Kürzen nicht sofort griffbereit, markiere den Nietstift, an dem Du die Kette trennen möchtest.
- Länge der Kette neu ermitteln: Alternativ kannst Du die Kettenlänge neu ermitteln. Da die technischen Details der Schaltung hierbei eine wichtige Rolle spielen, empfehlen wir, zur Sicherheit die Hinweise des Herstellers zu beachten. Alternativ kannst Du mit etwas technischem Verständnis aber auch mit unserer Empfehlung arbeiten: schalte das Schaltwerk in den leichtesten Gang (größtes Ritzel), lege die Kette auf dieses Ritzel und auf das (größte) Kettenblatt und fädele sie durch den Schaltwerkskäfig. Ziehe nun die beiden Enden der Kette unten aufeinander zu, bis das Schaltwerk fast komplett durchgestreckt ist und markiere Dir, an welchem Bolzen die Kette gekürzt werden muss. Beachte beim Kürzen unbedingt, dass Du zum Verbinden mit Kettenschloss zwei Röllchen am Ende haben musst. Verschließt Du die Kette mit einem Nietstift, musst Du ein Ende mit Röllchen und eines mit offener Außenlasche haben.
Ist die Kette zu kurz, wird der Schaltwerkskäfig überstreckt, wenn Du auf das größte Ritzel schaltest bzw. der Hinterbau einfedert. Im Extremfall kann die Kette sogar reißen oder das Schaltwerk Schaden nehmen. Ist die Kette hingegen zu lang, kann der Schaltkäfig dies nicht mehr kompensieren und keine Spannung mehr auf die Kette bringen. Diese wird dann durchhängen und im Gelände lautstark klappern bzw. gegen den Rahmen und das Laufrad schlagen.
Bei den meisten Full Suspension Bikes ändert sich beim Einfedern die Kettenstrebenlänge. Daher solltest Du zum bestimmen der Kettenlänge den Dämpfer komprimieren. Lasse einfach die Luft ab und schiebe ihn zusammen (Tipp: notiere vorher den Luftdruck).
Werkzeuge für die Kettenverlängerung
Bevor Du Dich an die Arbeit machst, lege die passenden Werkzeuge bereit.
- Kettenverschleißlehre
- Kettenverschlussgliedzange
- Kettennieter (passend zur Kette)
- Putzlappen
Achte darauf, dass der Kettennieter zur Kette passt! Moderne 12fach-Ketten sind sehr schmal und dürfen nur mit speziell dafür ausgelegten Kettennietern bearbeitet werden. Schau Dir dazu immer die Herstellerfreigabe an.
Schritte zur Kettenverlängerung
Kette mit Klick-Technik verlängern
Viele Fahrradketten verfügen über eine simple Klick-Technik. So können Sie die fehlenden Kettenglieder ganz einfach ergänzen und das Glied mit der dazugehörigen Scheibe verschließen.
Kette mit Kettennieter verlängern
Verfügt Ihre Kette nicht über diese Technik, kommt der Kettennieter zu Einsatz. Platzieren Sie einfach das Kettenglied in der Öse und halten Sie anschließend die Scheibe vor das Gliedende. Mit dem Kettennieter wird nun die Scheibe auf das Kettenglied gepresst.
Das letzte Kettenglied bringen Sie an, wenn sich die Kette bereits wieder auf dem Zahnrad befindet. Legen Sie Kette dabei so auf, dass Sie bequem an beide Enden herankommen, am besten auf das große Zahnrad. Nehmen Sie nun das letzte Glied und positionieren Sie es in die beiden Ösen, so dass die beiden Kettenenden miteinander verbunden sind. Bringen Sie die Scheibe wieder mit Hilfe des Kettennieters an. An dieser Stelle könnte gut eine helfende Hand zum Einsatz kommen, da die Angelegenheit mitunter ein wenig kniffelig sein kann. Ist sie aber erfolgreich beendet, haben Sie die Fahrradkette verschlossen und können eine Probefahrt durchführen.
Alternative Methoden zur Kettenverlängerung
Es gibt auch alternative Methoden, um eine Kette zu verlängern:
- Zweites Kettenschloss verwenden: Du könntest auch ... Außenlasche - Innenlasche - Kettenschloss - Innenlasche - Kettenschloss - Innenlasche - Außenlasche ... fahren, also 2 Kettenschlösser fast direkt hintereinander befestigen. Du brauchst nur dein noch vorhandenen Kettenrest.
- KMC-Niet verwenden: Falls es bei 114 bleiben muss, würde ich eher einem zurückgedrückten KMC-Niet vertrauen als einem Fremdfabrikat. Sollte dir das zu heiß sein, wäre meine Empfehlung eher ein zusätzliches KMC-Kettenschloss.
Um Deine alte Kette abzunehmen, schalte hinten auf das kleinste Ritzel. Hat Deine Kette ein Kettenschloss, dann positioniere es unten, zwischen Kettenblatt und unterem Schalträdchen.
Bei einem SRAM-Schaltwerk kannst Du nun den Schaltwerkskäfig nach vorne drücken und mit dem kleinen Cage Lock-Knopf arretieren, um die Spannung von der Kette zu nehmen. Shimano-Schaltwerke mit dem Zusatz Plus im Namen haben am Drehpunkt des Käfigs ein graues Hebelchen, mit dem Du die Käfigspannung reduzieren kannst, indem Du ihn nach rechts (Beschriftung: off) umlegst.
Das Kettenschloss kannst Du nun einfach mit einer Kettenverschlussgliedzange öffnen und die Kette aus dem Schaltwerk ausfädeln. Hat Deine Kette kein Kettenschloss, kommt jetzt der Kettennieter zum Einsatz. Mit ihm drückst Du einen beliebigen Bolzen komplett aus dem Kettenglied, so dass Du die Kette an dieser Stelle trennen kannst.
Um die neue Kette an Deinem Mountainbike zu montieren, lege sie mit einem Ende auf das kleinste Ritzel der Kassette und fädele sie dann nach unten rechtsherum über das obere Schaltröllchen in den Schaltwerkskäfig ein.
Achte darauf, ob die Kette eine Laufrichtung hat. Du erkennst das daran, dass die Kette beispielsweise einen Pfeil eingraviert hat. Ist die Kette grundsätzlich nur von einer Seite graviert, kommt diese Seite nach außen.
Dann geht es linksherum um das untere Schaltröllchen. Nun kannst Du das andere Ende der Kette über das Kettenblatt legen und beide Enden unten zusammenführen. Um das Anbringen eines Kettenschlosses oder das Einsetzen eines Nietstifts zu erleichtern, kannst Du die Kette mit einer Kettenverschleißlehre in Position halten.
Kettenschloss montieren
Ein Kettenschloss bestehen meist aus zwei identischen Hälften. Stecke nun eine Hälfte dem kleinen Bolzen voran in das eine Ende Deiner Kette und die andere Hälfte von der Rückseite in das andere Ende. Achte auch hier auf die Laufrichtung des Kettenschlosses (diese ist dann per Pfeil gekennzeichnet).
Hängst Du es unten ein, zeigtder Pfeil also in Richtung Schaltwerk. Anschließend verhakst Du die beiden Hälften miteinander. Achte hierbei darauf, dass beide Laschen sicher in den Nuten der Bolzen sitzen.
Wenn Du Dir die Kette von oben anschaust, müssen die Laschen des Kettenschlosses bündig anliegen, wie beim Rest der Kette. Um das Kettenschloss zu schließen, setze die Kettenverschlussgliedzange links und rechts neben dem Kettenschloss an und ziehe es kräftig auseinander. Das Einrasten spürst Du dabei deutlich.
Willst Du ein Kettenschloss "recyclen", schau Dir erst die Freigaben des Herstellers an. Viele Kettenschlösser sind nur für einmalige Benutzung ausgelegt. Schau Dir das Ergebnis nach dem Verschließen kurz an und teste, ob die Kette am Verschluss normal beweglich ist.
Kette vernieten
Bei Ketten, die vernietet werden, ist immer ein Nietstift zum Verschließen dabei. Nimm die beiden Enden der aufgelegten Kette und führe sie so zusammen, dass Du den Nietstift mit dem spitzen Ende voran durch beide hindurch stecken kannst. Dann kannst Du das "Paket" so in den Kettennieter legen.
Durch Drehen an der Spindel presst der Dorn des Kettennieters nun den Nietstift durch die Verbindungsstelle. Vorsicht: Der Dorn muss mittig und gerade auf den Nietstift drücken!
Kurz bevor die optimale Position erreicht ist, lässt der Widerstand in der Spindel kurz nach. Dann noch minimal weiterdrehen - und fertig! Von der Vorderseite gesehen ist der Nietstift nun fast bündig zur Außenlasche; orientiere Dich an den benachbarten Nietstiften.
Nun kannst Du die Spindel wieder etwas zurückdrehen und den Kettennieter abnehmen. Den Teil des Nietstifts, der nun auf der Rückseite der Kette heraussteht, kannst Du zum Beispiel mit einer Flachzange abbrechen. Dazu hat er extra eine Sollbruchstelle.
Prüfe anschließend, ob sich die neue Verbindung frei bewegen lässt. Sollte die vernietete Stelle etwas schwergängig sein, kannst Du die Kette mit beiden Händen mehrmals etwas quer belasten, also seitlich "verbiegen". Die Kette sollte dann an der Verbindungsstelle leichtgängig sein.
Schalte zu guter Letzt noch einmal alle Gänge durch, um zu schauen, ob alles tadellos läuft. Mit neuer Kette läuft dein Antrieb wieder astrein und schnurrt wie ein Kätzchen, statt zu knattern und zu hakeln, Du wirst sehen!
Wann sollte die Kette gewechselt werden?
Selbst bei bester Pflege und Schmierung verschleißt die Kette am Fahrrad - insbesondere beim Mountainbiken, wo Dreck und Nässe immer dazu gehören. Durch den permanenten Zug auf der Kette in Kombination mit der Reibung zwischen den beweglichen Teilen entsteht mit der Zeit zwischen den Gliedern Spiel, das sich summiert und die Kette insgesamt längt.
Beim Mountainbiken kommt seitliches Spiel in den Gliedern hinzu, da die Kette durch den rauen Untergrund in verschiedene Richtungen ausschlägt. Wenn Du schon mal ein Slow-Motion-Video einer heißen Mountainbike-Abfahrt gesehen hast, weißt Du Bescheid.
Die Kette sollte daher im Auge behalten und rechtzeitig getauscht werden, dann kannst Du Dein Kettenblatt und die Kassette länger fahren. Denn ab einer gewissen Längung nutzt die verschlissene Kette die Kassette und das Kettenblatt so stark ab, dass eine neue Kette auf ihnen nicht mehr laufen würde. Ist dies der Fall, müssen auch diese (teureren) Bauteile gewechselt werden.
Häufig wird auf die Frage, wie oft die Kette gewechselt werden soll, eine Kilometerangabe gegeben. Jedoch gibt es zu viele äußere Einflüsse, die auf den Verschleiß der Kette Einfluss haben: Höhenprofil, Witterung, Pflege, Schaltverhalten, Fahrer:innengewicht und natürlich, wie energisch er oder sie in die Pedale tritt.
Um den richtigen Moment zu erwischen, hilft Dir eine Kettenverschleißlehre. Mit ihr kannst Du den Zustand Deiner Kette jederzeit schnell und unkompliziert prüfen. Ein Tausch steht auch an, wenn die Kette beschädigt wurde - beispielsweise beim Aufsetzen des Kettenblatts auf einem Felsen. Ist sie beschädigt, kann sie danach beim Antritt unvermittelt reißen, und das wird gefährlich.
Tipps zur Kettenpflege
- Richtig reinigen: Umfassen Sie die Kette unten mit einem Baumwolllappen hinterm Kettenblatt. Ziehen Sie den Lappen nach hinten. Kurbel eine halbe Umdrehung rückwärts drehen, wieder wischen. Wiederholen Sie das, bis die Kette weitgehend sauber ist.
- Kette schmieren: Drehen Sie die Kurbel rückwärts und tragen Sie auf die durchlaufende Kette dünn das Kettenöl auf, so dass sich der Schmierstoff gleichmäßig verteilt. Kurbeln Sie danach noch einige Umdrehungen weiter und lassen Sie dem Öl anschließend eine halbe Stunde Zeit, um zwischen Laschen und Rollen einzuziehen.
Wichtige Hinweise
- Nietverbot: An der Stelle des Verbindungsstiftes darf eine Kette nicht wieder geöffnet werden! Die Kette wäre nach dem erneuten Vernieten unsicher. Das sichere Wiedervernieten gelingt nur mit einem neuen Shimano-Elffach-Niet bzw. dem Campagnolo-Ultra-Link.
- Kürzverbot: Campagnolo hat am Kettenende mit den Außenlaschen einen Warnhinweis angebracht. Diese Außenlaschen sind für das Vernieten vorbereitet, dort darf nicht gekürzt werden.
Mit diesen Anleitungen und Tipps können Sie Ihre Shimano Kette sicher verlängern und für eine optimale Leistung Ihres Fahrrads sorgen.
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