Shimano 12-fach Schaltung im Test: Eine umfassende Analyse

Wer am MTB Gänge wechselt, tut das quasi immer mit Parts der beiden Branchenriesen Shimano und Sram. Doch es gibt auch interessante Alternativen. Dieser Artikel beleuchtet die Shimano 12-fach Schaltung im Detail, vergleicht sie mit anderen Optionen und geht auf ihre Vor- und Nachteile ein.

Alternativen zu Shimano und Sram

Die Marktführer Shimano und Sram vom Thron zu stoßen, haben schon viele probiert. Und nie geschafft. Auch nicht Tektros Performance-Marke TRP. Mit der Evo 12 gibt es inzwischen eine Komplettgruppe. Dabei handelt es sich um eine mechanische 12-fach-Schaltung, die aus Schaltwerk, Hebel, Kurbel, Kassette und Tretlager besteht. Die Kette kommt von KMC.

Kurz & Knapp: TRP Evo12

  • 1x12-Schaltgruppe für MTBs
  • Erhältlich in Schwarz oder Gold
  • Kurbelarmlänge: 165 & 170 mm
  • Kassette: 10-52 Zähne, Microspline
  • Gewicht: 1642 g
  • Preis: ab 1334 Euro (UVP)

Das Schaltwerk soll 301 g wiegen und ab 259 Euro kosten. Wie gehabt ist der Kampf gegen das Kettenschlagen das große Ziel: Eine Kupplung mindert das Zurückschnellen des Käfigs, eine weitere die Rotation des Schaltwerks ums Schaltauge herum. Beide Dämpfungen sind zu- und abschaltbar.

Der Upshift-Hebel ist in seinem Winkel um +/- 20 Grad verstellbar, sodass die gute Ergonomie weiter auf eigene Präferenzen getrimmt werden kann. Fünf Gänge lassen sich am Stück schalten, aber auch Single-Shift lässt sich einstellen. Die formschöne Carbon-Kurbel mit schickem Finish kostet 389 Euro. Die Kurbel mit 30-mm-Spindel wird es in den Armlängen 165 und 170 mm geben.

Mit Microspline nutzt TRP Shimanos Freilauf-Standard. Die unteren zehn Ritzel der Evo-12-Kassette (372 g) sind aus einem Stahlstück gefräst. Für die beiden leichtesten Gänge setzt TRP auf 7075-Alu. Die Abstufung reicht von 10 bis 52 Zähnen. Abgerundet wird das TRP-Paket mit eigens entwickeltem Tretlager sowie X12-Kette von KMC (270 g).

Preislich liegt der UVP ohne Tretlager folglich bei 1334 (schwarz/silber) bzw. 1414 Euro (gold), also deutlich über den üblichen Marktpreisen für Shimanos XTR und etwas über Srams XX1. Beim Gewicht liegt man mit 1642 g für Schaltwerk und -hebel, Kassette (10-52 Zähne, Microspline), Kette (kommt von KMC) sowie Kurbel samt Kettenblatt hingegen etwas unterhalb der mechanischen Sram XX1 Eagle oder Shimano XTR.

TRP Evo12 in der Praxis

Auf dem Trail sorgt die Schaltung von Tag eins an für saubere, zügige Schaltperformance bei leisem Lauf über Kettenblatt und Kassette. Die hochwertige Haptik und gute Ergonomie des Triggers gefallen, er verfügt zudem über einen Schiebehebel, mit dem man wählen kann zwischen Single-Shift und bis zu fünf Gänge auf einmal.

Alltagstaugliches Feature ist der Cage Release, der zwar nicht so simpel wie bei Sram ist, aber prima funktioniert, wenn man einmal den Dreh raus hat. Der Spannungsmechanismus Hall Lock auf der Oberseite des Schaltwerks sorgt dafür, dass die Schaltung zudem kaum klappert.

Shimano 105: Eine mechanische Alternative

Zuverlässige Technik, einwandfreies Schaltverhalten, Top-Ergonomie: Mit der 105-Gruppe bietet Shimano eine preiswerte Alternative zu teurer Elektronik. Eine durchsichtige Mechanik hat bestechende Vorteile. Sie ist unabhängig von Akkus oder Batterien und man kann sehen und fühlen, was passiert.

Die rein mechanisch betätigte Kettenschaltung am Rennrad hat auch im Zeitalter elektronisch angetriebener Schaltwerke und Umwerfer noch eine Menge Fans. Die können seit Kurzem aufatmen: Shimano bringt die mechanische Version der 105 als Getriebe auf dem neuesten technischen Stand auf den Markt, das ohne Akkus, Funksignale und sonstigen elektronischen Firlefanz funktioniert.

Neuester technischer Stand heißt: Mit zwölf Ritzeln am Hinterrad bietet sie ein Gängespektrum, das bislang deutlich höherpreisigen Rädern vorbehalten und fast flächendeckend von Elektroschaltungen geprägt ist. Inwieweit das Ensemble eine Alternative für moderne Rennräder sein kann, klärt unser erster Test.

Knackpunkt Zugführung

Neu an der Gruppe sind genau genommen nur wenige Teile: Schalthebel, Schaltwerk und Umwerfer. Antrieb und Bremsen entsprechen der 2022 vorgestellten 105 Di2, die als elektronisch betätigter Zwilling im Shimano-Portfolio bleibt. Kabel und Leitungen verlaufen heute auch bei preiswerten Rennrädern fast ausschließlich an oder im Cockpit und von dort direkt in den Rahmen. Solche verwinkelten Leitungsführungen können die Funktion von Bowdenzügen aber erfahrungsgemäß stark beeinträchtigen.

Ergonomie der Shimano 105

In Sachen Ergonomie sind die neuen Hebel der 105 der Konkurrenz weit überlegen. Die Hände finden eine üppige Auflagefläche auf den Griffgummis; gleichzeitig sind die Griffkörper schlank genug, damit auch kleine Hände sie gut umgreifen können. Zwischen Hebel und Lenker ist am oberen Ende viel Platz und im Wiegetritt stört keine Kante; weiter unten nähert sich der Bremshebel schwungvoll dem Unterlenker und auch kurze Finger können ihn dort gut fassen. Auch in Bremsgriffhaltung ist der Bremshebel sehr gut erreichbar und bietet eine große Fläche für die Finger. Auch eine Griffweiteneinstellung ermöglicht der Hebel, wegen der ausgefeilten Form ist sie aber eigentlich gar nicht notwendig.

Schnelle und präzise Gangwechsel

Mit den zur Seite leicht ausgestellten Hebeln können auch mehrere Gänge gleichzeitig gewechselt werden, ohne sich groß die Hände zu verrenken. Vor allem das Schaltverhalten des vorderen Umwerfers finden wir im positiven Sinne bemerkenswert: Beim Wechsel aufs große Kettenblatt muss zunächst ein angenehm definierter Widerstand überwunden werden - danach geht alles rasend schnell und die Kette rastet in Sekundenbruchteilen sauber auf dem benachbarten Blatt ein. Es fühlt sich an wie das Umlegen eines hochwertigen Schalters - bis auf ein vernehmbares “Klick” fast lautlos, ohne Schleifen, ohne Klemmen, egal, wie viel Druck auf dem Pedal lastet.

Auch umgekehrt fällt die Kette stets sicher. Die Gänge hinten wechseln etwas weniger definiert, aber, wie von Shimano gewohnt, geschmeidig und tadellos - zumindest, sofern die korrekte Kassette montiert ist. Für die mechanische Variante musste Shimano die 105-Kassette gegenüber der Di2-Version leicht anpassen, erkennbar ist sie an der Bezeichnung R7101 (statt R7100). Ansonsten ist optisch kein Unterschied auszumachen, doch man sollte sich an die Empfehlung halten.

Shimano 105: Reibung

Die angesprochene Leitungsintegration scheint für die mechanische Shimano 105 indes kein Problem darzustellen. An unseren Testrädern sind, wenn überhaupt, nur marginale Unterschiede im Schaltverhalten auszumachen. Die Bedienkräfte sind bei allen niedrig und auch die sensible Schaltung hinten arbeitet über alle zwölf Ritzel präzise und ohne Verzögerungen. Das ist insofern bemerkenswert, als wir noch vor wenigen Jahren von der Kombination aus mechanischen Schaltgruppen und innenverlegten Zügen eher abraten mussten: In vielen Fällen war die Reibung so hoch, dass das Schaltwerk nur verzögert reagierte und sich die Schaltung nicht sauber einstellen ließ.

Auch reibungsarm beschichtete Innenzüge sind bei der neuen 105 nicht mehr notwendig. Sie arbeitet mit den mitgelieferten einfachen, unbeschichteten Zügen völlig fehlerfrei. Eine geänderte Zugführung am Schaltwerk, an dem der Zug jetzt einen größeren Bogen beschreibt, scheint die Verluste wieder aufzufangen.

Shimano 105: Starke Leistung, hohes Gewicht

Die Gruppe bringt ansonsten alle Stärken und Schwächen mit, die auch für die Di2-Variante gelten. Kräftige und sehr gut dosierbare Scheibenbremsen sowie ein gutes Verschleißverhalten verbucht sie auf der Habenseite. Die Kette ist von der Mountainbike-Gruppe SLX entliehen und als haltbar und preiswert bekannt, ebenso wie die große 11-36-Kassette. Ankreiden könnte man ihr das vergleichsweise hohe Gewicht, denn gegenüber der Vorgängerin sind fast alle Teile ein wenig schwerer geworden.

Auch die eingeschränkten Übersetzungsoptionen könnten bei der neuen Generation manchen Interessenten stören: Mit den Kassetten 11-34 und 11-36 bietet Shimano zwar viel Spielraum für steile Anstiege und zielt auf wenig trainierte Freizeitsportler. Allerdings sind beide Kassetten etwas grob abgestuft. Wer nur im Flachland unterwegs ist und feinere Sprünge sucht, muss auf Ultegra-Kassetten ausweichen, die, wie beschrieben, nicht ganz reibungslos funktionieren und mehr kosten.

Sram vs. Shimano: Ein Überblick über 12-fach MTB-Schaltgruppen

Trotz der immensen Größe von Shimano, hat vor allem Sram, der einzige ernstzunehmende Konkurrent, die Entwicklung von Mountainbike-Schaltungen in den letzten Jahren maßgeblich geprägt. Mit der Einführung der 1x12-Schaltung haben die Amerikaner 2016 das Traditionsunternehmen Shimano bei der Technologievorherrschaft abgelöst. Bereits zwei Jahre später etablierte Sram mit seiner NX-Gruppe die neuen 1x12-Antriebe an Mountainbikes bis in den günstigen Einstiegsbereich.

Shimano springt erst 2019 mit XT und SLX auf den 12fach-Zug auf. Mittlerweile sind acht Zwölffach-Varianten über sämtliche Preisklassen erhältlich. Sowohl bei Shimano als auch bei Sram sind die einzelnen Bauteile der unterschiedlichen Antriebe untereinander kompatibel. So kann sich jeder Biker seinem Budget entsprechend seinen Antrieb auch selbst konfigurieren.

Wer einen alten Sram-Elffach-Antrieb auf Sram-Zwölffach umrüsten möchte, braucht keinen neuen Freilaufkörper. Wer seinen alten HG-Freilauf (Shimano) nicht ersetzen will oder kann, hat die Option, eine Sram-Eagle-NX-Kassette zu verbauen.

Überblick: Sram vs. Shimano 12fach-MTB-Schaltgruppen

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene 12-fach Schaltgruppen von Sram und Shimano:

Sram-Schaltgruppen Shimano-Schaltgruppen
XX1 Eagle AXS XTR
X01 Eagle AXS Deore XT
XX1 Eagle SLX
X01 Eagle Deore
GX Eagle AXS
GX Eagle
NX Eagle
SX Eagle

Detaillierte Betrachtung der Shimano Schaltgruppen

Shimano Deore - M6100

Für das Modelljahr 2021 erweiterte Shimano sein 1x12-Angebot um die günstigere Deore M6100. Um die Nummer vier in Shimanos Komponentenhierachie massentauglich zu machen, setzt Shimano die neue Deore-Schaltung sogar unterhalb der 300-Euro-Preisgrenze an. Alle neuen Shimano Deore 12fach-Komponenten sind seit dem Modelljahr 2021 im Handel erhältlich.

  • Freilaufstandard: Micro-Spline
  • Bandbreite: 510 %
  • Preis Schaltgruppe: ca. 300 Euro

Shimano SLX - M7100

Die SLX war bis zum Modelljahr 2020 Shimanos Einstieg in die Zwölffach-Klasse. Bei ähnlichem Preis ist sie über 200 Gramm leichter als Srams NX-Eagle-Pendant. In der Praxis funktioniert die Schaltung sehr gut. Vielen gefällt das weichere Schaltgefühl des Hebels sogar besser als das des teureren XT-Hebels.

  • Freilaufstandard: Micro-Spline
  • Gewicht Schaltgruppe: 1857 Gramm
  • Kurbelgewicht: 649 Gramm
  • Bandbreite: 450 % / 510 % / 623 % (2fach)
  • Preis Upgrade-Kit: 167 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 270 Euro

Shimano Deore XT - M8100

Die XT-Gruppe von Shimano kombiniert seit Jahrzehnten annehmbare Preise mit höchster Qualität. Da macht auch das neue M8100-Ensemble keine Ausnahme. Aufgrund des guten Preis-Leistungsverhältnisses wird sie oft auch als "Volksschaltung" bezeichnet. Ihre Funktion ist tadellos. Lediglich die hohen Handkräfte des Schalthebels gefallen nicht jedem.

  • Freilaufstandard: Micro-Spline
  • Gewicht Schaltgruppe: 1798 Gramm
  • Kurbelgewicht: 641 Gramm
  • Bandbreite: 450 % / 510 % / 623 % (2fach)
  • Preis Upgrade-Kit: 267 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 412 Euro

Shimano XTR - M9100

Nach einem Werksbrand bei Shimano musste man lange auf die neue XTR-Kurbel warten. Mittlerweile ist die Top-Gruppe der Japaner komplett erhältlich. Der Schalthebel drückt sich sportlich straff, dafür wechselt die Kette blitzschnell und leise die Ritzel. Eine elektronische Di2-Version der 12fach XTR-Schaltung gibt es aktuell nicht.

  • Freilaufstandard: Micro-Spline
  • Gewicht Schaltgruppe: 1497 Gramm
  • Kurbelgewicht: 531 Gramm
  • Bandbreite: 450 % / 510 % / 623 % (2fach)
  • Preis Upgrade-Kit: 552 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 999 Euro

Sram NX Eagle im Vergleich

Srams NX-Eagle-Gruppe ist kein Leichtgewicht, hat aber einen großen Vorteil: Ihre Kassette ist mit dem Jahrzehnte alten HG-Freilauf von Shimano kompatibel. Mit dem 11er-Abschlussritzel ist ihre Bandbreite geringer als bei allen anderen Zwölffach-Antrieben. Das Schaltgefühl ist minimal undefinierter, und sie läuft etwas lauter als die hochwertigeren Antriebe von Sram.

  • Freilaufstandard: HG-Standard
  • Gewicht Schaltgruppe: 2074 Gramm
  • Kurbelgewicht: 707 Gramm
  • Bandbreite: 455 %
  • Preis Upgrade-Kit: 187 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 268 Euro

Sram GX Eagle im Vergleich

In den Punkten Gewicht, Preis und Schaltgefühl ist die GX der Shimano XT minimal überlegen. Dafür hat sie eine zehn Prozent geringere Bandbreite. Unterm Strich kann man sagen: Beide Schaltgruppen funktionieren auf ähnlichem Niveau. Die GX Eagle von Sram hat also auch das Zeug zur Volksgruppe. Rein von der Funktion ist kaum ein Unterschied zur X01 oder XX1 Eagle zu spüren.

  • Freilaufstandard: XD
  • Gewicht Schaltgruppe: 1711 Gramm
  • Kurbelgewicht: 612 Gramm
  • Bandbreite: 500 %
  • Preis Upgrade-Kit: 260 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 377 Euro

Sram XX1 Eagle / XX1 Eagle AXS

Die XX1 Eagle ist die leichteste Zwölffach-Schaltgruppe auf dem Markt. Neben der normalen Version mit Schaltzug gibt es noch eine teurere, elektronische AXS-Variante komplett ohne Kabel. Die X01 Eagle ist ähnlich hochwertig, für den Enduro-Einsatz aber etwas robuster verarbeitet. Der Schalthebel drückt sich definiert, aber weich. Ein Traum von einer Schaltung!

  • Freilaufstandard: XD
  • Gewicht Schaltgruppe: 1434 Gramm
  • Kurbelgewicht: 469 Gramm
  • Bandbreite: 500 %
  • Preis Upgrade-Kit: 744 Euro / 1089 Euro
  • Preis Schaltgruppe: 1199 Euro / 1525 Euro für AXS

Shimano XT im Dauertest

Fabrikneue High-End-Schaltungen funktionieren immer tadellos. Deshalb haben wir uns mit dem Dauertest der Shimano XT-Gruppe auch richtig lange Zeit gelassen, um herauszufinden, wie sie sich schlägt. Typisch Shimano gibt es auch bei der neuesten XT-Gruppe das volle Programm: von der Bremse - die wir ebenfalls für euch getestet haben - bis zum Kettenschloss, das es endlich auch in Shimanos Portfolio geschafft hat.

Sowohl Shimanos XTR- als auch XT- und SLX-12-fach-Schaltungen verrichten ihre Schaltvorgänge auf nahezu vergleichbar hohem Niveau. Der größte Unterschied zwischen den Komponenten liegt meist im Gewicht und den verbauten Materialien, wie z. B. der Trigger: In dem der XT-Gruppe steckt bereits deutlich mehr Technik als bei der SLX-Gruppe. Denn er verfügt über Multi-Release: kann also mit nur einem Klick zwei Gänge schwerer schalten.

Die 12-fach XT-Kassette setzt mit ihren 10-51 Zähnen auf 510 % Bandbreite und ist mit 471 g relativ leicht. Möglich machen das die zwei größten Ritzel, die aus Alu gefertigt und obendrein auf einem leichten Alu-Spider befestigt sind. Um ausreichend Platz für das kleinste Ritzel auf dem Freilauf zu schaffen, benötigt die XT-Gruppe unbedingt einen MICRO SPLINE-Freilauf.

Die Steighilfen in der Kassette und die Kette hat Shimano perfekt aufeinander abgestimmt. So kann die XT auch unter Volllast noch extrem sauber und zuverlässig schalten wie kaum ein anderes System am Markt.

Das Sorgenkind: Das Schaltwerk

Während Kette, Kurbel, Kassette und Trigger der Shimano XT absolut überzeugen können, ist das Schaltwerk das Sorgenkind der Komplettgruppe. Positiv neben dem Look ist vor allem das robuste Design, das auch so manchen Steinkontakt über die 14 Monate lediglich mit einigen Schönheitskratzern überstanden hat.

Auch härtere Impacts, bei denen sogar das Schaltauge am G1 gewechselt werden musste, hat es ohne Murren weggesteckt. Das Einstellen der Schaltung ist easy. So erlaubt z. B. eine aufgedruckte Markierung am Käfig die perfekte Einstellung der Umschlingung in Sekundenschnelle. Ebenfalls einfach einzustellen ist die Stärke der Shadow+ Dämpfung, die Kettenschlagen verhindern soll.

Unter einer Gummi-Abdeckung versteckt sich die Schraube, mit der die Dämpfung an die Vorlieben angepasst werden kann. Felix hat immer auf viel Dämpfung gesetzt und die Schraube nur zum Nachjustieren genutzt, wenn die Dämpfung nach einiger Zeit nachlässt.

Uns sind die Probleme mit der Shadow+ Dämpfung nicht nur bei unserem Langzeittest, sondern auch bei einigen anderen Test-Bikes bekannt. Denn besonders während der ersten Grade Käfig-Rotation lässt die Dämpfung schnell nach. Hier hilft auch der regelmäßige Service, bei dem die Clutch abgeschmiert wird, nicht weiter.

Das abschmieren verhindert aber ein weiteres, häufig auftretendes Problem, denn steht das Bike längere Zeit ungenutzt (und ohne Service) kann sich die Clutch festsetzen und den Käfig blockieren.

Die Shimano XT 12-fach-Schaltung überzeugt mit hervorragender Schaltqualität unter Last und einem starken Kompromiss aus Leichtbau und bezahlbarem Preis. Hinzu kommen eine klasse Ergonomie, einfaches Setup und die fast einzigartige Multi-Release-Funktion. Einzig die wartungsintensive Shadow+ Dämpfung trübt den positiven Eindruck: Wir empfehlen das passende Ersatzteil gleich mit zu bestellen.

Shimano Deore M6100 im Praxistest

Wie bei Shimano üblich darf die jüngste Gruppe die Techniken der Etablierten erben. So hat die langlebige Edelstahl-Kassette harmonisch abgestufte Ritzel mit 10-51 Zähnen, was eine satte Bandbreite von 510 Prozent ergibt. Leicht ist die Deore-Gruppe allerdings nicht, vor allem besagte Kassette und die (hübschen) Alu-Kurbeln drücken mit Vehemenz auf die Waage.

Und in der Praxis? Da schlägt sich die Deore mehr als wacker angesichts ihres attraktiven Preises. Die Hebel schmiegen sich prima am Finger an, zudem lässt sich der kleinere mit dem Daumen nach vorne oder mit dem Zeigefinger nach hinten drücken - eine tolle Funktion. Hoch schaltet die Deore zwar "nur" drei Gänge auf einen Rutsch, dies funktioniert aber auch unter Last ordentlich. Dafür ist jedoch eine sehr penible, mitunter etwas zeitraubende Einstellung der Schaltung nötig. Beim Runterschalten spürt man hin und wieder eine kleine Verzögerung - das machen XT & Co. besser, aber eben nicht zu diesem Preis.

Vergleichsweise gering sind die notwendigen Fingerkräfte. Ganz anders als etwa bei der neuen TRP-Schaltung. Gerade Einsteigern dürfte das gefallen. Doch auch Pros dürfen verlocken: Dank des zuschaltbaren Reibungsdämpfers steht das Schaltwerk auch im harten Downhill stabil - klasse.

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