Shimano Schaltzug vorne wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Wenn die Schaltung an Ihrem Fahrrad nur noch schwer und "hakelig" funktioniert, kann es nötig sein, den in die Jahre gekommenen Schaltzug zu erneuern. Gerade beim Mountainbike, das auf jeder Tour verschmutzt, ist regelmäßige Wartung wichtig. Und jeder Schaltzug wird folgerichtig am MTB irgendwann schwergängig.

Sind Sie oft im Regen gefahren oder haben aus Zeitmangel die Wartung des Rades vernachlässigt, dann sind vielleicht die Bowdenzüge der Schaltung nicht mehr richtig gangbar. Der Bowdenzug harkt in der verschmutzten Zughülle oder ist nicht mehr richtig geschmiert, vielleicht ist auch die Teflonbeschichtung des Stahlzuges verschlissen oder es sind gar einzelne Litzen gerissen und klemmen innen in der Ummantelung.

Mit dem geeigneten Werkzeug und den richtigen Handgriffen läuft dein Schaltwerk im Handumdrehen wieder rund. Wie du ihn erneuerst, erklären wir am Beispiel des Shimano-XT-Schaltwerks.

Werkzeug & Material

Um den Schaltzug erfolgreich zu wechseln, benötigen Sie folgendes Werkzeug und Material:

  • Zughüllenschneider (Cable Cutter)
  • Inbussatz
  • Klebeband
  • Teflonspray
  • Schaltzugset
  • Liner
  • Zugendhülsen
  • Endkappen

Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand

Der Schwierigkeitsgrad wird als mittel eingestuft, und der Zeitaufwand beträgt etwa 30 Minuten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung: Zug entlasten

Zunächst entspannen Sie die Gangschaltung indem Sie die Fahrradkette also auf das kleinste Ritzel (den größten Gang) legen. Vor dem Ausbau des alten Zugs müssen Sie auf das kleinste Ritzel schalten. Betätigen Sie den oberen Hebel so oft, bis keine Schaltstufe mehr möglich ist. Dann liegt die Plombe am oberen Zugende in der richtigen Position und kann später herausgeschoben werden.

2. Schaltzug lösen

Knipsen Sie die Endkappe am unteren Zugende ab. Als Werkzeug empfiehlt sich ein Kabelschneider. Danach müssen Sie die Klemmschraube mit einem 5-mm-Inbus lösen. Drehen Sie die Schraube aber nur so weit, bis sich der Zug locker aus der Klemmung ziehen lässt.

3. Ausfädeln

Lösen Sie die kleine Staubkappe vorne am Schalthebel. Öffnen Sie mittels Kreuzschlitz-Schraubendreher die kleine Plastik-Abdeckschraube, die Sie bei Shimano-Schaltungen zwischen den Hebeln finden. Schieben Sie danach von hinten den Zug heraus, bis oben an der Öffnung die kleine Plombe erscheint.

4. Zughülle mobilisieren

Selbst bei komplett innenverlegten Zügen sollten Sie prüfen, ob Sie auch die Hülle tauschen müssen. Wenn nicht, können Sie etwas Silikonöl in das obere Ende geben. Dann läuft der neue Zug geschmeidiger und ist besser vor Korrosion geschützt.

5. Einfädeln

Nachdem Sie die Außenhüllen neu angefertigt haben, schieben Sie hier den neuen Schaltzug hinein. Verlegen Sie den Zug am Fahrrad bzw. am Rahmen wieder auf die gleiche Weise wie der vorherige verlegt war. Wie eingangs bereits erwähnt, achten Sie bitte unbedingt darauf, den Verlauf des Zuges am Rahmen vor Beginn der Arbeiten gut zu betrachten und eventuell zu fotografieren. So ist sichergestellt, dass auch der neue Zug spielfrei funktioniert und leicht laufen kann. Ein Ölen der Hüllen (z.B. mit dem Innotech Spray 107) sorgt für eine gute Schmierung.

Fädeln Sie den Zug zuerst in den Schalthebel ein - gehen Sie dabei in umgekehrter Reihenfolge wie in Schritt 3 vor. Hebel verschließen. Dann in Hülle einfädeln. Auf deren Ende eine gedichtete Endkappe aufsetzen (Shimano: eine mit vier Rillen an der Seitenwand, ungedichtete haben zwei).

6. Justageschraube herausdrehen

Am Schalthebel befindet sich eine Einstellschraube. Drehen Sie sie raus, erhöhen Sie die Zugspannung. Drehen Sie sie hinein, lässt die Spannung nach. Drehen Sie die Schraube komplett rein und dann wieder eine Umdrehung raus, bevor Sie den Zug befestigen.

7. Zug befestigen

Führen Sie den Zug am Schaltwerk durch die Führung unter der Klemmung hindurch. Sobald er richtig sitzt, können Sie die Klemmschraube wieder anziehen. Achten Sie darauf, dass der Zug nur leicht gespannt ist. Zum Schutz eine Metallkappe auf das Zugende knipsen.

8. Schaltung einstellen

Schalten Sie jeden Gang durch. Falls das Schaltwerk unsauber arbeitet, müssen Sie die Zugspannung regulieren. Am besten geht der Check auf dem dritt- und viertkleinsten Ritzel. Die Zähne müssen exakt in der Mitte der Kettenlaschen stehen.

Besonderheiten von SRAM-Schaltungen

Schalthebel: Um bei den neueren Sram-Schalthebeln - etwa XX1, X01 oder GX - an die Mechanik zu kommen, müssen Sie zuerst die Abdeckkappe abnehmen. Dann können Sie die Plombe am Zugende unter der Spiralfeder herausholen und den ganzen Zug aus der Führung ziehen.

Schaltwerk: Bei Schaltwerken von Sram müssen Sie den Zug in der Regel über eine Umlenkung führen, bevor Sie ihn an der Klemmung einfädeln können. Trotzdem gilt wie bei Shimano, dass Sie den Zug nicht zu stark spannen dürfen.

Zusätzliche Hinweise

  • Vorab schon einmal ein paar Hinweise dazu, was man auf keinen Fall probieren sollte, um einen Zugwechsel zu umgehen.
  • Teflonbeschichtete Züge überhaupt nicht schmieren, grundsätzlich ist keine Schmierung von Nöten.
  • Teflon, ob als Beschichtung oder Seele in der Zugummantelung wird durch Schmiermittel angelöst und würde aufquellen, was den Zug einklemmen könnte.
  • Es ist auch davon abzuraten, gerissene Litzen sauber abzutrennen.

Daher die Ansage: „Alter Zug raus, Zugführung auf Beschädigungen überprüfen, Teflonseele gegebenenfalls mit Wasser und Stahlseelen mit Silikonspray oder Brunox spülen und einen neuen Zug einziehen!“

Untrüglicher Hinweis auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte. An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen. Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über. Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.

Unser wichtigster Tipp zu Beginn: Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung (als Liner bezeichnet man das Kunststoffröhrchen in der Zughülle). Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben. Zugegeben, der Kompletttausch ist etwas aufwändiger, aber dafür muss man heute bei Einfach-Antrieben nur noch einen Zug wechseln.

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